Wie wir schnell herausfinden, ob unsere Leidenschaften aus dem Herzen kommen

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Ich habe nun schon eine ganze Weile nicht mehr über Leidenschaften als Tätigkeit geschrieben. Irgendwie habe ich ein wenig Abstand von diesem Thema gebraucht. (Ich hoffe, die Themen, die ich während dieser Zeit in meinen Artikeln und in meinem Podcast behandelt habe, haben dich genauso begeistert wie mich.) Aber gestern kam mir eine Erkenntnis, die einen absoluten „Aha-Effekt“ in mir verursachte, den ich unbedingt mit dir teilen möchte. Es ist ein wirklich einfacher Trick, mit dem wir jederzeit prüfen können, ob unsere Leidenschaften wirklich aus unserem Herzen kommen oder ob wir mit ihnen den Wünschen der Gesellschaft entsprechen wollen, ohne es selbst zu merken.

Ist uns unser Ziel wichtiger als unser Weg?

Das ist eigentlich schon alles, was wir uns fragen müssen, wenn wir herausfinden wollen, ob wir das, was wir tun, wirklich aus dem Herzen heraus machen. Ich habe ja bereits an anderer Stelle über Seelen- und Gesellschaftsziele geschrieben. Doch in letzter Zeit fiel mir immer wieder auf, dass ich gar keine Lust mehr darauf hatte, mir Ziele zu stecken oder über sie nachzudenken. Schon gar nicht mit einem festen Datum. Dabei wird doch immer und überall behauptet, dass das so unglaublich wichtig sei!

Unbewusst bin ich durch das „Verweigern von festen Zielen“ meinem Flow gefolgt, und ich habe mir sehr viel Freude damit in mein Leben geholt und meine Leidenschaften haben noch einmal eine ganz andere Dimension – und Tiefe  – dadurch erfahren. Und mir ist eins so richtig klar geworden: Das Tun ist es, das im Vordergrund stehen sollte, und nicht unser Ziel damit. Nur, indem wir uns mit dem Tun völlig verweben und eins damit werden – wenn wir den Passionflow spüren -, können wir die wahre Freude wahrnehmen, die unsere Leidenschaft in uns auslöst.

Der Flow kennt keine Ziele

Unsere Energie folgt ihrem eigenen Rhythmus. Und die kann man nicht in Tabellen oder Zielvorlagen pressen. Es mag sein, dass sie uns an einem Tag regelrecht überschwemmt und an einem anderen Tag dafür völlige Flaute herrscht. Dadurch, dass unser Leben meist ziemlich durchgetaktet ist, fällt es den meisten von uns schwer, dieser Energie uneingeschränkt zu folgen. Ich glaube, deswegen leben auch viele kreative Menschen auf einsamen Inseln. Dort können sie genau auf sich selbst hören und dem folgen, was sie ruft – oder eben nicht.

Wir machen uns selbst unsere eigenen Blockaden

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass wir Blockaden bei unseren Leidenschaften selbst verursachen? Beim Schreiben fällt mir das immer wieder auf. Viele Menschen fragen mich: „Hattest du denn auch schon eine Schreibblockade?“ Und ich antworte immer: „Nein, noch nie.“ Aber letztens wurde mir bewusst, dass ich sie in der gängigen Vorstellung bestimmt hatte. Es gab und gibt Zeiten, in denen ich wirklich keine Lust auf Schreiben habe. Ich akzeptiere sie jedoch als Energieflauten, die vergehen werden, um Energieschüben Platz zu machen. Das war bisher immer so. In dieser Zeit mache ich dann eben etwas anderes Schönes, für das ich sonst vielleicht nicht so viel Zeit finde.

Wäre ich jedoch stark zielorientiert, hätte ich mir einen „Termin“ gesetzt, an dem ich dies und das erreicht haben möchte, dann würde ich mich über diese Flauten ärgern und sie nicht wahrhaben wollen. Und dann würde ich wohl frustriert anderen erzählen, dass ich gerade eine Schreibblockade habe. Und dadurch würde ich mich noch mehr in das Gefühl der Blockade hineinsteigern, mir noch mehr Druck machen, noch frustrierter sein – und damit die Energie erst recht zurückhalten. Ist das nicht verrückt? Dabei ist Stillstand völlig normal! Alles ensteht aus der Stille heraus, Kreativität ohne Stillstand ist nicht möglich!

Ist uns das Ergebnis wichtiger als der Flow?

