Vom etwas anderen Umgang mit Emotionen

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Emotionen sind kein einfaches Thema für mich. Als hochsensible Person hatte ich schon immer irgendwie mit ihnen zu „kämpfen“. Ich kenne regelrechte „Emotionsanfälle“ – sowohl im Negativen als auch im Positiven. Mir ist die komplette Bandbreite bekannt.

Jugendliche Turbulenzen

Vor allem in meiner Teenager-Zeit wusste ich weder ein noch aus, doch auch später folgten immer wieder sehr emotionale Phasen, mit denen ich kaum umgehen konnte. Ich steigerte mich teilweise bewusst in irrationale Glaubenssätze hinein, bis ich vollkommen von ihnen überzeugt war. Ein rationaler Teil meines Gehirns rief mir ganz leise zu: „Hey, das stimmt doch gar nicht, was du da denkst!“, doch diesen Teil ignorierte mein ausufernder emotionaler Teil komplett.

Wenn ich mich daran zurückerinnere, wird mir immer noch ganz mulmig zumute. Ich hatte Panikanfälle, Depressionen, Aggressionen, Verlassensängste, aber auch extreme Glücksgefühle waren mir nicht unbekannt. Wenn ich verliebt war, erschien mir die Welt eine vollkommen andere – ich sah die Sonne, obwohl es regnete; ich fand die Blumen unter der Schneedecke und machte aus der berühmten Zitrone Limonade. Bis zur ersten Enttäuschung. Dann war ich so am Boden zerstört, dass ich keinen Weg fand, außer diese extremen Gefühle an mir selbst auszulassen. Und das ist ein Thema, über das ich gar nicht gerne spreche.

Ich würde nicht sagen, dass ich aus alldem „herausgewachsen“ bin; dass es eine „Teenie-Phase“ war, wie mein damaliger Hausarzt es betitelte, als ich mich voller Verzweiflung an ihn wandte. Diese Emotionen gehören nach wie vor zu mir, immer noch habe ich „Totalausfälle„, bin wütend oder traurig, frustriert oder habe Panik. Es ist seltener viel geworden, aber nicht verschwunden. Und ich habe gelernt, damit zu leben.

Der ausbrechende Vulkan

Durch die Verlagerung meiner Perspektive auf die Fülle in meinem Leben (ich nenne es bewusst nicht „positives Denken“, weil es meiner Meinung nach zu wenig umfasst), kommt es von vornerein seltener zu negativen Gefühlen. Selbst in Situationen, die andere aus der Fassung bringen, gelingt es mir immer öfter, der ruhende Pol zu sein und sogar vieles mit Humor zu nehmen. Das Empfinden von Fülle und Dankbarkeit sorgt dafür, dass ich in die emotionalen Situationen oft gar nicht erst komme. Es ist sozusagen die „psychische Prophylaxe“ – genauso, wie genügend Vitamin C Erkältungen verhindert, verhindert deine Lebenseinstellung den ausbrechenden Vulkan.

Doch manchmal – meist, wenn sich negative Ereignisse häufen – läuft auch bei mir das Fass über. Und genau für diese Fälle habe ich einen Weg gefunden. Auch dieser Trick funktioniert bei mir nicht immer. Wenn ich zu schnell hochgehe, habe ich oft keine Chance gegenzusteuern, doch bei sich anstauender Wut, bei einem sich ankündenden Panikanfall oder einer Enttäuschung ist er erstaunlich effektiv.

Ein Trick, der auch dir helfen kann, mit deinen Emotionen besser umzugehen

Man liest und hört inzwischen überall, dass es nicht gut ist, Emotionen zu unterdrücken, da sie ein andermal wieder hochkommen oder sich andere Ventile schaffen. Dieser Meinung bin ich auch, doch es war für mich stets ein Rätsel, wie ich beispielsweise Aggressionen nicht unterdrücken sollte! War es denn besser, der Person, auf die ich sauer war, eine ordentliche Backpfeife zu verpassen? (Oh ja, davon habe ich schon so manches Mal geträumt! :D) Wie zum Henker soll man diese Emotionen denn sonst herauslassen?

