Deine Leidenschaften brauchen keinen Namen!

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Letztens wurde ich gefragt, was denn meine eigene Leidenschaft sei. Wenn ich schon einen Blog über Leidenschaften betreibe, muss ich ja schließlich auch welche haben. Eine Kleinigkeit also für mich, diese Frage zu beantworten. Oder? Ganz ehrlich? Die Frage hat mich vollkommen aus der Bahn geworfen!

Der Plural

Sicher ist dir schon aufgefallen, dass ich im Gegensatz zu vielen anderen Texten das Wort „Leidenschaft“ so gut wie immer im Plural verwende. Während du vielleicht schon den Satz „Finde deine Leidenschaft“ gelesen hast, ist die Mehrzahl immer noch nicht sonderlich verbreitet. Das war mein erster Gedanke zu der Frage „Was ist deine Leidenschaft?“

Der Plural ist mir sehr wichtig und ich erlebe seine Verwendung als Befreiung. Vielleicht hast du meinen Artikel darüber, was ein Scanner ist, bereits gelesen. Das Buch, das ich darin vorstelle, hat mir wirklich die Augen geöffnet. Seitdem weiß ich: Es ist vollkommen in Ordnung, sich im Leben nicht nur auf eine Sache, sondern auf viele zu konzentrieren. Nur weil ich gerne schreibe, bedeutet das nicht, dass ich das Singen vollkommen zurückschrauben oder gar aufgeben sollte. Ich stellte fest, dass ich seit meiner frühen Kindheit, immer sehr vielen und teilweise auch schnell wechselnden Interessen mit großer Begeisterung gefolgt bin. Falls es dir genauso geht, möchte ich, dass du dich absolut gut fühlst, wenn du den Eindruck hast, viele Leidenschaften zu haben. Deswegen der Plural.

Sind Leidenschaften „Hobbys“?

Was liegt näher, als jemandem auf die Frage nach seinen Leidenschaften seine Hobbys aufzuzählen? Schließlich haben wir das schon in der Grundschule gelernt, als in Freundschaftsbüchern direkt nach Namen und Lieblingsfächern eine Zeile für die Hobbys reserviert war. Was schreibt man als Kind so rein? Na, das, was man als Kind eben so macht: Malen, Basteln, Flöte spielen – bei Mädchen Reiten, bei Jungen Fußball. Niemand ist da sonderlich kreativ.

Selbst in einem Lebenslauf darf/kann/soll man jetzt seine Hobbys angeben. Dort gilt es natürlich, zu glänzen und die „weniger beeindruckenden“ Interessen wie Hamburgerwettessen lieber mal außen vor zu lassen. Marathonlaufen oder soziales Engagement sind jedoch immer wieder gern gesehen.

Ich habe also meine Hobbys aufgezählt, musste dann jedoch innehalten. Irgendetwas stimmte nicht. Meinen Hobbys widme ich eigentlich gar nicht so viel Zeit – und dennoch ist mein Leben voller Leidenschaften. Hobbys sind etwas „Klassisches“, außerdem etwas, das man (meist nicht professionell) in seiner Freizeit macht. Zum Zeitvertreib eben. Hobbys sind ungefährlich und bedrohen die Arbeitsgesellschaft nicht in dem Maße wie es ganz viele begeisterte Menschen tun würden. Die würden die Welt nämlich ganz schön umkrempeln!

Die Erkenntnis: Leidenschaften können Hobbys sein, müssen es aber nicht.

Leidenschaften als Lebensgefühl

Ich wusste ganz genau, was meine Leidenschaften sind, aber ich war nicht in der Lage, sie zu benennen! Ich spielte in meinem Kopf auch mit längeren Phrasen anstatt mit bloßen Begriffen, versuchte Tätigkeiten wie das Bloggen oder Spazierengehen mit einzubeziehen und stellte fest, dass meine Liste dadurch endlos würde!

