Wie das Schreiben mein Leben rettete

2014-07-10 20.32.39

Eine meiner größten Leidenschaften ist und bleibt das Schreiben. Heute möchte ich ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und dir erzählen, wie ich zum Schreiben kann, warum ich es so liebe und warum es für mich lebensrettend war. Du erfährst auch, wie auch du – wenn es auch dir Spaß macht – zum Schreiben kommst und dadurch auch noch mehr Leidenschaften für dich entdeckst!

Meine kleine Schreib-Geschichte

Bereits mit vier Jahren habe ich meiner Mutter und sämtlichen anderen Leuten, die uns besuchten, Geschichten diktiert. Eine von ihnen handelte von einer Kuh, die zu ihrem Kälbchen sagte, sie liebe es mehr als ihr eigenes Herz. Vermutlich war mir schon damals klar, dass die Liebe die treibende Kraft auf der Welt ist.

Da ich erst mit 7 Jahren deutsch gelernt habe, war das Erste, was ich machte, sobald ich das Schreiben beherrschte, Geschichten zu verfassen. Am allerliebsten waren mir Tiergeschichten. In krakeliger Erstklässlerschrift erzählte ich von Hunden, die entlaufen waren, um Abenteuer zu erleben, um anschließend von ihren liebevollen Besitzern gefunden zu werden; von Schildkrötenrennen und Pferden, die ihre Reiter retteten. Als ich dann eine uralte Schreibmaschine (damals war der Sperrmüllhaufen ein riesiger Spielplatz) mein Eigen nennen durfte, hörte ich nicht mehr auf. Noch heute stapeln sich meine frühen Werke in einem Ordner und ich spüre jedes Mal ein angenehmes Ziehen an meinen Mundwinkeln, wenn ich darin lese.

In der Schule hatte ich mit meinen Aufsätzen immer großen Erfolg, während ich bei Klassenarbeiten zu bestimmten Schullektüren so manches Mal kläglich versagte, weil ich dort meine Kreativität nicht ausleben durfte.

Mit 14 begann ich dann mein erstes Buch, wofür ich knapp zwei Jahre benötigte. Natürlich war es alles andere als gut, aber ich lernte, schnell zu tippen und komplexe Sachverhalte miteinander zu kombinieren. Ich lerne, was eine gute Geschichte ausmacht und wie man flüssig Buchstabe an Buchstabe aneinander reiht. Das war auch die Zeit, in der ich mit dem Songwriting begann und somit in der Lage war, zwei meiner großen Leidenschaften – das Schreiben und das Singen – miteinander zu kombinieren. Wenn man so will, floss noch die dritte Leidenschaft für die englische Sprache mit ein. Ich schrieb über 200 Songs; vermutlich ist zu jeder Lebens- und Gefühlslage mindestens einer dabei.

In der Oberstufe begann ich mit meinem zweiten Buch, was mir sehr viel besser gefiel als mein erstes, doch das Schicksal wollte es wohl, dass mein Computer abstürzte und ich die Datei nicht ausreichend gesichert hatte. Die Hälfte des Buches war unwiederbringlich und für immer verloren. Ich trauerte lange darum, wagte es nicht, noch einmal zu beginnen, da ich das alte Werk für einen perfekten Anfang hielt. Es dauerte viele Jahre, bis ich dieses Ereignis überwunden hatte, bis sich in meinem Kopf eine neue – bessere – Idee für ein Buch bildete. Das war vor etwa drei Jahren. Inzwischen habe ich an die 1000 Buchseiten geschrieben (nicht untypisch für das Fantasy-Genre).

Wie das Schreiben mich zu meinen Leidenschaften führte und mir das Leben rettete

Das Schreiben dieses Buches hat zu zahlreichen Glückserlebnissen geführt und war wohl der Schlüssel dafür, dass ich beschloss, auch meine anderen Leidenschaften weiter zu verfolgen. Mir war etwas gelungen, wovon viele Leute nur träumen. Ich habe tatsächlich eine Geschichte von Anfang bis zum bisherigen Ende (es ist nur der erste Band) erzählt, habe mich in die Figuren hineinversetzt, mit ihnen gelacht, gelitten und Abenteuer erlebt. Ich bin stolz und sehr glücklich!

Seltsamerweise hatte ich nicht ein einziges Mal eine Schreibblockade, nicht ein einziges Mal fürchtete ich das Dokument. Ganz im Gegenteil, ich freute mich auf die Stunden, wartete dem Schreiben sehnsuchtsvoll entgegen. Wenn eine Woche verging, in der ich gar nicht oder nur kaum zum Schreiben kam, hatte ich das Gefühl, dass mir etwas Freudvolles genommen wurde. Also schuf ich mir die Zeit, selbst wenn das bedeutete, andere Dinge zu verschieben oder abzusagen. Und ich bin froh, dass ich mir diese Zeit schuf, denn vermutlich wäre ich auf andere Art und Weise niemals fertig geworden.

