Das Leben ist schwer

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Das Leben ist anstrengend. Es ist mühsam. Es ist ein einziger Kampf. Das Leben ist unfair. Leben bedeutet Leiden. Leidenschaften bedeuten Leid. Es gibt nichts umsonst. Ich muss hart arbeiten, um überleben zu können. Es geht hier nicht um Spaß. Da muss man eben durch. Du musst etwas erreichen. Du musst jemand sein. Du musst sparen. Du musst für das Alter sorgen. Das Leben ist kein Ponyhof und auch kein Schlotzer und das Wichtigste: Das Leben ist verdammt ernst. Und einfach nur schwer. Kommt dir das bekannt vor?

Mein Aufstieg auf den Vulkan

„Puhhh, wird das anstrengend“, dachte ich, als der Vulkan (siehe Bild) vor mir aufragte. Dass ich ihn besteigen wollte, stand außer Frage – ich wollte die bestimmt grandiose Aussicht von oben nicht verpassen. Also gut. Ich machte einen Schritt nach dem anderen – ziemlich gemächlich zwar, aber anstrengend war es dennoch. Mein Blick schweifte zum Gipfel, die Hand zum Schutz vor der gleißenden Mittagssonne über den Augen. Ich begann zu schwitzen und mir vorzustellen, wie lange es wohl dauern würde, bis ich oben war. Ich stöhnte. Ich hatte keine Lust.

Bis ich auf die Idee kam, einfach loszurennen. Ich rannte einige Meter den Berg hinauf, spürte die Kraft in meinen Beinen und meinen Lungen, sah meinen Füßen dabei zu, wie sie vollkommen instinktiv die losen Steine mieden und sich an den festen in atemberaubender Geschwindigkeit nach oben drückten. Dann hielt ich inne. Atmete schwer. Grinste. Sah erstaunt nach unten. Ich schöpfte neue Kraft und setzte zu einem erneuten Sprint an. Spürte das Leben in mir, den Spaß. Alle Anstrengung fiel schlagartig von mir ab und wich einer spielerischen Leichtigkeit. Und im Nu war ich oben, genoss den großartigen Blick und hatte Spaß mit einem wilden Kaninchen, das mir Bananenstücke aus der Hand fraß.

Das Leben ist schwer, solange du es schwer findest.

Sicher hast du dir schon gedacht, dass die Überschrift merkwürdig ist. Schließlich widerspricht sie dem, was ich sonst so von mir gebe. Aber sie ist nicht unwahr und auch nicht ironisch gemeint. Sie ist nur ein bisschen unvollständig. Ja, das Leben ist schwer. Es kann sogar verdammt schwer sein; ich habe es oft genug selbst erfahren. Aber nur solange man es schwer findet.

Als ich begann, den Vulkan hinaufzurennen, war es zwar körperlich anstrengender, aber der Spaß, den ich dabei hatte, überdeckte die Anstrengung vollkommen. Sicher hast auch du schon bekennende Sportmuffel beim ausgelassenen Tanzen beobachtet. Plötzlich ist alles ganz leicht. Dabei hat sich an der Tatsache an sich nicht verändert. Ich habe den Vulkan bestiegen. Der Sportmuffel macht Sport (jaaaa, Tanzen ist Sport!). Nur das Wie hat sich verändert.

Solange wir der Ansicht sind, dass etwas schwer und anstrengend ist, wird es schwer und anstrengend sein bis wir es als leicht und freudvoll empfinden. Selbst körperliche Anstrengung erscheint uns dann als leicht. Sicher kennst auch du ein Beispiel aus deiner Vergangenheit, wo es dir ebenso ergangen ist.

Aber das geht doch nicht so leicht!

Ist es nicht möglich, das immer so zu machen? Wieso können wir nicht jeden Berg unseres Lebens mit Leichtigkeit anstatt mit Anstrengung besteigen? Wieso müssen wir Sätze wie die in der Einleitung immer und immer wiederholen, bis sie zu unserem Mantra geworden sind? Wieso hallen die Sätze – obwohl andere sie gesagt haben – in unseren Köpfen nach und sind nur schwer wieder auszuradieren? Könnte es sein, dass wir keine Alternative zu ihnen haben? Und ganz falsch können sie auch nicht sein, schließlich sehen wir ja überall Beweise für die Schwere des Lebens.

