Totalausfall

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Dieser Beitrag ist ein Eingeständnis. Ein Eingeständnis, dass bei mir nicht alles so gut läuft, wie ich es gerne hätte. Es fällt mir nicht leicht, ihn zu schreiben, aber es könnte einer werden, der dir tatsächlich helfen könnte, deswegen überwinde ich mich jetzt und hoffe darauf, dass er auch mir hilft, in dem Sinne, dass ich die Dinge deutlicher sehe.

Ich habe gestern Mist gebaut. Ordentlichen Mist. Was es war, spielt eigentlich keine Rolle, was jedoch entscheidend ist, ist die Tatsache, dass ich gegen meine eigenen (strengen) Prinzipien verstoßen habe und dadurch eine andere Person verletzt habe. Sie selbst hatte mir gestern versichert, dass alles gut ist, aber ich glaube ihr nicht und kann mir selbst nicht verzeihen. Für jemand anderen mag das tatsächlich alles nicht so wild sein, aber es nimmt gerade mein ganzes Denken ein und füllt mich mit einer Bitterkeit aus, die ich schon lange nicht mehr gespürt habe, mir aber aus meinem früheren Leben mehr als vertraut vorkommt. Kurz gesagt: Ich bin vollkommen in alte Verhaltensweisen zurückgefallen.

Am liebsten würde ich mich jetzt dem ganzen Sog hingeben und mich im Bett verkriechen und die Welt aussperren. Es gibt da diesen Teil in mir, der mich die ganze Nacht kaum ein Auge hat zumachen lassen, der mir ordentliche Kopfschmerzen und Nackenverspannungen beschert hat, der Teil, von dem ich früher gedacht habe, das sei eben ich. Und der Teil, von dem ich gehofft hatte, dass er für immer verschwunden ist. Dass er das nicht ist, ist für mich ein herber Schlag ins Gesicht.

Ich weiß all die Dinge, die man einem in einem solchen Fall sagt: Lass los und zieh weiter. Du kannst die Vergangenheit nicht rückgängig machen. Vergib dir selbst. Rückschritte sind bei einer Entwicklung vollkommen natürlich. Doch ich schaffe es nicht, darauf zu hören. Alles, was ich weiß, ist, dass ich irgendwie vorwärts gehen muss, ohne das Erlebnis zu verdrängen. Denn wenn ich mich einfach nur ablenke, dann wird es unterschwellig weiterschwelen und mir die nächsten Wochen immer wieder entgegen kommen und mich daran hindern, an meinen Träumen und Zielen zu arbeiten, sowie meinen Leidenschaften nachzugehen. Und ich finde es heute schon befremdlich genug, es als schwere Arbeit zu empfinden, positiv zu denken.

Was tue ich also? Da ich weiß, dass ich durch das Schreiben immer ziemlich schnell auf gute Ideen komme, wusste ich, dass ich als Allererstes diesen Beitrag verfassen muss. Schon jetzt weiß ich, dass ich später meditieren werde, um Zugang zu einem inneren, unschuldigen und unberührten Teil von mir zu bekommen. Und das ist schonmal ein Fortschritt: Ich weiß, dass ich gestern schlecht gehandelt habe, was aber nicht bedeutet, dass ich ein schlechter Mensch bin. Das sind zwei paar Schuhe. Aus Handlungen kann man nämlich lernen, selbst wenn sie immer wieder vorkommen. Das bedeutet, dass man sie nicht verdrängen sollte, sondern seine Lektion zu finden hat. Denn sonst kann man nicht weiterziehen, sonst wird das immer und immer wieder geschehen. Sonst macht man diese Fehler bis an sein Lebensende. Und ich will nicht, dass so etwas mein Leben bestimmt! Das bestimme nämlich einzig und alleine ich! Ich hoffe, dass ich in der Stille eines Spaziergangs und der Meditation den Knackpunkt in der gestrigen Situation finde, den ich aufzulösen habe.

Auch wenn es mir jetzt als beinahe unüberwindliche Hürde erscheint, möchte ich mich heute so gut wie möglich behandeln. Es hilft mir gerade schon, wenn ich mir vostelle, dass ein Teil von mir eben ein unwissendes Kind ist und dass man immer so gut handelt, wie es einem in der bestimmten Situation möglich ist. Ich werde versuchen, mir selbst Verständnis entgegen zu bringen, zu überlegen, wie es so weit gekommen ist und mich trösten. Denn dann ist Vergebung nicht mehr weit.

Ich spüre schon, wie allein diese Gedanken mich ganz langsam wieder heilen. Deswegen wird das wohl der beste Tipp sein, den ich dir geben kann, falls du dich einmal in einer solchen Lage befinden solltest: Schreibe darüber. Ganz heimlich in dein Tagebuch, auf einen Zettel, den du anschließend verbrennst, in ein Internetforum, hier als Kommentar. Die Form bleibt vollkommen dir überlassen.

Vielleicht geht es bei dir auch um etwas Großes, das in dir schwelt, eine Sache, die nicht wirklich bearbeitet ist und dich daran hindert, dass dein Wesen sich frei entfalten kann. Womöglich kannst du einer anderen Person oder dir selbst schon seit vielen Jahren nicht mehr verzeihen und trägst diese Last mit dir herum. Es könnte der Grund dafür sein, dass du kaum in der Lage bist, deiner Intuition zu folgen, weil du diese Stimme schon zu lange unterdrückt hast. Vielleicht bist du in einer Ecke deiner Persönlichkeit der Ansicht, dass du Glück überhaupt nicht verdient hast, weil Unglücklichsein die gerechte Strafe für etwas ist, das du womöglich vor vielen Jahren getan hast. In einem solchen Fall kannst du einen Brief an die betreffende Person schreiben, den du niemals abschicken musst. Oder einen Brief an dich selbst, in welchem du alles klärst und dir am Ende vergibst.

