Das Leidenschafts-Paradox: Wie Stillstand dir zu Erfolg verhilft

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Du weißt, wofür du brennst. Jedes Mal, wenn du an der Tastatur deines Computers sitzt, fließen die Worte wie von ganz alleine aus deinen Fingern auf den Bildschirm. Du verlierst dich im Rausch des Schreibens, willst immer mehr. Würdest am liebsten den ganzen Tag nichts anderes machen. Du weißt auch, dass du das gar nicht mal so schlecht machst. Dein Deutschlehrer war schließlich damals recht angetan von deinen Aufsätzen. Doch irgendwie will das mit dem großen Erfolg noch nicht so richtig klappen.

Dabei weißt du ja doch ganz genau, was zu tun ist

Du hast alle Schritte bereits durch:

Schritt 1: Du hast deine Leidenschaft gefunden. Die eine oder keine.
Schritt 2: Du hast geübt, geübt, geübt und bist immer besser darin geworden.
Schritt 3: Du hast die ersten Schritte dafür getan, um deine Leidenschaft in die Welt zu bringen. Du hast einen Agenten angeschrieben oder einen Verlag. Oder mehrere. Oder du hast einen Blog online gestellt. Doch dir ist natürlich klar, dass das noch nicht reicht. Es muss noch mehr getan werden.
Schritt 4: Du hast damit begonnen, deine Leidenschaft zu vermarkten. Online natürlich, weil das viel mehr bringt.

Und genau jetzt wäre es doch mal angebracht, dass sich der erste Erfolg einstellt, oder? Pustekuchen. Es passiert zwar ein bisschen was, aber nicht so richtig. Dabei strengst du dich so an, tust alles dafür. Machst alles richtig! Du bist zwar ratlos, gibst aber noch nicht auf. Ein Coaching muss her – dir muss endlich jemand helfen, aus diesem Stillstand herauszukommen, in dem du dich gerade befindest.

Doch…
Was ist, wenn Stillstand zum Fortschritt gehört?

Was, wenn Erfolg keine geradlinige Gleichung ist, die für jeden ganz genau so und nicht anders gilt? Was, wenn wir Menschen so unterschiedlich sind, dass es bei jedem anders abläuft und auch ablaufen muss, damit sich jeder in dem für ihn oder sie richtigen Maße weiterentwickelt? Was, wenn die Krise, in der du dich vielleicht befindest, das Beste ist, was dir passieren kann?

Was bedeutet Stillstand?

Ist dir schon aufgefallen, dass Musik gänzlich ohne Pausen eine bloße Aneinanderreihung von wilden Tönen wäre? Dass wir das stetige Ticken der Uhr ohne das Nichtticken gar nicht wahrnehmen würden? Dass wir ohne die Ruhe der Nacht überhaupt nicht funktionieren könnten?

Wir haben gelernt, Stillstand sofort mit Versagen gleichzusetzen. Dabei nehmen wir ihm seine wichtigste Funktion: Die des Kraftschöpfens vor dem Sprung, des Luftholens vor dem langen Ton. Stillstand muss nicht bedeuten, dass es nicht wieder voran geht. Oftmals brauchen wir genau diese Zeiten der Ruhe, um uns zu sammeln, um Ideen zu überdenken und dann voller Kraft voraus loszusegeln in das Abenteuer namens Leben. Ohne Zeiten des Stillstands ist es nur sehr schwer für uns festzustellen, in welche Richtung unser Weg überhaupt gehen soll, auch Kurskorrekturen sind kaum vorzunehmen.

Wie wär’s, denn du Stillstand nicht länger als Versagen definierst, sondern als eine Phase, in der sich Klarheit schaffen lässt? Stelle dir einen schlammigen Teich vor. Wenn du immer nur das Wasser aufrührst und machst und tust, wird sich der Schlamm immer mehr in deinem Teich verteilen. Wenn du hingegen einfach nur beobachtest und still bist, wird das Wasser schon bald klar. Deine Gedanken sind wie das trübe Wasser oft aufgewühlt. Du willst tun und handeln ohne zu sehen, dass dich ein Handeln aus der Verwirrung heraus nur in eine Sackgasse bringt, die noch mehr Stillstand erzwingt.

Du kannst dem Stillstand nicht entfliehen

Wenn du etwas anstrebst, wirst du oft an den Punkt kommen, an dem du nicht mehr weißt, wie du weiter vorgehen sollst. Mal ist es nur ein nagendes Gefühl im Hintergrund, das du schnell zur Seite schiebst, ein andermal ist es so belastend, dass es dich in deinem Tun vollkommen lähmt. Wie auch immer du diese Verwirrung empfindest: Du kommst nicht an ihr vorbei.

