Vom Finden der Leichtigkeit inmitten der Schwere

Vielleicht hast du bereits davon gehört, sich anstatt von Neujahrsvorsätzen ein Wort für das neue Jahr auszusuchen. Meist muss man nicht so lange suchen, vielmehr findet es einen selbst. So war es bei mir die letzten Jahre. Nun sind schon ein paar Wochen im neuen Jahr verstrichen und ich durfte bereits die ersten Erfahrungen mit meinem Wort sammeln. Zum Glück wusste ich schon zu Beginn, dass es herausfordernd werden würde, aber auch, dass es sich lohnen würde, sich immer wieder an das Wort zu erinnern. Denn schon jetzt bewirkt mein Wort unglaubliche Veränderungen in meinem Alltag. Davon möchte ich dir heute erzählen. Und dich vielleicht dazu ermutigen, dich selbst für ein Wort zu öffnen.

Das Leben kann ganz leicht sein

Das haben wir alle sicher schon mehrmals erfahren. Ein- und dieselbe Situation gestaltet sich an einem Tag als leicht, an einem anderen scheint sie uns völlig zu überfordern. Ich kann gerade ein Lied davon singen. Mit einem Baby wünscht man sie sich ganz oft, und genau deswegen ist es mein Wort des Jahres geworden: Leichtigkeit.

An manchen Tagen macht es mir gar nichts aus, wenn mein kleiner Sohn Vincent nicht wirklich schlafen will. Ich werde richtig erfinderisch, packe ihn ins Tuch und stelle mich mit dem Laptop an seinen Wickeltisch, schwinge die Hüfte hin und her, damit er zur Ruhe findet. Genau das tue ich, während ich diesen Beitrag schreibe. Ein andermal (heute früh beispielsweise) macht der Schlafmangel aus mir einen Zombie, der auf alles und jeden sauer ist und sich selbst bemitleidet. Aus solchen Situationen in die Leichtigkeit zu finden, ist manchmal ein hartes Unterfangen. Heute ist es mir mal wieder gelungen, an anderen Tagen komme ich aus der schlechten Laune kaum heraus – und zu der gesellen sich dann gerne noch Ängste diverser Art.

Dem eigenen Flow zu folgen, wenn man ein kleines Baby hat, funktioniert quasi gar nicht. Heute fühle ich  mich eigentlich so platt, dass ich am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben würde. Selbst wenn man arbeitet, kann man sich nach Feierabend entspannen oder auch krank machen, wenn es einem wirklich schlecht geht. Das funktioniert mit Baby nicht. Vincent lernt so viel Neues, dass er am Abend nur schlecht runterfahren kann – dabei haben wir schon den kompletten Methodenkoffer und alle Ratschläge durchprobiert. Es ist und bleibt schwierig. Da bleibt der eigene Flow sowas von auf der Strecke. Deswegen muss dringend die Leichtigkeit ins Spiel kommen. Wenn man eine Situation schon nicht ändern kann, dann kann man zumindest seine Haltung dazu ändern.  Das Muttersein zwingt mich quasi dazu, und das ist gut so.

Leichtigkeit bedeutet nicht, dass man ständig gut drauf ist und strahlt.

Das geht gar nicht. Manche Momente sind einfach düster. Wenn man völlig erschöpft und mit den Kräften am Ende ist, kann man sich das nicht schönreden. Man braucht dann eine Pause. Nur kann man diese Pause vielleicht nicht sofort auf der Stelle haben, sondern muss sich noch ein Weilchen gedulden. Ich ahne ja schon, dass ich mich vermutlich Vincents gesamtes erstes Lebensjahr lang gedulden werden muss. Leichtigkeit leugnet nicht, dass die Dinge schwer sind, sie hilft mir vielmehr, das Schwere anzunehmen und zu akzeptieren: Ja, es ist gerade verdammt schwer. Und erstaunlicherweise macht genau das die Dinge ein wenig leichter, denn nun verschwende ich die Energie nicht mehr darauf, gegen etwas anzukämpfen, das ohnehin nicht zu ändern ist.

Tief atmen!