Das ist im Grunde genommen dieselbe Frage wie die ganz oben nach den Zielen, aber noch ein wenig spezifischer auf die Leidenschaften abgestimmt. Wenn wir merken, dass uns das Ergebnis dessen, was wir tun, wichtiger wird als das Tun an sich, wird es Zeit zum Umdenken. Sehr wahrscheinlich kannst du dann das, was du tust, verändern oder abbrechen, denn sonst wirst du früher oder später mit deiner Leidenschaft Leiden schaffen.

Sicherlich gibt es bei jeder Leidenschaft Phasen, durch die man „hindurch“ muss und in denen es uns hilft, wenn wir uns auf unser Ziel fixieren. Aber ich bin der Meinung, dass die Gedanken an das Ergebnis und an das Ziel langfristig einfach keine gute Motivation sind. Wenn wir uns zu sehr auf das Ergebnis fixieren, wird genau dieses darunter leiden. Denn dann trennen wir uns von der Energie, die uns während unserer Leidenschaften erfasst – wir sind abgetrennt vom Flow und geben dadurch automatisch nicht mehr unser Bestes.

Der Flow übersteigt den Verstand

Der Flow verbindet uns mit unserem Herzen, er ist das, was viele Menschen durch die Geschichte hindurch als „Gott“oder „Muse“ bezeichnen. Im Flow übertreffen wir uns selbst. Wir haben das Gefühl, dass etwas durch uns hindurch etwas Großartiges geleistet hat – mit dem Verstand können wir das nicht greifen. Im Flow übernimmt unsere Intuition.

Während ich meinen Roman schrieb, wusste ich immer: „Das Buch muss geschrieben werden, auch wenn es sich nicht verkauft.“ Und erstaunlicherweise habe ich genau das schon von vielen kreativen Menschen so gehört. Auf eine andere Art und Weise funktioniert Kreativität nicht. Sie muss frei fließen können. Jenseits der Grenzen unseres Verstandes.

Wenn wir uns jedoch Ziele setzen und bestimmte Ergebnisse erreichen wollen, dann planen wir immer mit dem Verstand. Wir stellen uns vor, wie schön es wäre, bekannt zu sein oder Geld zu verdienen – wie wir uns mit einer Reise belohnen würden. Aber für mich persönlich reicht diese Motivation nicht aus. Wenn meine Freude an dem, was ich tue, erlischt, gibt es für mich keinen Grund mehr, es (auf diese Art und Weise) zu tun. Denn so verschieben wir unser Glück auf später. Wir sagen uns: „Jetzt mach ich das halt fertig, auch wenn ich es inzwischen so nicht mehr gut finde. Aber dann verdiene ich Geld damit und werde glücklich.“ Nur: Was ist, wenn wir dann nicht glücklich werden? War es das dann wirklich wert?

Ich glaube: Sobald wir mehr auf das Ergebnis fixiert sind, leben wir eine Vision, die nicht unserem Herzen entspringt. Unser Herz braucht keine Anerkennung, kein Geld, kein neues Auto, keinen „Erfolg“. Es will Freude und Liebe empfinden. Und das kann es, indem es in einer Tätigkeit aufgeht und uns führt. Und das ist es, was ein leidenschaftliches Leben so wundervoll macht. Wir fühlen Freiheit, wenn unser Verstand die Klappe hält und unser Herz das Ruder übernimmt. Wir müssen keinen Vorstellungen entsprechen, sondern „sind“ einfach nur und drücken uns kreativ aus.

Seelenziele als Visionen?

Als ich über die Seelenziele schrieb, meinte ich weniger Ziele, die man aufschreibt und dann einhält, sondern mehr Bilder in unserem Kopf – Visionen. Wir spüren, in welche Richtung wir mit unserem Projekt wollen, doch wir bleiben stets flexibel und offen für andere Möglichkeiten. Wir identifizieren uns nicht vollkommen damit, sodass wir nicht verzweifelt sind, wenn wir es verwerfen und etwas anderes – vielleicht viel Großartigeres – beginnen.

Visionen sind mehr ein Gefühl als ein Ziel. Wir steuern auf etwas zu, auf einen Traum, einen Wunsch, der unserem Herzen entspringt. Etwas will in uns entstehen, wir müssen es nicht mit unserem Verstand greifen, sondern können einfach die Bilder in uns anschauen und auf sie zusteuern. Dafür braucht es Vertrauen in das Leben. Dafür müssen wir wissen, dass alles schon so wird, wie es werden soll. Aber ist es das bisher nicht immer geworden? Haben nicht all die „Misserfolge“ in unserem Leben uns hierhin geführt? Haben nicht all die „Fehler“ uns mit den Fähigkeiten ausgestattet, die wir benötigen, um dem Ruf unseres Herzens nun zu folgen?

