Bleibst du im Beruf oder suchst du nach der Berufung?

IMG_5318

Wenn es auf diesem Blog so sehr darum geht, seine eigenen Leidenschaften auszuleben – wie kannst du das mit deinem Job unter einen Hut bringen? Zunächst einmal eins vorweg: Es geht hier in keinster Weise darum, deinen bestehenden Job zu kündigen und von jetzt auf nachher nur noch deinen Leidenschaften zu folgen. Wenn du das Gefühl hast, es ist das absolut Richtige, du brauchst diesen radikalen Schritt: Glückwunsch! Aber was ist, wenn du dir vollkommen unsicher bist?

Mein Leben von den Leidenschaften – oder auch nicht

Mir fällt es nicht ganz leicht über Berufe und Berufungen zu schreiben, da mein eigenes Arbeitsleben so ganz und gar nicht der klassischen Vorstellung entspricht. Ich hatte im Laufe meines Lebens ziemlich unterschiedliche Jobs, aber keine 8-Stunden-5-Tage-die-Woche-Beschäftigung. Vielleicht bin ich da im Vorteil, aber meine Lebensumstände waren immer so gestaltet, dass mir mein Geld gut reichte. Natürlich war ich zwischenzeitlich verzweifelt, weil ich nicht sein konnte, wie die anderen, aber inzwischen bin ich wahnsinnig, niemals in dem, was viele andere als „Hamsterrad“ betiteln, gefangen gewesen zu sein.

Ja, ich kann da nur aus Erfahrungen anderer berichten. Aber ist diese Eigenschaft nicht genau das, was uns Menschen ausmacht? Dass wir von anderen, von einem Kollektiv, lernen? Wir lernen aus geschichtlichen Ereignissen, von denen wir niemals Zeugen waren. Ich bin der Meinung, dass wir weder alles am eigenen Leib erfahren können, noch dass wir es müssen. Wenn 80% der Menschen in meinem Umfeld über ihren Normalo-Job klagen, wieso sollte ich dann unbedingt ausprobieren wollen? Du würdest schließlich auch nicht in ein Hotel gehen, das nur eine 20%-ige Weiterempfehlungsrate hat?!

Ich selbst habe immer mal wieder von meinen Leidenschaften gelebt und versuche, es in Zukunft zu tun (z.B. indem ich einen Roman geschrieben habe, welchen ich auch zu veröffentlichen beabsichtige), doch „das große Ding“ war noch nicht dabei. Deswegen will ich dich jetzt, in diesem Moment und von meinem Standpunkt aus (noch) nicht dazu ermutigen, alles und jeden hinter dir zu lassen, deinen Job an den Nagel zu hängen, den du vielleicht dringend brauchst, um dein Haus abzuzahlen, und schnurstracks deinen Leidenschaften zu folgen. Es gibt immer die Möglichkeit, langsam anzufangen und zu schauen, wohin sich das entwickelt.

Lasse deine Leidenschaften ruhig ziellos!

Wichtig ist es für mich vor allem, dir einen Zugang zu deiner Begeisterungsfähigkeit zu ermöglichen, dich zu motivieren, doch mal wieder den Stift in die Hand zu nehmen, wenn du eigentlich immer gerne gezeichnet hast, es aber seit Jahren vernachlässigst. Es muss nicht zu deinem Beruf werden, was aber nicht bedeutet, dass es das nicht irgendwann kann. Vielleicht entdeckst du auch, dass das Zeichnen dir einfach nicht mehr so viel Spaß macht, wie früher, du jetzt aber gerne einen indianischen Teppich weben möchtest. Sehr schön! Du könntest sogar indianische Teppiche verkaufen und damit zu deinem aktuellen Berufsleben etwas dazu verdienen! Vielleicht wirst du damit so erfolgreich, dass du deinen jetztigen Job tatsächlich aufgeben kannst.

