Du bist viel mehr! (und Leidenschaften sind nicht alles)

Leidenschaften sind nicht alles

Leidenschaften sind wichtig. Ein Leben voller Begeisterung ist wundervoll und macht glücklich. Aber es ist nicht alles. Es gibt nämlich noch eine Sache, die wichtiger ist, als deine Suche nach den Leidenschaften: Du.

Womit identifizierst du dich?

Du möchtest endlich ein buntes Leben voller Freude und Dinge, die du richtig gerne tust? Du willst endlich „dein Ding finden“ und damit durchbrennen? Du suchst verzweifelt danach, schaust nach links und rechts, denkst dir vielleicht: „Anna sagt, jeder hat Leidenschaften“, gibst nicht auf, obwohl es dir einfach nicht gelingen will, das zu finden, wofür du wirklich brennst?

Ich habe eine vielleicht etwas verstörende Nachricht für dich: Das Entdecken deiner Leidenschaften ist nicht alles.

Es gibt Dinge, mit denen wir uns in unserem Leben identifizieren. Das liegt in der Natur des Menschen. Schon als kleine Kinder lernen wir, uns mit dem Geschlecht zu identifizieren, mit unserem Spielzeug. Deswegen schreien wir auch lauthals, wenn uns jemand den chemikalienfrei zertifizierten Bio-Baumwoll-Stoffbären wegnimmt. Als Jugendliche identifizieren wir uns häufig mit anderen Gleichaltrigen oder Vorbildern. Und als Erwachsene mit dem Job oder unserer Rolle als Vater oder Mutter.

Wenn wir den Eindruck haben, dass etwas in unserem Leben nicht ganz stimmt, stimmt oft in einem der Lebensbereiche, mit dem wir uns identifizieren, etwas nicht. Der Chef wird immer cholerischer, das Kind kommt mit einer großflächigen Tätowierung nach Hause und die Gesundheit war auch schon besser. An diesem Punkt können Leidenschaften, Hobbys, etc. wahre Rettungsanker sein. So war es bei mir mit dem Schreiben meines Romans. Doch wenn man seine Leidenschaften einfach nicht findet, macht  die Suche nach ihnen uns zusätzlichen Druck.

Das Problem ist: Du suchst dir mit deinen Leidenschaften etwas, mit dem du dich identifizieren kannst. Und wenn du das nicht schaffst und die anderen Identifikatoren (Rolle, Job, etc.) wackeln, bist du sehr verwirrt und du weißt womöglich nicht mehr, wer du bist. Dann wird das Entdecken der Leidenschaften zu einem weiteren Schmerzpunkt auf deiner Liste. Es wird dann genauso zur harten Arbeit wie vielleicht dein Job. Und damit ist niemandem geholfen.

Warum du viel mehr bist als deine Leidenschaften

Doch du bist nicht dein Beruf. Du bist nicht Mutter oder Vater oder sonstwer. Du bist nicht dein Besitz. Du bist nicht deine Leidenschaften. Du bist nicht der oder die ewig Suchende. Du bist einfach nur.

Ich weiß, dass jede(r) von uns einen Kern in sich trägt,  der überhaupt nicht danach strebt, sich mit einer Sache oder einer Rolle zu identifizieren. Diesem Kern genügt es vollkommen, einfach nur zu sein. Vollkommen eigenschaftslos.

Es ist nicht so einfach, sich das vorzustellen und noch schwerer, es in Worte zu fassen. Aber man kann es spüren. Ich spüre es oft, wenn ich alleine bin – in der Natur, in der Meditation, beim Yoga, beim Joggen. Dann weiß ich ganz genau, dass ich weder mir, noch jemand anderem irgendetwas beweisen muss. Ich muss keine Zertifikate vorweisen, wenn ich meinen Leidenschaften nachgehe. Und eigentlich ist es auch vollkommen egal, ob ich welche habe oder nicht, solange es mir gut geht. Wenn du im Frieden mit dir selbst und frei von Angst bist, werden sich deine Leidenschaften von alleine zeigen. Es gibt keinen Grund, ihnen nachzujagen.

