Der Wurm und wie ich mit ihm umgehe

Hoffnung

Heute ist echt der Wurm drin. So richtig. Er hat sich gestern schon kräftig angekündigt und ist jetzt da. Als ich aufgewacht bin, wollte ich am liebsten weiterschlafen, um den Tag nicht beginnen zu müssen, doch die Alternative dazu wäre der Albtraum gewesen, der mich vollkommen verkrampft in die Welt geschleudert hat.

Manchmal ist einfach alles zu viel…

Obwohl ich im letzten Jahr zu einem ziemlich positiven Menschen geworden bin, heißt das nicht, dass ich es schaffe, jeden Tag mit einem Strahlen zu beginnen. Heute würde ich am liebsten einfach alles absagen, loslassen und einen laaaaangen Spaziergang machen, anschließend an dem tollen Buch weiterlesen, das ich gerade verschlinge, dann etwas malen,…  Aber das geht nicht.

Selbst wenn ich weniger arbeite, als der Durchschnittsmensch, habe auch ich meinen Stress, wenn die Kollegin krank wird, plötzlich im anderen Job ebenfalls Personalmangel herrscht, mein Opa ins Krankenhaus und in die Kur gefahren werden muss, meine Oma zum Optiker, die Wohnung aussieht wie eine Müllhalde und der Kühlschrank sich mit einer gähnenden Leere begnügen muss. So wie mein Bauch, wenn ich denn mal zu Hause bin. Dazu ist das Wochenende ebenfalls verplant. Obwohl ich Treffen mit Freunden sonst als Spaß und Freizeit betrachte, ist mir diese Woche einfach alles zu viel und eine Belastung. Für andere mag das gar nicht viel klingen und auch für mich ist vieles davon alltäglich; aber mir fehlt diese Woche etwas ganz Entscheidendes, und genau das ist der Grund, warum heute der Wurm drin ist: Meine Freiheit.  Ich bin mir sicher, dass auch du solche Phasen kennst. Sie nerven, saugen Energie und sind einfach nur blöd.

Wenn Leidenschaften belasten

Und genau hier kann das Folgen deiner Leidenschaften zum Problem werden. An anderen Wochen und Tagen mag es funktionieren, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und etwas zu tun, das einem wirklich Kraft gibt. Aber an anderen Tagen hat man über den Wäscheberg hinaus einfach keine Aussicht auf Hoffnung, dass es sich bessern wird.

Ich weiß, dass es gar nicht so wild ist, dass es Schlimmeres gibt und dass die Woche vorbei gehen wird, und ich spätestens dann wieder durchatmen und kreativ werden kann, aber mein Leben fühlt sich genau jetzt, genau hier, so fremdbestimmt an, dass ich ganz nah an meiner absoluten Frustrationsgrenze wandle. Ich spüre, wie meine Stirn in Falten liegt und ich bei der nächsten Gelegenheit an die Decke gehe. Und ich weiß auch, was das bedeutet, was mich umso mehr zur Verzweiflung bringt. Wenn der Tag schon so anfängt, ist es verdammt schwer, vom wilden Gaul runterzusteigen. Und dann geht alles Mögliche schief. Aber das will ich nicht!

Was also tun an einem solchen Tag?

1. Schaffe dir so viele Freiräume wie möglich

Ganz dringend. Verschiebe oder deligiere alles, was nicht unbedingt getan werden muss  – ganz ohne schlechtes Gewissen. Das ist leichter gesagt, als getan, aber ich weiß, wenn ich diese Woche den Boden nicht nass wische, wird nichts Schlimmes geschehen. Nächste Woche habe ich mehr Luft, um das zu erledigen. Auf diese Weise habe ich es geschafft, mir ein paar Freiräume zu schaffen, seien sie noch so klein. Wie diesen hier. Ich kann einen Blogbeitrag schreiben. Manchmal fällt es schwer, etwas aufzuschieben, weil man es als ein „Das-macht-man-nicht-Verhalten“ gelernt hat. Es hilft schon ungemein, die Aufgaben auf einen Zettel zu schreiben und anschließend zu überlegen, welche rausfliegen soll(en). Die Frage „Ist das wirklich sooo wichtig?“ hilft dabei ungemein.

