Vom Flow des Urlaubs, raus und wieder zurück

Luft strömt in meine Lungen, die Kraft der Wellen erinnert mich an meine eigene Stärke. Meine Füße berühren den nassen Sand, werden benetzt vom Wasser, der Saum meines Kleides ist nass, doch das ist mir völlig egal. Ich lache, während eine weitere Welle meine Knöchel umspielt, laufe ein Stück, schließe die Augen, spüre die untergehende Sonne warm auf meinem Gesicht. Ich löse mich auf, werde eins mit allem, was mich umgibt, spüre mein wahres Zuhause. Szenenwechsel Deutschland: Ich bin plötzlich wieder weit entfernt vom Flow, völlig überfordert und sehne mich nach jener Harmonie, die im Urlaub so offensichtlich war. Die gute Nachricht: Eine Rückkehr ist jederzeit möglich. 😉

Hach, Urlaub…

Vor zwei Wochen kam ich aus La Palma zurück. Der Urlaub war ein einziger Traum. Ich war beinahe konstant in einem Zustand des tiefen inneren Friedens. Zum einen ist man natürlich weit weg von den Alltagspflichten, zum anderen ist die ganze Insel scheinbar tiefenentspannt. Hippie-Märkte, frische Säfte an jeder Ecke, wenig (und wenn dann entspannte) Touristen, herrliche Wälder und Wanderwege, wunderschöne kleine Restaurants und Gässchen in den Städten, Gute-Laune-Musik und: das Meer.

Das Meer ist für mich so eine unbezähmbare Naturgewalt, dass ich sofort all meine Sorgen vergesse, wenn ich in die Wellen schaue. Hier in Deutschland findet man wenig Flecken, die wirklich unberührt sind. Es gibt keine uralten Wälder, die sich selbst überlassen werden – jeder Baum steht für einen bestimmten Geldbetrag, jedes Feld wird maschinell bearbeitet und fernab vom Verkehrslärm findet sich sowieso kaum mehr ein Ort. Nicht, dass ich hier in der Natur nicht entspannen kann oder dass es sie nicht gibt – aber sobald ich am Meer bin und in diese blaue Unendlichkeit schaue, hat das für mich noch einmal eine ganz andere Qualität von Freiheit und Kraft.  Auch wenn wir den Ozeanen leider inzwischen kräftig zugesetzt haben – ihre Kraft werden wir niemals zähmen können.

Und diese Art von Kraft wohnt auch in uns. Ich spüre die Energie von Mutter Natur jetzt noch deutlicher als jemals zuvor. Die Natur und ich haben jetzt noch mehr gemeinsam. Ich werde auch Mutter. Wie sie bringe ich etwas Neues, noch niemals zuvor Dagewesenes hervor. Etwas, das aus Liebe entstanden ist und mithilfe der Liebe heranwächst.

All das war auf La Palma so vorherrschend, ich war wirklich eins mit der Natur und den Menschen um mich herum. Ich war völlig im Frieden mit mir selbst und spürte die Liebe in jeder Faser meines Körpers. Ich wusste, dass alles, was geschieht, einen guten Grund hat und dass ich genauso wie jeder von uns ein Teil dieses wundervollen Universums ist – mit unserer eigenen Aufgabe, mit unserer eigenen Art und Weise, Liebe zu geben. Eigentlich, wenn wir wirklich an diesem Punkt sind, spüren wir, dass es nichts weiter zu tun gibt, als einfach nur zu sein und den Impulsen zu folgen, die in uns hochkommen.

Wäre das nur so einfach…

In der Theorie ist das sehr einfach und die beiden Wochen im Urlaub kam es mir wie das Natürlichste auf der Welt vor. Ich war mir sicher, dass ich nun für den Rest meines Lebens genauso weitermachen könnte und für immer glücklich und in mir ruhend sein kann. Weit gefehlt, denn obwohl es unglaublich einfach scheint, ist es alles andere als leicht.

Kaum landeten wir wieder in Deutschland, weigerte ich mich auch schon zu akzeptieren, dass hier scheinbar tiefster Winter herrschte, während ich die kanarische Sonne so sehr genossen habe. Allein schon diese Tatsache war ein kleiner Schock – unsere Wohnung war auf 17 Grad heruntergekühlt (für mich sind das eisige Temperaturen) und mitten in der Nacht ging die Heizung nicht mehr an. Am nächsten Tag wachte ich mit Halsschmerzen auf und einem dröhnenden Kopf auf, in dem sich all die Dinge nun wahllos überschlugen, die so furchtbar dringend und natürlich augenblicklich zu erledigen waren. Ich war wie gelähmt, konnte nicht aufstehen und wäre am liebsten in Tränen ausgebrochen. All meine Ruhe, mein innerer Frieden, meine Akzeptanz waren wie weggeweht.