Wenn ich mich in einem Zustand befinde, in dem meine Gedanken rasen und ich weder ein noch aus weiß, dann bemühe ich mich, einen Augenblick stehenzubleiben und tief ein- und auszuatmen. Mich daran zu erinnern, dass ich in Sicherheit bin, dass alles okay ist. Dass ich nur müde bin oder erschöpft oder sauer oder ängstlich. Nichts weiter. Ich lebe noch, meinem Sohn geht es gut, alles ist bestens – es ist nur mein Gehirn, das gerade ein Riesenproblem aus etwas machen möchte. Alles ist gut. Ja, das hilft. Das schafft Abstand zu einer schweren Situation, das hilft mir, mich selbst zu finden und die Situation anders zu bewerten. Einfach mal atmen – das vergessen wir viel zu oft, holen nicht mal richtig Luft. Dabei ist das so entspannend!

Meine Yogalehrerin sagte immer, dass die Kunst im Yoga darin bestünde, eine schwere Haltung mit Leichtigkeit auszuführen. Mithilfe unseres Atems, liebevoller Geduld und einer spielerischen Einstellung gelingen und letztendlich auch die schweren Bewegungen. Das finde ich super schön, und es ist so wahr! Ich habe gelernt, die anstrengenden Übungen zu genießen, weil mir der Atem sagt, dass sie nicht schwer sind. Als ich einmal mit einer Freundin Yoga übte, die Krafttraining gewohnt ist, war sie erstaunt darüber, wie lange ich in einer bestimmten Haltung bleiben konnte, ohne dass es anstrengend wirkte. Sie schnaufte dabei ganz schön und ihre Muskeln zitterten – dabei würde ich sofort sagen, dass sie stärker ist als ich! Aber nach jahrelanger Übung ist es mir gelungen, meine Muskeln spielerisch darauf vorzubereiten, sodass ich viel weniger Anstrengung empfand als sie! Dieselbe Sache – zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen: durch Leichtigkeit und durch Anstrengung. Welche wohl mehr Freude macht?

Vom Finden von Lücken

Ja, die Tage sind tatsächlich vorbei, an denen ich mich ausruhen kann, wann auch immer es mir passt, an denen ich kreativ sein kann, wenn ich Lust darauf habe. Nun bestimmt ein anderes Wesen über meinen Alltag. Ich muss gestehen, dass es mir immer noch sehr schwerfällt, das zu akzeptieren. Aber jedes einzelne Mal, wenn es mir gelingt, fühlt es sich gut an, und dann passiert etwas Erstaunliches: Dann finden sich plötzlich Lücken im Alltag, die ich für mich selbst nutzen kann, dann arbeitet mein Gehirn wieder effektiver und kann kreative Lösungen finden, wo es vorher scheinbar nur Probleme gab.

Dieses Jahr ist das Jahr, in dem ich mich darin üben möchte, die Dinge mit Leichtigkeit zu sehen. Das ist herausfordernd, aber es lohnt sich. Wenn wir die Situation nicht ändern können, müssen wir die Art ändern, wie wir die Situation betrachten. Und erstaunlicherweise ändert sich genau dann auch sehr oft die Situation.

Leichtigkeit inmitten der Schwere zu finden, das ist es, was mich dieses Jahr begleiten darf. Raum zu finden, um zu atmen, Lücken zu suchen für Kreatives, für Ruhe, für mich selbst, Inseln im Alltag schaffen, in denen ich mich daran erinnern kann, dass ich das alles freiwillig tue, dass nichts davon eine Pflicht oder eine Bürde ist. Dass ich nicht hart schaffe und ackere, und dass das Muttersein dennoch kein Spaziergang im Park ist und ich gerne Hilfe annehmen darf. Alles wird gut dieses Jahr. Alles ist jetzt schon gut. Es ist vielleicht schwer, aber ich will niemals vergessen, dass es selbst dann Leichtigkeit gibt. Immer. 

 

 

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8 Kommentare

  1. Liebe Anna,

    …da muss ich dir doch gleich zurückschreiben; ich musste schon am Anfang deines Artikels grinsen – Leichtigkeit also.

    Das ist ein soo schönes Wort, das auch ich sehr liebe, und das mich auch schon eine Weile begleitet (… ich glaube, ich hab mehrere Worte 😉 und das mich glücklicherweise auch dann findet, wenn ich in einer nicht so leichten Phase stecke – irgendwann taucht es auf und entfaltet seine Wirkung.

    Ja, ich liebe dieses Wort und ich wünsche dir eine wundervolle Zeit damit.

