Wieso du morgen jemand anders sein wirst

IMG_0879

Wenn morgen früh dein Wecker klingelt, wirst du nicht mehr die Person sein, die du gerade eben bist. Na gut, du wirst vielleicht nicht über Nacht zu Superman, aber es könnte schon ziemlich nah dran sein. Denn die Beständigkeit und Sicherheit, die sich viele von uns wünschen, gibt es überhaupt nicht. Dafür gibt es etwas anderes, vielleicht noch viel Wundervolleres, das man lernen kann zu lieben: Veränderung.

Dein Körper ist morgen vielleicht nicht mehr derselbe

Vielleicht hast du schon darüber gelesen, dass der Körper gar nicht so fest ist, wie uns scheint. Obwohl wir im Chemieunterricht feste Modelle von Molekülen vorgelegt bekommen, ist der Atomkern von den ihn umgebenden Molekülen ewig weit entfernt. Wenn der Kern die Größe eines Fußballs hätte und in der Mitte eines Fußballfeldes läge, wären die Elektronen erst irgendwo bei den Toren. Und dazwischen? Gar nichts! Leerer Raum – jede Menge Raum für Veränderungen! 😉

Unser Körper erneuert sich ständig selbst – alte Zellen sterben ab, neue werden gebildet. Je nach Zellart geht das unterschiedlich schnell, aber nach zwei Jahren haben wir quasi einen vollkommen neuen Körper.

Heraklit schien das schon vor langer Zeit gewusst zu haben, als er sagte: „Du steigst nie zweimal in denselben Fluss.“ Und tatsächlich verändern wir uns beinahe genauso sehr wie der Fluss, der niemals derselbe ist. Er ist zwar ein Ding, das einen Namen trägt und uns somit Beständigkeit vorgaukelt, aber das Wasser ist stets ein anderes, die Formen der Strömung sind niemals exakt identisch und das, was der Fluss mit sich trägt, verändert sich auch.

Unser Körper ist nicht so fest, wie wir glauben. Auch er ist ein pulsierendes Netzwerk aus Zellen, Blut, Organen – ein Netzwerk, das ständiger Veränderung unterworfen ist und eigentlich aus so viel leerem Raum besteht, dass er durchlässig ist für Informationen, Energie, Schwingungen. Der Eindruck von Festigkeit ist für unser Leben nützlich, unsere Wahrnehmung ist absichtlich beschränkt, um uns nicht zu überfordern, doch dass unser Körper – und somit wir selbst – morgen noch derselbe ist wie heute, ist eine Illusion.

Deine Gedanken und Gefühle sind unbeständig

Wenn ich manchmal über die Artikel lese, die ich vor einem halben Jahr geschrieben habe, bin ich erstaunt, wie anders meine Sichtweise inzwischen geworden ist. Sicher geht es dir da ähnlich. Manchmal wechseln unsere Gedanken und Emotionen so schnell, dass wir den Eindruck haben, ihnen unterworfen zu sein. Wir können in einem Augenblick weinen, enttäuscht und wütend sein und im nächsten in schallendes Gelächter ausbrechen. Wir können die Ansicht vertreten, Fast Food sei super und mit nur einer einzigen Information unsere Meinung darüber vollkommen ändern (was bei diesem Thema leider nicht so häufig passiert).

Obwohl ich auf PassionFlow immer wieder versuche,  meine Gedanken in Worte zu kleiden, merke ich, dass es mir niemals vollkommen gelingt. Oftmals habe ich den Eindruck, nicht alles gesagt zu haben, was ich über eine Sache denke. Ein andermal verändern sich meine Gedanken zu diesem Thema noch während des Schreibens und ich lande mit meinem Artikel irgendwo, wohin ich nicht beabsichtigt hatte, zu gehen.

Zu vielen Dingen auf der Welt habe ich auch einfach keine Meinung und will sie mir auch nicht bilden. Wieso kann nicht auch mal etwas schwammig und ungewiss bleiben, wenn es doch sehr gut sein kann, dass es sich morgen ohnehin verändert? Wieso muss ich auf etwas beharren und jahrelang dabeibleiben, wenn ich die Dinge morgen ganz anders sehen könnte? Warum muss ich „mir selbst treu bleiben“, wenn Untreue viel verlockender ist?

Wie wichtig ist Identität?

Wenn ich nicht weiß, wer ich morgen bin und was ich morgen denken könnte, welche Identität habe ich dann? Was ist Identität dann überhaupt? Und: Ist sie überhaupt notwendig?

