Wie Leidenschaften Leiden schaffen

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„Bleib so wie du bist!“ – ich weiß nicht, was ich von diesem Wunsch (ganz beliebt zu Geburtstagen) halten soll. Sicher sehr liebevoll gemeint, lässt er mich doch daran denken, dass Weiterentwicklung nicht immer etwas Wünschenswertes ist. Wenn man seine Meinung häufig ändert, gilt man schnell als unberechenbar, aber ich finde es inzwischen seltsamer, wenn man jahrelang auf derselben Meinung beharrt und sich trotz sehr schlüssiger Gegenargumente nicht davon abbringen lässt. Und auch auf die Gefahr hin, nun mit imaginären verfaulten Tomaten beworfen zu werden, möchte ich hier etwas eingestehen. Nämlich dass ich mit dem Thema Leidenschaften einen Irrweg gegangen sein könnte. Wieso, das möchte ich in diesem Artikel erklären.

Die leidenschaftliche Sackgasse

Ich glaube, ich habe im letzten Jahr, ohne es zu wissen, dazu beigetragen, dass Menschen unglücklich geworden sind. Oder frustriert. Ich weiß es nicht. Mich erreichen zwar viele positive Nachrichten, aber auch welche, in denen ich die Verzweiflung aus jedem einzelnen Wort herauslesen kann. Meist finde ich eine Formulierung wie: „Hilfe, ich finde meine Leidenschaften einfach nicht! Ich habe schon alles probiert, aber ich habe einfach kein Interesse! Was soll ich nur tun?“

In der Antwort schreibe ich dann über Selbstliebe und -fürsorge, über ein deutliches Abgrenzen von den Meinungen anderer und darüber, dass die Leidenschaften dann von alleine kommen. Das ist auch alles nicht falsch. Aber es ist vermutlich nicht das, was jemand erwartet, der mir eine solche Mail schreibt. Wir sind es durch einschlägige 10-Schritte-Anleitungen online und in Büchern gewöhnt, eine schnelle Lösung präsentiert zu bekommen, an der wir sehen, dass etwas Schritt für Schritt möglich ist. Wir wollen an unser Ziel kommen. Gehörst du aber zu den Menschen, die diese Anleitungen tatsächlich befolgen? Also ich nicht.

Für Leidenschaften gibt es jedoch kein Patentrezept. Und es ist sogar schädlich, sie als das ultimative Ziel, den Sinn des Lebens zu benennen.

Hamsterrad reloaded

Leidenschaften haben mein Leben absolut bereichert und sie tun es immer noch – das will ich nicht abstreiten. Durch die Arbeit an meinem Roman habe ich zu mir selbst gefunden, aber indem ich diese Tätigkeit (und andere „Leidenschaften“ von mir) geradezu in den Himmel gehoben habe, bin ich dem Weg in eine Sackgasse gefolgt. Denn „Leidenschaften zu entdecken und zu leben“ – so wie ich es auf dieser Seite lange Zeit angepriesen habe – kann nicht das Ziel sein. Genauso wenig wie es ein Lebensziel sein kann, der Boss einer tollen Firma zu sein. Bei beiden Vorhaben gerate ich früher oder später in ein Hamsterrad. Bei den Leidenschaften ist es jedoch viel weniger sichtbar und dadurch tückischer. Aber im Grunde ist es dasselbe. Lass es mich dir erklären.

Wir alle wurden wohl dazu erzogen, uns Ziele zu setzen und sie zu erreichen. Je mehr Ziele wir im Leben erreichen und je besser wir das bewerkstelligen (z.B. durch Kämpfen und Durchhalten), desto besser. Das nennt sich dann Erfolg. Hat man ihn, wird man bewundert und beneidet. Dass man selbst nach dem ultimativem Erfolg immer noch nicht zufrieden ist, sieht von außen niemand (oder will keiner sehen?).

Wenn wir in einer Krise stecken, durchschauen wir dieses verrückte Spielchen vielleicht. Etwas in uns weiß, dass diese Art von Erfolg, die uns jederzeit genommen werden kann und die außerdem schon nach kurzer Zeit – oft sogar schon beim Erreichen des Ziels – nicht mehr genügt, irgendwie nicht das Wahre sein kann. Doch das zu wissen muss nicht unbedingt zu einem entsprechenden Handeln führen. Da spreche ich aus Erfahrung. Ich sagte und schrieb, dass nur das Erreichen der Seelenziele wichtig sei, dass man seiner Intuition folgen soll und das tun soll, wofür man Leidenschaft hat, doch im Stillen hockte in meinem Hirn nach wie vor die Vorstellung von Erfolg, die man so kennt. Ich wollte eine erfolgreiche Autorin sein, dieser Blog sollte von vielen Menschen gelesen werden, ich wollte es endlich all jenen „zeigen“, die nicht an mich geglaubt hatten.

