Wie wir Frieden mit der Religion schließen können

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Ein Beitrag über Religion? Hier? Ja, hier! Wenn ich mir ansehe, wie sehr ich mich früher gegen alles gewehrt habe, was damit zu tun hat und wie viele Menschen das heute immer noch tun, dann weiß ich: Dieser Zustand ist weit entfernt von jeglicher Klarheit oder dem Flow. Doch auch, wenn es viele gerne anders hätten: Religion spielt auf dieser Welt eine große Rolle. Und sich jedes Mal daran zu reiben, bringt niemandem etwas – am allerwenigsten uns selbst. Also wäre es doch viel sinnvoller, mit Religion(en) Frieden zu schließen, oder?

Mein nichtreligiöser Background

Ich bin nicht religiös erzogen worden. Religion spielte im kommunistischen Weißrussland, wo ich bis zu meinem siebten Lebensjahr gelebt habe, einfach keine Rolle. Schließlich gab es ja den Staat als Ersatz dafür. Wenn die einzig wirklich religöse Person in meiner Familie – meine Uroma – von Gott oder dem Teufel sprach, verstand ich nicht wirklich, was sie meinte. Mir war das alles viel zu abstrakt, und irgendwie hat sich in meiner Kindheit nie jemand die Mühe gemacht, mir etwas zu erklären.

Als ich in Deutschland zur Schule ging, war ich irgendwie plötzlich evangelisch. Weil man das in Deutschland eben so war, begründeten meine Eltern. Das Konzept von Gott fand ich ziemlich interessant, obwohl ich es immer aus der Distanz betrachtete – als etwas Kulturelles und weniger als etwas, das mich selbst betrifft. Ich habe ein paar Mal gebetet, mich (wie man das halt so macht) konfirmieren lassen und die Geschenke kassiert.  Obwohl ich irgendwann das Fach Ethik hätte wählen können, hat mich der Religionsunterricht aber immer interessiert. Ich habe sogar meine mündliche Abiprüfung darin gemacht. Ich wollte einfach erfahren, was es ist, das vielen Leuten in dieser Gesellschaft so wichtig ist.

Mit dem Studium und den wissenschaftlichen Methoden, die ich dort kennenlernte, mutierte ich allerdings zu einer richtigen Atheistin und begann, religiöse Menschen zu belächeln. Alles, was mit Religion zu tun hatte, nervte mich plötzlich tierisch. Jungfrauengeburten und ein Typ, der über’s Wasser läuft? Damit wollte ich nichts zu tun haben. Eine Konsquenz daraus war, dass ich aus der Kirche austrat. Diese Entscheidung bereue ich nicht, denn ich fühle mich nach wie vor keiner bestimmten Religion zugehörig. Allerdings auch nicht mehr als Atheistin. Müsste ich ein Wort dafür erfinden, es wäre am ehesten „allreligiös“.

Alles läuft auf dasselbe hinaus – mit kulturellen Unterschieden

In letzter Zeit merke ich, dass ich aus jeder Glaubensvorstellung etwas für mich mitnehmen kann. Ich verstehe, dass hinter all dem viel mehr steckt, als der bedingungslose Glaube an etwas, das nicht real ist. Und vielleicht habe ich dadurch mehr verstanden als so mancher, der jedes Wort einer heiligen Schrift als die völlige Wahrheit betrachtet und seinen Religionsführern blind folgt. Aber ich durfte erfahren, dass das die wenigsten tun. Die allermeisten gläubigen Christen in Deutschland wissen sehr wohl, dass Jungfrauen keine Kinder kriegen und Menschen nicht über das Wasser laufen können. Sie wissen, dass diese Geschichten ein Symbol für etwas Tieferes sind – Bilder, die unser Verstand braucht, um das Unbegreifliche zu erahnen.

Ich habe verstanden, dass die Grundwahrheit, die jedem Glauben zugrunde liegt, immer dieselbe ist. Es ist das, was die Begründer einer Religion wirklich beabsichtigt hatten, da bin ich mir sicher. Doch durch die Geschichte hindurch wurde sie verbogen und verzerrt und auf die Interessen der Mächtigen zugeschnitten. So, dass viele Menschen, die auf dem Papier einer Religion angehören, nicht mehr wissen, worum es wirklich geht. Doch nicht nur in der Geschichte sind Fehler geschehen, auch heute noch wird etwas, das früher einmal als eine Metapher beabsichtigt war, wörtlich genommen oder dermaßen fehlinterpretiert, dass es nichts mehr mit dem ursprünglichen Sinn gemein hat.