Immer öfter hört man darüber, dass heutige Jugendliche keine gefestigte Identität hätten. Aber ist das tatsächlich so schlimm oder vielleicht die Lösung auf all die Wahlmöglichkeiten, die heutzutage auf uns einströmen? Worüber identifizierst du dich denn? Über deinen Job, deine Rolle als Elternteil, deinen Status als jemand Besonderes oder vielleicht inzwischen über deine Leidenschaften?

Wenn wir uns über etwas identifizieren, „jemand sind“, dann fühlen wir uns gut. Wir fühlen uns zugehörig, sehen die Dinge klar, anstatt verwirrt zu sein und haben das Gefühl, unseren Weg gefunden zu haben. Aber: Schränken wir uns dann nicht selbst in unserer Entwicklung ein? Wenn wir morgen noch dieselbe Person sind wie heute, haben wir uns dann entwickelt oder haben wir uns stattdessen eine künstliche Beständigkeit geschaffen?

Ich bin das.

Wenn Gedanken und Gefühle so schnell kommen und gehen, wenn alles – sogar unser Körper – einem ständigen Wandel unterworfen ist, wer bist du dann? Buddha soll auf die Frage „Wer bist du?“ „Ich bin das“ geantwortet haben. Und damit hat er die Interpretation für sein Gegenüber vollkommen offen gelassen. Wie schön wäre es, wenn wir Personen, denen wir neu begegnen, einfach in dem Augenblick betrachten könnten, in dem sie sich gerade befinden? Wenn sie nicht Arzt, Vater, Sohn, Arbeitsloser, etc. sind, sondern einfach nur das, was sie gerade sind?

Würden wir uns selbst nicht als ein starres Muster von konditionierten Verhaltensabläufen sehen und diese immer wieder durch unsere Vergangenheit rechtfertigen, wären wir morgen schon in der Lage, tatsächlich jemand anderes zu sein. Vielleicht nicht einmal jemand, sondern einfach nur zu sein.

Du hast jeden Tag die Chance dazu. Du brauchst nicht einmal bis zum Morgen zu warten. Genau jetzt sind deine Gedanken in der Lage, sich zu verändern und mit ihnen deine Emotionen. Du bist kein starres Gebilde, das bis zum Rest seines Lebens an bestimmten Meinungen und Normen festhalten musst. Du hast die Freiheit, die Veränderung jetzt zuzulassen.

Embrace the change.

P.S.: Quellen gibt’s zum biologischen Teil nicht. Ich hab in meinem Studium genug für den Rest meines Lebens zitiert. Wenn du mehr wissen willst und/oder mir nicht glaubst, gibt’s Google. 😛

Wie stehst du zu dem Thema der Identität? Wie wichtig ist sie dir? Du darfst mir gerne widersprechen – ab mit deiner Meinung in die Kommentare! 🙂

Diese Artikel von mir könntest du auch gut finden:
Deine Leidenschaften brauchen keinen Namen
Mein kleines Glücksgeheimnis: Ein selbstbestimmtes Leben
Du bist viel mehr (und Leidenschaften sind nicht alles)

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Möchtest du regelmäßig Inspirationen? Dann trage dich kostenlos in meinen Newsletter ein (jederzeit wieder abbestellbar). Ich freue mich schon auf dich!

Deine Daten sind bei mir zu 100% sicher. Du kannst den Newsletter jederzeit abbestellen.

10 Kommentare

  1. Hallo Anna,
    was für ein toller motivierender Artikel!
    Ich habe vor einer Weile aufgehört mir Sorgen über die Zukunft zu machen, natürlich habe ich Ziele, aber trotzdem kann ich doch gar nicht wissen, wer ich in den nächsten 5 Jahren sein werde! Dadurch schaue ich in meine Zukunft und sehe einen nahezu unbegrenzten Pool an Möglichkeiten! Vielleicht mache ich ja etwas, dass ich nie von mir erwartet hätte? Für mich sind Veränderungen sehr wichtig und auch zu versuchen zu verstehen, warum andere Menschen das geworden sind, was sie sind. Ohne Urteil, ganz Unbefangen und ohne sie in eine Schublade zu stecken.

    lg Eileen

    • Liebe Eileen,
      danke dir für deinen wundervollen Kommentar, der ja total vor guter Laune und Energie strahlt! 🙂 Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in 5 Jahren (auch) etwas tun werde, woran ich überhaupt nicht gedacht hätte. Vor 5 Jahren hätte ich ja schließlich auch nicht geglaubt, sowas hier zu bloggen. 😉 Ich bin schon seeeeehr gespannt, was aus uns wird!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  2. Liebe Anna,

    das ist ein schwieriges Thema.
    Auf jeden Fall stimmt es, dass das Leben ständig im Fluss ist und Veränderungen überall geschehen.

    Aber soll ich mir dann keine Ziele mehr setzen, weil sie übermorgen vielleicht sowieso nicht mehr die meinen sind?