Also dachte ich weiter… Was mache ich so den ganzen Tag? Eigentlich lauter Dinge, die ich liebe! Sogar das Putzen finde ich inzwischen nur noch halb so ätzend wie noch vor zwei Jahren. Irgendwie seltsam. Irgendwas war geschehen, seit ich diesen Blog gestartet habe. Etwas, das davor schon sichtbar wurde, aber erst jetzt deutlich wird. Und dann wurde es mir klar:

Ich lebte leidenschaftlich.

Sämtliche Facetten meines Lebens sind auf ihre eigene Art und Weise wunderbar. Die kleinen Dinge des Alltags machen mich unglaublich glücklich! Überall ist Begeisterung und Freude.

Zu Beginn schrieb ich noch über den Flow-Zustand, den man erlebt, wenn man in einer leidenschaftlichen Tätigkeit versinkt. Ich erlebe diesen Zustand inzwischen nicht nur während ich etwas tue, sondern auch, wenn ich einfach nur etwas anstarre und es schön finde. Oder in der Meditation. Beim Yoga. Beim Joggen. Beim In-die-Wolken-schauen. Beim Freundetreffen. Verrückt, oder?

„Leidenschaften“ ist für mich irgendwie zu einem Lebensgefühl geworden und nicht länger eine Tätigkeit. Es bedeutet für mich, voll und ganz präsent und lebendig zu sein. In allem was man tut. Es bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein, dankbar zu sein und das, was mir gegeben wird, zu genießen.

Namen sind überflüssig

Es hat sich etwas Grundlegendes in meinem Denken über Leidenschaften verändert. So grundlegend, dass ich echt überlegt habe, ob dieser Blog noch einen Sinn macht. Aber das tut er. Nur die Definition hat sich verschoben. Man muss Leidenschaften weder eingrenzen, noch benennen. Manche Dinge können auch einfach vollkommen undefiniert bleiben. Oder kannst du mir sagen, wer oder was genau Gott ist?

Leidenschaften sind die Lebendigkeit in dir, sie sind dein Motor, dein Antrieb, sie zaubern dir ein Lächeln aufs Gesicht und machen dich glücklich. Ob das jetzt ein Hobby ist, eine Tätigkeit, ein Interesse oder generell alles im  Leben, ist dabei vollkommen irrelevant.

Sobald du nach Begriffen für deine Leidenschaften suchst, hast du das Gefühl, nicht genug zu sein, du glaubst, dass dir etwas fehlt. Aber das stimmt nicht. Du bist jetzt schon ganz und hast alles, was du für dieses Leben benötigst. Du hast ein riesiges Potenzial in dir. Dein Problem ist eigentlich nur, dass du zu oft gehört hast, dass du mit deinen Leidenschaften Geld verdienen solltest oder dass sie etwas gesellschaftlich Akzeptables darstellen sollten. Du brauchst dich jedoch über deine Leidenschaften überhaupt nicht zu identifizieren. Dein wahres Selbst hat so etwas überhaupt nicht nötig. Es will dir zeigen, was dieses Leben Wundervolles zu bieten hat! Deswegen ist ein authentisches Leben auch so wichtig!

Ohne Namen für deine Leidenschaften legst du dich auch in keinster Weise fest. Du bist offen für die wunderschönen Überraschungen des Lebens, lässt dich vom Fluss sanft mitnehmen und kannst jederzeit flexibel bei dem bleiben, das dich begeistert. Deine Kreativität wird somit unerschöpflich. Deine Leidenschaften werden zu deinem natürlichen Seinszustand.

Also: Deine Leidenschaften brauchen keinerlei Namen. Sie sind einfach nur. Sie gehören zu dir wie die Luft zum Atmen – und das jetzt schon, bevor du sie „gefunden“ hast!

Was denkst du darüber, deine Leidenschaften einfach mal namenlos und undefiniert zu lassen? Wie fühlt sich das für dich an?

