In welche Richtung fließt dein Flow?

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Der Flow, das ist für mich die Energie, die durch uns fließt und pulsiert. Dass sie das nicht immer gleichmäßig tut, wirst du mit Sicherheit schon festgestellt haben. Und manchmal bist du vielleicht auch richtig frustriert, wenn der Flow nicht so fließt, wie du ihn eigentlich gerne hättest oder meinst zu brauchen. Dass es leichter ist, sich mit der Strömung treiben zu lassen, wissen wir alle – wenn es doch nur so einfach wäre! Ich habe festgestellt, dass der Flow zwei Grundströmungen hat, die mir sehr dabei helfen, zu akzeptieren, was gerade ist, und ganz wichtig: es entsprechend zu nutzen.

Nicht alle Flüsse münden ins Meer…

Die warme Abendsonne auf meinem Gesicht, ein kleines Café auf einer von Touristen unentdeckten Piazza, die melodiöse italienische Sprache, die gute Laune des Kellners und im Hintergrund der türkisfarbene Canal Grande, auf dem sich Gondeln und Vaporettos aus der Lagune in Richtung Meer treiben lassen – Hach, Venedig! Ich habe nur einen Tag dort verbracht, aber es war Liebe auf den ersten Blick und ein Tag, wie er perfekter nicht hätte sein können! Ich glaube, ich darf diese Märchenstadt nie wieder besuchen, denn diese Perfektion lässt sich einfach nicht nochmal wiederholen. 😉

Mehr „im Flow“ kann man wirklich nicht sein, als ich es dort war. Der Canal Grande fließt ins Meer, so viel ist klar. Doch das machen nicht alle Flüsse – zumindest der Lebensfluss nicht. Mal fühlt sich der Flow an wie ein reißender Fluss, der es kaum erwarten kann, sich ins weite Meer zu ergießen, mal haben wir eher den Eindruck, dass er sich um ein klägliches Rinnsal in der Hintergasse handelt oder gar um eine stillstehende Brühe. Dabei bewerten wir diesen Zustand ständig.

Wenn wir gestern voller Energie waren und sie heute beinahe vollständig verpufft ist, ärgern wir uns darüber. Schließlich haben wir Pläne gemacht, und die lassen sich nun nicht einhalten oder werden anstrengend. Oder aber wir waren gestern noch völlig gelassen und fühlen uns heute geradewegs nervös und aufgedreht. Was soll das denn bitte? Wieso können wir uns nicht immer gleich und zuverlässig fühlen? Wieso können wir nicht auf einem leicht überdurchschnittlichen Energielevel durch die Tage schwimmen, wieso kann uns nicht immer alles gleich leichtfallen?

Wir schaffen es einfach nicht, die Realität zu akzeptieren und leiden darunter. Die Realität ist jedoch ziemlich einfach: Der Flow macht, was er will. Er ist manchmal unberechenbar und lässt sich nicht immer rational erklären. Wir haben also zwei Möglichkeiten: Entweder wir wehren uns dagegen und versuchen, gegen ihn anzuschwimmen oder wir lassen uns mit ihm treiben und genießen ihn – egal, wie er sich gerade verhält. Ich glaube, wir brauchen nicht darüber zu diskutieren, was sinnvoller ist und zufriedener macht. 😉

Der Flow nach außen

So nenne ich jetzt mal die Art von Flow, die dafür sorgt, dass wir voller Energie sind und diese loswerden wollen. Mir geht es gerade so – seit der Frühling Einzug gehalten hat, brauche ich zwei Stunden weniger Schlaf und bin dennoch voller Energie. Meine Yogapraxis ist dynamischer und anstrengender geworden, ich habe richtig Lust auf Herausforderungen, darauf, draußen zu sein, auf Menschen, auf Action. Und ich will kreativ erschaffen. Mein Kopf quillt über vor Ideen, die ich am liebsten alle auf einmal verwirklichen würde.

Diese Art von Flow fühlt sich an wie ein reißender Fluss, der es kaum erwarten kann, sich in den weiten Ozean zu ergießen. Ich fühle mich stark, kräftig, völlig gesund und genieße die Energie in vollen Zügen. Auch habe ich das Gefühl, dass ich andere Menschen damit anstecken kann, was mir dann wiederum noch mehr Energie zurückgibt. Wow, ein tolles Gefühl! Aber ich weiß auch, dass es nicht ewig anhalten wird, deswegen bin ich auch nicht traurig, wenn ich spüre, dass die Energie sich umkehrt.

Der Flow nach innen

Wenn sich die Energie nach innen richtet, ist uns mehr danach, uns zurückzuziehen, Zeit alleine zu verbringen oder tiefgründige Gespräche zu führen. Im Winter war mein Flow größtenteils nach innen gerichtet. Ich habe länger geschlafen, viel mehr gelesen, längere und ruhigere Yogasequenzen geübt. Zwar war ich auch im Winter gerne in der Natur, aber da draußen spürt man dann eher den Tod als das Leben.