Lasse los

Leidenschaften sind etwas, das du überhaupt nicht beim Namen nennen musst. Manchmal ist es hilfreich, aber du musst keine Liste mit Dingen anfertigen, die dich begeistern. Folge einfach nur den guten Gefühlen und dem Kribbeln, probiere Neues aus, sei präsent und aufmerksam. Denke überhaupt nicht daran, dass es dein Ziel sein sollte, deine Leidenschaften zu entdecken. Spiele einfach nur, denke nicht nach. Lass dich vom Leben überraschen. Lasse los von der Vorstellung, etwas finden, etwas erreichen zu müssen.

Wir sind es so sehr gewohnt, ständig zu handeln, uns neue Ziele zu überlegen, uns zu identifizieren, Erfolg vorzuweisen. Doch bei den Leidenschaften geht es genau darum nicht. Wenn du genau weißt, dass du etwas gefunden hast, dem du Folgen willst und es sich für dich gut anfühlt, dir Ziele zu setzen – nur zu. Aber zu Beginn, wenn du noch im Zustand der Verwirrung bist, wenn du noch nicht weißt, in welche Richtung es dich zieht, solltest du vollkommen davon ablassen, etwas zu erreichen.

Sei einfach nur. Du bist schon genug. Auch ohne Leidenschaften. Du lebst sie jetzt schon. Denke nicht darüber nach, wie man etwas in Worte fassen und formulieren kann, damit es gut klingt. Sei einfach nur im Hier und Jetzt.

Du bist jetzt schon wertvoll. Du bist jetzt schon vollkommen. Ganz ohne Leidenschaften.

Spürst du auch den Leistungsdruck hinter deinen Leidenschaften? Wie gehst du damit um?

 

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10 Kommentare

  1. Hi Anna,

    danke für diesen, wieder einmal, coolen Artikel. Ich suche auch schon lange nach meiner Passion – obwohl ich habe sie bereits gefunden. Wichtig ist nur, dass ich meine Leidenschaft bzw. meine Passion zum Beruf machen möchte und diese noch nicht umsetzen konnte. Ein Blog mit Produkten, der den Leuten wieder die Augen öffnet und sie ihren Platz in dieser Welt wieder erkennen lässt. Inspirationen, Motivationen, Selbstwirksamkeit und einfach das eigene Leben leben. Im Ganzheitlichen Sinne.

    Ich weiß das ich dieses kann, das ich die wichtigen Informationen habe und Leuten Dinge gut näherbringen kann – sei es Text, Video o.ä. es hapert derzeit an der Suche nach dem „richtigen“ Blogdesign und einem Leitfaden welche Schritte es sein müssen.

    Statt loszulegen warte ich einfach nur auf Perfektionismus…Das muss ein Ende haben. Und während ich hier schreibe eröffnet sich mir langsam ein Gedanke – Just Do It! Hmmm…Vielleicht. NEIN! Ich lege jetzt einfach los. So schnell bekommt man Einsicht, und das nur beim lesen deines Textes und kommentieren. 1000 Dank!

    Sonnige Grüße

    • Hallo Alexander,
      ich stehe voll hinter dir: JUST DO IT!!! Der Moment, an dem du denkst, alles sei perfekt und passt, kommt nämlich nie. Wenn man hingegen einfach mal anfängt, hat man auf dem Weg die Möglichkeit, sich ständig zu verbessern. Das macht viel mehr Spaß und durch Feedback kommt man in eine Richtung, die der begrenzte eigene Verstand vorher niemals für möglich gehalten hatte.
      Ich freue mich sehr, dass ich dich inspirieren konnte! Lass mich wissen, wenn deine Seite online geht, ich bin schon sehr gespannt – aus deinen Worten lese ich viel Leidenschaft heraus! 🙂 Wenn ich dir irgendwie helfen kann, melde dich einfach!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  2. Schöner Artikel! Noch vor einer Weile war ich auch akribisch auf der Suche nach meiner Leidenschaft. Ich hatte mit Grafikdesign angefangen. Es machte mir Spaß, dennoch dachte ich, da muss doch noch mehr sein, etwas das mich noch viel mehr erfüllt. Ich hatte zeitweise das Gefühl mich richtig in der Suche nach dieser Leidenschaft zu verlieren, weil ich sie so unbedingt finden wollte. Mittleiweile bin ich der Meinung, dass es viele Leidenschaften gibt, größere und kleinere und das man nicht zwingend nach der einen, die einen total erfüllt, suchen muss, denn dann übersieht man die vielen anderen, die man vielleicht noch hat. So ging es mir. Im Moment habe ich die Situation wie sie ist akzeptiert und mache das, was mir im Moment eben Spaß macht. Es war auch die richtige Entscheidung eine neue Webseite aufzubauen, den dadurch kommen mir auf einmal ganz viele neue Inspirationen und ich mache Dinge, die ich vorher nicht getan habe und die vielleicht auch zu Leidenschaften werden.

