Die Welt braucht ein neues Wort

Die Facetten des Lebens

Wenn ich mir das Leben ansehe, wenn ich zurückblicke auf all das, was mir passiert ist und einen Blick in die Zukunft wage, merke ich immer wieder dass der deutschen Sprache ein entscheidendes Wort fehlt. Ein Wort, das in der Lage ist, all die Facetten des Lebens in eine Grundhaltung des Vertrauens zu legen und das wir uns immer wieder sagen können, um uns daran zu erinnern, dass alles einen ureigenen Sinn hat. Also habe ich einfach mal eins erfunden. 😉

Aivika

„Aivika“ stammt aus meinem Roman und ist ein frei erfundendes Wort. Doch mir fiel auf, dass ich begann, es in meinem Alltag zu verwenden und auch meine Freunde es benutzten. „Uns fehlt wirklich dieses Wort“, sagte letztens eine Bekannte. Deswegen will ich es heute mit dir teilen.

In meinem Buch führt es Amila – eine sehr selbstsichere Figur – ein, und erklärt Ghilor – dem von Selbstzweifeln befallenen Protagonisten – was es damit auf sich hat. Hier (ganz exklusiv – Trommelwiiiirbel) die Passage:

Als Amila die Spuren sah, zuckte sie lediglich mit den Schultern. „Aivika.“
Ghilor zog die Stirn kraus.
„Das bedeutet Es kommt, wie es kommen muss auf Alt-Gimarisch“, erklärte sie mit einem Augenzwinkern.
„Das ist mir bekannt“, lachte Ghilor. Er kannte das Wort. Und doch schien es plötzlich seine eigene Bedeutung in ihm zu entfalten. Es erfüllte seine Brust und brachte eine angenehme Leichtigkeit in seinen Kopf. Der Druck, der all die Zeit über auf ihm gelastet hatte, schien nun vollkommen nebensächlich zu werden. Seine Gedanken kreisten zwar nach wie vor um die Aufgabe, die er übernehmen musste, doch hier schien ihm alles möglich. Er hatte plötzlich ein Vertrauen in sich, das er schon lange nicht mehr gespürt hatte. Es wird alles irgendwie gut, wusste er. Aivika.

Vertrauen in das Leben

Ich kenne herzlich wenige Menschen, die Vertrauen in das Leben haben. Vielleicht zwei oder drei. Und die kenne ich nicht einmal gut. Es gibt also verdammt wenige Vorbilder, wenn wir uns vornehmen wollen, uns von Ängsten, Sorgen und ständiger Negativität zu befreien und stattdessen dem Leben an sich zu vertrauen. Deswegen musste ich mir in fiktiven Figuren meine Vorbilder zusammensuchen. Und ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie gut das funktioniert.

Ein Autor ist ja irgendwie „all seine Figuren“, sonst könnte er nicht über sie schreiben. All das, was seine Figuren tun, sind irgendwo auch Anteile des Autors. Amila ist „das Beste in mir“; eine Figur, die ich geschaffen habe, weil sie all das tut, was ich gerne täte und mir quasi vorlebt, wie ich gerne wäre. Und dieses Wort, das sie plötzlich sagt, dieses erfundene Wort – ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich es geschrieben habe – ist etwas Besonderes. Es hat sich nicht so angefühlt, als hätte ich es geschrieben. Es kam aus meinem Unterbewusstsein und hat mir in einer Zeit, in der ich wirklich keinerlei Vertrauen in das Leben hatte, gezeigt, dass es möglich war, dennoch an etwas zu glauben.

Doch es bedeutet für mich noch mehr: Es bedeutet, dass es einen höheren Sinn hinter allem gibt, dass mein Weg der richtige ist und das alles, was geschehen ist und geschehen wird, sich in diesen höheren Sinn einreiht. Es bedeutet, dass nichts umsonst passiert. Und es schwingt Dankbarkeit in diesem Wort mit – die Dankbarkeit dafür, am Leben zu sein; die Dinge erleben zu dürfen, die man erlebt; genau dort zu sein, wo man ist. Es drückt auch Gelassenheit aus: Man ist in Frieden mit dem Leben und lässt sich von nichts emotional komplett vereinnahmen. Kurzum: Aivika ist der perfekte Zustand! 🙂

Aivika als Lebensaufgabe

Vielleicht müssen wir gar nicht nach etwas ganz bestimmtem in unserem Leben suchen. Vielleicht brauchen wir den Sinn nicht zu finden, benötigen keine Leidenschaften, kein Ansehen und Status. Vielleicht reicht es zum Glücklichsein vollkommen aus, sich die Geisteshaltung von Aivika anzueignen.

