Die Schattenseite der Leidenschaften

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In den letzten Tagen habe ich sehr viel gelernt. Ich habe gelernt, dass etwas, das ich hier als vollkommen positiv dargestellt habe, auch eine andere Seite haben kann. Ich habe gelernt, dass Leidenschaften nicht immer nur Freude und Glück, innere Zufriedenheit und Spaß bringen. Wenn ich diesen Dingen folgte, gefiel mir durchaus, was ich tat, doch außerhalb dieser Zeiten hat sich noch ein weiteres, negatives Gefühl in mir manifestiert, das mir zu denken gab: Frustration.

Was passiert, wenn man seinen Leidenschaften auf Teufel komm raus folgt

In den letzten Wochen habe ich mir selbst viel abverlangt: Ich wollte alles auf den Punkt genau so haben und nicht anders und merkte, wie es an mir nagte, dass es nicht exakt so funktionierte. Ich stand früh auf, um noch etwas Produktives für den Blog oder für andere Projekte leisten zu können, und war geradezu verzweifelt, wenn mir noch eine Aufgabe „auferlegt“ wurde, die ja dazu führte, dass ich noch weniger Zeit für meine Interessen hatte. Oft helfen mir To-Do-Listen, doch manchmal merke ich, dass sie mich richtiggehend einengen und mir keinen Raum zum Atmen lassen. Sie haben mich noch mehr unter Druck und Zugzwang gesetzt. Als ich dann letzte Woche etwas kränkelte, wusste ich, dass ich Pause machen musste.

In der Meditation erkannte ich schließlich, dass die Ursache des Problems wohl darin lag, dass ich in letzter Zeit viel zum Thema Erfolg gelesen hatte und immer wieder vorfand, dass es wichtig war, zu handeln und seine Ziele eisern zu verfolgen. Das sorgte für Frust.  Ich hatte den Eindruck, alles in den Tag pressen zu müssen – auch meine Leidenschaften.

Jetzt, nachdem ich kapiert habe, dass ich das gar nicht muss, geht es mir schlagartig viel besser. Mir ist jetzt klar, dass es mich nicht glücklicher machen wird, Ziel X und Y in einer bestimmten Zeit zu erreichen – ganz im Gegenteil: Durch den Druck handle ich zu viel und verbaue mir selbst meinen eigenen Weg. Ich kämpfe zu viel, ich halte zu sehr an Dingen fest, die um Grunde genommen gar nicht wirklich sind. Wenn ich mir anschaue, was wirklich wichtig ist – dann habe ich schon alles! Und genau aus diesem Zustand heraus entstehen die wundervollsten Dinge! Wenn ich so richtig glücklich bin, reagiert die Welt auf mich mit ebenso glücklichen Menschen, die mir begegnen. Es ist tatsächlich so: Lächle und die Welt lächelt zurück! 🙂

Die Intuition führt dich zu deinen Leidenschaften

Ich habe mir auch meinen Leitsatz wieder in Erinnerung gerufen: „Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben.“ Und das bedeutet schlicht und einfach: Wenn du spürst, dass etwas nicht stimmt, dass es dir nicht gut geht und du aus der Balance geraten bist, musst du sofort etwas daran ändern. Manchmal ist es der Verstand, der einem aufdrängen will, was man noch zu tun hat. Obwohl diese Dinge vielleicht auch mit deinen Leidenschaften zu tun haben, spürst du intuitiv, dass sie dir noch mehr Kraft rauben werden. Das ist es, was ich nun auch verstanden habe. An manchen Tagen können dich Projekte und Tätigkeiten, die deinen tiefen Interessen entspringen, aufbauen und dir Kraft geben, an anderen Tagen entziehen sie sie dir.

Ich kann nur immer wieder eins wiederholen (und ich muss es auch mir selbst gegenüber ständig wiederholen): Höre tief in dich hinein und spüre, was du wirklich brauchst. Es kann etwas sein, was für dich in diesem Moment wie Zeitverschwendung klingt, weil du vielleicht ein Ziel mit deinen Leidenschaften verfolgst – doch das ist vollkommen egal. Ich habe mich entschieden, diese Woche durch das Lesen eines Romans zur Ruhe zu kommen. Obwohl ich viele andere Bücher habe, die noch darauf warten, gelesen zu werden, ist mir diese Woche einfach nur nach einer Geschichte, nicht nach einem Ratgeber. Diese Woche will ich mein Gehirn nicht unnötig überanstrengen, ich will, dass es spielerisch Spaß an etwas hat. (Und da ich selbst viel schreibe, lerne ich beim Lesen ganz nebenbei jede Menge – vielleicht ist es das, was mir meine Intuition mit dem Bedürfnis nach Lesen zeigen will?!)