Noch vor ein paar Wochen steckte ich in einer Krise. Während dieser fand ich das Leben verdammt schwer. Und von einem Tag auf den anderen war es wieder leicht. Von einem Moment auf den anderen konnte ich den Vulkan hinaufrennen anstatt mich mühsam hoch zu quälen. Auf die Gefahr hin, dass nun von allen Richtungen ein: „Ja, das ist ja schön gesagt, aber getan ist das nicht so leicht“ kommt. Doch, es ist so leicht getan!

Ich weiß selbst nicht, wie oft ich diese Lektion noch in meinem Leben lernen muss. Es geht auf die leichte Art. Jetzt sofort. Du kannst dich genau jetzt, genau hier dafür entscheiden, ein leichtes und einfaches Leben zu führen. Du kannst genau jetzt aufhören, dich zu rechtfertigen und dir selbst all deine Probleme und Hindernisse aufzuzählen und damit beginnen, einfach nur zu leben. Du kannst aufhören, auf den Gipfel zu schauen und dir den anstrengenden Aufstieg vorzustellen und stattdessen einfach loshüpfen und das Hüpfen genießen. Ich habe gar nicht gemerkt, wie schnell ich plötzlich oben stand!

Das Leben ist leicht!

Ab sofort ist das wieder mein neues Mantra. Und sobald ich es tief in mir spüre, merke ich, wie mir plötzlich wieder alles zufällt. Mir macht das Arbeiten an meinem Roman einen Riesenspaß, ich habe Freude daran, Freunde zu treffen und genieße mein Leben. Alles, was ich dafür benötige, ist schon da oder kommt zu mir. Wie der kleine, unverhoffte Geldsegen vor einigen Tagen. Kann es sein, dass etwas will, dass ich genauso weitermache? Dass es vielleicht das Leben will?

Ich habe den Eindruck, mich in den Flow eingeklinkt zu haben, wo alles ohne jegliche Anstrengung fließt. Ich folge meinen Leidenschaften, versuche, so viel Freude wie möglich zu empfinden und werde reich dafür beschenkt. Wie unverschämt genial ist das denn?! Aber das ist tatsächlich genau das, was geschieht, wenn wir aus Liebe und Freude heraus leben. Dann wird plötzlich alles so einfach.

Nein, dafür gibt es leider keine Anleitung, denn jede Anleitung ist auf eine bestimmte Art und Weise schwer. Das Leichtsein ist aber leicht. Viel leichter, als unser an Schwere gewöhntes Hirn das wahrhaben will. Es sucht verzweifelt nach Lösungen für Probleme, die zum Teil nicht einmal existieren.

Vielleicht war dieser Artikel von mir ja das, was du heute gebraucht hast – eine kleine Erinnerung daran, dass es leicht sein kann. Vielleicht fandest du ihn doof, weil ich keine Lösung präsentiert habe. Aber ich habe mir vorgenommen, so viele Dinge wie möglich zu tun, die mir leicht fallen und mir Freude machen. Dieser Beitrag ist mir sowas von leicht gefallen. Und deswegen wird er schon irgendeinen Zweck erfüllen. 🙂

In welchen Momenten fällt/fiel dir plötzlich alles leicht? Teile sie mit mir – ich liebe Geschichten! 🙂

Du willst noch was von mir lesen? Bitte sehr: 🙂
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Das Leidenschafts-Paradox: Wie Stillstand dir zu Erfolg verhilft
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8 Kommentare

  1. Guten Morgen liebe Anna!

    Genau! Es ist alles Ansichtssache und eine Frage der Herangehensweise 🙂 ich fand deine Geschichte mit dem Vulkan wirklich perfekt passend! Es wäre ja echt schön, wenn man es sich in jeder Lebenslage sofort so leicht machen könnte. Nur manchmal ist eben noch nicht der richtige Zeitpunkt gekommen. Mir passiert es oft, dass mich ein Thema sehr lange beschäftigt und ich keinen Ausweg weiß. Das Leben kommt mir dann schwer vor. Und plötzlich von heute auf morgen geht es mir wieder super, weil ich irgendeine Erleuchtung hatte. Auf einmal war sie da und das Leben wurde leichter.
    Ich stimme dir voll und ganz zu, dass man die Einstellung zum Leben haben sollte, dass es leicht ist. 🙂 In manchen Situationen vergisst man das einfach, in denen man es sich unnötig schwer und kompliziert macht. Nur ab und zu kommen Themen auf, die man dann leider nicht einfach mit so einer Einstellung sofort wegmachen kann. Manche Dinge brauchen einfach Zeit bis man sie versteht. Du verstehst bestimmt was ich meine 🙂

