Wieso uns immer wieder dasselbe begegnet

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Kennst du das Gefühl, schon wieder in derselben Situation zu stecken? Es ist wie ein Déjà-vu: Hier waren wir doch schon mal. Und eigentlich hatten wir doch daraus gelernt, oder? Also wieso befinden wir uns denn schon wieder hier, in diesem unwegsamen Terrain? Das kann doch nicht wahr sein! Wir wollen so schnell wie möglich wieder raus, mögen nicht wahrhaben, dass uns schon wieder derselbe Mist verfolgt… Doch je mehr wir tun, desto tiefer schieben wir uns hinein. Doch warum begegnet uns eigentlich immer wieder dasselbe? Den Versuch einer Antwort findest du heute hier.

Ich und krank? Unmöglich! – Meine kleine Geschichte…

Ich möchte dir von meiner vorletzten Woche erzählen. Da war ich nämlich krank. Was wirklich selten vorkommt, denn ich habe ein wirklich gut ausgeprägtes Immunsystem. Wenn es mir psychisch sehr gut geht, kann ich den ganzen Tag mit beinahe tödlich erkälteten Personen verbringen, ohne dass ich auch nur den Hauch einer Erkältung abbekomme. Wenn ich aber krank werde, dann hat das immer einen triftigen Grund. Wenn ich so zurückblicke, dann waren die Auslöser immer völlige Unklarheit, Angst, Stress und Panik.

Es passierte mir also nicht zum ersten Mal. Nein, wenn ich so darüber nachdenke, dann trifft es mich einmal im Jahr mit einer Erkältung – ganz beliebt sind bei meinem Körper auch Fußverletzungen, wenn ich in Panik gerate. Und immer wieder mache ich denselben Fehler: Ich halte nicht sofort inne, um mir Ruhe zu gönnen, sondern verfange mich in Gedanken darüber, wieso das gerade jetzt ausgerechnet mir passiert. Ich bin nicht in der Lage, das, was gerade ist, anzunehmen.

Auch diesmal war ich tagelang völlig neben der Spur. Ich war mir sicher, dass die Erkältung halb so wild wird, weil ich schließlich gut auf mich acht gebe. Denn den Fehler, nicht innezuhalten, mache ich zwar immer wieder, aber sehr oft gelingt es mir auch, rechtzeitig zu intervenieren und genau auf mich zu hören. Manchmal habe ich ein wenig Halsschmerzen oder bin vermehrt müde, dann gebe ich mir die Ruhe und eine Erkältung bricht gar nicht erst aus.

Das dachte ich auch dieses Mal. Doch ich wachte montags mit Halsschmerzen auf. Das fand ich noch nicht wild, schließlich wusste ich ja, dass eine Erkältung bei mir nicht ausbricht, wenn ich mir ordentlich Ruhe gönne. Da ich erst um 14 Uhr arbeiten musste, kuschelte ich mich also mit viel Tee und einem Buch ins Bett und war mir sicher, dass es mir abends schon viel besser gehen würde. Doch das tat es nicht. Auf der Arbeit fiel es mir schwer, mich zu konzentrieren. Doch da ich nur in Teilzeit arbeite und die Arbeit selbst körperlich nicht anstrengend ist, war ich der festen Überzeugung, dass es auf dasselbe hinauslaufen würde, wenn ich daheim wäre.

Doch am nächsten Tag ging es mir schlechter anstatt – wie erwartet – besser. Also lag ich bis halb 2 im Bett und versuchte mich, so gut wie möglich zu „erholen“. Dabei ging ungefähr das in meinem Kopf ab: „Wieso bist du denn jetzt krank? Das macht doch gar keinen Sinn! Du solltest doch gesund sein! Hoffentlich wird das heute bei der Arbeit nicht allzu schlimm – ach, es wird schon gehen, es ist ja nicht anstrengend und so krank bist du ja auch nicht. Dein Kreislauf ist okay. Und es ist ja nur für ein paar Stunden. Eine Vertretung ist so schwer zu organisieren, das will ich denen in der Arbeit nicht antun. ABER WIESO ZUM TEUFEL BIST DU KRANK??!“ In der Arbeit ging es „irgendwie“, und am Abend war ich so erledigt, dass ich nur noch zum Seriengucken und Schokoladeessen imstande war.