Es gab da immer diese Stimme in mir, die mir zuflüsterte: „Anna, da ist etwas faul. Etwas stimmt da nicht.“ Doch ich ignorierte sie die meiste Zeit. Denn hätte ich auf sie gehört, dann hätte das bedeutet, diese Vorstellungen, an die ich mich so sehr klammerte, aufgeben zu müssen. Und dafür war ich noch nicht bereit.

Ohne es zu wissen, hatte ich mir aus meinen Leidenschaften ein Hamsterrad geschaffen – genau wie jenes, aus dem wir alle entkommen wollen. Immer wieder suchte ich nach Wegen, mit zumindest einer meiner Leidenschaften Geld zu verdienen. Ich war der Ansicht, dass nur die Selbstständigkeit meinem Wert von Freiheit gerecht werden könnte – und war von ebendieser meilenweit entfernt. Es war nicht so, dass ich ständig litt. Die meiste Zeit fühlte ich mich sehr glücklich. Aber es gab Phasen, in denen ich den mir selbst auferlegten Druck meiner To-do-Listen kaum ertragen konnte. In denen ich verzweifelt war, wenn sich jemand aus meinem Newsletter austrug. In denen ich an meinen Fähigkeiten als Bloggerin zweifelte. In denen ich einfach nicht weiter wusste.

Das „Leid“ in „Leidenschaft“

Von Anfang an hatte ich das Wort „Leid“ in „Leidenschaft“ nicht wahrhaben wollen. Es sei für mich völlig positiv besetzt, verkündete ich. Nun verstehe ich es. Und es scheint, als wäre dieser „Umweg“ für meine Entwicklung wichtig gewesen. Vielleicht ist oder war er es auch für dich. Doch wie erschafft eine Leidenschaft Leid?

Wenn wir es gewohnt sind, Ziele zu erreichen und Erfolge zu feiern, wird es uns bei dem Thema Leidenschaften nicht anders gehen. Zunächst einmal suchen wir wie verrückt nach ihnen, obwohl sie vielleicht direkt vor unserer Nase liegen. Aber während der verzweifelten Suche können wir solche subtilen Hinweise nicht wahrnehmen. Wenn ich davon erzählte, wie toll sich Leidenschaften anfühlen, wirst du vielleicht entmutigt den Kopf hängengelassen haben, weil es dir nunmal einfach nicht gelungen ist. Etwas so Elementares und Lebenswichtiges kriegst du nicht auf die Reihe. Ich möchte mich bei dir entschuldigen, wenn ich ein solches Gefühl bei dir hinterlassen habe. Ich wusste es nicht besser.

Doch nicht nur das lässt uns leiden. Auch das extatische Hoch während wir einer Leidenschaft nachgehen hält nicht für immer an. Das Gefühl des Flows ist überwältigend und es kann uns dazu bringen, mehr davon bekommen zu wollen. Plötzlich stört uns alles andere. Uns stört es, dass wir die Wohnung putzen müssen, obwohl wir viel lieber unserer Leidenschaft folgen und den nächsten Flow erleben würden. Es stört uns, dass wir arbeiten, wo wir uns doch mit unserer Leidenschaft selbstständig machen wollen. Vielleicht stören uns auch die Freunde, die unsere Leidenschaft nicht unterstützen oder die Stadt, in der sich das Ganze nicht angemessen ausleben lässt. Mir sind immer viele Gründe eingefallen, über die ich mich ärgern und frustriert sein konnte.

Kommt dir das bekannt vor? Dann bist du vielleicht demselben Irrweg gefolgt wie ich. Doch es war nichts davon umsonst. Leidenschaften sind nicht „schlecht“, wenn man sie auf die richtige Art und Weise angeht. Du musst das, was du liebst, nicht aufgeben. Es gibt nur eine Sache, die ich inzwischen wichtiger finde. Diese Sache bildet das Grundgerüst für ein leidenschaftliches Leben ohne Leiden.

Vorhang auf für das Traumpaar Klarheit + Bewusstheit!

