Gastbeitrag: Erkenne dich selbst, dann ist alles klar

Heute überlasse ich das Wort Karl von www.lebenskuenstler.co. Während ich mich mit meinem nächsten Podcast für dich beschäftige, darfst du heute seine weisen Worte über die Wichtigkeit der Selbsterkenntnis lesen. Besser hätte ich es selbst nicht schreiben können, also lass dir diesen wundervollen Artikel nicht entgehen:

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Und, ist alles klar bei dir?“ Wie oft wurde dir diese Frage schon gestellt? Und wie oft hast du sie schon mit „ja, alles klar“ beantwortet, obwohl sich dein Hirn im Nebel des Lebens gerade mal wieder verloren hatte und deine inneren Stimmen ein hitziges Streitgespräch führten. Wir Menschen neigen dazu, nach außen hin so zu tun, als wäre alles klar und in bester Ordnung, obwohl in unserem Inneren das reinste Chaos herrscht! Doch wie lässt sich dieses Chaos lichten?

Viel Lärm um nichts

Der Lärm des Alltags setzt uns zu. Wir haben Aufgaben, Meetings, Projekte, Familie und noch vieles mehr. Der durchschnittliche Homo Ökonomicus ist ständig in Bewegung und wird bombardiert mit (negativen) Informationen, sinnentleerter Werbung oder Facebook-Updates. Manches nehmen wir bewusst wahr, manches passiert unbewusst. Unser Gehirn kann diese Fülle an Informationen aber nicht verarbeiten. Und die innere Stimme, die die vom Herzen kommt, wird übertönt. Deshalb rennen wir weiter, sind gefangen in einem System, das wir so nicht wollen. Zu viel Arbeit und zu wenig Zeit für das schöne und gute Leben, das sind die Folgen. Fragen wie „was ist mir wichtig?“ oder „wer bin ich?“ werden nicht mehr gestellt. Warum auch?

Das hat doch alles keinen Sinn

Das hat doch alles keinen Sinn – das ist schon wieder so ein Satz, den man gefühlt immer öfter hört. Doch warum finden Menschen keinen Sinn mehr in Ihrem Tun?
Früher war alles etwas einfacher. Keine Sorge, dies wird jetzt kein Vortrag über die gute alte Zeit. Doch es ist schon wahr, früher gab es klarere Regeln und Werte, denen die Menschen folgten. Entweder sie folgten der Kirche oder dem Staat. Doch beide Institutionen bieten uns in der heutigen Zeit immer weniger Halt. Es fehlt das Große und Ganze.

Wonach soll ich mich richten? Was ist ein gutes Leben? Wozu lebe ich überhaupt? Warum muss ich jeden Tag um 5.30 Uhr aus dem Bett? Dies sind Fragen, mit denen sich Menschen immer öfter konfrontiert sehen, und wenn sie für sich keine Antwort finden, dann macht sich Unklarheit breit. Eine gewisse Unruhe, die dann auch zu Stress und Unzufriedenheit führt. Das Rad dreht sich, nur leider in die falsche Richtung. Denn es fehlen die Zusammenhänge und ohne Zusammenhänge lässt es sich schwer leben.

Das innere Streitgespräch lösen

Unklarheit und Unzufriedenheit führen dazu, dass wir uns ständig mit uns selbst in einem inneren Streitgespräch befinden. Unser Herz und unsere Emotionen möchten etwas anderes als die Ratio. Wir sind innerlich zerrissen.

Das größte Problem daran ist, dass wir dies nicht bewusst wahrnehmen. Denn unsere innere Stimme wird übertönt. Wir sind zu sehr im Alltag gefangen, wir hetzen umher, sodass wir unsere wahren Gefühle nicht mehr wahrnehmen.

Auch mir ging es so, bis ich eines Tages einfach dalag. Tac, Tac, hörte ich es, begleitet von presslufthammerartigen Kopfschmerzen und Tränen, die mir über die Wangen kullerten. Ich lag in einer CT-Röhre und hoffte auf das Beste, doch meine Gedanken kreisten um das Schlimmste. Was ist, wenn ich jetzt abtreten muss? Welche Fehler habe ich gemacht? Was würde ich anders machen? Warum bin ich hier? In den paar Minuten, in denen ich da drin lag, gingen mir tausend Fragen durch den Kopf, auf die ich alle keine Antwort wusste.

