Bist du gerade im „Flow-April“?

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Ich weiß, der April ist schon vorbei. Aber ich bin gerade im „Flow-April“, so nenne ich meinen Gemütszustand einfach mal. Der April ist sehr wechselhaft, weil Kalt- und Warmluftfronten ständig aufeinanderprallen. Der Winter will noch nicht ganz Abschied nehmen und der Sommer ist noch nicht ganz da. Es ist so ein Zwischending, wo alles möglich ist: Schnee und Badewetter. Und genauso kann es auch in unserem Inneren aussehen: Phasen mit hoher Energie und Motivation wechseln sich in atemberaubender Geschwindigkeit mit Erschöpfung und Frustration ab. Dabei im Flow zu bleiben, ist nicht immer einfach.

Power On! – Oder: Das Rauschen der Energie

Wohoooo – seit dem Frühlingsanfang bin ich fast dauerhaft auf der Welle meiner Energie gesurft. Ich hatte unendlich viele Ideen, habe bereits mit der Umsetzung begonnen und war einfach nur begeistert vom Leben. Ich las super viele inspirierende Bücher, die genau diese Energie noch mehr gepusht haben, war viel draußen und habe die Natur und die Explosion des Lebens genossen. Ich habe viel weniger Schlaf gebraucht, war schon recht früh am Morgen auf meiner Yogamatte und habe mich mit energiereichen Yogaflows aufgeladen. Ein frisch gepresster Saft – und ich war unbesiegbar!

Im Winter habe ich mich ja eher zurückgezogen. Meine Vermutung ist, dass ich deswegen im Frühjahr plötzlich so viel Energie hatte wie noch nie. Weil ich dem natürlichen Rhythmus der Natur gefolgt bin. Und mit dem Wachstum des Lebens da draußen hatte ich auch den Eindruck, über mich selbst hinauszuwachsen. Meine Ideen wuchsen, ich hatte so viel Lust, sie alle nach außen zu bringen und mich in ihnen zu verwirklichen!

Unplug – Oder: Der Saft ist alle

Und dann kamen immer wieder Tage, an denen ich mich vollkommen leer gefühlt habe. Dass das nichts Schlimmes ist, habe ich ja schon mehrfach hier erwähnt. Wir alle brauchen einfach Phasen, in denen unsere Batterien sich wieder aufladen können. Wenn wir sie akzeptieren und zu schätzen lernen, anstatt weiterzuhetzen und zu riskieren, dass wir ausbrennen, können wir auch sie genießen. Wir können uns so richtig zurückziehen und uns einfach um uns selbst kümmern. Wir können schauen, ob die Richtung, in die wir uns da volle Kraft voraus bewegt haben, überhaupt die richtige war und gegebenenfalls eine Kurskorrektur vornehmen.

Diese Phasen nach innen – egal, wie lange sie dauern – sind super wichtig für uns. Wenn wir uns nicht gegen sie wehren, können wir auch in ihnen ein wundervolles Flow-Gefühl erleben. Der Flow fließt dann nur nach innen und nicht nach außen. Wenn wir uns dem völlig hingeben, machen wir ebenso große Entwicklungssprünge als wenn unser Flow nach außen fließt.

Der „April-Flow“ hat’s in sich

Problematisch wird es erst, wenn sich diese beiden Phasen abwechseln wie Schnee und Sonnenschein an einem typischen Apriltag. Kannst du dich noch an die paar Tage vor einigen Wochen erinnern? Da hat man an einem Tag alle vier Jahreszeiten durchlebt. Regen und Sonne haben sich so schnell abgewechselt, dass man ständig nur am Schirm Auf- und Zuklappen und am Jacke An- und Ausziehen war. Diesen schnellen Wechsel fand ich doch recht anstrengend. Man konnte einfach nicht vorhersagen, was als Nächstes kam. Man konnte nicht planen. Es gab keine Beständigkeit.

Jetzt ist der April vorbei und das Wetter wird langsam ein wenig beständiger und vorhersehbarer. Meine Gefühle aber nicht. In einem Moment ruhe ich völlig in mir und sehe die Dinge glasklar und im nächsten bin ich so aufgewühlt und verwirrt, dass ich am liebsten weinen würde. Und ja, PMS schließe ich hier aus. Das geht bei mir schon seit ein paar Tagen so. Ich bin total verwirrt, weil ich mich weder auf die eine Phase noch auf die andere wirklich einlassen kann. Es ist so, als könnte ich mich nicht entscheiden, was zu tun ist. Soll ich mich ins Bett legen und mir die Decke über den Kopf ziehen oder draußen joggen gehen? Sobald ich das eine mache, merke ich, wie ich nur wenig später Lust auf das andere bekomme! Es ist zum Verrücktwerden!

