Leidenschaftslosigkeit – eine gesellschaftliche Norm?

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Wenn ich anderen Menschen von meinen Leidenschaften erzähle, erhalte ich unterschiedliche Reaktionen. Die einen finden es faszinierend, die anderen betrachten mich als arrogant. Je länger ich darüber nachdenke, desto seltsamer wird das Ganze. Es ist so, als wäre es vielen Menschen ein Dorn im Auge, dass ich Freude an etwas habe, während sie einer mühevollen Arbeit nachgehen. Sie scheinen mich zu beneiden. Schon oft habe ich den Satz „Du hast es gut“ gehört. Kommt dir das bekannt vor?

Ich man meinen Leidenschaften nicht NICHT folgen!

Ich habe mich entschieden, den Schwerpunkt in meinem Leben auf meine Leidenschaften zu legen. Das große Geld verdiene ich mit ihnen (noch) nicht. Um ehrlich zu sein, komme ich gerade so über die Runden. Doch das macht mir nichts, ich habe mich dafür entschieden, lieber den ganzen Tag Dinge zu tun, die ich liebe, anstatt mich acht Stunden mit etwas zu beschäftigen, das ich verabscheue, mir aber womöglich einen Haufen Geld einbringt. Dazu passt hervorragend ein Zitat von Steven Pressfield aus dem großartigen Buch „Turning Pro“: (frei übersetzt)

„Weil ich keine allgemein anerkannten Belohnungen (Geld) für meine Tätigkeit erhielt, war ich gezwungen, mich zu fragen: Wieso mache ich das? Bin ich verrückt geworden? Am Ende beantwortete ich diese Frage, indem mir klar wurde, dass ich keine Wahl hatte. Ich könnte nichts anderes tun. Wenn ich es versuchen würde, würde ich so depressiv werden, dass ich es nicht aushalten könnte.“

Was will ich denn mit dem Geld anfangen, wenn ich keine Zeit habe, es sinnvoll auszugeben? Wenn ich richtig viel Geld hätte, würde ich davon reisen und  einen Großteil davon spenden. Mehr brauche und will ich nicht. Natürlich könnte ich sparen, wie es hier im Süden der Republik geradezu ekstatisch praktiziert wird. Aber zehn Jahre lang zu ackern, um mir dann ein Haus kaufen zu können, das ich nicht genießen kann, weil ich psychisch im Eimer bin (und es obendrein noch 30 Jahre lang abzuzahlen)? Ich weiß nicht, ob das für mich Sinn macht. Ich habe Vertrauen in das Leben, und bin mir sicher, dass ich früher oder später auch mit meinen Leidenschaften Geld verdienen kann. Bis es soweit ist, genieße ich das Hier und Jetzt.

Die seltene Spezies „Leidenschafterus Begeisterensis“

Mir scheint, als seien die Menschen die Leidenschaftslosigkeit so gewöhnt, dass sie es als vollkommen befremdlich betrachten, wenn es sich jemand herausnimmt, seinen Leidenschaften zu folgen. Man macht sich mit so einem Leben nicht gerade Freunde. Und man merkt schnell, wer die wahren Freude sind.

Was für mich unbegreiflich ist (Wieso schuftet einer so lange, bis er ein psychisches Wrack ist, und verurteilt einen Menschen, der das nicht tut?), lässt sich am ehesten mit dem gesellschaftlichen Konsens erklären. „Man macht es halt so“ ist die Antwort, die ich oft zu hören bekomme, wenn ich sie denn höre. Meistens ernte ich nur vollkommen verdatterte Blicke.

Ist es nicht traurig, dass eine Gesellschaft aus Menschen besteht, die es vollkommen normal finden, sich wie Automaten zu verhalten, die Dinge tun „weil man sie halt so macht“? Wieso werde ich dann bitteschön als Exotin betrachtet, wie eine seltene Spezies beäugt? Wieso sind diese Menschen neidisch auf meine Lebensweise, wenn sie selbst doch auch diese Wahl hätten? Sie könnten dasselbe Leben führen, aber sie haben sich dafür entschieden, mehr Geld zu machen, um sich damit noch mehr sinnlose Dinge zu kaufen. Wieso bin ich dann die Verrückte?

Ein kleiner Tipp für den Anfang

Es ist nicht immer einfach für mich, mit meiner verständnislosen Umwelt klar zu kommen. Meistens kann ich eine Diskussion verhindern, die ins Endlose führen würde, indem ich sage: „Ich zahle den Preis dafür, dass ich mich für meine Lebensweise entschieden habe. Ich habe kaum Geld.“ Ich sehe es zwar nicht als „Preis“, aber sobald ich es so formuliere, scheinen es die Menschen zu verstehen. Sie erinnern sich daran, dass ich mir all die tollen Dinge, die sie haben (und nicht brauchen), nicht leisten kann, und fühlen sich wieder gut.

Das ist wohl ein kleiner Tipp, den ich dir geben kann, wenn du gerade dabei bist, deine Leidenschaften für dich zu entdecken. Wenn du weniger arbeitest, als der Durchschnitt, zahlst du einen Preis. Psssst… Dein Gegenüber weiß nicht, dass es selbst den größeren Preis bezahlt. Falls er oder sie wirklich an dir interessiert ist, wird er/sie selbst auf den Gedanken kommen, was mit dem leidenschaftslosen Lebenswandel nicht stimmt. Vielleicht kannst du ihn/sie dazu motivieren, dir zu folgen. Alle anderen müssen wohl selbst drauf stoßen.

Was sind deine Erfahrungen mit deiner Umwelt? Kennst auch du verständsnislose Menschen und wie gehst du mit ihnen um?

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Wie du Kritik als Kompass nutzen kannst – in 5 Schritten
Die 8-Schritte-Anleitung für ein leidenschaftsloses Leben
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