Du musst dich nur erinnern…

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Dieser eine Augenblick. Als du genau wusstest, worum es im Leben geht. Du bist dir selbst begegnet und allen Wundern dieses Lebens. Für einen winzigen Moment war dir alles völlig klar. Es gab nichts zu tun, nichts zu erreichen, nichts in Worte zu fassen. Du warst einfach nur da und völlig mit dir im Reinen. Du fühltest vollkommenen Frieden und völlige Freiheit. Die Zeit stand still. Und dann – so schnell, wie er gekommen war, ist er dir wieder entglitten. Und nun willst du wieder dorthin – in diesen Zustand des Flows. Doch es gelingt dir nicht, egal was du tust. Ich glaube, es gibt gar nichts zu tun. Du musst dich nur daran erinnern. Immer wieder. Und: So schwer wie es klingt, ist es gar nicht. 🙂

Wo waren deine Momente des Flows?

Ich bin bisher noch keinem Menschen begegnet, der dieses Gefühl des Flows, des völligen Einsseins mit sich selbst und der Welt, nicht kennt. Dieses Gefühl kann in den unterschiedlichsten Situationen kommen. Natürlich kannst du in den Zustand gelangen, während du vollkommen absorbiert von einer Tätigkeit bist, aber auch beim „Nichtstun“ kann er sich einstellen. Vielleicht fällt dir sofort eine Situation ein, in der du dich so gefühlt hast, vielleicht fällt es dir aber auch schwer, dich zu erinnern.

Ich habe den Flow schon in den unterschiedlichsten Situationen gespürt. Ein paar von ihnen möchte ich mit dir teilen – vielleicht hast du auch schon ähnliches erlebt und es hilft dir dabei, dir deine eigenen Flow-Momente wieder in Erinnerung zu rufen.

Ich erleb(t)e den Flow…

  • … immer wieder beim Meditieren.
  • … beim Zeichnen – als ich feststellte, dass das Bild viel großartiger wurde, als ich es mir vorgestellt hatte.
  • … beim Sitzen am Bach und beim Beobachten der stetigen Strömung.
  • … auf einer kaum bewohnten Insel – mit dem Wind in den Haaren, dem Rauschen der Wellen und dem Kreischen der Möwen.
  • … beim Schreiben eines Blogbeitrags oder an meinem Roman.
  • … beim In-der-Sonne-Liegen/-Sitzen (vor allem im Frühling, wenn sie noch zart wärmt)
  • … beim Yoga am See am frühen Morgen – mit anschließendem Schwimmen.
  • … beim Sitzen auf dem Balkon mitten in der Nacht mit der besten Freundin, dem Ruf eines Nachtvogels und einem Glas Wein.
  • … in einem Café in Venedig in der Abendsonne.
  • … beim Sternegucken mit dem liebsten Menschen.
  • … beim Nachdenken über die Frage „Wer bin ich?“

Ich könnte noch eine ganze Weile so weitermachen. Es gab viele Momente, in denen ich einfach völlig präsent und bei mir war. In denen das Leben einfach nur „perfekt“ war.
Vielleicht hast du nun Lust, ein wenig in dich zu gehen und dir deine eigenen Flow-Momente bewusst zu machen? Wenn es dir hilft, kannst du dir eine Liste erstellen. Oder du schließt für einen kurzen Augenblick die Augen und versetzt dich in die Situation von einem Lieblingsmoment. Mit all den Gefühlen, Geräuschen, Gerüchen,…

* Hier kurz innehalten *

Na, wie fühlt sich das an, zu deinen Flow-Augenblicken zurückzukehren? Fühlst du eine Sehnsucht in dir? Vielleicht auch Traurigkeit, dass dieses Gefühl nicht immer da sein kann? Womöglich auch den Drang, es neu entstehen zu lassen?

Da stimmt etwas nicht…

Behalte deine Erinnerung an diesen wundervollen Zustand im Hinterkopf und komm mit mir für einen Augenblick in die Gefühlswelt.

