Eine Gratwanderung: Finde die Balance zwischen Entspannung und Anregung

IMG_2787

Auf meiner Reise in ein bewussteres Leben finde ich mich trotz zunehmenden Glücks- und Dankbarkeitsgefühlen immer wieder in Momenten wieder, in denen ich unzufrieden mit etwas bin. Meistens handelt es sich dabei um etwas, das ich gerne tun möchte, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht tun kann. Kennst du dieses Gefühl?

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust…

Vielleicht hat das mit meiner Scanner-Mentalität zu tun, dass ich gerne so viel wie möglich ausprobieren möchte. Manchmal habe ich richtig Angst, etwas zu verpassen. Ich würde gerne die gesamte Welt bereisen und wäre mit Freunden auf Achse, doch wenn ich mehrere Tage hintereinander die ganze Zeit unter Menschen war, spüre ich, dass ich mich nach Ruhe sehne und reizbar werde. Was sich mit diesem hohen Aktivitätsanspruch beißt, ist meine Hochsensibilität. Mir wird schnell alles zu viel und ich brauche nach ein paar anstrengenden Tagen eine extra Schlafeinheit, um wieder voll funktionsfähig zu werden, bzw. Zeit für mich selbst, wo ich nur etwas lese oder schreibe oder male. Doch sobald ich dann zur Ruhe komme, zieht es mich oft nach nur wenigen Stunden wieder hinaus.

Kommt dir das bekannt vor? Dann ist mein Problem vielleicht auch das deine: Ich bin sowohl extrovertiert als auch introvertiert. Es gibt Momente, in denen ich vollkommen unsicher und verschüchtert bin, während ich bei anderen Gelegenheiten oder auch an anderern Tagen vor Selbstbewusstsein nur so strotze.  Vermutlich empfindest auch du es als ziemlich schwierig, immer wieder die Gratwanderung zwischen Entspannung und Anregung zu finden und sie zu gehen. Und auch das Umfeld hat es da nicht gerade leicht mit den „Zweiseeligen“. Gerade noch vollkommen motiviert, bin ich plötzlich müde, schlecht gelaunt und brauche eine Runde Ich-Zeit oder Schlaf. Und in anderen Momenten geht es mir genau andersrum: Ich möchte unbedingt etwas unternehmen, bin voller Energie, aber finde niemanden. Oder ich möchte meinen Leidenschaften folgen, weiß aber nicht, wo ich anfangen soll. Das frustriert mich dann.

Die goldene Mitte

Ich habe inzwischen mehrere Tricks und Kniffe gefunden, mich immer wieder in Balance zu bringen; meine eigene Mitte zwischen Entspannung und Anregung zu finden. Vielleicht helfen sie auch dir?

1. Spreche mit deinen Mitmenschen über deine Bedürfnisse

Zunächst einmal ist es wichtig, dass du dich davon löst, was deine Umwelt von dir denken könnte. Das klingt natürlich leichter gesagt, als getan, aber du wirst den Weg dahin noch schaffen! Wenn du diese Einstellung verinnerlicht hast, fällt es dir viel leichter, deine Bedürfnisse vor den anderen zu artikulieren, ihnen zu sagen, wenn dir etwas zu viel ist. Meinen engeren Freunden habe ich von Hochsensibilität erzählt, viele von ihnen sind ebenfalls hochsensibel und verstehen mich da ohnehin bestens. Die anderen (auch mein Partner) können es inzwischen akzeptieren, dass mein Reiz-Limit einfach schon viel früher erreicht ist, selbst wenn ich noch Minuten zuvor unbedingt an dieses Limit gehen wollte.

2. Verändere deine innere Haltung

Ist ein Rückzug nicht möglich oder erwünscht, versuche ich, meine innere Haltung zu verändern. Es hilft mir dabei, mir vorzustellen, dass das Ganze nur ein Spiel ist, in dem es um Lebenserfahrung geht. Ich sehe mich um und frage mich: „Was gibt es in dieser Situation, das du tun kannst, um etwas zu lernen, etwas Neues zu erleben?“ Zugegebenermaßen fällt mir diese Übung (noch) nicht immer leicht, aber es wird immer besser. Wenn ich auf einer Party bin, wo ich beginne, mich aufgrud von Überreizung unwohl zu fühlen, versuche ich mir in einer solchen Situation eine Person herauszupicken, mit der ich ein anregendes Gespräch führen kann. Oder ich probiere ein neues Getränk, lasse mir einen Tanzschritt zeigen, etc. Wenn man dann in der Tätigkeit ist, fällt es einem auch leichter, die störenden Reize auszublenden.