Na, schon mal von diesem Dreamteam gehört? 😉 Ich verwende diese beiden Begriffe beinahe synonym. Klarheit ist für mich ein Zustand des Geistes, der es uns erlaubt, die Dinge ohne Verschleierungen von außen wahrzunehmen. Das gelingt uns durch Bewusstheit, durch achtsames Beobachten unserer Gedanken, Reaktionen und Verhaltensmuster. Durch ein ständiges Hinterfragen unserer Bedürfnisse. „Was will ich wirklich? Wieso will ich das? Welches tiefe Bedürfnis soll das in mir befriedigen? Tue ich etwas um der Sache willen oder weil ich mir dadurch etwas erhoffe/erwarte?“ – all diese Fragen sind essenziell für den richtigen Umgang mit Leidenschaften.

Wenn wir nicht auf die Ziele der Gesellschaft hereinfallen, wenn wir die Fallstricke genau beobachtet haben und dann aus vollem Herzen sagen: „Ja, das will ich immer noch!“, dann wird das Folgen deiner Leidenschaft für dich keine Schattenseiten haben. Es wird dich erfüllen, weil dein Herz danach verlangt und nicht dein Verstand. Wenn wir das erkennen, führt uns das vielleicht zum Ursprung unserer Talente zurück. Dann sind wir im „wahren“ Passionflow, im Fluss mit uns selbst. Wir denken klar, spüren Freude und vollkommenen Frieden.

Seit ich das Bedürfnis aufgegeben habe, mit diesem Blog erfolgreich sein zu müssen, habe ich wieder viel mehr Freude am Schreiben. Es ist so, als ob etwas aus mir heraus müsste, als schrieben sich die Worte wie von selbst. Ich liebe es. Aber ich glaube, dafür braucht man kein „Hobby“ zu haben wie ich.

Du brauchst keine Leidenschaft zu haben. Es reicht, wenn du einfach nur mit Leidenschaft lebst.

Hingabe macht alles zu Leidenschaften

Ich merke, dass ich inzwischen nicht mehr nach „leidenschaftlichen“ und „nichtleidenschaftlichen“ Tätigkeiten trenne, so wie ich es lange Zeit gemacht habe. Das hat nämlich Leid verursacht, weil die nichtleidenschaftlichen Tätigkeiten dann schrecklich schlimm wurden und ich mir die ganze Zeit dachte: „Ich will nicht putzen! Ich würde stattdessen sooooo viel lieber schreiben! Ich will nicht!!!“ – Mann, das machte vielleicht unglücklich!

Ich habe gelernt, dass wir die banalsten Dinge mit Leidenschaft machen können, wenn wir sie mit Hingabe ausführen. Wenn wir nicht ständig denken „eigentlich sollte ich jetzt woanders sein“ und unsere Aufmerksamkeit völlig auf die Tätigkeit richten, ist da plötzlich kein Leid mehr. Wenn ich mich nicht dagegen wehre, zu putzen, wird das Putzen für mich zu einer freudvollen Tätigkeit. Es klingt absurd und will in unser Denken nicht so recht passen, aber es funktioniert!

Und plötzlich stellte ich fest, dass ich all das nicht „wegmachen“ muss. Ich muss das Putzen nicht delegieren, ich muss mir keine neuen Freunde suchen, ich muss meinen Job nicht kündigen. Denn all das kann ich mit der entsprechenden Einstellung zu einer leidenschaftlichen Erfahrung machen, an der ich wachsen und mich weiterentwickeln darf! Mein Alltag wird zu einem spannenden Spiel voller Herausforderungen, die ich mit Freude angehe!

Denn mein Ziel ist nicht länger „Lebe deine Leidenschaften“, sondern „Lebe mit Leidenschaft“. Der kleine Tausch eines Wörtchens verleiht dem Ganzen eine völlig andere Bedeutung. In jeder Situation versuche ich, völlig bewusst und präsent zu sein, sie mit neuen und neugierigen Augen zu betrachten, vielleicht etwas ein wenig anders zu machen. Und das macht total viel Spaß!

Nein, ich will nicht länger das Entdecken von Leidenschaften als die Lösung anpreisen. Denn das ist sie nicht. Ein Leben mit Leidenschaft, ein Leben, das sich stimmig anfühlt, das im Fluss/im Flow ist – das ist es, dem ich folgen möchte. Denn solch ein Leben hat keine Schattenseiten, es verursacht nicht noch mehr Leid. Und es ist das erste Mal, dass ich wirklich dauerhaft das Gefühl habe, das Richtige zu tun. Das erste Mal, dass das Hamsterrad wirklich hinter mir liegt. Ob ich nochmal darauf hereinfallen werde? Vielleicht. Aber dann werde ich mich einfach an den Weg zurück erinnern. 😉

Kennst du auch das Leidenschafts-Hamsterrad? Wann verursachen Leidenschaften bei dir Leid?