    Ganz viele liebe Grüße von mir
    Katrin

    • Liebe Katrin,
      wie schön, dass auch du schon Erfahrungen mit diesem Wort sammeln durftest! Es ist so herrlich! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

      • … und du machst das so super! Klingt wirklich nach einer ganz schönen Herausforderung grade und es freut mich total, dass ich trotzdem von dir lesen darf und du uns daran teilhaben lässt.

        Ich wünsche dir, dass dein neues Wort dich gaaanz oft und immer leichter und schneller findet 🙂

        Fühl dich gedrückt!

        • Danke dir, liebste Katrin!
          Es ist eine Herausforderung, aber das ist es ja, was ich wollte. 🙂
          Fühl du dich auch gedrückt!
          Anna

  2. Liebe Anna,

    du bringst es mal wieder auf den Punkt.

    Die Dinge, die uns in unserem Leben begegnen sind nicht das Problem an sich. Die Probleme und Konflikte mit unserem Inneren entstehen nur durch unsere Urteile und Bewertungen der Dinge. Die Lösung liegt folglich auf der Hand. Das hast du wieder wunderschön und sehr verständlich beschrieben.

    Grundsätzlich gibt es verschiedene Wege diese Ausgeglichenheit zu finden und sich dadurch den Freiraum zu schaffen, den man für seine persönliche Entwicklung braucht. Ein Leitwort zu verwenden ist sicher eine gute Methode. Und was ich besonders gut finde, dass du auf das Atmen aufmerksam machst. Das ist ein so mächtiges „Werkzeug“, dass es alle Menschen kennen und anwenden sollten – und zwar täglich!

    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinem Leitwort und alles Gute für dich und deine Familie.

    Liebe Grüße
    Peter

    • Vielen lieben Dank dir, Peter!
      Ja, das Atmen kommt viel zu kurz in unserer Gesellschaft. Dabei kann man das immer und überall machen – einfach herrlich! Ich denke, ich werde im Laufe des Jahres auf noch viel mehr Brücken stoßen, die mir mit meinem Wort helfen werden!
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

  3. Liebe Anna,

    danke für Dein Leben und Deine Einsichten und das Zusammenspiel von beiden, das Du so offen mit uns teilst.

    Mein Wort für dieses Jahr ist Leben. Ich bin die letzten 2 Jahre durch ein Nadelöhr gegangen. Habe viel Transformation erleben dürfen, und es war nicht immer leicht. Dabei habe ich mich viel mit dem Thema Traumata befasst. Und in mir wurde der Ruf immer lauter, mich für dieses Thema zu engagieren.

    So habe ich einen Heil – und Befreiungstanz entwickelt. https://www.youtube.com/watch?v=oqph7YJVPTU&t=836s Hier möchte ich ihn gerne mit Dir teilen. Ich möchte das gerne mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen machen. Und dabei auch immer weiter lernen. Auch eine Webseite habe ich dafür: http://www.traumaheilung.bayern

    Und ich weiß, das bringt mich und meine Teilnehmer immer mehr in die Lebendigkeit. Und wie schön passt da doch Dein Blogbeitrag. Auch das Schwere locker tragen.

    Ich glaube auch das kann ich die nächste Zeit gut gebrauchen. Es ist für mich noch sehr schwer locker vor der Kamera zu sein. Mich dabei in meine Aktion hinein zu entspannen. Doch ich werde an Dich und Deine Worte denken.

    Liebe Anna, Du bist ein so Liebe voller Mensch, und es macht mich immer wieder glücklich von Dir zu lesen. Verzeih, dass ich im Januar mich hier nicht zu Wort gemeldet hab. Ich war zu sehr mit meinen Themen beschäftigt.

    Ich wünsch Dir alles erdenklich Gute, und alle Liebe dieser Welt.

    Martin

    • Hallo lieber Martin!
      Wie schön, auch mal ein Gesicht zu deinen Worten zu sehen und danke, dass du dein Video mit mir teilst! Ich glaube sofort, dass diese Art von Bewegung befreiend ist. Vielleicht sollte ich mich mehr daran versuchen, ich wäre vermutlich selbst im stillen Kämmerlein noch etwas zu gehemmt dafür. 😀 Leben ist ein wundervolles Wort, es wird dich sicher ganz toll begleiten! Und dass du dich hier meldest, ist ja Kür und nicht Pflicht – ich freue mich, von dir zu lesen, aber wenn ich es nicht tue, weiß ich, dass du beschäftigt damit bist, mehr Liebe und Leben in die Welt zu bringen!
      Die liebsten Grüße dir!
      Anna

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