So ging das Ganze bis Donnerstag. Nachdem ich bei der Arbeit gefühlte zwanzig Packungen Taschentücher verbraucht hatte, wurde es mir schlagartig schwarz vor Augen. Ich spürte, wie mein Herz raste und mir gleichzeitig heiß und kalt wurde. Mir war klar: Ich würde es nicht den Berg hoch nach Hause schaffen. Ich ließ mich abholen und fiel ins Bett. Mir ging es wirklich, wirklich schlecht. Und dann gings weiter mit den Gedanken: „Soll ich mich für morgen wirklich krankmelden? Ich will meine Kollegen nicht im Stich lassen! Ich bin doch sonst so gesund! Es wären ja nur ein paar Stunden…“ Ich quälte mich den ganzen Abend – mehr geistig als körperlich.

Am nächsten Morgen wachte ich schon sehr früh auf. Mein Herz hämmerte wie verrückt. Ich sollte mich wirklich krankmelden, so viel war klar. Aber bis ich jemanden in der Arbeit erreichen würde, müsste ich noch 1,5 Stunden warten. Und ich glaube, ich habe schon erwähnt, dass Telefonieren nicht gerade meine Lieblingstätigkeit ist. Mein Verstand hatte nun also 1,5 Stunden Zeit, sich in eine völlig irrationale Panik hineinzusteigern. Er redete mir ein, dass ich mich nicht krankmelden könne, da dadurch mein Vertrag bestimmt nicht verlängert werden würde, und dass meine Kollegen bis spät in die Nacht meine Aufgaben erledigen müssten, wenn ich nicht käme. Außerdem war ich der festen Überzeugung, die falsche Telefonnummer zu haben, und die zuständigen nicht erreichen zu können. Es war grauenvoll.

Als ich nach einer Telefon-Odyssee (die noch schlimmer war, als ich befürchtet hatte – so viel zum Gesetz der Anziehung…) endlich an die zuständige Person geriet und diese mir mitfühlend gute Besserung wünschte und mir versicherte, dass ich mir um die Vertretung keine Sorgen machen müsste, musste ich erst einmal meine Freundin anrufen und heulen. Im ersten Moment wusste ich noch nicht einmal, warum. Ich habe nur gespürt, wie schlagartig etwas von mir abfiel – eine enorme Spannung, die sich nur noch durch Tränen abbauen ließ.

Jedes sich wiederholende Erlebnis ist eine Chance

Interessant ist, dass meine Freundin in derselben Woche krank wurde. Obwohl es ihr weniger schlecht ging als mir, riet ich ihr sofort, sie solle sich krankschreiben lassen. Allgemein rate ich das allen. Wenn man sich bei den ersten Anzeichen gleich hinlegt und erholt, dann bricht die Krankheit nämlich oft genug gar nicht erst aus. Mir wurde schon kurz bewusst, dass es mir ja selbst nicht gut ging, als ich ihr meinen guten Rat erteilte. Aber sofort kam die Rechtfertigung in meinem Kopf: „Das kann man ja nicht vergleichen. Du arbeitest schließlich in Teilzeit und hast auch keine weite Anfahrt wie sie. Du kannst ausschlafen und dich genügend erholen – sie nicht.“

Tja, scheinbar konnte ich mich eben nicht genügend erholen. Denn an dem Freitag, an dem ich mich endlich dazu durchgerungen habe, daheim zu bleiben, wurde mir plötzlich deutlich, wie unbewusst ich all die Zeit über gewesen war. Ich hatte mich von meinem Verstand, meinen irrationalen Ängsten und einer seltsamen Logik in die Irre leiten lassen – weg von der eigentlich sehr intensiven Verbindung zu meinem Körper hin zu völliger Unklarheit. Meine Tage waren angefüllt mit Sorgen, anstatt dass ich mir tatsächlich Ruhe gegönnt hätte. Und da habe ich mich wirklich darüber gewundert, dass es mir jeden Tag schlechter ging anstatt besser?

Als ich das kapierte, als das in mich einsickerte, spürte ich schlagartig, wie Heilung eintrat und sich ein tiefer Frieden in mir ausbreitete. Ich lag dann einfach nur da, starrte aus dem Fenster und war zufrieden. Ich hatte aufgehört zu leiden, obwohl es mir körperlich immer noch nicht gut ging. Mir wurde klar: Wir leiden nur so lange, bis wir erkennen, dass wir nicht leiden müssen.