 

Du willst noch mehr erfahren? Dann lies hier einfach weiter:
Bist du ein Scanner?
Wieso machen Leidenschaften glücklich und zufrieden?
Du bist viel mehr! (und Leidenschaften sind nicht alles)

 

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10 Kommentare

  1. Fühlt sich ein Bißchen komisch an 🙂 Aber gut!
    Leidenschaftlich leben ist wundervoll und klingt vom Wort her „tiefer“ als „mit Begeisterung“ leben.
    Ich merke, dass es mich etwas stört – das nicht konkreter zu benennen. Aber es ist auch cool – mal nicht in bekannter Spur zu denken.
    Ich denke gerade an das Gedicht von Rilke „Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort“ (damals gehört von X. Naidoo -> wunderschön..)

    „Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
    Die Dinge singen hör ich so gern.“

    • Hallo Allie!
      Für mich hat es sich auch eine ganze Weile sehr ungewohnt angefühlt, aber wenn man sich daran gewöhnt, ist es unglaublich befreiend! Rilke schreibt die wundervollsten Gedichte – ich liebe sie! Danke dir für die Inspiration! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  2. Absolut richtig mit den Leidenschaften ohne Namen.
    Wenn man das was man macht mit Leidenschaft macht ist das einfach , lebendig sein .
    Wer lebendig ist, lebt seine Leidenschaften, lebt Leidenschaft ,
    was auch immer es ist.,LG Cornelia

    • Das kann ich nur so unterstreichen, liebe Cornelia! „Wer lebendig ist, lebt seine Leidenschaften“ – das finde ich wunderschön! Danke dafür! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Hey Anna,

    Du hast soooo Recht und sprichst/schreibst mir aus der Seele. Ich selber bin begeistertes und leidenschaftlicher Scanner, zum Leidwesen meines Umfeldes. Ich probiere gerne Neues aus, brenne dafür, mache es solange es Spaß macht und lasse es los, wenn ich keinen Spaß mehr dran habe. Und auf geht´s zum nächsten Abenteuer! Für ein Umfeld wirkt das natürlich sprunghaft, kindlich, unbeständig und viele weitere Adjektive, die die Gesellschaft für sowas gefunden hat.

    ABER: Ich liebe jeden Moment, den ich mit diesen Aufgaben verbringe. Es ist egal, ob ich danach zu etwas Neuem übergehe. Ich mache alles nur solange, wie es mir Spaß macht. Und das ist doch etwas Wunderbares! Wie Du schon sagst: Man muss sich ja nicht für immer festlegen.

    Also ist meine Leidenschaft wohl, die Vielfalt des Lebens entdecken und das ist sooooooo grandios, fantastisch, befreiend, fabelhaft…ich könnte ewig so weitermachen. und runtergebrochen kann man sagen es ist das, was das Leben ausmacht: SEIN!

    Danke für deinen kleinen Kick 😉

    • Lieber Alex!
      Was für ein wundervoller und erfrischender Kommentar! Ich danke dir für deine inspirierenden Worte! Genauso sehe ich das auch – auch ich bin Scanner mit Leib und Seele und genau das macht mein Leben auch so reich! Das Sein reicht vollkommen aus – egal, wie auch immer man dieses gestaltet!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  4. Ich finde es fühlt sich gut an seine Leidenschaften nicht immer so genau bennen zu müssen. Damit grenzt man sich total ein und bei mir ist das so, dass ich dann eine Art Druck spüre. Gerade wenn man hört, dass der eine diese Leidenschaft und der andere jene hat, da denke ich sofort, ich brauche auch einen Namen. Aber manchmal gibt es den einfach nicht.
    Danke für den Artikel! 🙂

    • Freut mich sehr, dass dir mein Artikel gefällt, liebe Anika! Ja, diesen Druck spüre ich selbst manchmal auch. Und dann beginnt man, Leidenschaften in „minderwertig“ oder „hochwertig“ zu sortieren, oder danach, ob man mit ihnen Geld verdienen kann… Und genau damit erstickt man sie schon im Keim. Und das wäre sehr schade.
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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