Vom Mut, das sinkende Schiff zu verlassen

Ist dir schon mal aufgefallen, dass Mut nicht immer nur bedeutet, etwas zu tun, sondern auch, etwas nicht zu tun? Kennst du den Mut, ganz deutlich „nein“ zu sagen, wenn dir klar wird, dass du eine falsche Entscheidung getroffen hast? Ist dir das Gefühl bekannt, wenn du etwas abschließen kannst, das dir nicht das brachte, was du erhofft hast – wie riesig der Stein ist, der dir dann vom Herzen fällt? Ich kenne das. Und ich frage mich dann: Wozu etwas mit sich herumschleppen, das sich eindeutig als falsch entpuppt hat? Wozu auf dem Schiff bleiben, wenn man deutlich sieht, dass es sinkt, obwohl andere felsenfest behaupten, dass das gigantische Leck doch kaum der Rede wert sei und man die Reise „durchziehen“ sollte. Ich will nicht länger auf die Reise anderer Menschen gehen, sondern meine eigene planen. Dazu ermuntere ich dich hier auf meiner Seite immer wieder – und es ist Zeit, dass ich das, was ich predige auch umsetze. Es ist Zeit, dass ich meinen Buchentwurf endgültig auf den Müll werfe, um in meinem Herzen Platz für Neues zu schaffen. Auf die Gefahr hin, alle – vielleicht auch dich – zu enttäuschen.

Ich ducke mich vor den Tomaten, die du nach mir werfen wirst…

„Waaaas?“, wirst du jetzt vielleicht laut sagen, „Die will das Buch nicht veröffentlichen, für das sie so lange eine Blogpause eingelegt hat? Jetzt hat sie doch schon die Rohfassung geschrieben! Was ist denn jetzt los?“ Ich sag dir was los ist: Ich habe dieses Buch schon vor über einem Jahr angefangen, habe es dann fallen gelassen und hat eine neue Idee, die mir viel mehr entsprach. Damit stieß ich in meinem Umfeld allerdings nicht auf Gegenliebe, und irgendwie waren dann andere Dinge wichtiger und das alles trat in den Hintergrund. Im Herbst habe mir dann mal die ersten Aufschriebe zu meinen Entwürfen angeschaut und festgestellt: „Hey, die sind gar nicht so schlecht. Nicht schlechter als andere Bücher, die ich schon gelesen habe.“ Ich bekam den Rat, das doch einfach mal „durchzuziehen“, damit ich „mal was fertig habe“. Ich sah es ein, auch mir war wirklich danach „mal was vorweisen zu können“. Wenn du meine Beiträge schon seit Längerem verfolgst, wirst du sicher schon bemerkt habe, dass ich immer und immer wieder in diese Falle tappe, dass ich immer und immer wieder glaube, es sei wichtig, „etwas in der Hand zu haben“ und etwas durchzuziehen.

Mal wieder bin ich diesem Irrglauben aufgesessen und habe mich mit dem Buch durch den Winter gequält. Ich habe ja bereits geschrieben, dass mir die Blogbeiträge sehr viel leichter von der Hand gehen als das Schreiben am Buch. Aber irgendwie brachte ich die Disziplin auf, es zu tun. Ohne Witz, ich stellte mir dabei jeden Abend einen Timer, schrieb während der festgelegten Zeit und war danach gottfroh, wenn sie vorbei war und ich den Laptop zuklappen konnte. Ich kaufte mir sogar einen neuen Laptop, in der Hoffnung, dann mehr Freude am Schreiben zu haben. Letztendlich lag das aber immer noch nicht daran. Seit ich wieder Blogbeiträge schreibe, liegt die komplette Rohfassung dieses Buches quasi unangerührt in der Schublade. Alles – aber auch wirklich alles in mir wehrt sich dagegen, daran weiterzuschreiben. Ich sagte mir, ich bräuchte nur eine kleine Pause, dass gerade eben Wichtigeres anstünde und vieles mehr. Aber letztendlich lief alles darauf hinaus: Irgendetwas stimmte mit diesem Buch ganz und gar nicht. Das war nicht ich und ich wollte das nicht.

Ist es das wirklich wert?