„Mensch erkenne Dich selbst, dann weißt du alles.“

Diese weisen Worte stammen vom griechischen Philosophen Sokrates. Deren Bedeutung wurde mir erst nach der Untersuchung und während des Krankenhausaufenthaltes bewusst. Denn zur Erholung durfte ich noch ein paar Tage im Krankenhaus verbringen. In dieser Zeit fand ich genug Muße und Ruhe, mich all den Fragen zu widmen, die mir in der Röhre durch den Kopf gegangen waren.

Auch wenn diese Minuten mitunter die schmerzhaftesten, schlimmsten und schwierigsten meines Lebens waren, so waren sie doch die lehrreichsten. Denn ich hatte nun Zeit, mich in aller Ruhe um mich selbst zu kümmern. Ich bin in mich gegangen und habe festgestellt, dass ich ein Leben gegen meine Werte führte, ein Leben das ich so nicht wollte. Ich hatte weder Zeit für meine Leidenschaft, die Philosophie, noch für meine Familie. Ich war mit einem Bankkredit an der Backe und im Hamsterrad laufend in einem goldenen Käfig des Systems gefangen.

Und während meiner Einkehr habe ich erkannt, dass mein wichtigster Wert die Freiheit ist und dass ich mein Leben danach ausrichten muss. Dies habe ich dann auch gemacht und es fühlte sich von Anfang an richtig gut an.

Und was soll ich sagen? Mein Leben hat sich seither um 180 Grad gedreht. Durch meine Einkehr habe ich mein ganzes Leben umgekrempelt.

Ich habe Zeit für die Familie und für meine Hobbys. Ich bin schuldenfrei, frei wie ein Vogel und lebe momentan in Spanien. Wird das das Richtige sein? Ich weiß es nicht, aber den Versuch ist es jedenfalls wert. Ich bin meinen eigenen Weg gegangen. Ich bin den Weg der Lebenskunst gegangen. Und führe nun ein zufriedenes und ausgeglichenes Leben mit meiner Familie.

Doch der Weg hierher war ein langer. Ich habe beide Seiten kennengelernt. Wie es sich anfühlt, nicht seinen Werten zu folgen.

Und was hast Du jetzt von meiner Story? Ich möchte Menschen dazu inspirieren, ihren eigenen Weg zu gehen. Und du sollst nicht wie ich warten, bis du krank wirst.
Nein, nutze die Gelegenheit und mache eine innere Inventur. Es braucht dafür nur etwas Zeit und Raum und du kannst beginnen, ein selbstbestimmtes und gelassenes Leben zu führen. Hier 6 Erkenntnisse, die ich für die bisher wertvollsten halte:

1. Übereinstimmung von Gedanken und Gefühlen macht Sinn

Manchmal kommt etwas Sand in das Getriebe des Lebens. Man fühlt sich nicht glücklich, vielleicht ausgebrannt oder einfach nur k.o. Das Leben fühlt sich sinnlos an. Das passiert dann, wenn unsere Gedanken und unsere Gefühle für unterschiedliche Werte arbeiten. Doch meistens weiß unser Herz besser, was gut für uns ist. In meinem Herzerl schlummerte ein freiheitsliebendes Tier, doch meine Gedanken waren auf Sicherheit gepolt. Alle haben mir eingeredet, dass Sicherheit wichtig ist, vom Versicherungsvertreter, den Medien, bis hin zur gesamten Gesellschaft. Und eine Zeit lang bin ich diesen Unkenrufen auch gefolgt. Bis irgendwann der Punkt der Sinnlosigkeit eingetroffen ist. Deshalb sorge dafür, deinen Gedanken und Gefühlen zu folgen und du wirst dich für die richtigen Werte entscheiden. Für ein wertvolles Leben.

2. In-sich-Blicken statt Um-sich-Blicken

Der Umgebungslärm und die Flut an Informationen machen unser Bewusstsein ganz kirre. Nimm dir bewusst für dich – und nur für dich – eine Auszeit. Gönne dir absolutes Nichtstun. Und zwar nicht einmal und dann nie wieder, sondern regelmäßig. Unser Hirn braucht Erholung vom Umgebungslärm. Sonst kommen wir nicht zu unserer inneren wahren Stimme. Sie will uns etwas sagen – und sie will dir etwas sagen. Pfeif auf die Stimmen deiner Umgebung, der Gesellschaft und der Werbung und lausche in aller Stille auf deine eigene. Pssst. Hörst du sie schon?

3. Tun statt warten

Und, was möchtest du ändern? Beginne gleich heute damit. Mach dir einen Plan und beginne mit dem ersten Schritt. Jede Veränderung – und ist sie noch so groß – beginnt mit dem ersten Schritt (na gut, ein Euro für das Phrasenschwein). Wenn du einmal losgelaufen bist, geht es um einiges leichter.