Denn dann wäre man mit sich im Reinen, würde sich Zuständen hingeben, die man nicht verändern kann und voller Selbstsicherheit diejenigen ändern, bei denen das geht. Man müsste nicht nach etwas Höherem und Besserem streben, aber da man Freude am Tun hat, würde sich Erfolg von ganz alleine einstellen. Man lässt sich weder von seinen eigenen Gefühlen, noch von der Negativität der Welt einlullen, sondern kann vollkommen klar, fokussiert und realistisch bleiben. Zugleich folgt man seiner eigenen Intuition. Avika bedeutet, im Frienden zu sein – mit sich selbst und mir der Welt.

Mit Aivika zu den Leidenschaften

Wäre dieser Zustand dann nicht eine viel schönere Lebensaufgabe, als etwas hinterherzujagen, das uns ständig entflieht? Ist der innere Frieden und eine freudvolle Hingabe an den gegenwärtigen Moment, an das Leben an sich, nicht das Wundervollste, das uns geschehen kann? In einem solchen Zustand müssten wir nach unseren Leidenschaften nicht länger suchen, denn wir wären dann ständig mit ihnen verbunden. Wir hätten keine Stimmen in unserem Kopf, die uns davon abhalten wollten, unser Potenzial auszuleben und unserem Herzen zu folgen. Wir würden es einfach voller Vertrauen tun. Vertrauen darin, dass alles wunderbar ist und auch weiterhin sein wird. Vertrauen darin, dass wir uns sicher und geborgen fühlen dürfen, wenn wir etwas Neues ausprobieren.

Wären dann nicht sämtliche Probleme Herausforderungen? Würden sich unsere Ängste nicht in Neugier und Zuversicht verwandeln? Würden wir dann, anstatt nach dem Erfolg und Besitz von anderen zu trachten, uns auf uns selbst besinnen und unsere Talente und Gaben voll entfalten, weil alles andere einfach keinen Sinn macht?

Ich glaube, wir können jederzeit in einen Zustand von Aivika wechseln – wir können in jedem Augenblick unseres Lebens freudvoll und gelassen reagieren, wenn wir voll und ganz im Hier und im Jetzt sind, nicht länger an die Zukunft denken, sondern einfach darauf vertrauen, dass alles sich zu unserem Besten wendet – dass die scheinbaren Probleme sich in Möglichkeiten verwandeln.

Aivika im Alltag

Deswegen möchte ich dir Mut machen, dieses Wort (oder auch ein erfundenes deiner Wahl) häufiger im Alltag zu verwenden. So sehen Situationen aus, in denen ich es sage:

  • Ich lasse ein Glas fallen, bin kurz davor mich zu ärgern, zucke dann jedoch mit den Schultern. Aivika. Ich kann es ja doch nicht wieder ganz machen.
  • Ich fange an, einen bestimmten Abschnitt meines Lebens zu bereuen, ärgere mich, dass es nicht anders gelaufen ist. Aivika.
  • Ich mache mir Sorgen darüber, wie etwas in Zukunft laufen wird, kann nicht einschlafen, weil mir alle möglichen Szenerien durch den Kopf jagen. Aber heute Nacht kann ich nichts daran ändern. Aivika.
  • Einer Freundin von mir geht es gar nicht gut, das beschäftigt mich sehr und macht mir selbst Angst. Aber wenn ich bei ihr bin und unsicher bin, kann ich ihr dadurch auch nicht helfen. Ich atme also durch und besinne mich auf meine Stärke. Aivika.
  • Ich lasse von meiner Vergangenheit ab. Mein Leben findet hier und jetzt statt und ich kann mich in jedem Augenblick dafür entscheiden, kein Opfer meiner Lebensumstände, sondern Schöpferin zu sein. Aivika.
  • Gerade will ich diesen Beitrag speichern, doch plötzlich ist nur noch die Hälfte da. Mein Herz schlägt. Ich sage mir Aivika, versuche den Text wiederherzustellen. Ich weiß, dass es seinen Sinn hat, auch wenn es nicht klappt. Aber es klappt. Und du kannst das hier lesen. Mein Vertrauen hat sich ausgezahlt. 🙂

Und jetzt bist du dran: Was hältst du von meiner Wortneuschöpfung? Wann würdest du dieses Wort benutzen?
Dir hat dieser Artikel gefallen? Hier gibt’s noch mehr:
Du bist viel mehr! (und deine Leidenschaften sind nicht alles)
Wie du die Macht des Zufalls nutzen kannst
Warum Erfolg vorprogrammiert ist, wenn du deine Leidenschaften lebst

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Möchtest du regelmäßig Inspirationen? Dann trage dich kostenlos in meinen Newsletter ein (jederzeit wieder abbestellbar). Ich freue mich schon auf dich!