Tja, und wie oft ich diese Lektion schon lernen musste… Wie oft ich lange in der Unklarheit feststeckte (nicht nur, was Krankheiten, sondern auch rein psychisches Leiden betrifft), nur um – manchmal Monate später – zu erkennen, dass das, was ich als Ursache des Problems betrachtete, gar nicht die Ursache war! Denn das Problem hatte sich immer verflüchtigt, sobald ich wieder „bei mir“ war, sobald ich bewusst war und mich selbst richtig spürte.

Es sind die wirklich wichtigen Dinge, die uns ständig begegnen

So oft glaubte ich bereits, die Lektion verstanden zu haben. „In diese Falle tappst du nicht nochmal“, denke ich mir jedes Mal, wenn ich aus meiner Unbewusstheit „aufwache“. Doch ich tappe immer und immer wieder hinein. Immer und immer wieder stelle ich fest, dass ich mich da befinde, wo ich schon so oft vorher war.

Früher habe ich mich darüber geärgert. Ich habe mich verurteilt, dass ich es einfach nicht schaffte, endlich zu lernen. Ja, ich habe mich regelrecht dafür gehasst, dass ich mich selbst nicht unter Kontrolle hatte. Es war wirklich grausam, wie schlimm ich mich innerlich beschimpft habe, und wie weit ich mich damit von mir selbst entfernte. Es war ein Teufelskreis. Und wenn ich mir anschaue, wie es früher war, dann wird mir klar: Es hat sich alles verändert. Ich habe unglaublich viel gelernt. Und auch, wenn ich jetzt immer noch das Gefühl habe, dass ich immer wieder dasselbe lernen darf, so weiß ich doch: Es ist etwas wirklich Wichtiges, das ich da lerne. Und Veränderung geschieht nicht von heute auf morgen.

Wir gehen kleine Schritte

Ich habe akzeptiert, dass Lernen sehr oft in kleinen Schritten funktioniert. Wenn wir sehr stark leiden, dann gibt es einen Punkt, an dem wir uns verwandeln. Da machen wir einen großen Entwicklungssprung – der passierte bei mir vor 2,5 Jahren. Und dann geht es nur noch in kleinen Schritten voran. Denn der große Leidensdruck, der uns zu einer schlagartigen Veränderung zwingt, ist nicht mehr da. Also entwickeln wir uns nur noch graduell. Und das ist vollkommen in Ordnung. Wir sind auf dem Weg. Auch wenn wir immer wieder denselben Weg gehen müssen.

Es ist wie beim Erlernen und Perfektionieren eines Instrumentes. Wir können schon recht bald die ersten Melodien spielen und machen zu Beginn viele Fortschritte, die uns motivieren. Doch zwischen jemandem, der ein Instrument zu 90 % beherrscht und jemandem, der 100% schafft, liegen Welten und viele Jahre voller mühsamer Übungsstunden. Wieso also können wir mit uns selbst und unserer Persönlichkeitsentwicklung nicht ebenso geduldig sein wie beim Perfektionieren eines Instruments?

Anstatt mich dafür zu verurteilen, denselben „Fehler“ gemacht zu haben, freue ich mich nun jedes Mal darüber, wenn ich mich dabei „erwische“. Das Gefühl, als ich im Bett lag, und verstanden hatte, warum es mir die ganze Woche lang so miserabel gegangen war, war einfach nur überwältigend. Es hat sich wie ein Nachhausekommen angefühlt. Wie ein tiefer Seufzer, wenn man sich nach einem anstrengenden Tag auf das Sofa fallen lässt. Wie die ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr und der Geruch von frischer Erde, wenn der Schnee schmilzt. Es war ein: „Ja, da bin ich wieder. Es ist so schön.“

Es gibt kein dauerhaftes Zurück mehr

Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich meinen Weg immer wieder finde, auch wenn mein Verstand sich noch so viel Mühe damit gibt, mich in die Irre zu leiten und mir einzureden, dass es Klarheit nicht gibt. Mir gelingt es dennoch jedes Mal, mich daran zu erinnern, dass ich zu mir selbst zurückfinden kann und dass dann alles Leid überflüssig wird. Es ist wie eine Quelle, die mich aus dem Inneren heraus mit Glück speist. Sogar dann, wenn ich im Bett liege und es mir körperlich schlecht geht.

Und weil ich diese Erfahrung gemacht habe, dass ich immer wieder zurückfinde in diesen wundervollen Zustand, weiß ich, dass ich niemals wieder „verlorengehen“ werde. Ich weiß, dass ich nicht mehr Gefahr laufen werde, eine Depression zu bekommen, denn vorher werde ich mich erinnern. Ich habe mich schon so oft erinnert, dass ich weiß, dass es kein Zurück mehr gibt. Ich werde nie wieder in dieser langen, dunklen Periode der vollkommenen Verwirrung versinken. Dazu habe ich mich schon zu oft aus diesen Phasen herausgeholt.