Ich stellte mir die Frage: Ist es das wirklich wert? Muss ich mich wirklich dermaßen überwinden, nur um meine Leser und die Menschen, die ein Buch von mir erwarten, nicht zu enttäuschen? Ich sah die Motivation dahinter nicht mehr, ich konnte keine Antwort auf die Frage „warum?“ mehr geben. Ich meinte, die Antwort sei „damit ich mal was Fertiges vorzuweisen habe“, aber ich hatte schon vor einer Weile erkannt, dass die mich nicht befriedigt und immer weniger Wichtigkeit in meinem Leben hat. Überhaupt haben sich meine Prioritäten in den letzten Wochen völlig verschoben, und in einem meiner nächsten Blogbeiträge werde ich dir auch genau erzählen, warum.

Mann, ich erwische mich gerade wirklich dabei, wie ich das Bedürfnis habe, mich bei dir zu entschuldigen! Wie ich mich schlecht fühle, weil ich ein Versprechen nicht erfüllen kann. Himmel, ich hab so oft von diesem blöden Buch geredet und ich hab so viele Nachrichten bekommen, dass meine Leser sich darauf freuen, dass ich jetzt ein wahnsinnig schlechtes Gewissen habe. Aber andererseits weiß ich, dass dieses Buch einfach völlig konträr zu alldem gewesen wäre, was ich hier sonst schreibe. Nicht von den Informationen her, aber von dem Stil eines „Ratgebers“.

Wie kann ich Rat geben, wenn ich selbst nicht alles weiß?

Dieser Blog hat auch anders angefangen, aber ich merke immer mehr, dass ich keinen Rat geben will. Ich will dir nicht vorschreiben, in welche Richtung du zu gehen hast, ich will kein Coach sein und dir die einzig richtige Methode an die Hand geben, wie du ein glücklicherer Mensch wirst. Ich will helfen, ja, aber ich habe gemerkt, dass es der falsche Ansatz ist, alle auf meinen Weg ziehen zu wollen. Denn es gibt unzählig viele Wege! Und wir sind alle frei, welchen zu folgen, um sie anschließend fallenzulassen! Ich dachte, als ich mit diesem Blog begann, dass man nur glücklich werden kann, wenn man seine Leidenschaften auslebt. Jetzt weiß ich, dass es nicht die Tätigkeit an sich, sondern unsere Herangehensweise an sie – auf leidenschaftliche Art – ist, die uns glücklich macht. Und wer weiß, vielleicht denke ich nächstes Jahr auch völlig anders darüber. Ich liebe es, im Leben ständig zu lernen, alte Denkmuster über Bord zu werfen und sich in neue hineinzustürzen, sich dabei immer weiter zu öffnen und bei jeder Erkenntnis zu staunen.

Ich habe das Gefühl, ein Buch, so wie ich es bisher geschrieben habe, engt mich ein. Ich muss einen Lernprozess, der seine eigene Struktur hatte (immer wieder hinfallen und aufstehen) in eine lineare Gliederung pressen, und vor allem: Ich muss so tun, als sei ich bereits angekommen, als sei ich weiter als du, als hätte ich mit meiner Art zu leben deiner Art etwas voraus. Das ist völliger Bullshit! Du gehst deinen Weg genauso wie ich meinen – und es kann sein, dass sie völlig unterschiedlich sind! Ich hab sowas von die Schnauze davon voll, so zu tun, als sei ich besser oder weiter oder toller. Das bin ich nicht! Ich tue das, was für mich funktioniert und ich weiß, dass so manches davon anderen auch gut tun würde, aber es wäre anmaßend zu erwarten, dass jemand alles übernimmt, „auf mich hört“ und die Dinge genauso macht. Das wäre auch furchtbar langweilig, denn dann wären wir ja alle gleich.

Ich muss gerade laut lachen, weil es so befreiend ist, diese Worte niederzuschreiben und all die Erwartungen, die ich unbewusst von mir hatte, die du vielleicht auch von mir hattest, einfach mal loszulassen – ja, zu zerstören! Ich bin kein Experte für dich und dein Leben und ich will nicht so tun, als sei ich das! Mich kotzt das bei anderen nämlich tierisch an. Wie kann ich denn behaupten, du seist bereits genug, und dir gleichzeitig einen supertollen Ratgeber unter die Nase halten, den du ja so unbedingt brauchst, um noch supertoller zu werden?! Welchen Sinn macht das? Keinen!