Das Wichtigste ist wohl: Bleibe nicht auf diesen Gefühlen sitzen oder verdränge sie vollkommen. Versuche, sie vorsichtig zu bearbeiten, versuche den Grund für sie zu finden und deine Lektion aus dem Erlebnis zu lernen. Denn erst, wenn das geschehen ist, bist du wieder frei genug, um dich um die Dinge zu kümmern, die dein Herz zum Singen bringen. Erst dann ist dein Kopf wieder empfänglich für Kreativität, Hingabe und die Liebe zu einer Tätigkeit.

Da ich merke, wie mich mein eigenes Erlebnis regelrecht blockiert, werde ich heute alles daran setzen, es vorsichtig aufzulösen und mir zu verzeihen. Denn es ist furchtbar, sich nicht (wie gewohnt) vollkommen lebendig zu fühlen!

Kennst du solche gravierenden Rückschritte auch? Wie gehst du damit um?

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6 Kommentare

  1. Liebe Anna,
    jede Entwicklung nach vorne ist auch mit einem Cha-Cha-Tanz verbunden: 2 Schritte vor, 1 Schritt zurück. Nehme diese Einstellung tief in dein Herz auf und so geht man mit Rückschläge viel entspannter um. So hörte ich mit dem Rauchen auf. Anstatt bei einem Rückschlag mich zu ärgern und weiter zu rauchen, sah ich es mit einem Lächeln und tanzte… und ich tanzte lange Cha-Cha. Und den Rest weißt du ja. Verzeihe dir selbst usw.
    Wünsche dir alles Gute!

  2. Wie inspirierend, Entwicklung als einen Cha-Cha-Tanz zu sehen! Einfach toll, ich glaube, das werde ich mir wirklich tief in meinem Herzen merken! Vielen Dank für dieses wunderschöne Bild – ich tanze ja tatsächlich sehr gerne. Also tanze ich einfach weiter. So werde ich das machen! 🙂

    Danke dir, lieber Harry!

  3. Ich verdränge meistens meine negativen Gefühle oder Erlebinsse. Konfrontation wäre echt eine bessere Lösung. Bloß fällt mir das nicht leicht :/. Den Cha-Cha Vergleich finde ich auch super!

    • Genau so kenne ich das auch von mir. Allerdings denke ich, dass es mir diesmal gelungen ist, das Ereignis zumindest in Ansätzen zu verarbeiten. Übrigens, als allgemeines Update: Mir geht es wieder gut, alles ist okay! 😉

  4. Ich hab Bock meinen Senf dazu zu geben. 😀

    Ich habe vor paar Wochen eine Erfahrung gehabt, die mir Schmerz bereitet hat. Ein anderer Mensch hat sich mir gegenüber verschlossen, während ich offen war – und das führte zu einer Interpretation, dass die Person mich ablehnt und all dem danach folgenden blabla. 🙂

    Jedenfalls: Ich saß dann den ganzen nächsten Tag mit diesem Schmerzgefühl im Magen und versuchte zu verstehen, woher dieses Gefühl stammt und wie es entstanden ist. Ich wollte unbedingt etwas lernen und es nicht „sinnlos wieder ziehen lassen“. Also klammerte ich mich wirklich fast 24 Stunden daran, um eine Erkenntnis zu bekommen – doch Fehlanzeige.

    Irgendwann habe ich aufgegeben und dachte: Fuck it. Jetzt hab ich echt kein Bock mehr auf schlechte Laune, ich geb’s auf und mach mich halt wieder glücklich. Was soll’s. Genau nachdem ich den alten Schmerz losgelassen hatte und mich besser fühlte, kam auf gedanklicher Ebene plötzlich eine Erkenntnis über die Entstehung des Schmerzes.

    Meine Erklärung: Erst, wenn ich mich emotional auf einer höheren Ebene befinde, kann ich auch einen höheren / anderen Blickpunkt annehmen und die Dinge von einer anderen Perspektive aus betrachten. Als ich das Problem / den Schmerz losgelassen hatte, habe ich mir erlaubt, mich besser zu fühlen und bekam als Konsequenz automatisch eine neue Sichtweise präsentiert.

    Passend dazu fällt mir ein: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ – Einstein

    Beste Grüße
    Micha

    • Toller Senf, den du da dazugegeben hast! 🙂
      Das kenne ich, dieses: „Ich hab jetzt kein Bock mehr auf Trübsal, ich mache jetzt etwas, das mich glücklich macht“. Manchmal ist es tatsächlich so einfach und die Dinge regeln sich von alleine, sobald man sich mit dem inneren Ich/Genie verbunden hat. Ich merke das auch gerade. Meine Auszeit vom vielen „Kopfdenken“ in den letzten zwei Tagen hat geradezu Wunder bewirkt. Und ich merke schon, wie sich ohne mein Zutun ganz viel ergibt. Das ganze Denken funktioniert dann einfach anders und die Probleme oder Ängste lösen sich wie von Zauberhand. Sehr schönes Zitat von Einstein! Er gehört definitiv zu meinen liebsten „klugen Menschen“. 😀

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