Und die folgenden Tage wurde es nicht besser. Ich kann mir noch so oft sagen, dass ich „nur“ einen Teilzeitjob habe und eigentlich den Haushalt locker schaffen sollte – es gelang mir nicht. Dinge, die ich von mir erwartete, blieben liegen, ich sah mich als Versagerin. Die Arbeit war furchtbar anstrengend und mein Schlafbedürfnis stieg ins Unermessliche. Ich war völlig überfordert, obwohl das für Außenstehende vielleicht nicht so aussah. Und genau das ist immer mein Problem an dieser Sache: Ich kann mir erst eingestehen, dass ich nicht mehr kann, wenn ich wirklich nicht mehr kann und heulend auf dem Boden sitze. Ja, big Drama ist bei mir immer angesagt, aber ohne scheine ich Dinge einfach nicht zu kapieren.

Ich leide dann zwar ein paar Tage lang fürchterlich, aber gleichzeitig ist das eine ganz andere Art von Leiden, wie das, was ich früher gespürt habe. Ich weiß, dass es nicht lange andauern wird, dass ich nicht daran sterbe und dass immer eine Lektion auf mich wartet. Erst, wenn ich sie gelernt habe, darf ich weiterziehen. Dieses Mal lautete sie:

Anna, du musst nicht alles alleine machen.

Und auch nicht alles sofort. Es gibt so viele Menschen, die mir eigentlich helfen wollen, denen ich das aber nicht „zumuten“ will, obwohl es für sie vielleicht nicht einmal eine Zumutung wäre. Es kratzt wirklich keinen Dackel, wie die Wohnung aussieht und ob alles picobello geputzt ist, schließlich erwarte ich ja nicht die Queen zu Besuch. Und: Es ist völlig okay, eine Woche lang mal alles abzusagen und sich so viel wie möglich im Bett zu verkriechen.

Das ist inzwischen aber gar nicht nötig, denn in dem Moment, in dem mir klar wurde, dass ich nur zu fragen brauche, dass ich nicht alleine bin und auch nicht alles alleine machen muss, fiel die bleierne Müdigkeit von einem Moment auf den anderen von mir ab und machte Platz für Energie. Plötzlich war ich in der Lage, alles Schritt für Schritt anzugehen, ich schlief tiefer und fester, dafür kürzer, und fühlte mich voller Energie. Also eigentlich war ich wieder genau in dem Zustand, der in meinem Urlaub so leichtgefallen war: im Flow.

Und wie gelangt man wieder in den Flow?

Wenn das nur so leicht zu beantworten wäre. Bei mir waren es verschiedene Faktoren. Ich gestattete mir mehrere Stunden alleine in der Natur – dort sehe ich immer ganz klar, was wirklich wichtig ist und was nicht. Auch habe ich gespürt, dass sich etwas Kreatives in mir Bahn brechen wollte. Es hat nur zehn Minuten gedauert, ein Bild zu malen, mit dem ich meine Gefühle ausdrücken konnte, aber als ich es vor mir hatte, spürte ich regelrecht, wie mir eine schwere Last von den Schultern gefallen war. Und dann habe ich mit einer Freundin darüber gesprochen, was mir in dem Augenblick zugegebenermaßen nicht ganz leicht gefallen ist, denn sie hielt mir sehr deutlich einen Spiel vor. Aber ich wusste, dass ich mir diese unbequemen Dinge ansehen musste, dass ich „hindurch“ musste, um die Lektion zu lernen.

Ich glaube, das Wichtigste ist es, sich wirklich knallhart Zeit zu nehmen. Es hilft oft, wenn man auch einen räumlichen Abstand zum belastenden Umfeld herstellen kann, sei es nur für ein paar Stunden. Ein Gespräch mit der richtigen Person kann helfen (eins mit der falschen leider das genaue Gegenteil erreichen), und: kreativ sein. Auf deine eigene Art und Weise. Wenn ich nicht irgendwie kreativ sein kann, sondern nur am Ausgleichen der angesammelten Spannung bin, fühle ich mich, als hätte mir jemand einen Arm abgeschnitten. Genau deswegen tat es mir auch so unfassbar gut, das Bild zu malen. Es kann für dich jedoch auch etwas völlig anderes sein. Vielleicht brauchst du einfach nur ein paar Stunden mit einem guten Buch oder einen ausgedehnten Spaziergang mit deinem Hund. Nimm dir unbedingt einen Augenblick Zeit, um tief in dich hineinzuhorchen und zu schauen, was du genau jetzt brauchst. Und das Wichtigste ist: Tu das dann auch!