Zu Beginn ist es wichtig, dir nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, ob du eines Tages mit deinen Leidenschaften Geld verdienen kannst. Diese Gedanken ergeben sich später von ganz alleine. Leidenschaften sind vor allem am Anfang sehr schreckhafte, kleine Wesen, die sich bei jedem Anzeichen von äußerem Druck sofort wieder verkriechen. Wenn du also Probleme damit hast, dich für etwas zu begeistern, kann das sehr gut daran liegen, dass du jede Tätigkeit, die du beginnst, sofort mit der Frage: „Und was bringt das? Kann ich damit auch Geld verdienen?“ im Keim erstickst. Glaube mir: Du wirst mit dieser Frage noch früh genug konfrontiert werden. Versuche sie daher, so lange wie möglich von dir fernzuhalten. Nur so schaffst du es, deine Kreativität hervorzukitzeln.

Gehe kleine Schritte!

Ob meine Leidenschaften mich jemals zum Beruf und somit zu meiner Berufung führen werden? Ich weiß es nicht. Ich hoffe es. Eigentlich glaube ich ziemlich fest daran. Aber manchmal spielt das Leben anders. Und oftmals kommt es dann noch viel besser. Ich will mir meine Optionen offen lassen, so lange ich kann, will mit den Möglichkeiten spielen, die sich mir anbieten, will probieren, ob mir etwas gefällt und zusagt oder ob ich merke, dass das, was ich mir ursprünglich so interessant vorgestellt hatte, eigentlich stinkelangweilig ist.

Und ich lade dich ein, dasselbe zu tun. Wenn du einen festen Job hast und Angst hast, dich ins Ungewisse zu stürzen – behalte den Job und widme dich in immer größer werdenden Zeiteinheiten deinen Leidenschaften. Gehe winzige Schritte. Notiere deine Fortschritte, wenn du es magst. Feiere jeden Augenblick, in dem du dich in deinen Leidenschaften verlierst, denn er macht dich lebendig und glücklich. Wichtig ist nur, dass du die Schritte gehst, dass du nicht stehenbleibst und dir von der Frage, ob du mit deinem Interesse Geld verdienen kannst, den Wind aus den Segeln nehmen lässt. Halte deinen Kopf gesenkt und bleibe konzentriert bei deinen Füßen, während sie ihre Schritte tun. Und dann, wenn du den Kopf hebst, wirst du vielleicht merken, dass du bereits am Gipfel angekommen bist.

Hör tief in dich hinein, wenn du nicht weißt, ob du lieber deinen Beruf oder deine Berufung leben sollst. Was sagt dein Herz? Was sagt dein Verstand? Es ist vollkommen okay, zunächst auch den Verstand zu Wort kommen zu lassen. Wichtig ist nur, dass du auf Dauer nicht dein Herz vernachlässigst. Das weiß nämlich mehr als genau, was dich ganz tief im Inneren wirklich glücklich macht!

Hast auch du häufig das Gefühl, darüber nachzudenken, was dir deine Leidenschaften „bringen“ können? Macht dir das Druck?

Hier geht’s zu weiteren Artikeln:
Wie finde ich denn meine Leidenschaft überhaupt?
Folge dem Kribbeln!
Wessen Ziele lebst du?

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Möchtest du regelmäßig Inspirationen? Dann trage dich kostenlos in meinen Newsletter ein (jederzeit wieder abbestellbar). Ich freue mich schon auf dich!

Deine Daten sind bei mir zu 100% sicher. Du kannst den Newsletter jederzeit abbestellen.

8 Kommentare

  1. Mein NLP – Trainer sagte just zu mir: “Sobald es einmal still um einen Menschen geworden ist, steht er vor seinem größten Problem: vor sich selbst.”

    Gerade hatte ich meine selbst gewählte Kündigung hinter mir und ein Problem damit, völlig unvernünftig meinem Herzen zu folgen und dieses erst einmal zu erforschen, auch wenn ich genau das damit vorhatte.

    Nach Luft schnappend, darauf bedacht, mir mein Entrüsten nicht anmerken zu lassen, fragte ich, ganz nach NLP- Manier: “Was verleitet Sie zu der Annahme, dass jeder Mensch ein Problem mit sich selbst hat?”

    Lächelnd, meiner goldenen Buddha – Figur im Bad ähnelnd, erwiderte er: “Es ist ein Naturgesetzt – die Polarität. Wäre die Welt nicht polar, gäbe es keinen inneren Zwiespalt. Hätten die Menschen keinen Zwiespalt, gäbe es keine Polarität.”

    “Ist das nun eine ähnliche Frage wie die Frage nach der Henne und dem Ei?” fragte ich und konnte mir einen ironischen Unterton nicht verkneifen. So ganz verstand ich den Zusammenhang noch nicht.