Es war nicht so, dass meine Energie im Winter „weg“ war – nein, sie war noch da, hatte aber eine andere Richtung angenommen. Sie konzentrierte sich auf ein Erholen und – ohne, dass ich es wusste – auch auf ein Erschaffen. Denn kreatives Erschaffen kann nur durch Stillstand und Pausen erfolgen. Ich glaube, deswegen habe ich jetzt im Frühjahr mehr Energie als jemals zuvor. Weil ich es mir im Winter so richtig erlaubt habe, mich zurückzuziehen, anstatt „trotzdem“ weiterzumachen. Von Frühjahrsmüdigkeit keine Spur – kann es sein, dass sie nur dann kommt, wenn wir uns über den Winter nicht die nötige Ruhe gönnen?

Beide Richtungen sind gleichwertig.

Für mich gibt es keine „bessere“ Art von Flow. Beide sind sie völlig gleichwertig und ich liebe sie beide. Ich spüre den Einfluss der Natur und der Jahreszeiten und wie sich mein Flow durch sie beeinflusst so stark wie noch nie zuvor. Das ist wirklich ein Wunder, das ich da gerade erlebe! Doch auch innerhalb der Jahreszeiten kann der Flow seine Richtung ändern. Frauen erleben das jeden Monat. Ich habe endlich gelernt, mich dieser ruhigeren Zeit hinzugeben und nicht, mich mit Schmerzmitteln zu betäuben und Party machen zu gehen. Und wer hätte es gedacht – die Schmerzen werden von Monat zu Monat weniger.

Ich habe bereits in meinem Beitrag über unseren Rhythmus darüber geschrieben, wie wichtig es ist, ihm zu folgen anstatt sich dagegen zu wehren. Aber ich habe immer noch den Eindruck, dass viele von uns (mich eingeschlossen) der Meinung sind, nur ein Flow nach außen sei ein „richtiger Flow“ und alles andere Faulheit oder Mangel an Disziplin. Bullshit!!! Der Flow nach innen ist unabdingbar für unsere körperliche und seelische Gesundheit. Wenn wir ihn nicht annehmen, brechen wir früher oder später zusammen. Und dann ist da gar kein Flow mehr, sondern einfach nur ein leeres Loch. Dann führen wir Dinge auf Autopilot aus und fragen uns eines Tages, wie es passieren konnte, dass unserem Leben jeglicher Sinn fehlt.

Aber die gute Nachricht ist: Es ist nie zu spät. Der Flow ist immer da. Er wartet darauf, dass wir ihn entdecken und nach ihm leben. Darauf, dass wir unseren Verstand ausschalten und uns vom Leben treiben lassen – in welche Richtung, ist völlig irrelevant. Hören wir auf, ständig alles kontrollieren und bestimmen zu wollen und geben wir uns der Leichtigkeit des Seins hin. Ohne mit dem Schicksal zu hadern oder an gestern oder morgen zu denken. Seien wir einfach eins mit dem Jetzt und mit dem Flow.

Und dann stellen wir womöglich erstaunt fest, dass wir gar nicht so viel brauchen, um glücklich zu sein.

Wie erlebst du die beiden Richtungen des Flows? Fällt es dir leicht, sie zu akzeptieren?

Hier kannst du noch mehr erfahren:
Die Rhythmen des Lebens – Wie du lernst, sie anzunehmen und zu lieben
Schluss mit Entwicklung, her mit den Chips!
Warum wir gar nichts müssen (und wir freier sind, als wir glauben)

 

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2 Kommentare

  1. Hallo Anna,

    danke für diesen wunderschönen Beitrag. Ich hatte mit dem Begriff „Flow“ immer so ein Problem, weil es nichts greifbares, definiertes ist, insgesamt einfach sehr schwammig. Aber die Idee mit dem Fluss und dem Rhythmus des Lebens stellt das sehr gut visuell da. Mir geht es auch so, dass ich im Winter eher in mich gekehrt bin und im Frühling wieder mehr aufblühe. Aber es gibt auch einzelne Tage, wo sich meine Stimmung genau ins Gegenteil verkehrt. Aber wie du geschrieben hast ist es wichtig, nicht dagegen anzukämpfen, sondern das zu integrieren und mit dem Strom zu schwimmen.

    Alles Liebe!
    Annika

    • Hallo liebe Annika,
      ja, die Bedeutung von „Flow“ hat sich hier auf dem Blog auch nach und nach geändert – alles ist eben im Wandel. 😉 Es freut mich, dass ich dir mit der Idee des Flusses und Rhythmus‘ das Ganze ein wenig konkreter näherbringen konnte. Vielen Dank dir für das Teilen deiner Erfahrungen! Gerade schneit es hier und ich merke, wie mein Flow sich wieder ein wenig nach innen richtet. Nicht nur die Jahreszeiten, auch das Wetter spielt da eine wichtige Rolle. Und sich darüber aufzuregen, bringt ja wirklich nichts. 😉
      Deine Seite sieht übrigens wirklich toll aus, ich werde gleich ein wenig darin herumstöbern!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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