Doch das bedeutet nicht, dass ich nichts kann…

Was ich machen kann, ist, Experte für mein Leben zu sein und daraus zu berichten. Ich kann darüber schreiben, wie ich  mit meinen Schwächen umgehe, wie ich versage und daraus lerne, wie ich mich fühle und damit umgehe, wie ich Liebe empfinde und sie mich durch das Leben führt, was ich in meinem Alltag tue, um eine stabile Basis aufzubauen, aus der heraus ich dann handeln kann. Über all das kann ich berichten – als Mensch, der Fehler macht, verletzlich ist, Schattenseiten hat und gleichzeitig unglaublich viel Liebe für diese Welt in sich trägt und dem du am Herzen liegst. Was du davon gebrauchen kannst, was du ausprobieren oder übernehmen magst, das entscheidest ganz alleine du und nicht ich.

Ich kann keinen Ratgeber schreiben und ich will das auch nicht. Auch wenn so mancher (vor allem ältere) Artikel auf diesem Blog noch so wirkt – das ist nicht die Richtung, in die es für mich geht. Ich weiß, dass wir alle im Herzen eins sind, dass wir aber alle unsere ureigenen und wundervollen Wege haben, um mehr zu uns selbst, zur Liebe und in den eigenen Flow zu finden. Und ich weiß, dass mein Weg nur einer von Abermillionen und somit niemals genau deiner ist. Ich kann dich ermuntern, einen Gedanken auszuprobieren, ich kann dir zeigen, wie etwas bei mir funktioniert und dir Fragen stellen, die dich vielleicht zum Nachdenken anregen. Ob oder was du damit tust, ist allerdings deine Sache. Und das ist verdammt nochmal gut so.

Und jetzt runter vom Schiff!

Diese Idee mit dem Buch hat mich vieles gelehrt. Vor allem aber, dass sie ein sinkendes Schiff ist, das es gilt, schleunigst zu verlassen. Ich will nicht länger in meinem Leben Zeit in etwas stecken, von dem ich nicht komplett überzeugt bin. Ich will meine Energie nicht für etwas verschwenden, das mir zuwiderläuft. Vielleicht wäre das Buch okay geworden, aber ich wäre nicht stolz darauf gewesen. Ja, ich habe eine andere Idee für ein Buch – und weißt du was? Vielleicht werde ich dir versprechen, dass das bald kommt – und dich enttäuschen. Ich weiß es nicht. Weil ich nicht weiß, was das Leben noch für mich bereithält. Gerade komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus, weil ich feststelle, dass ich mich in so vielen Kleinigkeiten verrannt habe, dachte, dass sie sooo wichtig seien, nur um festzustellen, dass all die Zeit über etwas so viel Wichtigeres und Größeres auf mich gewartet hat. Und dem muss ich nun Platz einräumen – ein anderes Schiff wartet auf mich.

Ich habe den Mut, das sinkende Schiff zu verlassen. Ich habe den Mut, dich zu enttäuschen. Ich habe den Mut, nach vorne zu sehen und das zu umarmen, was auf mich wartet, anstatt unbedingt etwas haben zu wollen, das überhaupt nicht zu mir passt. Ich habe den Mut, mein Leben zu leben, ohne es dir überstülpen zu wollen. Ich habe den Mut, über Fehler und Irrwege zu sprechen. Und ich habe den Mut, mich dir zu zeigen, wie ich bin.

Hat dir dieser Beitrag gefallen?

Möchtest du regelmäßig Inspirationen? Dann trage dich kostenlos in meinen Newsletter ein (jederzeit wieder abbestellbar). Ich freue mich schon auf dich!

Deine Daten sind bei mir zu 100% sicher. Du kannst den Newsletter jederzeit abbestellen.

16 Kommentare

  1. Liebe Anna,

    Ich finde ganz toll, dass du diese mutige Entscheidung getroffen hast. Ich kann mir so in etwa vorstellen, was ihr alles vorangegangen ist. Vor allem schlechtes Gewissen den Lesern aber auch dir selbst gegenüber. Mir ging es so, als ich meinen ersten Blog (La Stilista, einen Stil- und Imageberatungsblog) eingestellt hatte.

    Wenn man lernt, aufs Bauchgefühl zu hören, geht man ganz instinktiv den für einen persönlich richtigen Weg. Und bereichern wirst du dein Leben und das Leben von uns Lesern nur dann, wenn dein Weg authentisch ist. Ich bin gespannt, was noch so alles kommt und geht 🙂

    Alles Liebe
    Barbara

    • Liebe Barbara,
      vielen lieben Dank dir für deine Worte und die Unterstützung, die ich darin finden kann. Gerade du ziehst ja deine Bücher sowas von durch – aber das zeigt eben, dass das deine Herzensprojekte sind und es das bei mir eben nicht war. Ich bin mir sicher, das nächste für mich wird sich finden! 🙂
      Alles Liebe dir!
      Anna