    Hugs,
    Linda

    • Hallo liebe Linda!
      Schön, dass dir meine kleine Vulkan-Geschichte gefällt. Es war übrigens derselbe wie auf dem Bild, das dir so gut gefällt. Da war ich dann oben. 😉
      Ja, es geht manchmal ganz schnell mit dem Leichtsein. Dann fragt man sich immer, warum man so lange gebraucht hat, um drauf zu kommen. 🙂
      Ich verstehe ganz genau, was du damit meinst, dass manche Dinge Zeit brauchen. Aber wenn man diese Tatsache akzeptiert und nicht sofort etwas dran ändern will, wird auch das leichter.
      Liebe Grüße
      Anna

  2. Hey Anna,

    wie heißt es so schön: „Ob du denkst, du kannst es oder du kannst es nicht – in beiden Fällen hast du Recht.“ (Henry Ford)

    Man selber stellt sich meistens die größten Hürden in den Weg, denn die Kraft der Gedanken ist ein machtvolles Werkzeug. Alleine wenn Du schon sagst, dass Du etwas nicht kannst, ist deine Motivation am Boden und Du strengst dich nicht richtig an. Kein Wunder, dass es dann schwer ist. Wenn Du allerdings voller Energie bist und den Willen hast die Aufgabe zu erledigen, dann geht es einfacher. Klar oder? Doch was machen, wenn man keine Motivation aufbringen kann? Ganz einfach:

    – schaue dir Videos mit Affirmationen an
    – Höre motivierende Musik
    – lege dich hin, schließe deine Augen und gehe in Gedanken die Aufgabe genau durch und visualisiere dir, dass Du sie erfolgreich erledigst

    Mit einer Portion Fleiß hast Du so das passende Rüstzeug für mehr Erfolg. Also lasst uns gemeinsam erfolgreich sein und die Welt verändern. Anna macht es uns schon vor mit ihren tollen und inspirierenden Texten.

    Liebe Grüße
    Alex

    • Mein lieber Alex! 🙂
      Was für ein schönes Zitat! Ich kannte es bereits, wusste aber nicht mehr, von wem es stammte. Danke für die Erinnerung!
      Du hast immer so wundervolle Ergänzungen für meine Beiträge, darüber freue ich mich immer total! Auch deine Tipps sind klasse, wenn man gerade nicht weiß, wie man es sich leicht machen kann. Doch ich muss sagen, dass es meist vollkommen ausreicht, einfach nur zu sein und sich zu erinnern. Ich merke gerade, wie weniger oft mehr ist. Aber ab und zu brauch auch ich einen kleinen Schubs in die richtige Richtung. 😉
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Hallo Anna,

    das Erklimmen eines hohen Berges ist eine gute Metapher für Zielstrebigkeit. Ja, es ist anstrengend den Gipfel zu erklimmen. Aber schließlich möchte man es schaffen, hat sich das Ziel selbst ausgesucht und selbst wenn es anstrengend sein wird – Wir wollen es! Also schaffen wir es.

    Aber Vorsicht vor dem Sprint, dem schnellen Weg und der vermeintlichen Abkürzung. Der steinige Weg zu Erfolg (und dazu zählt auch Glück) ist ein Marathon, kein Sprint. Und wer auf den ersten Metern zu optimistisch in die Pedale tritt, der ist schon bald außer Puste.

    Liebe Grüße
    Jonas

    PS: Ich weiß, dass du das nicht so gemeint hast 🙂

    • Lieber Jonas,
      das habe ich tatsächlich nicht so gemeint, aber du sprichst dennoch etwas Wichtiges an. Ich habe mir letztens ein Top gekauft, auf dem in Großbuchstaben steht: GREATNESS TAKES TIME. Hehe. Das muss ich jetzt immer tragen, wenn ich erwarte, ungeduldigen Leuten zu begegnen, die mich gerne fragen, warum ich denn nicht den Berg hinaufsprinte. Also meinen Berg, nicht den Vulkan. 😉
      Danke dir für deine Gedanken!
      Anna

    • Hallo Tom,
      ach, wie schön! Mir selbst gelingt es nicht immer, so zu denken, aber es tut verdammt gut, mal wieder daran erinnert zu werden. Danke dir! 😉
      Lieben Gruß
      Anna

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