„Halt die Klappe und sei dankbar!“ – Die Sache mit dem inneren Saboteur

Ich habe letztens eine ganze Nacht kaum geschlafen, weil ich ein schlechtes Gewissen hatte. Es ging um etwas, das ich mir eigentlich sehr gewünscht habe und eigentlich hätte ich mich einfach nur darauf freuen können, aber stattdessen lag ich mich weit aufgerissenen Augen im Bett und erzählte mir, dass ich das doch nicht annehmen könnte, weil ich es nicht verdient hätte. Ich habe mich systematisch selbst klein gemacht und sabotiert. Anstatt zu sehen, dass ich der Person, die mir dieses geniale Geschenk machen wollte, eine Freude bereite, wenn ich es einfach nur annehme, suhlte ich mich in negativen Gedanken. Kennst du diesen inneren fiesen Saboteur in dir? Was ich ihm am liebsten gesagt hätte? „Halt die Klappe und sei dankbar!“

Das ist zu gut um wahr zu sein…

Das ist ein anderer Satz, der mir immer wieder durch den Kopf geht, wenn es so richtig gut läuft bei mir. Und dann fange ich tatsächlich an, nach dem Haken zu suchen. Wenn ich keinen finde, erzähle ich mir selbst, ich hätte das doch nicht verdient, schließlich sei ich nur klein und dumm und hätte nichts „getan“, um das zu verdienen… Bla bla bla. Mir wird schon in dem Moment, wo ich diese Gedanken hege, bewusst, dass sie völliger Blödsinn sind und dass es seinen guten Grund hat, warum all die guten Dinge in mein Leben treten. Aber scheinbar wurde ich so lange darauf konditioniert, etwas erst verdient zu haben, wenn ich lange und hart dafür gearbeitet habe, dass es manchmal alles andere als einfach ist, einfach nur zu akzeptieren, dass etwas großartig ist und dankbar dafür zu sein.

„Das kann ich doch nicht annehmen!“

Und ich bin bei Weitem nicht die Einzige, das weiß ich. Gerade in meinem weiblichen Freundeskreis beobachte ich immer wieder, dass es uns Frauen sehr schwerfällt, das Gute anzunehmen und einfach dankbar dafür zu sein. Es wird von uns geradezu erwartet, dass wir uns dabei schlecht fühlen! Kennst du das auch? Jemand macht dir ein unerwartet schönes Geschenk und anstatt dass du strahlst und „danke“ sagst – etwas, das der schenkenden Person sicher am meisten Freude bereiten würde -, fängst du an: „Was? Nein, das kann ich doch nicht annehmen! Jetzt hör mal auf! Oh Gott, das kannst du mir doch nicht schenken, das ist doch viel zu toll/groß/schön/teuer! Bist du dir wirklich sicher! Mensch, das hat dir doch so viel Mühe bereitet!“ Man freut sich dann vielleicht auch drüber, aber man hat auch ein tierisch schlechtes Gewissen und überlegt vielleicht schon beim Annehmen fieberhaft, wie man derselben Person auch was Tolles/Großes/Schönes/Teures schenken könnte.

Oftmals tut man das im Gegenzug vielleicht nicht einmal aus purer Freude, sondern aus Verpflichtung. Versetzen wir uns aber mal in die schenkende Person hinein – wir waren ja schon alle in der Rolle. Stell dir mal vor, dein Gegenüber würde vor Überraschung zu strahlen beginnen und „Danke! Wow, danke dir! Das ist so großartig!“sagen. Gar nicht viel mehr. Vielleicht noch ein „Woher wusstest du das?“. Wie viel besser würdest du dich als schenkende Person fühlen? Wieso fallen wir dann immer noch in dieses Rechtfertigen und Entschuldigen und in das schlechte Gewissen hinein, anstatt dass wir einfach nur dankbar annehmen?

Doch, wir haben das verdient!