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10 Kommentare

  1. Liebe Anna!
    Wieder sehr erfrischend Deine Worte! Danke ♥ Das Leid in Leidenschaften war mir auch bis jetzt nicht so bewusst – ich hab mich nur immer gewundert, wie es kommt, dass es sich trotzdem oft so stressig anfühlt. Ja genau, so zweigeteilt, dass ich auf die „Pflichten“ noch weniger Lust hatte und mir dann selbst im Weg stand… Vor kurzem ist mir dann klar geworden, dass es die Freude ist, die aus Leidenschaften Leidenschaften macht – und man die Freude überall als kostbares Gewürz hinzufügen kann. So kommt es, dass die Freude meine Intention (oder Wort des Jahres) für 2016 geworden ist 🙂 Wie Du sagst, in Kombination mit Klarheit und Präsentsein wird das ein wildschönes Leben – selbst beim Putzen hihihi
    Schick Dir alles Liebste und freu mich wie immer sehr auf Deinen nächsten Newsletter!
    Ruth

    • Liebe Ruth,
      mit der Freude hast du vollkommen recht! Ich liebe es, wie du das Bild mit dem Gewürz verwendest. Das beste Essen schmeckt fad, wenn es nicht gut gewürzt ist. 🙂 Freude ist eine wundervolle Intention für dieses Jahr! Ich bin mir sicher, dass dich dieses Wort ganz wundervoll begleiten wird!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  2. Hallo Anna,

    ganz „zufällig“ ist dieser Artikel nun in meinem Facebook-Feed aufgeploppt.

    Schön geschrieben und absolut treffend. Durch die Kategorisierung in „Leidenschaften“ und „Nicht-Leidenschaften“ sitzt unser Ego wieder genau dort am Ruder, wo wir versucht haben, es eigentlich auszuschalten. Nämlich an dem Punkt, uns von allem zu trennen, was nicht unserer wahren Natur entspricht.

    Die Devise, mit Leidenschaft zu leben im Hier und Jetzt, fernab der Konstrukte, Vorstellungen, Ziele und Visionen, die wir uns in unserer ganzen Leidenschaft so sehr im Kopf gebaut haben, halte ich für sinnvoller. Die Herzensmissionen, die wir haben und leben wollen, durchdringen sowieso unser ganzes Handeln und Sein. Da ist es cool, einen Schritt zurück zu treten und bodenständig seinen Weg zu gehen, anstatt sich mit der Brechstange ein Leben zu kreieren, das wir nur noch mit vermeintlichen Leidenschaften füllen. Die auch kommen und gehen können. Die mal mehr, mal weniger intensiver ausgeprägt sind.

    Trete einen Schritt zurück und lass deine vermeintlichen Ziele los. Lebe das, was du fühlst im Hier und Jetzt. Und du wirst Job kündigen, erfolgreiche Bloggerin und die Menschen mit deinen Herzenswahrheiten inspirieren.

    GO WITH THE FLOW. Auch mit den Leidenschaften 🙂 Schöner Artikel!

    Grüße aus Berlin,
    Ludwig

    • Hallo lieber Ludwig,
      vielen Dank dir für deinen tollen und ausführlichen Kommentar! Du hast ganz wundervoll in Worte gefasst, was ich denke! Am allerschönsten finde ich diesen Satz von dir: „Die Herzensmissionen, die wir haben und leben wollen, durchdringen sowieso unser ganzes Handeln und Sein.“ – Wow, ja! Das ist es! Eigentlich brauchen wir gar nicht so viel zu denken. Es würde reichen, wenn wir einfach nur unserem Herzen folgen. Wäre der Verstand nur nicht immer so schwer zu überzeugen, dass er sich mal lieber dem Herzen unterordnen sollte. 😉 Ja, ich will im Hier und Jetzt leben und mich von dem überraschen lassen, was mir im Leben begegnet. Du auch, oder? 😉
      Ganz liebe Grüße nach und an Berlin!
      Anna

  3. Liebe Anna,

    ich glaube, was auch hier wieder helfen kann, ist das richtige Maß zu finden: den Weg der goldenen Mitte, wie es bei den Buddhisten so schön heißt.
    Denn selbst wenn wir so etwas nobles wie unsere Leidenschaften oder unser Glück verfolgen, kann eine exzessive oder verkrampfte Suche ins Unglück stürzen.

    LG, Katharina

    • Liebe Katharina,
      du hast so was von recht! Die Buddhisten haben verdammt oft recht – so auch mit dem mittleren Weg. Um ihn immer wieder zu finden, brauchen wir Klarheit und Bewusstsein. Und so schließt sich der Kreis. 😉
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  4. Liebe Anna,

    Ich muss einfach eine Lanze für die Leidenschaft brechen, immerhin ist Leidenschaft einer meiner Kernwerte! Ich kenne diesen Ansatz, dass Leid darin enthalten ist, und ärgere mich jedes Mal darüber, weil ich ihn für eine Ausrede und ja, auch für Feigheit halte. (Nicht in deinem Beitrag, denn du argumentierst es ja.)