Kennst du dieses nagende Gefühl, das man am besten mit den Worten „da stimmt doch etwas nicht“ beschreiben kann? Ich hatte das häufig, wenn mir jemand einen Ratschlag gegeben hat oder ich eine wichtige Entscheidung treffen musste. Oder früher, als ich noch häufiger ferngesehen habe. Ich kenne das Gefühl auch bei größeren Menschenansammlungen oder wenn mir jemand von seiner Arbeit erzählt. Sehr häufig begegnete es mir früher in der Schule. Es kann eigentlich überall kommen. Es ist sehr subtil und kaum zu erspüren, wenn man nicht gewohnt ist, ganz genau auf sich selbst zu hören.

Viele Menschen spüren dieses Gefühl ihr ganzes Leben lang, ohne dahinterzukommen, was es damit eigentlich auf sich hat. Es ist wie ein Nagen, das wir aber ständig ignorieren, weil es so diffus ist, dass wir es nicht einmal benennen können. Also tun wir lieber mal so, als wäre es nicht da. Aber so ziemlich jeder wird bestätigen können, dass wir uns damit nur zu täuschen versuchen.

Wenn wir ehrlich sind, ist das Leiden. Wir suchen nach etwas, das uns erfüllt, doch das Glück hält niemals lange an. Das Leiden kehrt wieder zurück – und mit ihm die Sinnsuche, das Sehnen nach dem, was uns wirklich aus tiefstem Herzen und dauerhaft zufrieden macht. Wir wissen genau, dass es möglich ist, doch unser Verstand sagt das Gegenteil: „Das ist alles, was das Leben zu bieten hat. Arrangiere dich damit.“ Doch wir können uns nicht arrangieren. Wenn dieses Gefühl zu stark wird – die Sehnsucht nach der „Wahrheit“ und das ständige Ausbremsen dieser Sehnsucht durch unseren Verstand -, nennen wir das Depression.

Bei vielen Menschen kommt es aber nicht so weit, weil sie gelernt haben, die Sehnsucht zu unterdrücken und sich anzupassen. Aber auch sie spüren das latente Nagen. Auch sie wissen tief in sich, dass es „mehr“ geben muss. Weil sie es bereits erlebt haben.

Unser natürlicher Seinszustand

Könnte es sein, dass dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt, damit zusammenhängt, dass wir uns an unseren Zustand, in dem wir in all den wundervollen Flow-Momenten waren, nicht wirklich erinnern können? Wir spüren: „Ja, da war was! Ich wusste alles einmal!“ Und der Verstand sagt uns: „Da ist nichts. Alles ist unfair. Niemand kommt je dahinter.“ Kann es sein, dass dieser Widerspruch an uns nagt? Dass wir mit dem, was wir täglich tun, unserem Innersten widersprechen, weil wir aus der Vernunft heraus handeln und unser Herz überhören?

Für einen Augenblick waren wir „erwacht“, „erleuchtet“ – und dann haben wir es wieder vergessen. Wir haben unseren natürlichen Seinszustand gespürt und sind dann wieder in Verhaltensmuster zurückgefallen, die wir unser Leben lang eingeübt haben. Nun sehnt sich unser Herz zurück nach diesem Zustand, doch unser Verstand ist so sehr damit beschäftigt, zu tun und zu machen, dass er nicht dorthin zurückfinden kann. Denn dieser Flow tritt nur dann ein, wenn unser Herz weit geöffnet ist. Und je weiter wir unser Herz öffnen, desto öfter wird er uns beglücken. Auch wenn er sich niemals planen lässt. Aber genau das macht das Leben ja auch so interessant. 🙂

Dieses Erinnern, das „Erwachen“ ist so, als würdest du in einen wolkenverhangenen Himmel schauen. Du weißt, dass dahinter die Sonne ist, auch wenn du sie nicht siehst. Sie ist aber da, das ist so sicher wie das „Amen“ in der Kirche. Du erinnerst dich daran, sie schon zuvor gesehen zu haben – in deinem Flow-Zustand. Nun ist sie nur verdeckt. Das ist nicht schlimm. Die Wolken werden wieder weiterziehen.

Jagst du den Flow?

Manche Menschen haben herausgefunden, dass der Flow ein wundervoller Zustand ist. Sie lassen nichts unversucht, ihn immer wieder zu finden. Sie jagen ihm hinterher wie die Katze ihrem eigenen Schwanz. Manchmal, für einen kurzen Augenblick, bekommen sie den Schwanz zu fassen, doch je näher sie hinwollen, desto weiter weg ist plötzlich dieser Schwanz.