    • hallo anna,
      wow,eine tolle entscheidung-daumen hoch!

      ich finde es sehr professionell ,mit etwas aufzuhören was nicht wirklich deins ist

      dir eine wunderbare zeit und ich freue mich über das was noch von dir kommt

      alles liebe dir

      Angelika

      • Liebe Angelika,
        vielen Dank dir für deine Unterstützung, das bedeutet mir wirklich viel!
        Ganz liebe Grüße dir!
        Anna

  2. Hallo Anna,
    ich gehe auch schon einige Zeit meinen Weg, ich weiß auch wieviel Mut das erfordert, sowohl das tun, als auch das aufgeben……ich habe mich immer wieder von deinen Erlebnissen inspirieren lassen……du bist eine von denen, die mich auf meinem Weg begleiten. Ich stecke gerade in den Vorbereitungen für meinen eigenen Blog, er wird Herzerldorf heißen……Herzerldorf, das ist da wo die Menschen mit dem Herzen leben…..am Ende des kleinen Feldweges, gleich da hinten. Es ist eigentlich gar nicht weit……Ich möchte damit Menschen inspirieren sich einfach gut zu fühlen…….ich schreibe dir dann, wenn es soweit ist.

    Herzlichst Sabine

    • Liebe Sabine,
      was du schreibst, klingt wundervoll! Herzerldorf! Was für ein schöner Name! Ich möchte unbedingt erfahren, wenn es so weit ist! Und dass ich dich auf deinem persönlichen Weg begleiten darf, ehrt mich unglaublich. Mach unbedingt weiter, habe Mut (auch mal alles fallen zu lassen) und folge deinem Herzen! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Hey liebe Anna,

    ich bin stolz auf Dich. Ja, richtig stolz.

    Ich bin immer wieder verblüfft, wie parallel unsere Wege manchmal verlaufen. Du kannst Dich sicher noch erinnern, wie begeistert ich von der Methode geschrieben habe, in der Ich musikalisch was über die 5 Elemente zum Ausdruck bringen wollte. Ja – wollte. Immer wieder musste ich feststellen, dass irgendwas so nicht stimmt. Ja, und auch ich habe eingekauft – eine sündhaft teure semiprofessionelle Videokamera. Doch die zaubert die Wahrheit auch nicht von alleine in den „Kasten“. Und – auch mir gehen die Oberlehrer schön langsam auf den Senkel. Nein, so muss ich nicht sein.

    So werde ich meine Kamera nutzen, um meine Musik, meine Schnitzereien, meine Abenteuer … ins Netz zu stellen. Ungeschminkt – so wie ich halt bin. Mit allen Fehlern.

    Du gibst mir ein wunderbares Beispiel wie befreiend es ist, an einem Weg teilhaben zu dürfen. Einem echten ehrlichen Weg. Mit Höhen und Tiefen. In dem auch eine Umkehr stattfindet.

    Ich kann Dir nicht sagen wie endlos dankbar ich Dir dafür bin.

    Ich wünsch Dir, dass Du weiterhin so offen und leidenschaftlich bleibst. Und uns wünsche ich, dass Du weiterhin darüber berichtest.

    Ich drücke Dich ganz doll,

    Martin

    • Lieber Martin,
      wow, deine Worte zu lesen – da hab ich eine Gänsehaut am ganzen Körper bekommen. Ich glaube, bisher hat noch niemals jemand gesagt, er sei stolz auf mich, weil ich etwas habe sein lassen. Immer nur sehe ich enttäuschte und verständnislose Gesichter um mich herum, vielleicht ist auch mal eines darunter, das versucht, mich verstehen, aber ich sehe doch, dass es nicht ganz gelingt. Dabei ist dieser Weg mit Höhen und Tiefen und auch einer Umkehr (wie du so schön schreibst) völlig normal! Und wir tun ständig so, als sei jedes Abweichen von einem „Vorwärts“ irgendwie verkehrt. Danke dir, Martin, von ganzem Herzen, für deine Worte. Sie sind genau das, was ich gerade brauche.
      Ich drücke dich auch ganz doll!
      Anna

  4. Liebe Anna,

    vielleicht wirst Du es mir nicht glauben. Aber ich habe schon auf diesen Eintrag von Dir gewartet. Einen Weg zu gehen (oder zu segeln), den Du vorher noch nie gegangen bist, ohne Landkarte, ohne Kompass erfordert Mut und vor allem Vertrauen. Vertrauen in die innere Führung und immer wieder in dich selbst.