Seit mir immer wieder der wahre Kern der Religionen begegnet und ich ihn durch all die Bilder hindurch erkennen kann, habe ich meinen Frieden mit dem Glauben geschlossen. Ja, ich habe vermutlich mit einem wirklich aus dem Herzen glaubenden Christen mehr gemeinsam als mit einem Atheisten – der ich früher selbst einmal war. Denn auch, wenn die Worte dafür anders sind, so sprechen doch alle Religionen im Endeffekt von einem Zustand des Flows. Das, was nun ein moderner Begriff ist (weswegen ich ihn auch gewählt habe – er ist nicht so vorbelastet), wurde bereits mit unzähligen Worten und Namen beschrieben.

Letztens habe ich die Gemeinsamkeiten aller Glaubensrichtungen und Religionen so stark gespürt, dass ich eine Skizze angefertigt habe:

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Vielleicht erscheint sie auf den ersten Blick für dich verwirrend. Ich möchte sie dir deswegen ein wenig erklären. Vielleicht kannst dann auch du voller Wohlwollen anstatt Missgunst sein, wenn du die Worte eines Pfarrers hörst oder wenn es wieder heißt, eine bestimmte Religion sei an etwas „schuld“. Vielleicht kannst du – auch wenn du nicht religiös bist – deinen Widerstand gegen Religionen aufgeben und ihnen nicht nur mit Toleranz, sondern mit Sympathie begegnen. Denn je mehr Sympathie und Liebe wir zu allem um uns herum empfinden können, desto häufiger begegnet uns der Zustand des Flows.

In meiner Skizze habe ich in erster Linie mit christlichen Begriffen gearbeitet, weil das einfach hierzulande die vorherrschende Religion ist, die unsere Kultur entscheidend geprägt hat und es immer noch tut. Zu diesen Begriffen habe ich meine eigenen Vorstellungen hinzugefügt und die Begriffe, die ich gerne benutze. Außerdem beschreibe ich jeden der christlichen Bezeichnungen auch noch mit denen anderer Kulturkreise, die mir noch so in den Sinn gekommen sind. Das sind dabei nur Beispiele, eine vollständige Liste ließe sich bei den unglaublich zahlreichen Vorstellungen von Religion wohl kaum erstellen. Vielleicht fallen dir dazu noch mehr Begriffe ein? Sehr gerne darfst du die „Kategorien“ selbst ergänzen – teile sie mir doch in den Kommentaren mit! 🙂

Wer oder was ist Gott?

Ich möchte mal mit dem Begriff beginnen, den wir zuallererst mit Religion verbinden. Da wir in einer Gesellschaft leben, in der ein monotheistischer Glaube vorherrscht, ist das natürlich „Gott“. Puhh, dieser Name ist ziemlich vorbelastet, finde ich. Und patriarchalisch geprägt. Eine Zeit lang fand ich es ziemlich entspannend, von einer Göttin zu reden. Als Frau fühlte ich mich von dem Bild einer nährenden Mutter Natur viel mehr angesprochen. Im katholischen Glauben findet sich noch Maria als weibliche Komponente wieder, was mir eigentlich ganz gut gefällt. Natürlich gibt es noch andere Namen für Gott in anderen monotheistischen Religionen. In manchen von ihnen ist er so heilig, dass er nicht einmal ausgesprochen werden darf.

Als ich mit meiner Reise zu mir selbst vor zwei Jahren begann, begegneten mir einige Male die Begriffe Energie, Universum oder Quelle. Und ich muss sagen, dass mich diese Begriffe nach wie vor am meisten ansprechen. Sie sind geschlechtsneutral und beschreiben etwas schwer zu Beschreibendes. Ich empfinde das Göttliche nicht als einen Menschen, sondern eher als etwas Formloses, das uns alle durchdringt und auch auf irgendeine Weise durch uns hindurch handelt.