    Der Trugschluss liegt – wie du ja auch schreibst – im Erfolgsdruck, aber hier ist der Erfolgszwang „der Böse“, nicht die Leidenschaft an sich. Ich zögerte sehr lange, Schreiben zu meinem Beruf zu machen, weil ich Angst hatte, mir durch den Erfolgsdruck meine Leidenschaft zu zerstören. Etwas leidenschaftlich tun bedeutet für mich, es mit Hingabe zu tun, vollkommen darin aufzugehen, und das halte ich für durchaus erstrebenswert. Leidenschaft ist für mich ein ganz intensives Gefühl, wenn ich so viel Hingabe für etwas oder jemanden empfinde, würde ich dafür so manches aufgeben, insofern sorgt sie sehr wohl für Klarheit, allerdings nicht auf der rationalen sondern der emotionalen Ebene.

    Das ist auch der Haken beim Finden der Leidenschaft: Man schafft es nicht mit dem Kopf sondern nur mit dem Gefühl. Da lässt sich nichts erzwingen, nur beobachten, an meinen eigenen Gefühlen erkannte ich meine Leidenschaft. An Gefühlen wie Sehnsucht, Neid für die, die vom Schreiben lebten (nicht in Euros sondern in Zeit für die Tätigkeit Schreiben gemessen), Glückszustand beim Schreiben, Prickeln beim Suchen der treffendsten Worte, Freude am Formulieren usw.

    Langer Rede kurzer Sinn: Leidenschaft ist ein wunderbares Mittel um aus dem Denken herunterzukommen und zu spüren. Und wenn man das mal erlebt hat, kommt die Klarheit ganz von selbst und fühlt sich feurig und kraftvoll an 🙂

    Liebe Grüße
    Barbara

    • Liebe Barbara,
      vielen Dank dir, dass du diesen Beitrag ein wenig aus dem „Extrem“ holst. 😉 Ich glaube, wir ticken da eigentlich sehr ähnlich. Ich musste mit diesem Beitrag ein wenig das ausgleichen, was ich das Jahr zuvor so sehr befürwortet und in den Himmel gehoben habe. Jetzt fühl ich mich, als sei ich dem Ganzen wieder neutraler eingestellt. Es hat sich beim Schreiben jedoch etwas für mich verändert. Ich finde dieses „In-the-zone“-Sein immer noch grandios und ich liebe es, im Schreiben zu versinken und die Zeit zu vergessen. Aber wenn ich es nicht tun kann, so versinke ich eben in anderen Tätigkeiten. Das Schreiben hat für mich jetzt nicht mehr das Monopol und ist aus diesem Grund – paradoxerweise – noch wertvoller für mich geworden. Ich kann es irgendwie gar nicht in Worte fassen. Aber ja: Leidenschaft ist etwas Wundervolles, darüber gibt es nichts zu diskutieren. Nur das alleinige Monopol des einzig Tollen teilt es in meinem Weltbild nun eben mit ein paar anderen Dingen. 😉
      Aber du schreibst sehr richtig: Nicht die Leidenschaft ist das „Böse“, sondern der Druck, den wir uns damit machen. Und das ist eben die Gefahr, in der sich viele Leidenschafts-Entdecker – ohne sich darüber bewusst zu sein – begeben. Auch ich. 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  5. Wow! Am Anfang war ich skeptisch, aber je weiter ich gelesen habe, desto überzeugter wurde ich. Ich liebe diese Idee, einfach alles mit Leidenschaft zu machen. Genau das fehlt mir manchmal und es war mir schon subtil bewusst, aber du hast es auf den Punkt gebracht! Danke für die Inspiration!!

    • Hallo liebe Mary,
      was glaubst du, wie skeptisch ich war, als mir dieser Gedanke kam?! 😀 Ich habe wirklich lange gebraucht, um das so formulieren zu können. Wenn es dich interessiert, wie du alles mit Leidenschaft machen kannst, kann ich dir dazu meine aktuelle Podcast-Episode empfehlen, in der es darum geht, Leidenschaft und Flow in den Alltag zu bringen: http://www.passionflow.de/bringe-flow-in-deinen-alltag/
      Ich freue mich, dass ich dich inspirieren durfte! 🙂
      Alles Liebe dir!
      Anna

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