Bei einem Buch fällt uns das vielleicht noch recht leicht, aber sobald es dann wirklich etwas Großes ist, dann wird’s richtig schwierig, dann wird die Stimme immer lauter, die einem einflüstert, wir hätten etwas nicht verdient. Aber schauen wir uns mal genauer an, woher dieser Gedanke kommt. Zu oft wurde und wird uns in unserer Gesellschaft gesagt, dass wir uns die Dinge hart erarbeiten müssen. Zu oft hören wir „Der bekommt das Geld doch in den Allerwertesten geschoben“ oder „Sie ist so faul, sie nutzt andere nur aus“.   Wenn wir keinen Schweiß für etwas vergossen haben, dürfen wir uns auch nichts gönnen. So läuft das schließlich, oder?

Zum Glück nicht! Je mehr ich lerne, dass ich loslassen und dem Leben vertrauen darf, desto leichter läuft alles, desto mehr fliegt mir wie von Zauberhand zu und desto schöner wird das Leben. Das ist das völlige Gegenteil von dem, was uns beigebracht wurde, aber wenn wir daran glauben, dass das Leben anstrengend und ein stetiger Kampf ist, dann werden wir unser ganzes Leben lang kämpfen und nicht bemerken, dass es noch einen anderen – viel leichteren – Weg gibt. Alle, die wir dabei beobachten, wie sie ihn gehen, beäugen wir skeptisch und mit Neid (auch wenn wir uns den nicht eingestehen). Wir finden es unfair, dass jemand scheinbar gar nichts tut und dennoch alles hat.

Eine neue Definition von „tun“

Aber „tut“ diese Person tatsächlich nichts oder müssen wir unsere Definition von „tun“ überdenken? Tun bedeutet nicht, sich abzurackern und ständig nur zu kämpfen. Wenn mir jemand bei einem Spaziergang begegnet, der mich anlacht und mit dem ich ein paar schöne Worte wechseln kann, so hat diese Person vielleicht mehr für den Erhalt dieser Welt „getan“, als ein völlig erschöpfter Firmenchef, der mich anblafft, ich solle meinen Hund an die Leine nehmen. Ja, er mag den ganzen Tag viel gearbeitet und geleistet haben, aber hat er damit wirklich zum Wohl der Allgemeinheit beigetragen? Hat er mehr Liebe in diese Welt gebracht? Wohl kaum. Vielleicht steht er jetzt  gesellschaftlich  besser da und wird hoch geachtet und geehrt, auch sein Konto sieht gut aus, aber bedeutet das, dass er sich gut fühlt? Wieso stellen wir dann diese Art von „tun“ auf so ein hohes Podest und vernachlässigen das andere, viel subtilere vollkommen?

Könnte es sein, dass ich dadurch, dass ich versuche, in jedem Menschen das Licht zu sehen, dass ich diesen Blog hier betreibe, dass ich die Menschen um mich herum liebe, dass ich mir selbst etwas Gutes tue, gar nicht so wenig tue? Kann es sein, dass ich dadurch zu mehr Freude und Liebe beitrage? Und kann es sein, dass das viel wichtiger ist als Ansehen und Geld? Kann es sein, dass ich alles – aber auch wirklich alles, was in mein Leben kommt verdient habe? Gerade deswegen? Weil ich mit dem Leben lebe und nicht dagegen? Weil ich Freude daran habe?

Wir haben alles verdient, was wir in unserem Leben haben

Auch wenn ich das Gesetz der Anziehung kaum noch aktiv anwende (höchstens indem ich Wünsche wahrnehme und sie dann wieder völlig loslasse), scheine ich einiges richtig zu machen, wenn ich mir die Situation ansehe, in der ich mich gerade befinde. Selbst die Dinge, die zunächst nicht ganz so schön scheinen (mein Auto ging kaputt), fügen sich letztendlich ganz von selbst so, dass sie zu etwas Wundervollem werden (ich habe jetzt ein tolles neues Auto). Ich habe es verdient. Alles davon. Denn sonst wäre es nicht da. Manchmal muss ich mich kneifen, ja, weil alles „zu schön, um wahr zu sein“ scheint, aber ich will es annehmen. Voller Dankbarkeit, vielleicht mit Tränen in den Augen, aber niemals mehr mit einem schlechten Gewissen. Ich „tue“ genug, um es verdient zu haben. Ich bin genug. Ich habe alles davon verdient und ich kann Freude daran haben. Denn es ist wirklich niemandem geholfen, wen ich mich klein mache.