Wenn ich in einem kreativen Flow bin, dann habe ich den Eindruck, dass mein Verstand zurücktritt und diesem großen Ganzen Platz macht, um sich durch mich auszudrücken. Ich habe das Gefühl, durchlässig zu werden. Je weniger Kontrolle ich ausübe, desto großartiger wird das, was ich tue. Es ist unglaublich faszinierend zu beobachten. Ob es eine Wesenheit ist, die da durch uns „fließt“, weiß ich nicht. Aber auch ihr wurden viele Namen gegeben. Intuition, „die Muse“, auf das Herz hören.

Merkst du, dass wir nun zu den Begriffen kommen, die für die meisten Menschen völlig okay und weniger vorbelastet sind? Die Intuition lässt sich ebenso wenig erklären oder direkt beobachten wie Gott, die meisten würden aber nicht an ihr zweifeln. Kann es also nicht dasselbe sein, wenn ich sage: „Ich habe meiner Intuition vertraut“ oder ein Christ sagt: „Ich habe mich von Gott führen lassen“? Ich glaube schon! 🙂

Also, fassen wir zusammen: Gott ist etwas, das größer ist als wir selbst und das erfahren werden kann. Wenn wir „mit Gott“ sind oder mit unserem inneren Ich verbunden – oder bewusst und in der Klarheit -, dann sind wir im Flow und dann geht es uns gut. Dann sind wir von innen heraus glücklich und zufrieden.

Doch dass dieser Zustand nicht ewig anhält, wissen wir alle.

Und hier kommt der Teufel ins Spiel.

Der Teufel ist Gottes schelmisch lachender Antagonist. Er führt uns in Versuchung und will uns von dem Weg zu Gott abbringen. Folgen wir dem Teufel, trennen wir uns von Gott und somit von dem glückseligen Zustand, den das Christentum als Paradies bezeichnet. Die Geschichte von Adam und Eva (mein Prüfungsthema beim Abi) ist eine unglaublich gute Parabel für das, was uns jeden Tag geschieht. Wir wollen eigentlich bei Gott sein, wir möchten gerne in einem Zustand der Klarheit und Bewusstheit, des wundervollen Flows bleiben, aber um uns herum gibt es jede Menge „Teufel“ und „Schlangen“ die uns immer wieder davon abbringen.

Der bekannteste ist wohl unser Verstand, auch gerne Ego genannt. Der redet uns zum Beispiel ein, dass wir ein Versager sind, dass wir es nicht wert sind geliebt zu werden und sowieso nichts können. Er rezitiert auch immer wieder Geschichten aus der Vergangenheit, die sich längst nicht mehr umkehren lassen, oder schickt uns Zukunftszenarien, die uns in einen Strudel aus Angst und Sorgen stürzen lassen.

Wir fühlen uns von uns selbst – und damit auch von Gott, denn Gott ist ja auch in uns selbst – entfernt und verwirrt. Wir suchen nach einem Weg zurück, können ihn aber nicht finden. Diesen Zustand kennt bestimmt jeder von uns. Ich finde, von all den mittelalterlichen Höllen-Darstellungen ist er nicht allzu weit entfernt. So falsch lagen die damals nicht. Mit Ausnahme davon, dass die Hölle schon hier auf Erden sein kann. Dazu müssen wir nicht erst sterben.

Die Figur des (listigen) Antagonisten findet sich in sämtlichen Kulturkreisen und Mythen. Sie sorgt für unterhaltsame Geschichten und die nötige Spannung darin: Wird es der Held (du selbst) schaffen, ihm zu entkommen? Für welchen Weg wird er sich am Ende entscheiden? Für den der Erlösung/Erleuchtung oder den der ewigen Verwirrung/Verdammnis?

Das Grundproblem / die Grundlösung:

Und genau hier haben wir schon den Grundkonflikt: Da wir immer wieder vom Teufel gelockt werden, müssen wir in unserem Leben immer wieder versuchen, zu Gott zurückzufinden. Wir sind abgetrennt von Gott und unsere Aufgabe ist es, diese Trennung aufzuheben und wieder „eins/ganz mit ihm“ zu werden. Dazu können wir auch sagen: Wir finden zurück zu uns selbst. Zu dem Menschen, der wir „wirklich“ sind.  Das ist die Grundlösung des Ganzen.

Eigentlich ziemlich einfach, oder? Ich habe festgestellt, dass man sämtliche Religionen genau auf diesen Kern reduzieren kann. Er ist bei allen gleich. Buddha spricht von der Erleuchtung, wenn wir den Tücken des teufelsähnlichen Wesens Mara (oder unseres Egos) widerstehen, in der Yoga-Philosophie wollen wir zu einem Einssein zurückkehren und in der spirituell angehauchten Persönlichkeitsentwicklungsszene unser wahres Ich leben oder unserem Herzen folgen. Ich nenne es „in den Flow kommen“.