    “Warum ist das Meer blau?”

    “Es ist nicht blau-..der Himmel spiegelt sich nur in ihm.” antwortete ich obwohl ich nicht wusste, was er denn nun mit der Frage bezwecken wollte oder ob das überhaupt stimmte.

    “Ist es nicht das Wasser, das sich am Horizont widerspiegelt?”

    “Ist das nicht völlig egal?”

    “Ja…das ist es wahrlich.”

    “Wollen Sie damit sagen, dass die Welt um uns nur ein Spiegel unserer inneren Welt ist?”

    Wortlos ging er aus dem Raum.

    • Liebe Sevda,
      da scheinst du ja wirklich einen Buddha-ähnlichen NLP-Trainer zu haben! Vielen Dank für die schöne Geschichte! 🙂

  2. Ich hab das vor 3 Jahren tatsächlich gemacht 😀

    Es gab Probleme mit den ECTS-Punkten, weswegen ich meinen B.A.-Abschluss nicht gekriegt hab. Aber da ich keine Lust hatte, mit dem Uni-Prüfungsamt zu diskutieren, hab ich mal in mich gehört, was ich gern sonst machen würde. 7 Semester für die Katz sind zwar bitter, aber arbeiten hätte ich auch bei ner neuen Immatrikulation müssen, um das zu finanzieren.

    Nachdem ich seit 2008 Grafikdesign als Hobby angefangen hab und seit 2011 für nen Onlineshop gearbeitet hab, ist die Wahl dann auf Marketing gefallen.

    Und tadaaaa! 2 Jahre später bin ich zwar arbeitslos, weil mein Betrieb mich trotz mündlicher Zusage nicht übernehmen wollte, aber ich hab nen Abschluss mit 1,3 Durchschnitt in der Tasche, für den ich mich nichtmal anstrengen musste, weil es eben genau das ist, was mir Spaß macht. 😀

  3. So ist das eben: Wenn etwas einem Spaß macht, empfindet man das weder als Anstrengung, noch als Arbeit. Schön, dass du da deinem Herzen gefolgt bist. Ich weiß wirklich nicht, ob ich nach 7 Semestern nicht doch Stress mit dem Prüfungsamt gesucht hätte. 😉 Aber vermutlich war das ja schon ein Zeichen dafür, dass es nicht dein Ding ist. Wenn Grafikdesign dir so viel Spaß macht, wird sich schon ein Weg für dich finden, da bin ich mir sicher. Ich bin jetzt gottfroh, dass ich nicht gleich nach dem Studium in einen Vollzeitjob eingestiegen bin – es hat alles, aber auch wirklich alles, seine positiven Seiten!

  4. Ich sitz in einem Bürojob fest, bin aber sehr dankbar für diesen Job, weil er zu meiner persönlichen Weiterentwicklung sehr viel beigetragen hat. Nur jetzt steh ich gerade still, ich komm nicht weiter. Ich fühle, dass mir der Job nichts mehr geben kann. Deswegen hab ich auch schon eine Vision, wie es weitergehen soll und bin gerade dabei, eine gute Basis aufzubauen um den Job in Zukunft kündigen zu können. Meine Eltern würden mich für verrückt erklären, wenn ich ihnen von meinen Visionen und Träumen erzählen würde. Aber das ist okay, iwann werde ich es ihnen erzählen und iwann werden sie es auch verstehen 🙂

    Ich wünsche dir viel Erfolg beim Erreichen deiner Träume und Ziele. Du schaffst das! 🙂

    Hugs,
    Linda

    • Das klingt wirklich toll, Linda! Meine Eltern haben mich am Anfang auch für verrückt erklärt und jetzt sind sie stolz auf ihre verrückte Tochter! Hätte ich nie gedacht, aber so kann’s gehen! 🙂 Also halte an deiner Vision fest und glaube an sie. Ich glaube mit dir mit! Und wir schaffen das beide! 🙂

      • Das ist schön, dass sie jetzt letztendlich doch sehr stolz auf dich sind! Iwann verstehen es dann sogar auch die Eltern hehe. Wär ja auch sehr traurig wenn nicht.

        Das mache ich, danke!

        Jou wir schaffen das!! 😀

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.