Und jeden Tag von Neuem – Wie ich mit starken Gefühlen umgehe

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Wenn ich überall verkünde, dass ich ein tolles Leben habe, das ich in vollen Zügen genieße, wenn ich glücklich bin und gut drauf und viel Liebe empfinden und geben kann, dann bedeutet das nicht, dass das immer so ist. Es heißt nicht, dass ich einmal die Erkenntnis hatte „ahh, Glück entsteht von innen“ und seither grinsend durch die Gegend laufe. Ohh nein. Es gibt die Tage, an denen ich nicht mehr weiter weiß und an denen ich mich genauso fühle wie früher. Tage, an denen die Welt über mir zusammenbricht und ich mich aus meinem Gedankenkarussell einfach nicht befreien kann. Der Unterschied ist aber: Ich habe gelernt, mich immer wieder neu zu justieren, quasi mit jedem Morgen dem nächsten Tag wieder die Chance zu geben, der großartigste zu sein.

This too shall pass

Ich hab manchmal wirklich keine Ahnung, woher die mich verschlingende Traurigkeit kommt, die plötzlich nicht nur in mir, sondern auch um mich herum ist. Sie tränkt scheinbar jeden Zentimeter meiner selbst. Und auch wenn ich genau weiß, dass das nichts mit mir zu tun hat, dass irgendwo ein Knopf gedrückt wurde, der mich geradewegs in alte Muster aus meiner Vergangenheit katapultiert, macht es das Ganze nicht weniger schlimm. Leiden ist einfach ätzend, da stimmst du mir sicher zu.

Doch inzwischen weiß ich eines: This too shall pass. Auch das wird vorübergehen. – ein Spruch aus dem Buddhismus, der mir immer wieder Mut und Hoffnung gibt und mich davor bewahrt, mich zu sehr in etwas hineinzusteigern. Das „Problem“ an diesem Spruch ist, dass er auch besagt, dass das Positive vergänglich ist. Dass das jedoch auch sein Gutes hat, habe ich ja bereits erläutert. Die Nachricht, dass jedoch auch das Negative vergeht und kein Gefühlszustand für immer bleibt, ist geradezu überwältigend, wenn man der festen Überzeugung ist, sich für den Rest seines Lebens wertlos fühlen zu müssen.

Annehmen, was ist

Es ist erstaunlich, wie schnell Gefühle wieder weggehen, wenn wir ihnen den Platz einräumen, den sie haben wollen. Das klingt zunächst widersprüchlich, ist aber etwas, was mir unglaublich dabei geholfen hat, mit mich scheinbar verschlingenden Gefühlen umzugehen. Nun habe ich geschrieben, dass mir der Gedanke, dass sie wieder vergehen wollen, dabei hilft, dass sie es tun. Und jetzt behaupte ich plötzlich, dass man sie annehmen und fühlen soll? Ist das nicht ein Widerspruch?

Nein, es ist durchaus möglich, beides zu tun. Wenn wir in ein Gefühl „hineingehen“ und uns ihm völlig hingeben, können wir dabei durchaus wissen, dass es nicht für immer bleiben wird. Das macht es uns sehr viel leichter, das Gefühl zu akzeptieren, anstatt dass wir uns dagegen wehren. Wehren wir uns nämlich mit aller Macht, dann handelt das Gefühl wie ein stures Kind, stellt sich quer und bleibt erst recht. Ich bin mir sicher, dass es die Arme verschränken würde, wenn es welche hätte.

Also, das bedeutet zusammengefasst: Ich tröste mich damit, dass ein extremes Gefühl vergehen wird, erkenne es aber gleichzeitig an und nehme mir die Zeit, es zu fühlen, anstatt mich direkt abzulenken.

Ich bin mir nämlich sicher, dass Gefühle nicht ohne Grund da sind. Sie alle wollen uns etwas mitteilen, uns auf etwas aufmerksam machen. Und das „weg haben“ zu wollen, ist wirklich unfair und beraubt uns der wundervollen Chance auf Weiterentwicklung. Vor allem wenn wir immer und immer wieder dieselben Gefühle haben, können wir uns sicher sein, dass genau hier eine Möglichkeit für uns liegt, zu wachsen.