Als ich diese Seite gestartet habe, bin ich ebenso meinem eigenen Schwanz hinterhergejagt. Mir war schon irgendwie klar, dass der Flow sich nicht einfangen lässt, aber ich habe es dennoch versucht. Ich erinnerte mich an die Tätigkeiten, die den Flow haben aufkommen lassen, und versuchte fortan, nur noch das zu machen. Doch damit machte ich unbewusst alles, bei dem ich mir sicher war, niemals einen Flow zu erleben (v.a. die alltgäglichen Erledigungen), noch viel schlimmer als zuvor. Denn diese Tätigkeiten galt es nun zu überwinden.

Es reicht, sich zu erinnern

Erst jetzt habe ich so richtig verstanden, dass wir dem Flow überhaupt nicht nachjagen müssen; dass er sich auch in den ganz alltäglichen Handlungen einstellen kann. Er kann ebenso beim Teetrinken wie beim Bungee-Jumping kommen. Vielleicht fühlt er sich ein wenig unterschiedlich an, aber in beiden Tätigkeiten können wir entdecken, dass wir im Augenblick und eins mit allem sind. Wir sehen uns selbst und sind erstaunt. Und wir müssen nicht einmal Tee trinken. Es reicht, einfach nur dazusitzen. Es reicht, sich zu erinnern, wer wir sind. Denn das hat uns der Flow-Moment gezeigt. Wir sind weit mehr als unser Job, unser Status, unser Kleidungsstil oder unser Name. Wir sind etwas, das sich nicht in Worte fassen lässt. Wir alle sind eins mit dem Leben an sich. Wir haben es schon mal erlebt. Daran müssen wir uns nur erinnern.

Und erinnern können wir uns immer und überall. Je öfter wir es tun, desto öfter wird es uns gelingen – ein positiver Teufelskreis entsteht. Zugegeben, in manchen Situationen fällt uns das Erinnern leicht, in anderen finden wir es schwerer bis fast unmöglich. Das geht auch mir so. Wenn dich der Chef gerade anbrüllt, musst du schon verdammt geübt im Erinnern sein, um jedes seiner Worte vollkommen unbeschadet an dir abprallen zu lassen. So geübt wäre ich vermutlich nicht.

Was mir jedoch gelingt, ist es, meinen Alltag zu lieben. Denn in jedem Handgriff – beim Kochen, Putzen, Autofahren – kann ich die Erinnerung finden, meinen natürlichen Seinszustand, wenn ich all das vollkommen im Hier und Jetzt ausführe und mich nicht innerlich dagegen wehre. Ich „muss“ nichts mehr tun. Ich „will“.

Was hilft dir dabei, dich zu erinnern?

Bis ich meinen Alltag auf diese Weise genießen konnte, hat es jedoch seine Zeit gebraucht. In meiner Entwicklung bis hierhin habe ich verschiedene „Stadien“ durchlaufen. Als Allererstes habe ich kapiert, dass ich mit dem, was ich liebe, in den Flow komme. Daraufhin habe ich es mir zum Ziel gesetzt, so viel wie möglich davon in meinem Leben anzuhäufen und alles andere so sorgfältig wie möglich zu eliminieren. Doch das hat mich häufig frustriert, weil es einfach unmöglich ist, sein Leben so voller Leidenschaften zu packen. Es gibt immer etwas „Unliebsames“ zu tun.

Parallel zu diesen Leidenschaften (Schreiben, Musik, Lesen,…) habe ich Gott sei Dank mit der Meditation und mit dem Yoga angefangen. Ich könnte diese Dinge nun auch als Leidenschaften bezeichnen, aber für mich haben sie einen anderen Stellenwert. Sie sind schlicht und einfach unverzichtbar, denn sie machen mich bewusst und lassen mich klar sehen. Sie erinnern mich jeden einzelnen Morgen daran, wer ich wirklich bin. Sie lassen mich jeden Morgen in den Flow kommen, sodass ich meinen Tag vollkommen klar und aus dem Herzen heraus beginnen kann.