Nicht alles im Leben muss super leidenschaftlich sein

Natürlich muss nicht alles im Leben auf diese Art leidenschaftlich sein. Wir können eine Weile in einem „Normalzustand“ verweilen, um dann in einen freudvollen „Alltagsflow“ zu kommen, in der kreativen Stille zu versinken, und uns dann vom Passionflow gefangen nehmen lassen. All diese Phasen und Rhythmen sind normal und sie kommen und gehen jenseits von logischer Greifbarkeit. Wir können sie annehmen, wie sie sind, uns in ihnen wohlfühlen. Wir können das Leben mit all seinen Facetten genießen.

Und wenn wir in unserer Leidenschaft sind und sie sich „richtig“ anfühlt, dann wissen wir, dass wir unserem Herzen folgen. Spüren wir jedoch, dass wir zu sehr an Zielen und Ergebnissen festhalten, ist es wahrscheinlich, dass wir einer Vorstellung von Erfolg aufgesessen sind, die nicht wirklich die unsere ist. Dann wird es Zeit für eine Kurskorrektur. Wenn wir uns darüber immer wieder bewusst werden, wenn wir uns immer wieder fragen, ob wir echte Freude bei dem empfinden, was wir tun, wird das Leben plötzlich so viel einfacher. Und auf diese Weise laden wir echte Leidenschaft zu uns ein.

(Dieser Artikel entstand innerhalb von einer halben Stunde vollkommen aus einem Guss. Ich habe unglaublich viel Freude dabei gehabt. Jetzt lächle ich. Das Leben ist schön.)

Woran spürst du, dass die Leidenschaft aus deinem Herzen kommt? Bist du auch schon einem Ziel gefolgt, bei dem sich herausgestellt hat, dass es nur der Vernunft entsprang? Was hast du dann gemacht?

Ich habe noch einige Artikel parat, die von den in diesem Artikel angesprochenen Themen handeln. Bestimmt interessieren dich die folgenden:
Die Rhythmen des Lebens – wie du lernst, sie anzunehmen und zu liebenWie Leidenschaften Leiden schaffen
Wessen Ziele lebst du?
Das Leidenschafts-Paradox: Wie Stillstand dir zu Erfolg verhilft

Und eine sehr passende Podcast-Episode habe ich auch noch für dich:
Wie wichtig ist Erfolg eigentlich? (Episode 1)

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7 Kommentare

  1. Liebe Anna,

    was du hier beschreibst ist im Grunde der Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation: Wir sind intrinsisch motiviert, wenn wir eine Sache um ihrer selbst willen machen; also aus Freude am Tun.
    Wir sind extrinsisch motiviert, wenn wir etwas als Mittel zum Zweck machen; also weil wir eine bestimmte Belohnung dadurch erlangen oder eine Bestrafung vermeiden wollen.
    Die intrinsische Movitation ist insofern wertvoller, weil sie nahezu ein Selbstläufer ist. Aber natürlich können wir nicht für alles intrinsisch motiviert sein. Deswegen gibt es externe Anreize wie Geld, Lob, Bestrafung u.ä.
    Mehr dazu gibt es u.a. hier: http://www.gluecksdetektiv.de/intrinsische-motivation/

    LG, Katharina

    • Liebe Katharina,
      ich habe selbst an das Konzept der beiden Motivationsarten gedacht, während ich den Artikel geschrieben habe – und die Begriffe dabei bewusst vermieden. In deinem Artikel hast du dieselbe Einteilung wie ich, aber ich habe schon so einiges darüber gelesen und ich kenne die Einteilung so: Extrinsisch ist alles, was „sein muss“ und mit Belohnung oder aus Angst vor Bestrafung getan wird – und intrinsisch ist das, was man „freiwillig“ tut. Der Fokus auf das Tun war dabei nicht so stark. In deinem Artikel legst du ihn aber und das finde ich super! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  2. Liebe Anna,