Kennst auch du den inneren Saboteur, der einfach nicht dankbar annehmen und dir jedes Geschenk vermiesen will? Wie bringst du ihn zum Schweigen? Wie steht es um deine Fähigkeit, wirklich dankbar anzunehmen? Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren!

 

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1 Kommentar

  1. Liebe Anna,
    erst jetzt lese ich E-Mails der letzten Wochen, wozu auch deine zwei Blogeintrag-Benachrichtigungsmails gehören, weshalb ich also auch erst jetzt wieder auf deinen Blog gelangt bin, um deine neuen Einträge zu lesen. 🙂
    Es scheint mir, dass es das Konzept ‚Schuld‘ ist, das uns Geschenke nicht so einfach annehmen lässt. Die damit einhergehenden Schuldgedanken/-gefühle bereiten einem Menschen, der sich überwiegend im Mangel (an Energie) befindet, (Angst-)Stress, dem Anderen nun etwas Vergleichbares „zurückzuschenken“, damit das Gleichgewicht in der Beziehung wiederhergestellt ist. Denn man fühlt sich solange – vermutlich aus Angst vor sozialer Ächtung/Ausgrenzung – minderwertig, bis man „die Rechnung beglichen“ und sich damit wieder auf „Augenhöhe“ mit dem Schenkenden gebracht hat. Ja, eine Rechnung … denn man „rechnet es dem Anderen an“, d.h. man bewertet sich und den Anderen. (Schuldgefühl ist also wohl die Angst, etwas zu verlieren, wenn man nicht etwas leistet, was der (Schuld-)Gläubige(r) verlangt[, inkl. ein bestimmtes Verhalten von ihm hinzunehmen].)
    Dem liegt ein Denken zugrunde, das in Gut und Böse teilt, das aus dem Mangel kommt und in den Mangel führt. Gleicht man nicht aus, so fühlt man sich „schlecht“, ja, als Ausnutzer verurteilt man sich (evtl. unbewusst). So geartet sieht man dann evtl. auch Andere mal, wenn man ihnen etwas geschenkt hat und sie sich einem nicht ebenso erkenntlich zeigen. Ob das wirklich „Schenken“ ist, ist natürlich die Frage, wenn dieses an Erwartungen geknüpft ist, ja, man den Anderen durch diese psychische „Mechanik“ eigentlich manipulieren will. Vielleicht ist es aber gerade auch dieser Umstand, den man – besonders als hochsensible Person – irgendwie spürt (oder aber befürchtet) und dem man sich durch das Abwehren des Geschenks entziehen will? Besonders Menschen, die nicht in Bedürfnissen und Fähigkeiten (sondern selber in Recht und Schuld, Gut und Böse) denken, weil sie sich dann ihrer Bedürftigkeit (und dem entfremdeten Zustand der bedürfnismissachtenden Umwelt) schmerzlich bewusst würden und/oder weil sie – sich-minderwertig-gefühlt – einem Ziel nachjagen, da sie glauben, nicht voll und ganz liebenswert zu sein, bevor sie dieses nicht erreicht haben, sind im Mangel, da sie sich ja gar nicht erlauben können, achtsam/liebevoll/verantwortungsvoll mit sich umzugehen, weil sie ihre eigenen wirklichen Bedürfnisse gar nicht bewusst wahrnehmen.
    Da sie durch die mangelnde Selbstfürsorge wenig genährt sind, also einen Mangel an verfügbarer Energie verspüren, und in ihrem Ego (d.h. dem begrenzten, ver-damm-ten und somit „falschen“ Gedanken-Ich) gefangen sind, sind sie auch sehr ängstlich, wenn es darum geht, eine Beziehung mit einem anderen Wesen einzugehen, da die Investition den Nutzen übersteigen könnte. (Ja, im Egozustand nutzt/beutet man sich selbst und andere aus – dazu muss man sich selbst und Andere bewerten, dazu sie auch berechnen, sie dazu möglichst kontrollieren.)
    Naja, so was mir dazu halt gerade durch den Kopf geht …
    Liebe Grüße
    Josh

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