Ich weiß gar nicht mehr, wie mir der Gedanke kam, aber eines Tages war ich so voller Panik, dass mir scheinbar nichts anderes mehr übrig blieb, als mich ihr voll zuzuwenden. Ich begann, mit meiner Angst zu sprechen: „Hey Angst, du alte Bekannte. So, bist du also wieder da? Mann, wir haben uns ja echt lange nicht mehr gesehen.“ Ich beschloss, es vollkommen zuzulassen, dass diese starke Emotion meinen ganzen Körper erfüllt. Dabei sagte ich mir die ganze Zeit: „Das ist Angst.“ Ich spürte in jedes Körperteil hinein; fühlte, wie mein Herz raste, meine Hände feucht wurden, mein Hals sich zusammenzog und meine Zunge trocken am Gaumen klebte. Ich erkundete das Gefühl ganz genau. Etwa drei Minuten lang. Ich hätte mich länger dabei aufgehalten, doch ich musste erstaunt feststellen, dass da nichts mehr war. Die Angst war einfach gegangen und hatte mich ruhig zurückgelassen!

Emotionen sind wie kleine Kinder

Ich kann mir nicht richtig erklären, warum es funktioniert, doch es klappt auch bei anderen extremen Emotionen – ganz besonders gut bei schwelender Wut. Mir hilft dabei die bildliche Vorstellung, dass Emotionen so etwas wie kleine Kinder sind, die solange Unfug machen, bis sie Aufmerksamkeit bekommen. Wenn man sich ihnen komplett zuwendet, werden sie lieb und ruhig und hören auf zu stören.

Probier es das nächste Mal einfach aus: Richte all deine Aufmerksamkeit auf das Gefühl, das du am liebsten loswärst! Spür es in deinem Körper; fühle, was es mit dir macht; sprich mit dem Gefühl! Sei ganz bewusst in dieser Emotion, nur in genau diesem Augenblick. Fühle dich hinein, werde eins mit ihr, sei voll und ganz da. Und sieh zu, was passiert.

Wie gehst du mit Emotionen um? Hast du meinen Trick schon probiert? Dann freue ich mich über deine Erfahrung zu lesen!

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4 Kommentare

  1. Wunderbarer Beitrag liebe Anna, muss ich gleich mal teilen. Für mich ist es auch immer wieder eine Herausforderung durch annehmen, die Emotionen und tieferen Gefühle dahinter zu transformieren.

    Fühle mich dann meistens wie ein Junkie auf Drogenentzug und verkrieche mich oder gehe in die Natur. Bewusst sich den Emotionen zu stellen und sie zuzulassen ist für mich der Weg sie loszulassen.

    Im Moment kann ich mich sogar schon darauf freuen, denn meine Erkenntis ist, dass es mir danach viel viel besser geht. Die Themen sind verschwunden.

    LG

    Matthias

  2. Lieber Matthias,

    freut mich sehr, dass dir mein Beitrag so gut gefällt! Und es freut mich noch mehr, dass ich nicht die Einzige bin, die Emotionen auf diese Art betrachtet. 🙂
    Genau die Erkenntnis, dass es mir danach besser geht, weil die Themen irgendwie „veschwunden“ sind, kenne ich auch. Das ist etwas ganz anderes, als sich abzulenken, da „schwelt“ das trotzem in mir weiter und ich weiß, dass ich mich dem Thema wann anders noch einmal zuwenden muss.

    Liebe Grüße
    Anna

  3. Vielen Dank für den interessanten Artikel und den Tipp, wie man mit starken Gefühlen besser fertig werden kann. Denn manchmal können starke Gefühle so sehr belasten, dass sich sogar Herzattacken einstellen. Ich kenne Situationen, in denen Gefühle größeren Schmerz verursachen als irgendetwas anderes. Gern ergänze ich meinen Blogbeitrag noch um den genannten Trick mit der Vorstellung kleiner Kinder.

    • Liebe Christine,
      es freut mich sehr, dass ich dir mit diesem Beitrag helfen konnte. Ich selbst wühle mich gerade durch eine sehr emotionale Phase. Manchmal sollte man seine eigenen Beiträge mal wieder lesen – danke für die Erinnerung! 😉
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

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