Deine Daten sind bei mir zu 100% sicher. Du kannst den Newsletter jederzeit abbestellen.

19 Kommentare

  1. Hey Anna,

    gefällt mir, dein neues Wort. Ich finde es nur etwas schwer auszusprechen ^^

    Mir ist aber ein ähnlicher Ausdruck eingefallen, den du bestimmt auch kennst.

    „Hakuna Matata“

    („Es gibt keine Schwierigkeiten“)

    [Timon und Punmbaa]

    LG Norman

    • Hi Norman,
      schwer auszusprechen? Ich weiß gar nicht, wie man es anders aussprechen kann?! 😀 Es freut mich, dass es dir trotzdem gefällt! Aber Hakuna Matata ist natürlich auch klasse. 😉
      Liebe Grüße
      Anna

    • Ah danke Norman! Wie cool, Hakuna Matata! Das hätt ich doch glatt schon vergessen da is man gleich automatisch fröhlicher, weil man an den Film denkt bzw. generell an Filme die man als Kind geliebt hat 😀

      Hugs

  2. Zuerst dachte ich, jetzt wirds aber albern und DANN
    passendes Wort, das man doch öfter brauchen kann 🙂
    und es ist einfach, bischen geheimnisvoll und hat Energie
    Danke dafür

    • Ja, sowas kann leicht ins Alberne rutschen. Und wenn schon: albern ist auch mal schön. 😉 aber es freut mich, dass du es doch passend findest!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Hi Anna,

    danke für ein wunderschönes Wort!

    Ich habe es sogleich in mein Herz und meinen Wortschatz geschlossen. Jetzt würde mich nur noch interessieren, ob du es genauso aussprichst/betonst wie ich 🙂

    Liebe Grüße
    Mischa

    • Hi Mischa,
      das freut mich sehr, dass du Aivika auch so gerne magst. Ich betone es auf die zweite Silbe, also Aiviiika – so ein bisschen. 😀 Und du?
      Ganz liebe Grüße aus Italien
      Anna

      • Haargenau so 🙂 Das hat so ein bisschen was skandinavisch-romantische …

        Liebe Grüße nach Bella Italia und genieße die Zeit (aber das tust du ja eh immer)

  4. Liebe Anna, danke für Deinen Artikel. Er regt an auch zum Widerspruch, erzeugt Reibung und Reibung erzeugt Wärme….
    Ich finde Deine Wortschöpfung interessant (ich bin auch eine Wortschöpferin) kann es aber nicht adoptieren, es stimmt für mich nicht…
    Wenn mir die oben beschriebenen Dinge passieren dann sagte ich : „so what“.
    Ich bin kein Opfer, ich bin die Gestalterin eines jeden Tages und kann die Vergangenheit soweit hinter mir lassen, doch da sind Narben. Seelisch und körperlich. Die bleiben Störfelder im wahrsten Sinn des Wortes.
    Ich habe kein Vertrauen ins Leben und das alles gut wird, nein, ich habe Vertrauen in mich, meine Wahrnehmung und mein Spüren. Außerdem (nicht lachen) habe ich Vertrauen in meinen Hund der ein anderes Wahrnehmen und Spüren hat und mich darin ergänzt.
    Ganz liebe Grüße
    Rosemarie

    • Hallo liebe Rosemarie,
      ich finde es richtig gut, dass du merkst, dass du mein Wort nicht adaptieren kannst. Jeder soll das für sich rausholen, was er gebrauchen kann. Und ich konnte „Aivika“ gebrauchen. 😉 „So what“ klingt mir persönlich hingegen zu gleichgültig, auch wenn ich es auch ab und an benutze. Aber ich finde es großartig, dass du Gestalterin deines Lebens bist! Mach weiter so! Das mit einem Hund finde ich ganz und gar nicht seltsam. Du weißt ja, dass ich selbst ein absoluter Hundemensch bist. Hunde sind großartig im Spüren – da können wir so viel von ihnen lernen!
      Alles Liebe dir!
      Anna

  5. Liebe Anna, danke für diesen wundervollen Artikel. Ich find das Wort Aivika total schön, so wie die vielen Bedeutungen, die es für dich hat. Ich werde es mir mal merken und wenn ich in einer Situation bin, in der ich es gebrauchen könnte, werde ich daran denken. Danke für dieses tolle Wort! ♥

    PS: Wirst du deinen Roman veröffentlichen, wenn er fertig ist? Würde ihn echt gerne mal lesen. 🙂