Dieses Annehmen ist nun leichter gesagt als getan, das weiß ich. Ich habe da inzwischen meine „Methoden“ gefunden, mit denen es ziemlich gut funktioniert –  nicht nur bei mir. Es kann natürlich sein, dass du auch bereits deine Tricks hast, die ich jetzt gar nicht auf dem Schirm habe. Teile sie gerne mit mir und anderen in den Kommentaren! Vielleicht kannst du jemand anderem dadurch weiterhelfen! 🙂

Meine Methodenkiste für den Umgang mit Gefühlen

Zunächst einmal versuche ich mir, Zeit für mich freizuschaufeln, sobald ich merke, dass extreme Gefühle in mir sind. Ich sage dann alles Mögliche ab und plane mir großzügig Zeit für mich allein ein. Oft gehe ich dann spazieren. Wichtig ist es hier wirklich, das Smartphone auszumachen. Ich tendiere sonst in einem unausgeglichenen Zustand dazu, irgendwelchen Leuten bescheuerte Nachrichten zu schreiben, für die ich mich nachher hundertmal entschuldigen muss. Im Nachhinein fühlt es sich gar nicht mehr so an, als hätte ich das Zeug geschrieben und es ist mir ein wenig peinlich. Nun ja, glücklicherweise sind meine Freunde da nicht nachtragend und wissen, dass mein Ego am Werk war und sie es ignorieren können. 😉

In der Natur kommen wir oft sehr schnell zu unserem wirklichen Selbst zurück und sie hilft uns dabei, uns mit allem – auch mit unseren starken Gefühlen – anzunehmen. Durch das Gehen haben wir Zeit, alles wahrzunehmen, was ins uns ist. Das finde ich immer fantastisch!

Wenn ich jedoch noch genauer hinschauen möchte, dann geht es auf meine Yogamatte. Mein morgendliches Yoga- und Meditationsritual habe ich ja bereits beschrieben. Es funktioniert genauso gut auch zu jeder anderen Tages- und Nachtzeit. Schon alleine, wenn ich mich auf die Matte setze, weiß ich: Es ist Zeit für mich. Jetzt schau ich mir genau an, was da in mir ist.

Starke Gefühle äußern sich bei mir meist in Verspannungen. Die Yoga-Praxis hilft mir dabei, sie zu lokalisieren und bewusst in die Bereiche hineinzudehnen, wo sie sich befinden. Das tut dann so unglaublich gut, dass ich mich danach schon viel klarer fühle. Ganz fantastisch ist es, wenn ich Natur und Yoga miteinander kombiniere. Da bin ich inzwischen recht unerschrocken. Am Anfang habe ich mich noch nicht getraut, draußen Yoga zu machen, doch seit ich es dieses Jahre regelmäßig tue, habe ich von „Passanten“ nur Positives gehört: „Das sieht so schön aus, was Sie hier machen!“, „Sie passen absolut in die Natur hinein!“ oder „Lassen Sie sich von mir bloß nicht stören“ sind dabei Standardsätze. Mein Favorit war von einem Jugendlichen der Satz: „Das sieht voll chefmäßig aus!“ 😀

Und wenn ich mich dann schon ganz gut fühle, kann ich in der Meditation meine starke Emotion ganz genau unter die Lupe nehmen. Meditation funktioniert bei mir aber nicht, wenn ich völlig aufgebracht bin. Dann muss ich vorher immer schon ein wenig „Vorarbeit“ leisten und spazieren gehen oder mit jemandem über meine Gefühle sprechen, Yoga machen. Dann bin ich meist bereit, so richtig in die Tiefe zu gehen. Das ist dann wirklich eine tolle Sache. Ich merke dann, dass das Gefühl gar nicht so schlimm ist, ich spüre, was es mir sagen will und was angesehen werden möchte. Ich bin bereit, daran zu arbeiten.

Nichts tun reicht leider nicht

Und genau dann geschieht das Wunder und das extreme Gefühl macht einem unglaublichen, inneren Frieden und einem tiefen Glücksgefühl Platz. Ich fühle mich dann geborgen, sicher und völlig frei. Ich weiß, dass ich jederzeit entscheiden kann, dass ich meinen Gefühlen niemals ausgeliefert bin und dass ich in diesen Geisteszustand immer zurückkehren kann. Den kann mir nichts und niemand nehmen. Das ist sooo fantastisch!