Dieses aktive Tun, dieser Spaß, diese Begeisterung, waren ein Motor in meinem Leben. Ich hatte das Gefühl, etwas zutiefst Sinnvolles zu tun, das ich womöglich nach einer Veröffentlichung anderen Menschen in Form von Freude an der Geschichte zurückgeben kann. Dieses unglaublich befriedigende Gefühl war der Wahnsinn! Ich hatte durch aktiv etwas Bedeutendes erschaffen! Es hat das Feuer in mir entfacht!

Es war außerdem die wirkungsvollste Therapie in einer Zeit, in der ich mich außerhalb dieser Schreibstunden gerne vollkommen vor der Welt versteckt und still in mich hineingelitten hätte. Diese Leidenschaft hat mir gezeigt, dass ich lebendig bin, dass ich trotz meiner (so sah ich es) ausweglosen Lage fähig bin, etwas zu tun. Ohne sie wäre ich nicht da, wo ich mich jetzt befinde. Mein Leben wäre vermutlich ein vollkommen anderes.

Schreibst du auch gerne?

Ich weiß, dass es Menschen da draußen gibt, die viel bessere Texte als ich verfassen können. Ihre Worte klingen wie Musik in meinen Ohren, sie malen mit Buchstaben Bilder auf mein inneres Auge. Und doch schreiben sie nicht.

Warum nicht?

Gehörst auch du zu ihnen? Juckt es dich in den Fingern, doch du hast Angst, etwas zu beginnen, was womöglich nicht perfekt sein könnte? Möchtest du nicht, dass dein Geschriebenes bewertet wird? Meinst du, deine Worte umschreiben etwas nicht so, wie du es gerne hättest? Dann habe ich eine gute Nachricht: Mir geht es ebenso. Vielleicht helfen dir einige meiner Schreibtricks, mit denen ich es geschafft habe, mein Buch zu schreiben!

1. Spüre die Unsicherheit und mache es trotzdem!

Ja, durch das Schreiben zeigt man sich verletztlich. Doch wenn du nicht beginnst, verwehrst du dir das wundervolle Gefühl des Flows und dessen, etwas Wundervolles zu erschaffen, das dein Selbstwertgefühl anhebt und dich jubeln lässt! Ist es das wert – nur für ein bisschen Sicherheit?

2. Es muss (noch) niemand lesen!

Beginne doch erst einmal, einfach nur für dich zu schreiben. Niemand muss es lesen. Schütze die Datei mit einem Passwort oder verstecke deinen Block. Mache es heimlich, wie früher die Einträge in dein Tagebuch, als du von deinem Schwarzm geschrieben hast. So kannst du dich an deine Leidenschaft herantasten ohne dass dir jemand reinredet – bis du das Selbstbewusstsein hast, dich zu „outen“!

3. Schreibe jeden Tag!

Das ist wirklich der wichtigste Tipp, den ich je erhalten habe. Schreibe jeden einzelnen Tag. Ganz egal wie viel. Bei meinem Buch hatte ich mir gesagt, dass ich jeden Tag 2000 Wörter schreibe – und ich wurde mit dem ersten Entwurf in einem Mördertempo fertig. Wenn es dir leichter fällt, lege auch für dich eine Wortzahl fest – oder auch einfach ein zeitliches Limit wie für den Beginn 25 Minuten. Aber tue es jeden Tag. Leidenschaften sind wie ein Muskel, der trainiert werden muss – sonst verkümmert er!

4. Überarbeite erst zum Schluss!

Wenn du jeden Tag schreibst, hat das den Vorteil, dass du dich noch gut daran erinnern kannst, was du am Vortag geschrieben hast und meist nur die letzten Sätze noch einmal überfliegen musst. Denn glaube mir: Wenn du das, was du am Vortag geschrieben hast, immer wieder überarbeitest, wirst du mit dem Schreiben nicht vorankommen. Dein Schreibfluss wird gehemmt und du hast keine Chance, in den Flow zu kommen. Es gilt zuerst, nur zu schreiben! Die „eigentliche“ Arbeit kommt – wenn du es denn magst – erst nach deiner ersten Skizze!

5. Schreib einfach irgendwas!

Wenn du nicht weißt, worüber du schreiben sollst – über irgendwas! Schreibe einfach den ersten Satz und dann den nächsten. Lies nicht, was du geschrieben hast und frage dich nicht, ob alles Sinn macht. Das muss es gar nicht. Es ist eine hervorragende Übung, dir vollkommen zusammenhangslos einfach alles aus dem Kopf zu schreiben. Schreibe über deinen Tag, über dein Leben, über deinen Hund. Es ist gleichgültig, was du schreibst, Hauptsache, du kommst ins Tun. Und wenn du ins Tun kommst, werden sich dir die nächsten Schritte zeigen!

Also, jetzt gibt’s keinen Grund mehr für dich zu warten, wenn das Schreiben auch deine Leidenschaft ist. Wer weiß? Vielleicht kann das Schreiben ja auch dein Leben retten?

Warum beginnst du nicht heute?

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