    Die eigene Verlässlichkeit ist für mich die Voraussetzung für das Vertrauen in mich selbst. Es geht darum, sich selbst etwas vorzunehmen und es dann auch wirklich durchzuhalten. Wenn ich mich an das, was ich mir vornehme, halte, wenn ich also mir selbst gegenüber verbindlich bin, entsteht schrittweise Vertrauen.

    Für den einen oder mag das selbstverständlich klingen, für den anderen ist es das ganz und gar nicht. Da werden fast regelmäßig eigene Vorhaben verschoben, landen Herzensprojekte so kurz vor dem Ziel auf der „Halde“. Was bewirke ich damit in mir? Welche Auswirkung hat das auf mein Vertrauen in meine innere Führung. Wie denke ich am Ende meines Lebens darüber, den Weg nicht fortgesetzt zu haben? Solange, bis das Herz wieder die Führung übernommen hat und die Angst vor dem Unbekannten überwiegt.

    Falls dein inneres Feuer für dein Buch gänzlich erloschen ist, dann mache den Schnitt und lasse los. Aber wenn Du in deinem tiefsten Innern noch magisch angezogen wirst und Du bei dem Gedanken an DEIN Buch noch Schmetterlinge im Bauch hast. Dann, liebe Anna, wünsche ich Dir die Kraft, wieder aufzustehen und den Weg unbeirrt fortzusetzen. Du bist nicht allein und wenn Du den Weg deines Herzens weiter gehst, kommt plötzlich der Zufall und schenkt dir ein neues Segel. Dann kommt plötzlich ein Punkt, an dem alles leicht und einfach wird. Vielleicht kommt der Punkt auch nie, an dem alles leicht und einfach wird, aber das sind dann die Wege auf die man am Ende mit größter Zufriedenheit und voller Demut zurückblickt.

    Siehst Du in dir deinen Stern noch ganz deutlich? Wenn nicht, dann nimm dir die Zeit ihn zu suchen. Mach dein Boot für eine Weile fest und ruh dich aus. Genieße die Rast, repariere das Boot und poliere deine Instrumente, dein Stern wartet auf dich: Lieben, Lernen, Leben und ein Vermächtnis hinterlassen.

    Herzliche Grüße
    Michael

    • Hallo Michael,
      ich glaube, ich habe gelernt, dass ich Vertrauen in mich gar nicht benötige (das habe ich so lange geglaubt), sondern dass Vertrauen in das Leben vollkommen ausreicht. Und das führt mich. Sanft und beharrlich. Es führt mich deutlich an diesem Buchprojekt vorbei und vielleicht auf ein anderes zu. Ganz deutlich führt es mich aber gerade zu einem anderen Herzenswunsch, der so plötzlich in Erfüllung gegangen ist, dass ich es immer noch nicht glauben kann. Wenn ich daran denke, sehe ich den Stern mehr als nur deutlich. Ich sehe ihn nicht nur über mir strahlen, sondern sein Licht meinen ganzen Körper durchfluten. Weil alles Sinn macht. In meinem nächsten Beitrag werde ich darüber schreiben. Für mich ist das gerade etwas, das alles andere in den Schatten stellt. Und das zeigt, dass das mein Weg ist und das Buch alles andere als ein „Herzensprojekt“ war. Es ist gerade also alles sehr einfach. 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

    • Ja Michael,

      ich sehe schon, Du bist ein Anhänger der „alten Schule“. Doch dies führt vielleicht in den Erfolg, mit Sicherheit nicht in die Erfüllung.

      Schauen wir uns doch mal Anna ganz genau an. Sie hatte den Impuls ein Buch zu schreiben. Dem ist sie gefolgt. Hat ihr Werk soweit vollendet wie ihr es sinnvoll erschien. Als die Erkenntnis in ihr gefestigt war, das dieser Weg nicht ihr Weg ist, und sie nicht in die von ihr als wesentlich erachtete Richtung führt – zur Liebe – stieg sie aus und kehrte um.
      So macht es ein vernünftiger Wanderer auch.
      Doch heute mit unserem „Ziele setzen und erreichen“ Wahn, erlauben wir uns keine Umkehr mehr. Die Bergwacht kann ein Lied davon singen.
      Ich ziehe vor Jeder und Jedem den Hut, der den Mut hat umzukehren. Und noch mehr Mut beweist Anna, dass sie so offen über ihren Weg berichtet.
      Anna hat auf ihrer Landkarte des Lebens einen weiteren Weg eingezeichnet. Sie weiß nun wohin er führt, wie er sich anfühlt, was sie an ihm mag, und was eben nicht.