    Ich meine, wir brauchen trotzdem Ziele um uns den Weg anzuzeigen. Wir müssen nur von Zeit zu Zeit überprüfen, ob diese Ziele noch die unseren sind. Und wir müssen so flexibel bleiben, dass wir nicht starr an ihnen festhalten, wenn sie überholt sind, sondern sie ziehen lassen und neue finden.

    Und das gleiche gilt auch für unsere Identität:
    Denn auch unsere Werte und Prioritäten ändern sich über die Zeit.
    Trotzdem (oder gerade deswegen) ist es so wichtig, dass wir uns diese Werte immer wieder klar machen, also wer wir sind, was uns wichtig ist und was wir vom Leben wollen.

    Kurzum: ich glaube es ist gut wenn wir uns den Status Quo vor Augen führen und dennoch immer flexibel für Veränderungen bleiben 🙂

    Liebe Grüße,
    Katharina

    • Liebe Katharina,
      ich stimme dir absolut zu. Veränderung und Stillstand sind beide wichtig, deswegen haben sie sich beide einen Post bei mir verdient. 😉 (http://www.passionflow.de/das-leidenschafts-paradox/)
      Das mag sich widersprechen, aber ich finde, ganz genauso ist das Leben ja. Es widerspricht sich auch ständig – und ich denke, anstatt es immer in bestimmte Formen pressen zu wollen, kann man durchaus widersprüchliche Aspekte aufgreifen und näher betrachten. Und sie einfach so sein lassen. Ziele und Werte sind (sofern sie unsere eigenen sind) ebenso wichtig wie Flexibilität. 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. sehr schöner Artikel meine liebe Anna,

    beim Lesen der Überschrift dachte ich erst „Hä, was ist denn da los?“ aber dann wurde es mir natürlich deutlich *lange Leitung*. Du beschreibst es wunderbar: das einzige konstante im Leben ist der Wandel. Alle möchten immer viel Sicherheit und feste Strukturen, aber all das gibt es nicht. Es gibt nur Jetzt und dann ist das Jetzt auch schon wieder vorbei und die Welt komplett anders. Auch entscheiden so viele Faktoren unser Leben, dass es einfach nicht planbar ist. Um es mal etwas hart auszudrücken:

    Wenn Du deine ganze Zukunft geplant hast und genau weißt in welche Richtungen es laufen soll, dann ist das eine Geschichte. Du hast dabei aber die 5 Milliarden anderen Geschichten vergessen, die ebenfalls eine Rolle spielen. Es sind die anderen Menschen auf dieser Welt. Allein schon wenn einem Menschen in den Sinn kommt Amok zu laufen, dann interessiert ihm deine Planung null…Du wirst vielleicht direkt ausgelöscht. Vorbei mit Planung und Struktur.

    Das ist ein krasses Beispiel, aber ich finde es wirklich wichtig, dass jeder erkennt, wie wandelbar die Welt ist und das nicht die Aussichten auf die zukünftigen Ereignisse das sind, woran wir uns erfreuen sollen sondern am JETZT und den GENUSS der Welt wie sie in diesem Moment ist. Wer weiß wie sie in 3 Sekunden aussieht 😉

    Liebe Grüße
    Alex

    • Lieber Alex,
      schön, dass du wieder zurück bist! 🙂 Ja, das mit der Planung und Struktur kann schneller vorbei sein, als uns lieb ist. Sowohl im Negativen (wie du beschreibst), aber auch im Positiven. Es kann sich eine Chance vor uns auftun, die wir allerdings nicht ergreifen, weil wir uns gegen die Veränderung wehren und die Dinge lieber beim Alten belassen wollen. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch gut und sinnvoll, aber durch das Unbekannte wachsen wir. Und ja, eigentlich ist der einzige Moment, den es wirklich gibt, das Jetzt.
      Da gibt es fällt mir dieser schöne Spruch ein: „Yesterday is history, tomorrow is a mystery – but today is a gift. That is why it is called the present.“ 🙂
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

  4. Liebe Anna,

    Mein erster Impuls war heftiger Widerspruch! Und doch stimme ich dir in einigen Punkten zu 😉

    Identität ist mir wichtig, doch meine wahre Identität fand ich erst, als ich mir den Fluss, also die Veränderung erlaubte. Veränderung und Lebensfluss als Ausrede für Nichtstun oder Schwammigkeit funktioniert für mich nicht, als Raum für Entwicklung aber sehr wohl. Ich finde schon, dass man einen Standpunkt beziehen sollte, und vermisse heutzutage bei vielen Leuten Commitment. Aber dieser Standpunkt darf durchaus flexibel sein, aufgrund von Lebenserfahrung einen Perspektivwechsel vorzunehmen ist ja nicht gerade schlecht 😉

    Als Autorin und Coach für Romanautoren merke ich immer wieder, wie sich Schreibstil und Weltbilder weiterentwickeln, und diese Tatsache nicht nur zu kennen, sondern auch anzuerkennen, erscheint mir enorm wichtig. Das Alte ist deshalb nämlich nicht schlecht, es stammt nur aus einer anderen Zeit. Damit umgehen zu können ist sicher eine ganz große Herausforderung, denn es bedeutet, dass man immer auch den Mut zur Lücke haben muss.