3. Arbeite mit Aktivitätslisten

Anders ist es, wenn man gerne aktiv sein möchte, es aber aus diversen Gründen nicht sein kann – beispielsweise findet man niemanden, der Zeit und Lust hat; man hat das nötige Kleingeld für die Aktivtät nicht oder muss aus anderen Gründen darauf verzichten. Damit mir die Decke in solchen Situationen nicht auf den Kopf fällt, habe ich damit angefangen, eine Liste mit Tätigkeiten anzufertigen, die ich als sinnvoll erachte und alleine machen kann.

Selbst, wenn dann tatsächlich niemand Zeit hat, kann ich auf eines dieser Dinge zurückgreifen und ein gutes Gefühl heraufbeschwören. Das letzte Mal, als es mir so ging, habe ich einfach angefangen, drauf los zu malen. Ich habe kein gutes Ergebnis erwartet, wollte mir nur die Zeit vertreiben, musste jedoch feststellen, dass ich unglaublich produktiv und kreativ wurde. Ich lebte eine meiner Leidenschaften und fühlte mich gut deswegen!

Das Verfolgen der eigenen Leidenschaften ist ein wunderbarer Trick gegen Langeweile, wenn du weißt, was du konkret tun möchtest. Schau dir einfach deine Liste an und such dir eine Tätigkeit aus, auch wenn sie dir in diesem Moment nicht attraktiv erscheint. Sobald du etwas erschaffst oder etwas tust, was dir sonst Freude bereitet, wirst du schon bald Glück anstatt einer gähnenden Leere verspüren! Besonders gut eignen sich für diese Situationen auch Dinge, die man neu lernt. Es gibt tolle intuitive Sprachprogramme, wenn du schon immer mal wissen wolltest, wie man eigentlich einen Satz auf chinesisch sagt; sowie sehr viele Informationen im Netz, die du in deinen Alltag übertragen kannst. Alleine schon auf youtube findest du unzählige Tutorials. Vielleicht wolltest du schon immer mal wissen und ausprobieren, wie man selbst Knuspermüsli zubereitet oder einen Socken ordentlich flickt? Ich garantiere dir, dass das Gefühl, dass dein Leben an dir vorbeizieht, schon bald vorbeigehen wird.

4. Höre ganz genau auf dich selbst

Doch neben all diesen kleinen Kniffen, die man im Alltag benutzen kann, ist das Wichtigste: Höre ganz genau auf dich selbst! Frage dich: „Was will ich wirklich?“ und „Wie kann ich es erreichen?“ Es gibt immer viele verschiedene Möglichkeiten, nicht nur die eine, auf die du dich gerade festgefahren hast. Höre auf deine innere Stimme und trau dich, ihr zu folgen! Wenn du merkst, dass dir alles zu viel wird und du einfach deine Seele baumeln lassen möchtest – sage den nächsten Termin ab! Niemandem ist geholfen, wenn du vollkommen gehetzt und genervt bist. Wenn du merkst, wie du dir Action wünschst – hol sie dir! Aber bleibe dir dabei immer selbst treu und verbiege dich nicht unter den Erwartungen anderer – dann wirst du es immer wieder schaffen, die Gratwanderung zu meistern!

Kennst du diesen Zwiespalt ebenso gut wie ich? Hast du vielleicht noch einen Tipp, den ich hier vergessen habe?

Diese Beiträge interessieren dich vielleicht auch:
Die innere Unruhe
Der Wurm und wie du mit ihm umgehen kannst
Hochsensibilität – 12 Gründe, warum sie ein Segen ist
Bist du ein Scanner?

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Möchtest du regelmäßig Inspirationen? Dann trage dich kostenlos in meinen Newsletter ein (jederzeit wieder abbestellbar). Ich freue mich schon auf dich!

Deine Daten sind bei mir zu 100% sicher. Du kannst den Newsletter jederzeit abbestellen.

2 Kommentare

  1. Oh der Artikel hat mich sehr gefallen und wieder gezeigt- ich bin normal…eben Scanner-normal 🙂 Vielen Dank!

    • Hallo liebe Judith!
      Schön, dass du den Artikel so gut fandest! Ja, die Balance zu finden ist ein Thema, das immer und immer wieder angegangen werden muss. Und ich glaube auch, das hört nie auf. 😉
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.