      Wir müssen nicht unsere kostbare Lebenszeit verschwenden auf Wegen die wir nicht wollen, und von denen wir längst schon erkannt haben, dass sie nicht an unser Ziel führen. Nur um uns selbst einen „Erfolg“ vor zu gaukeln. Der wahre Erfolg heißt Erkenntnis.

      Alles Liebe,

      Martin

  5. WOW! DANKE! Großes MuTigerchen! 🙂
    Du sprichst mir aus der Seele.
    So geht es mir in letzter Zeit auch immer wieder, ich zitiere:
    „Ich bekam den Rat, das doch einfach mal „durchzuziehen“, damit ich „mal was fertig habe“. Ich sah es ein, auch mir war wirklich danach „mal was vorweisen zu können“. [Ich habe bemerkt], dass ich immer und immer wieder in diese Falle tappe, dass ich immer und immer wieder glaube, es sei wichtig, „etwas in der Hand zu haben“ und etwas durchzuziehen. […] Alles – aber auch wirklich alles in mir wehrt sich dagegen, daran weiter [festzuhalten]. Ich sagte mir, ich bräuchte nur eine kleine Pause, dass gerade eben Wichtigeres anstünde und vieles mehr.“
    Ich bin schon gespannt auf den nächsten Artikel, den ich gleich nach einem Moment des hinspürenden, reflektierenden Innehaltens lesen werde.

    • Lieber Josh!
      MuTigerchen – ist das ein süßes Wort! 😀 Danke dir für deine Unterstützung!!!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  6. Hallo Anna,
    ein interessanter Artikel, und ja: Wenn man seiner inneren Stimme folgt und sich nicht von außen steuern läßt, kann durchaus Zufriedenheit aufkommen.

    Aber manchmal klingt es an, als ob man am besten seinen eigenen Bedürfnissen folgt und alles wird gut oder ist gut. Das ist aber meist nicht so, denke ich, denn wir sind immer in Interaktion mit anderen und wir sollten auch immer deren Bedürfnisse achten, auch wenn es manchmal nicht die eigenen sind.

    Ziemlich kompliziert wird der Gedanke auch, wenn sich ein Paar trennt, weil einer einen anderen Partner kennengelernt hat. Denn um meinem „Bauch“ zu folgen, also glücklich mit jemand anderem zu sein, muß ich einen anderen unglücklich machen (und ja, ich stehe gerade an dieser Schwelle und tue mich sehr schwer damit, einen Weg zu finden, eben weil ich die Bedürfnisse des anderen angemessen berücksichtigen möchte).

    Vielleicht bin ich auch nur zu empathisch? Und vielleicht sollte ich mich weniger um die anderen kümmern? Ich weiß es nicht …

    Deine Artikel enthalten Dinge, die mich zum nachdenken anregen und mich sicher auch Erkenntnisse gewinnen lassen. Ich bin froh, Dich hier gefunden zu haben.

    Liebe Grüße
    Mic

    • Hallo Mic,
      ja, ich möchte es ganz radikal so formulieren: Wenn man seinen eigenen Bedürfnissen folgt, wird alles gut. Es ist tatsächlich so einfach. Der Trick dabei ist nur, dass es die WAHREN Bedürfnisse sein müssen – und die von jenen zu unterscheiden, die uns als wahr „verkauft“ werden, ist nicht so einfach. Ich bin auch super-empathisch, aber wenn ich spüre, dass da keinerlei Gefühle mehr für meinen Partner da sind, dann ist es völlig klar, was zu tun ist. Nur wegen ihm zusammenzubleiben, wäre ihm gegenüber unfassbar unfair, denn es wäre nichts weiter als ein Rollenspiel. Dann lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Für dich wäre es jetzt also wichtig zu schauen, was genau du brauchst, von wem du es bekommen kannst und ob du das tatsächlich auch wirklich brauchst oder ob es hier nur um Bestätigung, Ansehen, etc. geht. Da ist es super wichtig, brutal ehrlich mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Also noch einmal: Dem anderen ist nicht geholfen, wenn ich meine Bedürfnisse für ihn zurückstecke. Ganz im Gegenteil: Über kurz oder lang wird er es bemerken und es wird ihn leiden lassen. Und das finde ich ehrlich gesagt moralisch viel verwerflicher, als klar Tisch zu machen.
      Ganz liebe Grüße
      Anna

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.