Der April-Flow hat’s echt in sich. Er ist super anstrengend. Ich versuche, ihm und meiner inneren Stimme, meiner Intuition, zu folgen, aber es kommt mir so vor, als würde ich sie nicht richtig wahrnehmen und hören. Wieso bin ich nur so durcheinander? Mir scheint, als würde das gar nicht mehr besser werden…

Welche Entscheidung soll ich treffen?

Es ist, als könnte ich mich absolut nicht entscheiden. Als würde ich in einem Süßigkeitenladen stehen, völlig außerstande etwas auszuwählen, und dort verhungern – um es mit den Worten von Barbara Sher auszudrücken. Da ist keine eindeutige Stimme in mir, die mir sagt, was ich will und was ich tun soll. Zum einen will ich irgendwie bei mir sein und im Hier und Jetzt leben, Dankbarkeit empfinden und glücklich sein mit dem, was ich habe – und zum anderen sind da so viele Ideen in meinem Kopf, die verwirklicht werden wollen. Doch gleichzeitig merke ich, dass ich sie nicht so richtig verwirklichen kann, auch wenn ich es versuche. Die Träume, die ich habe, gehen nicht so in Erfüllung, wie ich es mir ausgemalt habe.

Und dann frage ich mich: Ist das wieder das Erfolgsdenken, die Stimme der Gesellschaft, die da wieder aus mir spricht? Will ich jemand sein, der ich gar nicht bin? Will ich etwas, das, sobald man es erreicht hat, gar nicht mehr so attraktiv ist, wie ich es mir ausgemalt hatte? Und wenn ja: Ist es „schlecht“, das zu wollen? Sollte ich mir keine Ziele setzen, keine Wünsche haben? Im Winter, als ich einfach in den Tag hineingelebt habe, war ich so glücklich! Bin ich wieder hinter einem Erfolg her, der mich ohnehin nicht glücklich machen wird?

Aber: Wenn ich so viel Energie habe, wo soll ich sie denn unterbringen, wenn nicht in meinen Ideen und Vorstellungen? Diese Ideen werden mir doch auch nicht umsonst „gegeben“, oder? Und ich habe so viel Freude dabei, sie auszugestalten – ich fühle mich richtig im Flow! Und im nächsten Moment ist er weg und ich bin frustriert und verzweifelt und weiß nicht, was ich machen soll. Ich warte auf ein Zeichen des Universums, das aber irgendwie nicht kommen will. Oder ich sehe es bloß nicht.

Keine Ahnung. Das alles bringt mich echt durcheinander.

Was will der „Flow-April“ uns lehren?

Aber weißt du was? Ich glaube, ganz genau das ist vollkommen in Ordnung. Was ist, wenn wir auch solche „April-Phasen“ brauchen? Puhh, mir fällt das gerade echt schwer zu akzeptieren, weil ich diese Phase super nervig finde und einfach nur wissen will, was Sache ist und was ich tun soll. Aber was ist, wenn wir die verschiedenen Energiezustände genau so schnell nebeneinander erleben müssen, um vielleicht einen Vergleich zu haben? Könnte es sein, dass sie uns dazu anregen, uns genau so zu akzeptieren, wie wir wirklich sind? Mit all unseren Facetten?

Vielleicht sind sie dafür da, damit wir uns mit alldem leben und lieben, was in uns ist. Kompromisslos. Wir bekommen die gesamte Bandbreite unserer Persönlichkeit präsentiert, können uns intensiv selbst spüren und fühlen. Mit allem, was in uns ist. Vielleicht ist das ein bisschen so wie bei einem riesigen Buffet, wo wir uns einfach von allem ein kleines bisschen auf den Teller legen können. Beim ersten Mal wird probiert, und wenn du das zweite Mal zum Buffet gehst, legst du dir das auf den Teller, was dir besonders gut geschmeckt hat.

Kann es sein, dass so ein „Flow-April“ uns all das präsentieren will, was möglich ist? Vielleicht müssen wir uns noch nicht jetzt und sofort entscheiden. Ich glaube auch nicht, dass wir uns für immer für eine Richtung entscheiden müssen. Vielleicht lehrt uns dieser Zustand auch, zu akzeptieren, dass wir gerade nicht weiterwissen. Und womöglich lässt sich in diesem Nichtwissen auch ein gewisser Frieden und eine Beständigkeit finden.

Es ist okay, wenn wir gerade nicht weiterwissen und uns nicht entscheiden können. Es ist okay, im „Flow-April“ zu sein. Er wird vorübergehen und neuer Beständigkeit Platz machen. Können wir es als Geschenk betrachten, dass wir so viele Möglichkeiten haben, aus denen wir wählen können, auch wenn sie uns im Moment noch etwas überfordern? Können wir diese beiden Seiten in uns, die gerade um die Vorherrschaft zu kämpfen scheinen, liebevoll annehmen und in uns integrieren?

Ich meine: So ein Buffet-Restaurant ist ja nicht unbedingt das Schlechteste, oder? 😉

Kennst auch du den „Flow-April“? Wie gehst du damit um? Was glaubst du, wofür er gut ist? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar!

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