Und wie kommen wir dann dorthin?

Bis hierhin sind die Gemeinsamkeiten in den Religionen überwältigend, wie ich finde. Beim Wie wird es nun ein wenig differenzierter, doch auch hier finden wir erstaunliche Parallelen. Ich finde die Vielfalt an „Methoden“, wie wir wieder in den Flow kommen, inzwischen einfach nur wundervoll! Überall auf der Welt haben sich Menschen Mühe dabei gegeben, herauszufinden, wie wir wieder in den Flow kommen! Warum sollte man sich ihrer nicht bedienen? Manche dieser Methoden ziehen sich durch die meisten Glaubensrichtungen, andere sind ziemlich speziell. Aber ich finde: Wenn sie uns ansprechen, wieso sollten wir uns ihrer nicht bedienen? Eine kleine Auswahl findest du hier:

1. Das Gebet

Das in unserer Kultur am häufigsten praktizierte „Mittel, um zu Gott zu finden“ ist wohl das Beten, die Zwiesprache mit Gott. Leider kann ich dazu nicht allzu viel sagen, da ich es nie wirklich aktiv praktiziert habe. Als Kind habe ich eine Zeit lang abends mal das Vater Unser gebetet, es hat mich jedoch eher verwirrt als beruhigt, da ich die Bedeutung nicht richtig verstand. Was ich mir gut vorstellen kann, ist das Beten für jemand anderen. Gerade für jemanden, dem es nicht gut geht oder der gerade sehr verwirrt ist. Ich praktiziere das inzwischen so, dass ich der betreffenden Person in Gedanken Liebe sende. Ich glaube, das ist dem Beten sehr ähnlich.

2. Die Meditation

Eine in Asien weit verbreitete Methode ist die Meditation. In unserem Kulturkreis entdecken wir sie gerade erst. Die Meditation ist meiner Meinung nach an keine Gottheit gebunden und kann auch von völlig atheistischen Personen praktiziert werden. Das macht sie für mich zum Mittel der Wahl und zu meiner liebsten „Lieblingsmethode“.

3. Yoga

Yoga ist für mich ein wenig wie Meditation in Bewegung und stammt ebenfalls aus dem Osten. Wenn wir in Harmonie mit unserem Körper sind, fällt uns auch die Harmonie mit anderen und mit der Welt leichter. Ein Gefühl von Verbundenheit entsteht beinahe von ganz alleine.

4. Rückzug

Auch der Rückzug von der Welt in Klöster, Ashrams, Tempel oder ähnliches ist etwas, das sich auf der ganzen Welt finden lässt. Die Menschen, die ihr Leben der Suche nach Gott, nach der Erleuchtung oder nach ihrem wirklichen Selbst widmen wollen, sollen das auch tun dürfen. Ohne Ablenkung, in einer die Suche fördernden Umgebung.

5. Befolgen von ethischen Richtlinien

Auch finden sich so ziemlich überall ethische Richtlinien, die befolgt werden sollten, um die Suche zu beschleunigen. Ich finde viele von ihnen nützlich, die meisten ergeben sich jedoch von ganz alleine, sobald man sich auf die Suche gemacht hat. Es schadet aber nie, sie schriftlich festzuhalten. Die 10 Gebote waren sozusagen der erste List-Post: „10 Dinge, die du auf keinen Fall tun solltest“ könnte dann die Überschrift lauten. 😉 Manche Richtlinien sind jedoch ganz klar in der damaligen Zeit und Kultur entstanden und heute nicht mehr unbedingt aktuell. Ob man sich kein Bildnis von Gott machen soll oder ob Ehebruch ein Garant dafür ist, in der Hölle zu schmoren? Ich weiß ja nicht.