Deine Kreativität ist kein gleichmäßiger Strom, sondern tritt in Wellen auf. Reite die Welle solange sie kommt und genieße den Strand, wenn die See ruhig ist.
Wenn du dem Stillstand nicht entfliehen kannst, kannst du ihn auch genauso gut annehmen und ihn als einen Lehrer betrachten. Was will mir das Leben gerade sagen? Wo könnte ich meine Richtung ändern? Eigentlich musst du dir diese Fragen nicht einmal stellen. Sei einfach nur und genieße die Zeit. Sie wird vorübergehen und neuer Produktivität Platz machen.

Sei offen für alle Möglichkeiten

Die neue Produktivität könnte aber ganz anders sein, als du es erwartet hattest. Vielleicht fällt dir etwas vollkommen anderes ein, das du schnell verwirfst, da es nicht in deine Pläne passt? Doch was, wenn dieses Neue etwas viel Großartigeres ist als zuvor? Was, wenn aus dem Stillstand ein so kreativer Gedanke geboren wurde, dass es genau das ist, was deine Leidenschaften noch viel besser in die Welt bringt als alles, was du zuvor getan hast?

Es ist gut, das Ziel vor Augen zu haben und darauf zuzusteuern, aber wenn dein Boot Kurs auf eine Felsküste nimmt, ist es vielleicht besser, sich auf ein anderes Ziel zu fokussieren.

Erfolg ist etwas, das immer auch auf Stillstand folgt. Nutze die Zeit der inneren Einkehr, um dich neu zu erfinden, um mit neuer Power weiterzumachen. Du bist kein Versager. Du bist ein Segelmeister des Lebens!

Wie gehst du mit Stillstand um?

Hier gibt’s noch mehr zu lesen:
Warum Erfolg vorprogrammiert ist, wenn du deine Leidenschaften lebst
Was Heidi Klum dich über Ehrgeiz lehren kann
Deine Leidenschaften brauchen keinen Namen!

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15 Kommentare

    • Liebe Rosemarie,
      danke dir für das Lob, das freut mich sehr! Schön, dass auch du das so erleben konntest! 🙂
      Einen wunderschönen Tag dir!
      Anna

  1. Liebe Anna,
    den Artikel hast du für mich geschrieben. Wenn sich nichts tut, also da hab ich immer am Rad gedreht. Solange, bis ich mich selbst ausgehebelt habe. Weil irgendwann geht nämlich einfach nichts mehr, und spätestens dann musste ich es einsehen.
    Momentan stehe ich auch so zwischen den Türen. Ein alter Abschnitt geht zu Ende. Trennung, Umzug. Aber das bedeutet erst einmal auch noch warten. Bis ich eine neue Wohnung finde. Am liebsten wäre es mir natürlich gewesen, wenn sich SOFORT alles Neue ergibt. Aber ich musste warten. Und dann konnte ich es annehmen.
    In der Rue des Wartenmüssens kamen dann plötzlich ganz neue Ideen hoch, die ich teilweise auch umsetzen konnte. Und die Wartezeit kann ich jetzt als eine sehr angenehme Pause ansehen. Erst mal muss alles abgelegt werden, was keinen Bestand mehr hat. Neue Pläne oder Gelegenheiten werden kommen, das weiß ich mittlerweile aus Erfahrung. Sie einfach abzuwarten ist eine spannende Sache für mich, in der ich plötzlich ganz gelassen sein kann. Das hektische Wechseln von einem zum anderen hatte oftmals nicht das gebracht, was ich erhofft habe, und das will ich diesmal vermeiden.
    Die Zeit sehe ich jetzt wirklich als Geschenk an.
    LG
    Sybille

    • Liebe Sybille,
      was du schreibst, liest sich ganz wundervoll! Genau das ist es, was ich meine: „Ich musste warten”, schreibst du, „und dann konnte ich es annehmen”. Das sind die Lektionen, die uns der Stillstand lehrt. Und so oft sehen wir sie nicht, weil wir viel zu beschäftigt damit sind, ihn zu verfluchen. Ich freue mich mit dir, dass es dir gelungen ist, ihn als Geschenk zu betrachten, denn unser ständiges Gejammer hat er nicht verdient – schließlich will er nur das Beste für uns. Nur meist sehen wir das erst im Nachhinein. Das im Jetzt wahrzunehmen, ist eine Kunst, die sich lernen lässt.
      Ich wünsche dir alles Gute in deinem neuen Lebensabschnitt!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  2. Hey Anna,

    hier ist wie immer dein größter Fan 😉 Du hast den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen. Es gehört im Leben Entspannung genau so dazu wie Anspannung. Und wenn das manchmal nicht direkt eingeplant wird, so wird uns das Leben schon dazu bringen mal zu entspannen/entschleunigen – und manchmal so drastisch wie mit Stillstand. Aber Stillstand bedeutet nichts anderes als Zeit zum evaluieren. Schau dich um wo Du stehst. Ist dein Weg noch der Richtige oder musst Du deine Route anpassen? Gibt es neue Möglichkeiten die sich ergeben haben und die Du in Geschwindigkeit nicht gesehen hast? Was will der Stillstand dir zeigen?