So oft sind wir in Gedanken damit beschäftigt, Argumente zu sammeln, wieso wir das gerade jetzt nicht tun können. Aber das sind nur faule Ausreden unseres Egos. Wir müssen uns die Zeit nehmen und uns die Mühe machen, wieder in den Flow zurückzufinden, ehe wir uns mieser und mieser fühlen. Das Gemeine ist nämlich, dass viele Menschen ab einem bestimmten „miesen Zustand“ keine Kraft mehr haben, sich herauszuholen und dann in einem betäubten Trott versinken.

Deswegen lautet meine Devise: Sobald ich merke, dass es mir nicht gut geht und ich mich nicht mit allem verbunden fühle, muss ich so schnell wie möglich einen Weg finden, wieder in den Flow zu kommen. Denn damit ist nicht nur mir geholfen, sondern auch allen Menschen um mich herum. Wenn ich nicht im Flow bin, bin ich eine ziemlich schwer zu ertragende Person, die allen auf den Keks geht, jammert und keine Energie für Unternehmungen hat. Im Flow hingegen würde ich meine Liebe am liebsten an alle Menschen um mich herum verteilen – was ihnen ja auch sehr viel mehr bringt als eine mies gelaunte Anna.

Und manchmal, wenn wir das Gefühl haben, dass nichts mehr geht, müssen wir radikal sein und vielleicht auch eine Reise ans Meer buchen, wenn es das ist, was uns wieder klarer sehen lässt. Du hast es mehr als verdient, dich selbst als den wundervollen Menschen zu behandeln, der du bist! Du hast es verdient, im Flow zu sein und dich darum zu kümmern, ihn wiederzufinden, wenn du ihn verloren hast. Denn du bist – ganz genauso wie du bist – eine wundervolle Bereicherung für diese Welt!

Ist es dir nach einem wunderschönen Flow-Erlebnis auch schon einmal schwergefallen, wieder in deinen Rhythmus zurückzukehren? Wie bist du damit umgegangen? Ich würde mich sehr freuen, wenn du deine Erfahrungen in den Kommentaren teilst!

 

 

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8 Kommentare

  1. Liebe Anna
    Mir ging es letztes Jahr auch jedes mal so nach meinen Ferien obschon ich nicht weg fuhr.Ich verbrachte die Ferien unter meinem Nussbaum,es war so schön so ruhig.Ich las viel oder schaute den Vögeln,Bienen zu und lies meinen Gedanken freien lauf.
    Ich arbeit 100% und auch für mich war es sehr schwierig wieder ins Berufsleben zurück zu finden.Aber wie Du schon sagst brauche auch ich zwischen durch Zeit für mich in der Natur draussen meinen Flow zu finden in meine Mitte zurück zu kommen.
    Liebe Anna ich danke Dir für Deinen interessanten Beitrag♥

    • Liebe Eveline,
      ja, so ein Leben wäre großartig, wenn wir immer unserem eigenen Flow folgen könnten, viel Zeit in der Natur verbringen,… Ich kann mir vorstellen, dass das ungeahntes Potenzial in uns freisetzen würde. Aber immerhin haben wir die Möglichkeit, uns Phasen und Zeit zu schaffen, um dieses wundervolle Gefühl zu erleben. Auch wenn das manchmal mit Schwierigkeiten bei der Rückkehr in den Alltag verbunden ist. 😉
      Ganz lieben Gruß dir und viele wundervolle Flow-Erlebnisse!
      Anna

  2. danke liebe anna,
    es ist, wie kann es auch anders sein, genau mein thema, jetzt.
    du hast mir mit deinem beitrag sehr geholfen.
    ich habe auch gerade eine wunder-volle zeit, wo ich ganz im flow, bei mir bin, jedoch sehr bewusst und achtsam sein muss, um mir diesen zustand des friedens im alltag zu erhalten.
    sehr wichtig für mich dabei ist, …. hilfe einfordern und auch annehmen .
    sonst schleicht sich leicht dieses neg. gefühl ein …..ich muss alles alleine machen und schon ist es vorbei mit dem frieden in mir .
    danke für deinen tollen beitrag. alles liebe für dich und das wunder-volle wesen in dir, herzlichst ❤️ margot