    • Liebe Anika,
      das, was du schreibst, klingt wirklich wundervoll! Ich freue mich für dich, dass du so einen guten Weg für dich gefunden hast! Dinge zu akzeptieren und dabei dem zu folgen, was Spaß macht, macht wirklich verdammt glücklich. Denn wir können nicht akzeptieren und gleichzeitig unglücklich sein. 😉
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Spontan sage ich zu deinem Artikel gerade einfach Danke 🙂 !!
    Genau so habe ich mich in letzter Zeit gefühlt. Habe versucht den Druck rauszunehmen – hat nur halbswegs geklappt.
    Ich hatte vermehrt das Gefühl – bestimmte „Lebensweisen“(?) werden durch eine bestimmte Brille gesehen (Sei es „Verantwortung übernehmen (oder eben nicht übernehmen), Leidenschaften, etc.). Irgendwie hatte ich das Gefühl – dass immer nur ein Aspekt für alles Wesentliche verantwortlich gemacht wird.
    Ich mag deinen Blog sehr! Dadurch beschäftige ich mich mit dem Thema. Das ist gut. Das tut mir gut. Aber den „Druck“ spüre ich (unter anderem zu diesem Thema – aber auch generell bei anderen Blogs etc.). Das hat vermutlich mehr mit mir zu tun und meiner Umgehensweise und Unsicherheit – und dass ich mir vielleicht manches (noch) nicht eingestehen will.
    Ich liebe diese Vorstellung vom „kribbeln“ und vom „High sein“ durch die Leidenschaften. Ich spüre das manchmal selbst, weil ich es auch liebe mich zu begeistern / begeistern zu lassen. Ich glaube das fühlt sich ähnlich an. Manchmal vielleicht aber auch anders – wenn man dem nachgeht was man gern tut – kann das vielleicht unterschiedliche Gefühle auslösen.
    „Lasse los“ – dieser Gedanke hilft mir gerade sehr! Und sich nicht über eine bestimmte Rolle zu identifizieren finde ich absolut interessant! Ich glaube das tun wir ständig..
    Und ich habe das Gefühl – wenn ich im Frieden mit mir selbst bin – ohne Angst – dann kann ich ganz anders damit umgehen. Ich merke immer wieder – wenn dieser Zustand aufblitzt – dann „lebe“ ich anders – fühle anders; denke anders.

    • Liebe Allie,
      ich bin sehr glücklich, dass ich dir den Druck mit diesem Artikel ein wenig nehmen konnte. Ich habe ihn selbst immer wieder gespürt, auch wenn die positiven Gefühle immer überwogen. Aber mir ist bei anderen immer mehr aufgefallen, dass das „Leidenschaftensuchen“ zu einem „Ersatzjob“ geworden war, in dem man erfolgreich sein musste. Und wenn man es nicht schaffte, hatte man versagt. Diese Denkweise wurde uns von Kindesbeinen an so eingetrichtert, dass es echt nicht einfach ist, sie hinter sich zu lassen. Leidenschaften können ein Gefühl von „High sein“, aber auch Schmerz auslösen, wenn es dann nicht klappt. Diese beiden Extreme liegen sehr nahe beieinander, das hast du richtig beobachtet. Aber ich glaube, ich bin gerade auf einem dritten Weg. Über ihn werde ich sicher auch bald berichten! 🙂 Aber mit dem Begriff „Frieden“ bist du schon sehr nah dran an dem, was ich meine. Auch wenn dieser Zustand bei dir nur „aufblitzt“, wie du es schreibst, kannst du ihn kultivieren. Du kannst dir die Situationen anschauen, in denen er aufblitzt und sie mehr in den Leben integrieren. Du bist auf einem wunderbaren Weg, auch wenn sich das jetzt für dich noch nicht so anfühlt. 😉
      Alles Liebe dir!
      Anna

  4. Du sprichst genau das an, was ich spüre, seitdem ich meine Leidenschaft gefunden habe. LEISTUNGSDRUCK! Hab einen Blogartikel gerade vorher gelesen, der passt ganz gut in die Thematik, kuckst du hier :): http://www.zeitzuleben.de/1173-setzen-sie-sich-ziele-und-geniesen-sie-den-weg/