Natürlich habe ich mich auch intensiv mit Büchern, Blogs und Podcasts beschäftigt. Waren diese weise von mir gewählt (es gab auch einige Irrwege), halfen sie mir ebenso dabei, mich zu erinnern. Sie vermittelten mir die theoretischen Grundlagen des Erinnerns, so wie ich es nun versuche, bei dir zu machen. Bemerkte ich, dass ich mich zu weit von mir selbst entfernte, griff ich oft automatisch nach den richtigen Büchern, die mich oft genug wieder auf die richtige Spur führten.

Und letztendlich habe ich es geschafft, die Erinnerung beinahe den ganzen Tag aufrechtzuerhalten. Das Bewusstsein ist fast immer da, das Leid der Trennung von meinem natürlichen Seinszustand ist die meiste Zeit weg. Manchmal kommt es noch, haut mich kurzzeitig um. Aber dadurch, dass ich das Bewusstsein und das Erinnern ständig trainiere, kann es mir nicht dauerhaft etwas anhaben. Denn ich weiß, dass es nicht viel zu tun gibt, außer zu wissen, dass es einen anderen Zustand gibt und dass ich ihn nach einer Weile wieder erreichen werde. Vielleicht mit ein paar Hilfsmitteln, aber immer mithilfe der Nähe zu mir selbst.

Was hilft dir dabei, dich zu erinnern? Es kann aus allen Kategorien stammen: Leidenschaften – Informationen/Inspirationen – Meditation/Einkehr – Alltägliches. Gibt es vielleicht sogar aus jeder Kategorie etwas, das dir zur Erinnerung verhilft? Wenn du es herausgefunden hast, dann gib dieser Sache mehr Raum in deinem Leben. Das muss nicht unbedingt zeitlich sein, es geht auch rein gedanklich. Wenn du keine Zeit hast, um morgens ausgiebig zu meditieren und Yoga zu machen (ich gebe zu, in dieser Hinsicht ein wahres Luxusleben zu führen), dann erinnere dich beim Teetrinken, bei der Fahrt zur Arbeit oder schlicht und einfach beim Atmen.

Du weißt, was zu tun ist

Es gibt viele „Tipps“ die ich dir nun geben kann. Ich habe so einiges in den letzten Jahren angesammelt, das mir dabei hilft, wieder zu mir zurückzukommen. Inzwischen ist das wirklich ein gigantischer Fundus geworden, auf den ich in beinahe jeder Situation zugreifen kann. Doch letztendlich brauchst du nichts davon. Letztendlich ist alles nur eine äußere Stütze für dich. Letzten Endes brauchst du nur dich selbst und deine innere Stimme.

Alles, was du brauchst, ist zu wissen, dass du immer wieder zu dir zurückfinden kannst. Niemand ist verloren. Wir alle wissen, dass es diesen Teil in uns gibt, zu dem wir zurückkehren können. Wir alle haben ihn schon erlebt. Es ist möglich. Und du selbst weißt am besten, wie.

Pssst: In meinem nächsten Podcast spreche ich darüber, wie es mir gelingt, den Flow in meinem Alltag zu leben – und wie auch du das schaffen kannst! Also nicht verpassen! 😉

Was waren deine Flow-Erlebnisse und welche „Methoden“ wendest du an, um immer wieder in diesen Zustand zurückzukehren?

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2 Kommentare

  1. Hey Anna,

    ich komme am häufigsten beim Skifahren oder Surfen in den Flow-Zustand. Dann vergeht die Zeit ganz langsam und man weiß ganz genau, was man als nächstes tun muss. Ich habe ihn aber auch schon wie du beim aufs Meer schauen oder beim entspannen auf einer Wiese gehabt.
    Ich verfolge den Flow eigentlich nicht mehr. Für mich ist das Schöne, dass der Flow überraschend kommt und ich mag Überraschungen 🙂

    Liebe Grüße
    Dario

    • Lieber Dario,
      ja, die Überraschung des Flows mag ich auch besonders gerne. Wenn man ihn nicht erwartet, finde ich ihn auch besonders intensiv. 🙂
      Viele solcher Momente wünsche ich dir!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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