6. Rituale

Dann wären noch die Rituale, die Religion für mich ganz entscheidend prägen. Das bedeutet, es werden symbolische Handlungen ausgeführt, die dann für etwas Bestimmtes (z.B. Reinigung des Geistes, etc.) stehen. Vielleicht war das auch ein Grund, warum mich die christliche Kirche nie wirklich „gekriegt“ hat. Ich finde gerade evangelische Gottesdienste recht „ritualarm“. Mit Ausnahme des Abendmahls und des Segens passiert nicht sonderlich viel. Als ich mich mit den keltischen und germanischen Traditionen beschäftigt habe, war ich fasziniert über die Vielfalt und die psychologische Wirkung der Rituale. Wenn man einmal verstanden hat, dass unser Gehirn in Bildern und Symbolen denkt, ist auch gar nichts Seltsames mehr dabei.

7. Studium von Schriften

Das Studium von Schriften ist etwas, das auch Atheisten praktizieren. Anstatt die Worte von Jesus oder Buddha zu lesen, verschlingen sie aber vielleicht Bücher über die Relativitätstheorie und sind ebenso begeistert von der „Wahrheit“, die sie darin finden. Geschriebene Worte können uns Dinge deutlich machen, die wir vorher nur verschwommen sahen. Inzwischen können wir aus einem breiten Fundus aus uralten Schriften sowie aktuellen Büchern wählen. Nicht zu vergessen das Internet, wo ich bereits die ein oder andere augenöffnende Weisheit gefunden habe. Du auch? 😉

8. Einem Führer folgen

Schließlich findet sich in so gut wie jeder Religion ein Religionsführer (oder mehrere), der bereits das erreicht hat, wonach die Religionsgemeinschaft strebt: die Erleuchtung oder die Einheit mit Gott. Jesus. Buddha. Mohammed. Laotse. Auch heute noch gibt es jede Menge Menschen, bei denen man sofort das Gefühl hat: „Wow. Ja, so will ich sein. Er oder sie scheint wirklich verstanden zu haben, worum es geht.“ Diese Menschen müssen nicht „perfekt“ sein. Genau das ist das Besondere an ihnen. Sie sind nicht Gott, sie sind wie wir. Nur eben einen kleinen Schritt weiter. Sie geben uns Hoffnung darauf, dass auch wir es schaffen können. Sie inspirieren uns und motivieren uns, unsere Suche fortzusetzen.

Wieso sehen wir dann noch die Unterschiede?

Ich finde, das sind trotz der manchmal etwas unterschiedlichen Methoden ziemlich viele Gemeinsamkeiten, die Religionen haben, oder? Warum sind wir dann eigentlich ständig darauf aus, die Unterschiede zu suchen und uns an ihnen festzuhalten? Das kann man gerade in der derzeitigen politischen Situation mehr als gut beobachten. Und ich nehme mich da nicht vollkommen raus. Auch ich ertappe mich immer wieder bei Vorurteilen. Aber wenn das passiert, führe ich mir wieder die Gemeinsamkeiten vor Auge – und kann die Menschen dann viel besser verstehen. Ich kann dann fühlen, dass wir im Grunde an dasselbe glauben.

Alles, was über die Gemeinsamkeiten hinausgeht: Der Name der Gottheit, die Rituale, die Gebete, die Schriften… Könnte es sein, dass das nichts weiter als eine kulturelle Gegebenheit ist? Schließlich finden wir es vollkommen in Ordnung, wenn die polnische Nationaltracht ganz anders aussieht als die peruanische. Vielleicht erscheint sie uns zunächst fremd, aber schon bald haben wir uns daran gewöhnt und genießen die Vielfalt an Formen und Farben. Warum können wir das nicht auch mit Religionen so handhaben? Wieso können wir nicht sagen: „Die Gläubigen im Islam folgen dem, was Mohammed gesagt hat. Das ist interessant“, anstatt sie wegen ihrer Andersartigkeit zu verurteilen?

Ja, Religion wurde und wird nach wie vor missbraucht und fehlinterpretiert. Aber kann es sich hierbei nicht um die allgemeine Verwirrung handeln, die gerade in unserer ganzen Welt vorherrscht? Ist nicht genau das die Trennung, von der alle Religionen sprechen – ohne zu sehen, dass sie direkt vor unserer Nase ist? Können wir uns nicht darüber freuen, dass Religionen den Menschen Halt und Hoffnung geben, mögen die Symbole noch so unterschiedlich sein? Können wir nicht ebenso hoffnungsvoll sein, dass sie alle dazu führen wollen, mehr Liebe und Mitgefühl zu erfahren, wenn sie ohne Fehlinterpretationen und ihrem Kern nach ausgeführt werden?