2. Setze Prioritäten

Wenn du dir etwas Zeit freigeschaufelt hast, frage dich: „Was will ich jetzt in meiner Freizeit machen?“ Dabei kommt es nicht unbedingt auf den Sinn der Tätigkeit, sondern ihren Erholungswert an. Ich habe auf meine Intuition gehört, die mir sagte, dass ich meine Gefühle und Gedanken dringend verarbeiten muss, weswegen ich mich jetzt darüber freue, etwas Produktives wie diesen Artikel zu schaffen. Gestern jedoch, als mir alles über den Kopf wuchs, hatte ich mir einen Smoothie gemacht und mich mit einem Buch auf den Balkon in die Sonne gelegt. Auch wenn es nur eine halbe Stunde lang war. Höre also gut in dich hinein und entscheide aus dem Bauch heraus, wonach dir gerade ist, was gerade der beste Kontrast zu deinen gestressten Gedanken ist.

3. Genieße

Wenn du in dieser Tätigkeit bist, versuche, vollkommen in ihr zu versinken, dich auf sie einzulassen und alle Gedanken an weitere Pflichten beiseite zu schieben. Du bist im Hier und Jetzt und genießt diesen Augenblick vollkommen. Du hast ihn dir verdient. Er gehört ganz alleine dir.

4. Sinne nach

Wenn du deine Gedanken verlangsamt und dich langsam entspannt hast, kurz bevor dein Tag weitergeht, überlege dir, wie du deinen Tag haben willst und nicht, wie du ihn nicht haben willst. Sicher hast du schon gehört, dass unser Unterbewusstsein und vielleicht auch das gesamte Universum das Wörtchen nicht nicht kennt und und uns prompt das liefert, was wir eben nicht haben wollen, weil wir uns dadurch darauf fixieren. Meist fällt es leichter, diese Aufgabe schriftlich auszuführen, wenn du die Möglichkeit dazu hast. Überlege dir genau, was Schönes an diesem Tag passieren könnte, wie sich die Welt verändert, wenn du lächelst, wenn deine Mitmenschen freundlich zu dir sind. Steigere dich in dieses Gefühl regelrecht hinein, visualisiere so bildlich wie möglich, wie dein Tag einfach perfekt wird, obwohl anfangs der Wurm drin war.

5. Reißleine!

Wenn all das nicht hilft und du am Rande der Verzweiflung bist, musst du wirklich die Reißleine ziehen. Dein Körper ist wahrscheinlich ohnehin kurz davor, krank zu werden, also kannst du auch genauso gut alles absagen und verkünden, dass es dir richtig mies geht. Dadurch lässt sich ein echter Krankheitsausbruch meist verhindern und du bist viel schneller wieder hergestellt. Ich weiß, das ist nicht einfach, weil wir oft gebraucht werden, aber es ist manchmal wirklich notwendig. Die Welt dreht sich auch ohne dich weiter, ganz sicher. Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Du hast das Recht darauf, die Reißleine zu ziehen!

Erstaunlicherweise geht es mir jetzt nach dem Schreiben dieses Beitrages um Längen besser. Schritt 1-3 haben funktioniert, jetzt kann ich an Schritt 4 gehen, was Schritt 5 unnötig macht. 🙂

Erinnere dich daran: Es gibt immer viel mehr Möglichkeiten, als wir uns in so einer Wurm-Situation gerade vorstellen können. Auch wenn man gerade Schwarz zieht und sich vollkommen fremdbestimmt fühlt: Es gibt immer Hoffnung. Und es ist gar nicht so schwer, sie wiederzufinden, wenn man sich dem Wurm nicht vollkommen hingibt.

Hast du noch mehr Tipps, einen Wurm-Tag durchzustehen? Vielleicht helfen sie ja auch mir und anderen? Du darfst sie sehr gerne teilen! 🙂

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