4. Warten statt tun

Du weißt nicht, was du ändern möchtest, aber irgendwo zwickt es und zwackt es. Dann heißt es abwarten. Dies mag jetzt nach einem Widerspruch zum vorherigen Punkt klingen. Ist es vielleicht auch. Aber nimm dir noch etwas mehr Zeit für Muße und deine innere Stimme wird dir etwas erzählen.

5. Aus jedem Gefängnis kann man ausbrechen

Puh.. der Elefant ist zu riesig? Teile den Elefanten in kleine Stücke und gehe schrittweise vor. Denn alle Gefängnisse – seien es finanzielle oder soziale – haben wir uns selbst geschaffen. Deshalb können wir auch selbst ausbrechen. Auch wenn du mit einem Löffel einen Tunnel graben musst und es Jahre dauert – irgendwann bist du frei.

6. Mache es nicht wie der Vogel Strauß

Im Grunde genommen bin ich mit meiner Rechtschreibschwäche als Autor und Blogger doch komplett fehl am Platz. Ich hätte schon vor Jahren aufgeben und den Kopf in den Sand stecken müssen, oder? Eben nicht. Denn für große Probleme gibt es meistens einfache Lösungen. Im meinem Fall musste ich nur die richtige Frau heiraten. Es gibt einen Weg. Ändere nicht das Ziel, wenn es von Herzen kommt.

Erkenne dich selbst und sorge für Klarheit und Ruhe

Die großen Themen, wie Sinn und Werte des Lebens, helfen einem auch bei den täglichen kleinen und großen Entscheidungen. Hat man für sich seinen Lebenssinn bestimmt und seine Werte erkannt, so dient diese Entscheidung als Richtschnur und Orientierung für alle weiteren Entscheidungen.

Stelle dir folgende Fragen und entscheide bewusst:

Wie möchte ich leben?
Welchen Beruf möchte ich ausüben?
Welche Hobbys machen für mich Sinn?
Wo und was kaufe ich ein?
Worauf kann ich verzichten?
Was erscheint mir wichtig und richtig?
Welche Prioritäten setze ich?
Welche Werte möchte ich meinen Kindern weitergeben?

Skizziere dein Leben auf Papier und schaffe Klarheit auch für den Alltag. Das Ziel soll sein, ein authentisches und kongruentes Leben zu führen.

Sein Leben selbst zu gestalten und mit Sinn zu füllen ist eine bewusste Entscheidung und ein lebenslanger Prozess – ohne exakte Ziellinie. Die Schwankungsbreite kann von Mensch zu Mensch variieren. Auch die Entscheidung, das Leben so oder so zu führen, darf sich ändern. Ich habe die Möglichkeit, den Schwerpunkt meines Lebens jederzeit zu ändern. In meiner Jugendzeit waren es Freundschaften und sonstige sozialen Kontakte, jetzt ist es vor allem die Familie und mein Projekt Lebenskünstler. Und wer weiß, wohin die Reise und meine Lebensinteressen mich noch führen.

Hauptsache, man entscheidet bewusst und bleibt am Ball. Denn schon Seneca sagte:
„Weise Lebensführung gelingt keinem durch Zufall. Man muss, solange man lebt, lernen, wie man leben soll.“

Ich selbst konnte durch das Fokussieren auf meine Werte viele Unklarheiten beseitigen. Das heißt nicht, dass nicht immer wieder welche auftauchen. Dennoch fällt es mir leichter, Entscheidungen zu treffen und das Leben gelassen zu genießen!

Und was meinst du dazu?

Liebe Grüße
Karl

ipp

Hi, ich bin Karl, Autor, Blogger und Student der Lebenskunst. Ich schreibe über die Kunst, das Leben zu genießen. Auf meinem Blog Lebenskünstler erfährst Du, wie Du Deinen persönlichen Weg der Lebenskunst findest, dem Druck des Alltags entkommst und mehr Gelassenheit und Heiterkeit in Dein Leben bringst!
Mehr über mich erfährst Du unter: http://www.lebenskuenstler.co/lebenskuenstler-wer-bin-ich/

Fotos: unsplash, Karl Allmer

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6 Kommentare

  1. Ein toller Artikel, er macht Mut in sich hinein zu hören und auf die eigene Stimme zu achten. Nicht anfangen aufzuhören.
    Viele Grüße
    Rudolf

    • Hallo Rudolf,
      herzlichen Dank für Deine lobenden Worte, ich freu mich wirklich. Auf sein Herz zu hören, bringt einfach ein gutes Gefühl. Auch wenn der erste Schritt zur Veränderung manchmal schwer fällt, so lohnt es sich, den ersten Schritt zu gehen. Besten Dank! Lg Karl

  2. Hi Karl.

    Danke für deinen offenen und ehrlichen Beitrag.