Ich habe auch wieder mehr Spaß daran, in die Natur zu gehen oder mich mit Freunden zu treffen oder Sport zu machen. Letzte Woche sah ich sogar diese Dinge als anstrengend an, diese Woche sind sie für mich ein Ausgleich. Ich mache Pause von meinen Projekten, die ich sonst mit Leidenschaft verfolge. Diese Woche höre ich auf mein Inneres, und das sagt mir, dass Inspiration nicht durch Druck entsteht. Also ist es das Wichtigste für mich, diesen Druck von mir zu nehmen und dafür zu sorgen, dass ich mich den ganzen Tag gut fühle. Ich bin erstaunt, wie gut mir das gelingt.

Der fiese Trick unseres Verstandes

Vielleicht sind es nicht die Leidenschaften an sich, die eine Schattenseite haben. Vielleicht ist das unser Verstand, der uns einen Trick spielt, der uns sagt, dass wir das und das heute und jetzt zu tun haben. Es wäre schade, eine Sache so einfahren zu lassen, bis sie uns tatsächlich keinen Spaß mehr macht, nur weil wir uns lange genug dazu gezwungen haben. Ich bin mir sicher, dass meine Intuition ganz genau weiß, was zu tun ist, und ich umso effektiver und kreativer bin, je freier ich mich fühle.

Lasse dich also nicht von deinem Verstand in die Irre fühlen und dich durch deine Leidenschaften in eine weitere Tretmühle führen. Tu einfach das, wonach dir gerade ist, verschiebe oder delegiere alles andere. Mach auch mal eine Pause. Du wirst sehen, die Kraft wird wieder kommen, und du wirst wieder beflügelt sein und echte Begeisterung fühlen. Und wenn das nicht so ist, ist das auch vollkommen okay so. Dann ziehe zu etwas anderem weiter, was dir dieses Gefühl verleiht.

Erinnere dich immer, immer wieder daran: Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Wenn es dir nicht gut geht, kannst du anderen kaum etwas geben.

Kennst auch du die Schattenseiten der Leidenschaften? Was tust du dagegen?

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6 Kommentare

  1. Wieder einmal sehr schön reflektiert Anna und Danke das sind auch meine Erfahrungen. Alles zu Thema Erfolg, was es heute zu lesen gibt, hat mir ziemlich Bauchschmerzen gemacht. Gefühle wie Ungeduld und Druck waren ständig mein Begleiter. Darauf hatte ich irgendwann kein Bock mehr.

    Ich hab mir den Begriff Erfolg dann fpr mich mal genauer angeschaut und festgestellt, dass das folgt, was ich beabsichtige. Er-folgt = es folgt. Da steht aber nicht wann und wie, nur das es folgt. Also hab ich den Zeitdruck oder den Mangel an Zeit einfach rausgenommen und eine spielerisch leichte Arbeitweise für mich entdeckt. Keine To Do Listen.

    Es war auch die Erkenntnis, dass ich denn Lernprozess höher werten sollte als den Erfolg selbst.

    Gruß

    Matthias

  2. Lieber Matthias,

    schön, dass ich nicht alleine dastehe. Manchmal könnte man das schon meinen in unserer Gesellschaft, die aus Leistung, Zielen und Erfolgen besteht und darauf basiert. Die Entschlüsselung des Begriffes „Erfolg“ finde ich sehr schön! So könnte man auch auf das „Folgen der Leidenschaften“ kommen. Durch das Folgen der Leidenschaften folgt der Erfolg. 😉
    Manchmal brauche ich Do-To-Listen noch, um Ordnung in meinen Kopf zu bringen, aber ich brauche sie nicht mehr jeden Tag und sie müssen auch nicht so akribisch sein.
    Stimmt, den Lernprozess höher zu bewerten ist ein sehr schöner Gedanke, den ich mir gerne von dir mitnehmen würde! 🙂

    Liebe Grüße
    Anna

  3. Liebe Anna,

    ich finde deine Art zu schreiben wirklich authentisch. Das macht den gesamten Artikel echt angenehm zu lesen. 🙂

    Gruß
    Micha

  4. Liebe Anna,

    ich kann deine Erfahrungen auch gut nachvollziehen.
    Es ist ein ständiger Balanceakt. Auf der einen Seite liebt man, was man tut. Aber auf der anderen Seite versucht man das ja auch noch effektiver, erfolgreicher und produktiver zu gestalten und hat noch viele weitere Ideen und Projekte, die man umsetzen möchte. Das kann dann wiederum alles zu viel werden und uns blockieren und aussagen.
    Ich glaube aber, dass du einen guten Umgang gefunden hast. Mit Euphorie die Dinge anpacken und wenn man merkt, dass alles zu viel wird, einfach wieder einen Gang zurückschalten. Es rennt ja schließlich nicht weg…
    Liebe Grüße,
    Katharina

    • Liebe Katharina,
      du sprichst mir wirklich aus der Seele! Es tut gut zu wissen, dass es auch anderen so geht. Sich daran zu erinnern, dass es nicht wegrennt, ist immer wieder wichtig – das vergisst man oft in unserer auf Leistungsdruck getrimmten Gesellschaft. Inzwischen verteidige ich meine Auszeiten auch anderen gegenüber eisern. 🙂
      Alles Liebe dir!
      Anna

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