    • Hallo liebe Margot,
      wie schön, dass ich dir helfen konnte und dass ich genau dein Thema erwischt habe! Manchmal kommen die Dinge zum richtigen Zeitpunkt zu einem… 😉
      Dann wünsche ich uns beiden, dass es uns immer besser gelingt, Hilfe anzunehmen und liebevoll zu uns selbst zu sein.
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

  3. Hallo Anna,
    ich komme gerade aus dem Urlaub zurück (bei mir waren es die Ballearen;)) und auch ich dachte, ich könnte die Tiefenentspanntheit im Alltag fortsetzen. Kaum kam aber der erste richtige Konflikt bzw. Stress und alles war wie weggeblasen. Dabei hatte ich mir fest vorgenommen nach dem Urlaub wird mir das nicht mehr passieren oder zumindest nicht so schnell. Ich war schon ein wenig im Zweifel und auch genervt, wieso man oftmals wieder in alte Verhaltensmuster fällt, obwohl man doch schon so viel gelesen hat und eigentlich wissen müsste, wie es anders geht.
    Daher bin ich natürlich froh zu lesen, dass es „Experten“ die sich mit Flow auskennen ähnlich geht und man sich immer wieder neu motivieren muss, damit man schnell wieder zu seiner Mitte zurückfindet.

    Ich hoffe, dass Du noch lange an Deinem Blog Freude hast und wir noch viel von Dir hören. Mach weiter so?.

    Liebe Grüße
    Thorsten

    • Hallo lieber Thorsten,
      Mensch, da ging es dir ja genauso wie mir! Hah, „Experte“! Davon bin ich noch meilenweit entfernt. Ich fühle mich immer noch wie ein Baby, das gerade laufen lernt. 😀 Ich denke, es ist wichtig, dass wir da sehr geduldig mit uns sind und nichts nicht „schubsen“, denn auf diese Weise lernen wir nicht laufen, sondern fallen nur immer wieder hin. Verhaltensweisen, die sich über Jahrzehnte in unser System eingebrannt haben, sind eben nicht von einem Tag auf den anderen zu ändern. Es ist einfach wichtig, sich immer und immer wieder neu auszurichten und diese Richtung nicht zu vergessen. Dass uns überhaupt auffällt, dass wir aus dem Flow geraten sind, ist doch ein enormer Fortschritt und besser, als orientierungslos im Trott festzustecken. Auch wenn das schmerzhaft ist, gibt es uns die Möglichkeit, zu wachsen und uns zu entwickeln. Und das ist doch wundervoll, oder? 🙂
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

  4. Liebe Anna,
    vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel. Mir geht es oft im Alltag so. Ich schreibe und blogge, freue mich und bin begeistert und dann schlägt meine Stimmung wieder um. Nichts passt, nichts ist gut genug. Mir hilft dann immer die Stille und das Alleinsein. Viel Spazierengehen. Denn dann nehme ich wieder meine innere Stimme wahr, die mir sagt, dass alles gut ist so wie es ist, alles wieder in Ordnung kommt, ich wieder in meine Kraft komme. Wie hast du geschrieben? Sich knallhart die Zeit dafür zu nehmen… Ja, das muss man und das ist oft ganz schön schwer, finde ich. Und Höhen und Tiefen sind menschlich.
    Alles Liebe,
    Susanne

    • Liebe Susanne,
      es tut gut zu lesen, dass es nicht nur mir so geht mit dem plötzlichen „Energieverlust“. Bei mir ist das manchmal aber so krass, dass ich nicht mal mehr die Kraft habe, um spazieren zu gehen, obwohl ich weiß, dass ich das ganz dringend bräuchte. Dann verliere ich mich wirklich in einem Sumpf aus völliger Antriebslosigkeit und Gejammer. Aber es gibt immer einen Weg heraus – wenn man die Sinnlosigkeit des eigenen Leidens erkennt. Und versteht, dass das, was einem die Energie zieht, zu einem großen Teil das Nicht-akzeptieren-Können der eigenen „Nichtleistungsfähigkeit“ ist. 😉
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

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