Aber leider befinde ich mich nicht immer darin. Es ist ein ganzes Stück Arbeit und aktives Tun erforderlich – vor allem aber Bewusstheit -, um in diesen Zustand zu gelangen. Jeden einzelnen Tag. Jeden Tag bin ich auf meiner Matte oder in der Natur. Und wenn ich es aus irgendwelchen Gründen nicht schaffe (ich lasse da nicht viel gelten), rächt sich das sofort. Dann werde ich sehr dünnhäutig und es kann sehr gut und schnell passieren, dass ich wieder in ein Loch rutsche, aus dem ich mich mühsam herausrappeln muss. Aber das macht auch nichts. Ich rappel mich immer und immer wieder hoch. Dass wir unseren Flow-Zustand immer wieder von Neuem herstellen müssen, darüber spricht kaum jemand, aber zumindest bei mir ist das so.

Alles andere ist doch auch irgendwie seltsam. Haben wir nicht alle Erfahrungen damit gemacht, dass das Leben  nicht konstant ist, sondern voller Überraschungen, voller Lernmöglichkeiten? An einem Tag geht es uns blendend, an einem anderen sind wir zu Tode betrübt und wissen nicht einmal recht warum. Aber das gehört zum Menschsein dazu. Und es ist okay, das auch nach außen hin so zu kommunizieren. Wir müssen nicht immer der ewige Sonnenschein sein. All unsere Gefühle gehören zu uns. Sie sind aus einem guten Grund da. Wenn wir das verstehen, gelingt es uns, sich nicht von ihnen vereinnahmen zu lassen und das Ruder unseres Lebens selbst in die Hand zu nehmen.

Und dann, aus diesem aktiven und gleichzeitig entspannten Zustand heraus, können wir etwas in die Welt tragen und anderen Menschen dadurch helfen. Dann sind wir im Flow und können anderen vorleben, dass wir nicht Opfer unserer Emotionen und Gedanken sind. Ja, die Gefühle können und dürfen in uns sein, aber sie werden auch vergehen. Alles ist im Wandel. Und genau das macht das Leben doch so schön.

Wie ist es bei dir mit den starken Gefühlen? Wie gehst du mit ihnen um, wie siehst du Gefühle?

Hier kannst du gleich weiterlesen:
Warum das Perfekte vergehen muss
Ich starte in den Tag und in den Flow – Bist du dabei?
Alles darf sein

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2 Kommentare

  1. Toller Beitrag und so wahr! Ich musste auch lernen, starke Gefühle, die immer wieder kommen erstmal anzunehmen, den Grund dafür zu suchen, eine Lösung zu finden und weiter an meiner positiven Einstellung zu arbeiten. Was auch ungemein weiter hilft, ist einfach darüber zu reden, alles Negative, das einen beschäftigt rauszulassen und sich Feedback von der Familie oder guten Freunden zu holen. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass nicht darüber zu reden oft dazu führt, dass der Körper dass dann einfach für dich übernimmt und krank wird. In schlimmen Phasen war es keine Seltenheit, dass ich fast jedes Monat irgendeine Erkältung eingefangen habe und das ständige Krank sein führte natürlich dazu, dass ich mich dann psychisch wieder schlecht fühlte – ein Teufelskreis.

    • Hallo liebe Claudia,
      du hast völlig recht, über Gefühle zu reden hilft auch mir immer sehr. Damit „enttabuisieren“ wir Gefühle auch. Meiner besten Freundin habe ich eine Weile lang nichts über ein bestimmtes Thema erzählt, weil ich Angst hatte, dass sie mich dafür verurteilen würde. Als ich es dann doch getan hab und sie das absolut nicht schlimm fand, sondern mich im Gegenteil auch noch darin bestärkt hat, war es, als wäre mir ein Stein vom Herzen gefallen. Ich wusste: Ich bin in Ordnung. Solche Gefühle sind in Ordnung, die haben auch andere.
      Auch das mit der Erkältung kann ich absolut bestätigen. „Etwas nicht sagen können“ äußert sich bei mir gerne in „Halsschmerzen“ – Zufall? Glaube ich nicht! 😉
      Es ist wichtig, dass wir solche Zusammenhänge erkennen. Ich werde darin auch immer besser – es freut mich, dass auch immer mehr andere Menschen (wie du!) das sehen! Echt genial!
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

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