Selbst während ich krank war, wusste etwas in mir, dass es nur eine Phase ist, dass ich mich wieder finden werde, auch wenn ich das in diesem Moment noch nicht konnte. Ich litt, aber ich litt nicht so schrecklich, wie ich in meiner Vergangenheit gelitten habe.

Es ist wie eine Membran die man durchbrochen hat, wenn man diesen Quell des Glücks einmal gefunden hat. Es gibt kein dauerhaftes Zurück mehr. Und ich finde, das ist eine verdammt gute Nachricht. Und alles, was ich immer wieder und wieder lerne, darf ich lernen. Je öfter ich mich erinnere, je öfter mir Situationen in meinem Leben begegnen, aus denen ich dann plötzlich „aufwache“, desto mehr wächst mein Vertrauen in das Leben. Denn ich schätze das Erwachen so sehr, dass ich mich nicht dafür verurteile, kurz verlorengegangen zu sein.

Das Verlorengehen ist etwas Menschliches, es ist etwas Normales. So funktioniert unser Verstand nun mal, wenn er auf die Ängste der Gesellschaft trifft und eigene Sorgen daraus formt. Aber wir haben alle die Wahl, genau in dieser Verwirrung und Unklarheit nicht für immer festzustecken. Und damit wir das wirklich lernen, müssen wir immer wieder in die Unklarheit fallen. Wir müssen immer und immer wieder lernen zu verstehen, dass das Glück aus uns selbst kommt, dass wir uns mit unserem Inneren verbinden können und dass wir jederzeit und in jeder Situation wieder Klarheit finden können.

Und genau deswegen begegnet uns immer wieder dasselbe. Damit wir aufwachen, den Kopf schütteln und darüber lachen können.

Kannst du es? 🙂

Welche Dinge begegnen dir immer und immer wieder? Wie gehst du damit um?

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4 Kommentare

  1. Liebe Anna,
    vielen Dank für Deine Texte. Heute habe ich mir glücklicherweise wieder die Zeit zum Lesen genommen.
    Und ich stimme Dir voll und ganz zu:
    Bei sich sein, sich selbst und sein höchsteigenes Ich zu spüren ist wunderbar und heilsam.
    Wie Du selbst erfährst, schaffen wir es leider nicht immer – weil wir zu stark im Außen sind oder das Außen uns zu stark bedrängt.
    Aber schon alleine sich dies immer wieder bewußt zu machen, ist toll und hilfreich.
    Manchmal müssen wir halt Umwege gehen, vielleicht auch mal zurück, aber im Prinzip geht es immer weiter auf unserem Weg zu uns selbst. Und immer nur geradeaus wäre ja auch langweilig 🙂

    • Hallo liebe Kerstin,
      Es freut mich, dass ich dich ein wenig daran erinnern konnte, dich an dich selbst zu erinnern. 😉
      Du hast vollkommen recht: nur geradeaus wäre langweilig. Wir müssen ein paar Schritte zurücktreten, um Anlauf zu nehmen. Was aussieht wie ein Rückschritt ist in Wirklichkeit also keiner. 🙂
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

  2. liebe Anna mir begegnen leider immer wieder Unsicherheiten ob durch mich jemand zu Schaden gekommen sein könnte.das versuche ich für mich zu klären indem ich darüber nachdenke und das ist sehr nervig für mich. Damit hab ich immer wieder zu tun. Lieben Gruß Katharina

    • Liebe Katharina,
      nervig ist es für dich vermutlich nur dann, wenn du dir selbst ständig die Schuld gibst und dich dann auch noch für deine Gedanken nicht leiden kannst. Vielleicht gelingt es dir, ganz neutral deine Gedanken zu beobachten, ohne sie zu werten. So in der Art: „Aha, da denkt es mal wieder in mir, irgendwer sei durch mich zu Schaden gekommen. Dabei muss das gar nicht stimmen.“ Durch dieses neutrale Beobachten konnte ich schon sehr viel Wiederkehrendes auflösen. Es braucht viel Übung, an manchen Tagen ist es geradezu unmöglich, aber es lohnt sich, trotzdem dranzubleiben! Mein Leben hat es wirklich verändert!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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