Ich glaube schon. Ich glaube, wir können uns – jedes Mal, wenn wir einer Religion begegnen – auf ihren Kern besinnen und daran denken, dass es im Grunde genau dasselbe ist, was die Gläubigen wollen. Dasselbe wie ich. Dasselbe wie du. Und dann ist wahrer Frieden möglich. Mit allen anderen, aber auch mit uns selbst. Wenn wir uns nicht mehr dagegen wehren müssen, sparen wir Energie, die in den Flow und in ein glückliches Leben fließen kann.

Wie denkst du über Religion? Bist du religiös oder hast du deine Schwierigkeiten damit? Ich bin schon sehr gespannt auf deinen Kommentar!

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8 Kommentare

  1. Liebe Anna, ich finde Deinen Beitrag ausgezeichnet. Er passt auch sehr gut zu meinen Themen und werde ihn gern damit verlinken. Ich finde es toll, zu sehen, wie Du Dich mit dem Thema Gott und Unendlichkeit und Religion auseinander gesetzt hast. Loslösung und Verbindung suchen, das steckt ja auch schon in Wort Religion – religare für (wieder-)verbinden. Sehr inspirierend!

    • Lieber Lothar,
      es freut mich sehr, dass dir mein Beitrag gefällt und du ihn auch noch verlinken magst! Vielen Dank dir! Und danke dir auch für die Wortbedeutung – daran habe ich tatsächlich nicht gedacht, aber sie passt ja ganz ausgezeichnet. Latein war damals nicht ganz so meine Stärke. 😉
      Ganz lieben Gruß
      Anna

  2. Hallo Anna! Ein sehr schöner Artikel.
    Ich wurde katholisch getauft (väterlicherseits), aber von einer inzwischen atheistischen Mutter völlig nichtreligiös erzogen. Weil ich aber immer wieder seltsame Erlebnisse d.h. Synchronizitäten hatte, die ich einfach nicht mehr als Zufälle abtun konnte, begann ich über viele Jahre hinweg mich mit Religion und Spiritualität und mehr zu beschäftigen. Jetzt suche ich aber nicht mehr.
    Warum braucht man eine Religion? Weil die Welt chaotisch erscheint, weil man Angst hat, weil man verwirrt ist etc. und eine Ordnung sucht, an der man sich festhalten kann. Vermute ich mal.
    Als allreligiös würde ich mich wohl nicht bezeichnen, da das Wort ‚religiös‘ mir persönlich als zu organisiert und teilweise engstirnig vorkommt. Vielleicht eher als pantheistisch.
    Vor Jahren las ich mal: Gott hat nicht die Welt erschaffen, sondern Gott ist die Welt geworden (von Bärbel Mohr). Das trifft am ehesten, wovon ich überzeugt bin. Sehr schön beschrieben hat Anita Moorjani das in ihrem Buch ‚Heilung im Licht‘, englisch Dying To Be Me. Kann ich wirklich empfehlen.
    Liebe Grüße Marie

    • Hallo liebe Marie,
      vielen Dank dir für deinen Kommentar! Ja, die Frage, warum Menschen Religion brauchen, ist auch eine, mit der man sich ewig beschäftigen könnte. In deiner Vermutung kann ich dich nur bestätigen. Das merkt man auch daran, dass Menschen in anderem eine Art „Ersatzreligion“ suchen, jetzt, wo vielen die traditionellen Religionen nicht mehr passend erscheinen. Ich denke da an alles, was mit „Fan-Sein“ zu tun hat, egal ob beim Fußball, Popstars oder Serienhelden.
      Pantheistisch ist ein wundervolles Wort – und jetzt, wo du es schreibst, finde ich auch, dass es auf mich besser zutrifft als „allreligiös“. Das Zitat von Bärbel Mohr ist unglaublich zutreffend!
      Vielen lieben Dank dir auch für die Buchempfehlung, ich werde mal danach schauen!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Das Problem bei einer solchen Abstraktion: In Religionen werden die Dinge eben nicht so abstrakt verstanden. Und dann ist eben, um nur das Christentum herauszugreifen, der Teufel ein personaler Hinderer, der nach dem Leben trachtet, und kein pseudo-kybernetischer Widerstand. Auf dem Weg zu was auch? Gotterkenntnis ist im Christentum grundsätzlich anders definiert als etwa in den meisten östlichen spirituellen Systemen, wo „Gott“ im abrahamitischen Sinne gar nicht existiert.