    Also lasst den Kopf nicht hängen, sondern sehr den Stillstand als weitere Chance noch erfolgreicher und besser zu arbeiten. Tritt auf die Bremse, schaue hoch und gib wieder Gas. Vrooooooom! <3

    • Hi Alex,
      es wird langsam Zeit für PassionFlow-Fanshirts, oder was meinst du?! 😛
      Deine Worte sind aber auch wieder so bereichernd – du hast die Gabe, meine Texte wundervoll zu ergänzen! Danke dafür!
      Am besten gefällt mir „Vroooooom!“ 😀
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Was mir geholfen hat ist die Vorstellung, dass sich jegliches Lernen (und somit jegliche Entwicklung) in Phasen abspielt:
    Anfangs macht man schnelle Fortschritte, aber irgendwann stagniert der Lernprozess. Ungeduldige brechen ab und geben auf. Aber wer dran bleibt und beharrlich weiter macht, der wird irgendwann den nötigen Push bekommen, um sich auf das nächste Lernplateau zu begeben.
    Und dann heißt es wieder geduldig sein, bis es weiter geht.

    Stillstand gehört also immer zum Lernen dazu.

    Liebe Grüße,
    Katharina

    • Hallo Katharina,
      richtig, das Phasenmodell kenne ich auch noch aus meinem Studium. Es hilft tatsächlich, zu erkennen, dass der Stillstand mit zum Lernprozess gehört. Danke dir für die Ergänzung! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

    • Hallo liebe Rebecca,
      ein sehr schöner Spruch. Ich habe ihn, glaube ich, schonmal im Zusammenhang mit dem Buddhismus gehört. Kann das sein?
      Liebe Grüße dir!
      Anna

  4. Liebe Anna,

    danke für deinen tollen Blogbeitrag. Ja die Zeiten des Stillstandes…ich kenne das Gefühl von dem du schreibst, welches bei Stillstand aufkommt, auch sehr gut. Bei mir ist es mein Körper der mich immer wieder daran erinnert, mich diesem Stillstand hinzugehen. Oft war ich voller Tatendrang und wollte am liebsten 5 Blogbeiträge gleichzeitig schreiben vor lauter Eifer 😉 und zack hatte ich am nächsten Tag eine fette Blockade im Nacken und konnte nur noch auf dem Sofa liegen. Mein Körper hat nach meiner Aufmerksamkeit gefragt, und zwar nicht nur im Sinne von Sport oder Ernährung, sondern er wollte das ich ihn fühle. Dadurch kam ich dann automatisch in die Stille, in die Ruhe. Ich hab mir mittlerweile angewöhnt immer wieder bewusst in den Stillstand zu sinken, auch wenn es nur für 30 Minuten sind in denen ich liege und atme und sonst nichts. 🙂

    Liebe Grüße

    Lia

    • Liebe Lia (was für ein wunderschöner Name!),
      Ich danke dir für deinen Kommentar und die Ergänzung um die körperlichen Aspekte. Mir gehte s da sehr ähnlich, mein Körper ist auch sehr empfindlich und reagiert meist sofort bei der kleinsten Überforderung auf nichtkörperlicher Ebene. Allerdings macht es ihm nichts aus, wenn ich ihn getrennt fordere. 😉 Ich denke, wir alle sollten uns zu Liebe viel öfter einfach nur gar nichts tun. Tiere machen das ständig, es ist ein absolut natürliches Verhalten, das wir verlernt haben. Schön, dass du das schon erfolgreich praktizierst! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  5. Danke Anna. Manchmal liest man etwas genau zur richtigen Zeit!!!
    und wie wahr…im Sport sogar als Trainingsgesetz belegt 😉

    • Hallo lieber Axel,
      ich finde es auch faszinierend, die oft man genau das Richtige liest. Freut mich, dass das bei dir der Fall war! 😉
      Stimmt, im Sport sind Ruhe- und Regenerationspausen unglaublich wichtig!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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