    Du hast in deinem Artikel erwähnt wie du im Spital Zeit gefunden hast in dich zu kehren und dir Antworten auf deine Fragen geben konntest. Schade, dass du dies an diesem Ort machen musstest.
    Wenn wir spüren, dass etwas nicht stimmt und wir uns die Zeit nehmen in uns zu kehren, muss es nicht soweit kommen. Es muss auch nicht sein, dass wir mehrere Tage sinnieren und womöglich nach ein paar Tagen wieder in den alten Trott zurückkehren.

    Ich finde eine tägliche kleine Tagesrückschau sehr effektiv, um sich selbst näher zu kommen. Ein paar kurze knackige Fragen sind da sehr hilfreich die Selbsterkenntnis zu fördern. Eine weitere Möglichkeit sich näher zu kommen sehe ich in der Meditation. Es beruhigt nicht nur die Gedanken, sondern auch das Bewusstsein über sich selbst. Anna wird mir sicherlich zustimmen. 😉

    Deinem Fragekatalog schlage ich ein paar Ergänzungen vor:
    – Wer bin ich? oder Mit was identifiziere ich mich?
    – Was sind meine Werte?

    Beide Fragen lassen dich dein innerstes erkennen und zeigen dir auf was dir wirklich wichtig ist.

    Bei der Frage „Wie möchte ich leben?“ fällt es vielleicht einigen schwer die inneren Bilder, Gefühle, Gedanken und Empfindungen nieder zu schreiben. Stattdessen finde ich eine bildliche Beschreibung eines gewünschten Tagesablaufes sehr sinnvoll. In einer Geschichte werden die Gefühle oftmals besser dargestellt als wenn man eine Auflistung von Schlagworten verwendet.

    Herzlichen Gruss
    Markus

    • Hi Markus,
      herzlichen Dank für Deine Worte und für Deine Ergänzungen. Du hast recht die tägliche Reflexion kann sehr gut helfen um sich seinen Werten bewusster zu werden. Leider geht es vielen Menschen gleich wie mir, sie setzen sich im Alltag mit diesen Fragen nicht auseinander und dies führt sehr oft dazu, dass der Körper streikt. Heutzutage auch Burnout genannt. Deshalb halte ich eine bewusste große Pause mit Abstand zum Alltag, doch für ein effektives Mittel, weil die Bereitschaft im Alltag zu reflektieren meistens fehlt. Das eine schließt jedoch das andere nicht aus. Eine Kombination aus beidem funktioniert wahrscheinlich am besten. Herzlichen Dank auch für Deine Fragen, sind wirklich hilfreich. Lg Karl

  3. Lieber Karl,

    vielen Dank für diesen sehr inspirierenden Artikel.
    Mir ging es ähnlich wie Dir, nur habe ich viel zu lange gewartet, weil ich die Familie nicht im Stich lassen wollte und die Existenzängste groß waren.
    Dann kam der Zusammenbruch und die Erkenntnis, dass ich mich selbst im Stich gelassen habe und nicht meine Werte lebe.
    Jetzt habe ich mich auf den Weg gemacht und weiß, dass es für mich kein Zurück gibt.
    Mir hat dabei die Schaukelstuhlmethode geholfen, die Adam Jackson in seinem Buch „Die Geheimnisse des Glücks“ beschreibt: Man stellt sich vor, als alter Mensch in einem Schaukelstuhl zu sitzen und auf sein Leben zurückzublicken. So kann man sich fragen, welcher Mensch man gerne gewesen wäre…
    Ähnlich wie Deine Fragen und die Ergänzung von Markus.
    Mir hat das sehr geholfen, vieles klarer zu sehen.

    Herzliche Grüße,
    Sabine

    • Liebe Sabine,
      ich freue mich, dass Dir der Artikel gefallen hat. Die Schaukelstuhlmethode hört sich gut an. Schließt an den Gedanken aus dem Buch von Bronnie Ware „Die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“? Sie berichtet darin über Ihre Erfahrungen als Palliativpflegerin – für Todkranke, für Sterbende, für die, die ihren Tod kommen sehen, und die, die nichts davon wissen wollen. Und was glaubst Du, was bereut der Mensch am meisten wenn er auf sein Leben zurückblickt? Richtig: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“. Das Buch kann ich Dir empfehlen, eine schöne Bestärkung um seinen Weg treu zu bleiben. Lg Karl

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