    Die wichtige Frage ist wohl: Was ist im Moment für mich richtig? Sich aus lauter Lebensfluss von der Vergangenheit radikal distanzieren, hieße für mich Selbstentwertung. Sich im Glauben an den Lebensfluss und an mögliche zukünftige Veränderungen vor dem Handeln zu drücken, ist für mich Selbstaufgabe. Denn für mich findet das Leben mit aller Leidenschaft in der Gegenwart statt 🙂

    Alles Liebe
    Barbara

    • Liebe Barbara,
      vielen Dank für deinen wundervollen Kommentar! Ja, den heftigen Widerspruch erlebe ich bei meinen eigenen Artikeln auch. 😀 Manchmal geht mir Schwammigkeit auf den Keks, manchmal finde ich sie wundervoll; manchmal finde ich einen Standpunkt erleichternd, ein andermal engt er mich ein. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr dreht sich mein Kopf.
      Oh ja… Das Alte ist nicht immer schlecht. Ich glaube, das ist ein Gedanke, der sich bei mir noch setzen muss. Und Mut zur Lücke. Nachdem ich meinen Roman zum zigten Mal überarbeitet habe und immer noch den Eindruck habe, 1000 Sachen verändern oder umschreiben zu können, brauche ich den Mut tatsächlich mal. 😉
      Am allermeisten muss ich dir hierin zustimmen: Das Leben findet mit aller Leidenschaft in der Gegenwart statt. Wie wundervoll du das gesagt hast! Danke dir dafür! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  5. Ooooh wie schön, über dieses Thema mach ich mir oft Gedanken 😀 wer bin ich eigentlich? Über was identifiziere ich mich? Ich hab vor ein paar Wochen nach langem wieder einmal ein buddhistisches Buch gekauft, da ging es auch kurz um dieses Thema. Man neigt ja gerne dazu sich über seine Tattoos, besonderen Kleidungsstil, außergewöhnliche Haarstruktur, seine eigene Wohnung oder sonst was zu identifizieren. Es hat schon seinen Reiz, aber man setzt sich selber auch unter Druck etwas zu finden, wo man sagen kann: „DAS bin ich.“ Aber was bin ICH denn schon? Ich bin einfach Ich und aus, mehr braucht es dazu nicht 😀 wie du schon oben sehr schön geschrieben hast: „Wie schön wäre es, wenn wir Personen, denen wir neu begegnen, einfach in dem Augenblick betrachten könnten, in dem sie sich gerade befinden? Wenn sie nicht Arzt, Vater, Sohn, Arbeitsloser, etc. sind, sondern einfach nur das, was sie gerade sind?“ Das schafft man leider nicht oft, aber ich versuche mich regelmäßig daran zu erinnern. Danke, dass du mich gerade daran erinnerst 🙂

    Ich finde es persönlich sehr erleichternd zu wissen, dass morgen wieder alles anders sein kann. Ich gehe vieles so oft wie möglich mit Neugierde ran und lasse mich gerne von mir selbst überraschen, denn ich weiß: morgen könnt ich wieder ganz anders denken/fühlen. Man darf sich selbst einfach nicht zu ernst nehmen. Es wird nie langweilig, das Leben bleibt ein Abenteuer 🙂

    Ich finde es auch immer wieder spannend alte Chatverläufe mit Freunden zu lesen, wie sehr sich die eigene Art auch verändern kann. Oder wenn ich Texte von mir lese, die ich vor Monaten geschrieben habe. Echt interessant, wie schnell sich eine eigene Meinung, Lebensansicht oder ein Lebensstil ändert.

    Hugs,
    Linda

    • Liebe Linda,
      wie schön, dass es dir gelingt, jeden Tag voller Neugierde zu beginnen und das Leben als Abenteuer zu sehen. Das ist wirklich wundervoll und da freue ich mich mit dir! 🙂 Auch super, dass du versuchst, Menschen vorurteilsfrei zu begegnen. Auch mir gelingt das noch lange nicht immer, aber ich arbeite daran – so wie du.
      Keep changing und viele Grüße 🙂
      Anna

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.