    Du hast ja so recht! Als ich „Das Gift der Schlange“ schrieb, dachte ich sehr wohl an eine Veröffentlichung und träumte davon, eines Tages vom Schreiben zu leben. Aber ich sah nie das fertige Buch vor mir, ich plante keine Lesungen oder Interviews, sondern ich setzte mich jeden Tag nach der Arbeit an den Computer und ging voll im Schreiben auf. Nicht weil ich musste, sondern weil mir nichts wichtiger war und ich es nach einem 8-Stunden-Tag nicht erwarten konnte, am Roman weiterzuarbeiten. 🙂

    Ich halte nichts von Tageszielen wie den 1000 Wörtern, die manche Schreibratgeber empfehlen. Ebensowenig von Deadlines, ich schreibe fast täglich an der Fortsetzung, aber ich habe kein Erscheinungsdatum festgelegt – eben weil das Schreiben wichtiger ist als das letzte Satzzeichen. Bei manchen Szenen bin ich sehr schnell im Flow, andere sind mühsam und der Flow kommt dann nachher beim Durchlesen. Leser spüren Leidenschaft, sie spüren, ob ein Roman nur mit dem Kopf und auf einen Termin hin geschrieben ist. Und deshalb sind alle Beteiligten mit Flow besser dran als mit Terminen – meine Leser und ich. 🙂

    Danke für diesen wundervollen Beitrag!

    Liebe Grüße
    Barbara

    • Liebe Barbara,
      schön, dass auch du kein Fan von Deadlines bist. Ich hatte irgendwo gelesen, dass man sich unbedingt eine setzen müsse und dann allen im persönlichen Umfeld davon erzählen. Das habe ich gemacht – und als die Deadline näherrückte, wurde mir bewusst, dass die Qualität des Buches leiden würde, wenn ich nicht noch weiter daran arbeite. Klar, das kann bei manchen bis ins Unendliche führen, aber eigentlich wusste ich bisher immer ganz gut, wann Schluss ist, und ich bin nicht der Mensch, der alles ewig hinauszieht. Tja, und dann wurde meine Umwelt ungeduldig und „glaubte“ mir wohl nicht mehr, dass ich jemals fertig werde. So was mache ich jetzt nicht mehr! 🙂
      Als ich aktiv am ersten Buch geschrieben habe, waren es um die 2000 Wörter täglich – das war für mich total leicht zu erreichen. Aber sobald ich mich hingesetzt und mir vorgenommen habe, diese 2000 Wörter zu schreiben, produzierte ich Müll. 😀
      Ich finde es wunderschön, wie du sagst, dass alle Beteiligten mit Flow besser dran sind. Auch die Leser. Das sehe ich ganz genauso! Danke dir für diesen tollen Satz!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Guter Artikel,gutes Denken! Warum? Intrinsische Motivation ist ausdauernder, sie ist näher an dir dran, sie gehört zu dir bzw. mir! Was haben beide Motivationstypen gemeinsam? Sie hängen vom Denken ab! Das Denken beeinflusst mehr den Menschen als man allgemein glaubt. Der Mensch ist ständig im Selbstgespräch, ob bewusst oder unbewusst.

    Willst du das unbewusste Denke verändern, denke aktiv und bewusster. Wiederhole so lange („lang genug, oft genug, intensiv genug und mit genug Überzeugunskraft“ (Zitat Christian Bischoff)) bist du konstruktives (hilfreiches) Denken verinnerlicht hast und es im Unterbewussten verschwindet. 😉

    • Hallo lieber Simon,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Ja, das Denken spielt eine sehr wichtige Rolle im Leben – und das Lernen, immer bewusster zu denken bzw. es auch einfach mal nur zu beobachten. Manchmal muss ich wirklich herzlich lachen, wenn ich mir so „anhöre“, was mein Kopf für Gedanken produziert. Und dann finde ich es so absurd, dass ich dem Glauben geschenkt habe. Und dann bin ich ganz nahe bei mir und kann mein Denken auf hilfreiche Art und Weise einsetzen. 🙂 Ist das bei dir auch so?
      Ganz liebe Grüße
      Anna

      • Hallo liebe Anna, 🙂

        naja, ich könnte meine komischen Gedanken noch öfter ertappen, enttarnen, auflösen,… Teilweise produziert das Gehirn schon nen Schmarrn. Und das man diesen dann manchmal auch noch folgt bzw. glaubt, ist schon sehr witzig oder auch ärgerlich. Aber ich lache lieber darüber, weil ich es für eine bessere Reaktion halte (die auf den Einstellungen folgt bzw. umgekehrt).

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