    Bei mir ist die Leidenschaft das Tanzen und ich kann nur von mir aus sprechen: bei einer Leidenschaft will man zwangsläufig der Beste werden. Man will sich selbst etwas beweisen. Da kommt es so weit dass man sich teilweise dazu zwingt, diese Leidenschaft auszuleben und zu trainieren um immer besser und besser zu werden. Klar, wenn man ein Ziel vor Augen hat, kann man nicht immer nur trainieren wenn man gerade total Lust hat. Man muss sich auch mal überwinden. Auch wenn es die pure Leidenschaft ist, man hat nicht 24/7 Lust und Kraft dazu. Ich tu mir schwer beim Grenzen ziehen: wann ist es gut, sich mal zu zwingen und wann ist es schon zu viel? Das kann man leider nur für sich selber entscheiden, da gibts es keine ultimativen Tipps. Einfach aufs Gefühl hören. Es spielen ja auch noch andere Faktoren mit: mentale, emotionale, physische, psychische Fitness/Gesundheit. Da ist nicht immer alles in Balance. Und man hat eben nicht nur eine große Leidenschaft, sondern auch noch viele weitere kleine, in denen man auch Zeit investieren will. Also Zeit spielt auch eine große Rolle: Wieviel Zeit habe ich und wieviel davon möchte ich für diese und jene Dinge nutzen?

    Deine Worte tun echt gut, es fühlt sich einfach voller Leichtigkeit an, dass man nicht immer sich selbst etwas beweisen muss. Dass es wichtig ist, dass es einem gut geht dabei, was man tut. Das ständige Festhalten und das öftere Erzwingen kann wirklich kräfteraubend sein. Die Affirmation: „Ich lasse los!“ kann da wirklich schon sehr hilfreich und erleichternd sein.

    Ich hab jetzt schon gelernt, mehr auf mein Gefühl zu hören. Weniger einen Plan aufzustellen, was heute gemacht werden MUSS. Man legt sich ja selbst gerne immer Aufgaben auf. Aber jetzt mach ich einfach eher alles mehr nach Lust und Laune, zB: „Jetzt habe ich gerade total Lust auf Tanzen! Eigentlich wäre für jetzt Lesen vorgesehen, aber das mach ich dann einfach ein anderes mal.“ Früher hab ich öfter gegen das Gefühl gehandelt und das getan, was ich mir selbst auferlegt habe und ich kann dazu sagen: heute geht es mir auf jeden Fall besser nach meinem Gefühl zu gehen. Auch wenn ich manchmal die Gedanken habe, nicht auf dem richtigen Weg zum Ziel zu sein. Ich fühl mich zurzeit halt eher so planlos und wenig zielorientiert. Aber ich bin gerade auf der Spur zum Mittelweg von Gefühl und planvolles Handeln. Und ich weiß, ich werde ihn finden 🙂

    Danke dir für deinen Artikel! Der kam gerade richtig. 🙂

    Schönes Wochenende und sonnige Grüße aus Österreich.

    Hugs,
    Linda

    • Liebe Linda,
      ich danke dir für deinen ausführlichen Kommentar! Ich sehe das auch so wie du – wenn man sich Ziele setzt, sollte man den Weg genießen und das tägliche Vorankommen, die tägliche „Arbeit“ daran sollte einem (vielleicht nicht immer, aber die meiste Zeit) Spaß machen. Dann ist das auch ein Zeichen dafür, dass das Seelenziele und keine Gesellschaftsziele sind und so macht Ziele setzen auch Spaß. Es ist also tatsächlich ein Balanceakt, bei dem man immer achtsam sein sollte und sich fragen muss: Wann ist mir der Druck zu viel, wann muss ich vom Gas gehen? Aber auch andersherum: Wann kann ich mehr Gas geben? Die To-Do-Listen bei mir sind auch immer sehr flexibel und die einzelnen Aufgaben austauschbar. Es macht auch überhaupt nichts, wenn du mal planlos bist. Das ist ganz normal und gehört dazu. Dein Weg wird sich dir schon noch zeigen, wenn du Vertrauen hast. So war das zumindest bei mir. Immer. 🙂
      Es freut mich, dass mein Artikel für dich gerade richtig kam und du daraus etwas mitnehmen konntest!
      Ich wünsche dir auch ein schönes Wochenende!
      Anna

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