    • Liebe Anika,
      wie schön, dass auch dir mein Wort so gut gefällt! Ich bin schon gespannt, wann du es gebrauchen kannst!
      Ich habe vor, meinen Roman zu veröffentlichen – mal schauen, wie und wann. Ich lass das einfach mal auf mich zukommen – Aivika. 😉
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  6. Hach ich liebe so eine Kreativität 😀 Wörter neu erfinden finde ich klasse! Aivika hört sich echt schön an. Fühlt sich für mich wie ein jahrtausendaltes Wort an, das jetzt wieder aufgegriffen wird 😀 Darf ich fragen wann es dir genau in den Sinn gekommen ist? Solche Dinge fallen einem ja hauptsächlich beim Nichtstun ein, wenn man über nichts besonderes nachdenkt 😀

    Ich würde es zB beim Autofahren benutzen, wenn ein Traktor vor mir fährt, ich es eilig habe, aber ihn einfach nicht überholen kann. Aivika!

    Bin gespannt inwieweit sich dein Buchstabenkunstwerk durchsetzt 😀

    Hugs,
    Linda

    • Liebe Linda,
      das mit dem jahrtausendealten Wort ist interessant. So sollte es nämlich in meinem Roman wirken – ein Wort, das die Menschen in ihrer Hektik vergessen haben und das nun wieder auftaucht und in Zeiten der Krise eine neue Bedeutung gewinnt. Mir kam es, während ich am Buch geschrieben habe, es floss mir sozusagen aus den Fingern, als ich mitten im Flow war.
      Ohh ja, beim Autofahren ist dieses Wort echt oft angebracht! 🙂
      Alles Liebe dir!
      Anna

  7. Cool dass ich da also gleich so buchgetreu gedacht hab haha. Bin schon sehr auf deinen Roman gespannt, hoffentlich bekommt man den bald mal zu lesen, würd mich darauf freuen! 😀

    Hugs

  8. Liebe Anna,
    mir gefällt das Wort auch sehr gut, es hat einen besonderen Klang. Und das mit dem Roman finde ich natürlich megagut! Bleib dran!
    Mir fiel dazu Bashar, meine Hauptinspirationsquelle ein: Der Sinn des Lebens ist das, wir WIR hineinlegen. Es ist nichts, das wir im Außen suchen müssen, es liegt in uns. Und es entfaltet sich, wenn wir unserem Fluss nachgeben und immer das tun, was für uns am stimmigsten ist. Nur die Freude am Tun bringt uns vorwärts, und insofern müssen wir auch nicht kämpfen und mit Widerständen diskutieren. Vertraue dir, und du wirst genau dahin geführt, wo es für dich richtig ist.
    LG
    Sybille

    • Liebe Sybille,
      Deine Worte sind wundervoll und ergänzen „Aivika“ ganz hervorragend! Vor allem den Begriff „nicht mit Widerständen diskutieren“ finde ich ganz toll – das werde ich mir merken! Hach, hier in Italien ist es gerade sowieso so leicht, Aivika voll und ganz zu leben! Das möchte ich dann mit nach Deutschland nehmen, wo es mit der „Jammerkultur“ nicht ganz so einfach ist. 😉
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  9. Hallo Anna,

    ich mag dein neues Wort! Ich gebe aber zu, dass ich es spontan „A-I-vika“ ausgesprochen hätte und das jetzt irgendwie in meinem Kopf auch nicht mehr ändern kann. 🙂

    Es ist komisch, dein Beitrag kommt gerade mal wieder zur genau richtigen Zeit und wie für mich geschrieben: Im Hier und Jetzt zu sein und darauf zu vertrauen, dass sich in der Zukunft alles zum Besten wendet, ist für mich gerade die allergrößte Herausforderung, mit all den Problemen, die ich momentan habe. Und gerade kam noch eins dazu – also, Aivika brauche ich gerade wirklich dringend …

    Was Sybille schreibt, finde ich auch schön: “ … es entfaltet sich, wenn wir unserem Fluss nachgeben und immer das tun, was für uns am stimmigsten ist. Nur die Freude am Tun bringt uns vorwärts, und insofern müssen wir auch nicht kämpfen.“ Ach, so möchte ich auch leben können!

    Danke euch für die Inspiration!

    Liebe Grüße
    Michaela

    • Liebe Michaela,
      wie schön, dass mein neues Wort auch dir so gut gefällt! Wie du es aussprichst, spielt dabei überhaupt keine Rolle! 🙂 Ich wünsche dir in nächster Zeit ganz viel Aivika-Kraft, wenn es für dich gerade eine Herausforderung ist. Du wirst es schaffen, so zu leben, wie du es dir wünschst. Ich merke selbst, wie es mir Tag für Tag besser gelingt. Und Rückschläge gehören eben dazu.
      Ganz liebe Grüße
      Anna

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.