    Es ist ein altes Problem, das auch christliche Missionare dazu gebracht hat, alles, was nur ansatzweise an manche Aspekte des logos erinnert, Gott zu nennen. So kamen selbst die Daoisten zur fragwürdigen Ehre, auch irgendwie eine Relation zu „Gott“ zu haben.

    Sorry, aber die Argumentationsweise „X ist irgendwie auch Y, wenn man nur genügend Wesensmerkmale von X aufgibt. Und wenn wir schon diesen Widerspruch ausgeräumt haben, kann man beinahe sagen, dass X Z ist – und damit sind alle glücklich“ geht bei dieser Materie nicht auf: Manche anstrebenswerten Zustände in bestimmten spirituellen Systemen würden in anderen gerade den Widerstand hervorrufen, den du als „Teufel“ bezeichnest. In anderen würde dagegen der von dir behaupteten Grundproblematik widersprochen werden: Dem Daoisten etwa ist es unmöglich, vom Dao abzuweichen. Und in manchen hinduistischen Systemen wird genau das oben stehende Diagramm als Problem gesehen: Sowohl Samsara, die leidvolle Verstrickung, als auch Nirwana, die Erlösung davon, sind Illusion …

    • Hallo unbekannter Kommentator,
      es tut mir leid, falls meine Argumentation dir also solche nicht schlüssig erscheint. Das mag daran liegen, dass es keine solche sein soll. Vielleicht habe ich meinen Text irrtümlicherweise in einer Form geschrieben, die dazu verleitet, das anzunehmen. Meine Absicht war nicht, zu argumentieren und zu überzeugen – denn damit würden wir tatsächlich in dem von dir so treffend beschriebenen Dilemma landen. Ich wollte lediglich das in Worte (und Schemata) fassen, was ich FÜHLE. Dass das niemals gänzlich funktionieren kann, können wir hier sehr gut beobachten. Auch habe ich nicht die umfassenden Kenntnisse der Religionen, wie du sie zu haben scheinst. Meine Sichtweise hilft mir jedoch sehr dabei, mit mir selbst und mit anderen in Frieden zu sein – auch wenn sie Dinge vereinfacht, die vielleicht komplexer sind. Und aufgrund der vielen Nachrichten, die ich zu diesem Thema bekommen habe, scheint es da nicht nur mir so zu gehen. Für mich ist innerer Frieden wichtiger als Argumentation und „Wahrheit“. Hier begegnen wir beide uns wohl nicht. 😉
      Ich schicke dir trotzdem liebe Grüße!
      Anna

  4. Hallo Anna,
    deinen Artikel finde ich sehr inspirierend und gibt mir nochmal eine andere Sichtweise auf Religion die mir gut gefällt. 🙂
    Ich selbst bin „Freireligiös“ (entstanden aus der Freireligiösen Bewegung) und mit dem was ich dort im Religionsunterricht lernen durfte kann ich mich recht gut identifizieren. So hat jeder Mensch die „Aufgabe“ bzw. Verantwortung sich mit sich und seinem persönlichen Glauben auseinander zu setzen (da es keinen vorgeschrieben Glauben gibt, nur die Orientierung an humanistischen Werten) und so über die Zeit sich eine eigene Vorstellung zu entwickeln. Die Gemeinden geben den Raum für Diskussionen und so kann man neue und andere Ansichten kennenlernen und sich selbst und seinen Glauben weiterentwickeln.
    So wird das hinterfragen gefördert und das sich mit sich selbst auseinandersetzen. Das führt meiner Meinung nach auch dazu, dass man sich selbst immer besser kennenlernt. 🙂
    Vielen Dank für diese neuen Ideen und Denkanstöße und auch für deinen wundervollen und inspirierenden Blog!
    Liebe Grüße,
    Franziska

    • Hallo liebe Franziska,
      es freut mich sehr, dass ich dich mit deinem Artikel inspirieren konnte. Ich muss gestehen, dass ich noch nie etwas von „Freireligiös“ gehört habe. Da muss ich mich doch glatt mal ein wenig schlau machen. Aber was du schreibst, macht für mich sehr viel Sinn und es klingt tatsächlich sehr nach dem Konzept, das ich mir so aufgebaut habe. Schön, dass du das erleben durftest/darfst!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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