Warum du aufhören solltest, zu kämpfen

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Überall hören und lesen wir, wir sollen für unsere Träume kämpfen. Wir  müssen um jeden Preis dranbleiben, unbedingt durchhalten. Für unseren Partner sollten wir kämpfen, für unseren Arbeitsplatz, für ein gutes Leben sowieso, und allen voran für die Freiheit. Warum? Weil man natürlich im Leben nichts geschenkt bekommt! Weil man sich alles hart erarbeiten muss, denn nur, wer hart arbeitet und ständig im Stress ist, der „hat es mal gut“.

Kampf, Stress, Kampf, Stress, Kampf,…

Stress ist geradezu zu einem Statussymbol geworden (wie Markus Cerenak hier so wunderbar darstellt). Wenn du Stress hast und das überall erzählst, dann hast du es echt geschafft. Je mehr das Leben sich wie ein Kampf anfühlt, desto besser, denn Kämpfen ist gesellschaftlich sehr hoch angesehen. Das wird schon in unserer Sprache deutlich:  „Der hat sich hochgekämpft“, „Sie hat bis zuletzt dafür gekämpft“, „Du musst um deine Liebe kämpfen“ – ganz beliebt auch: „Der Kampf gegen den Krebs“, „Der Kampf gegen die Armut“ und mein absoluter Liebling: „Der Kampf für den Frieden“.

Natürlich würde auch ich um mein Leben kämpfen, wenn es in Gefahr wäre, und vielmals macht es auch Sinn, um seine Liebe oder seinen Arbeitsplatz zu kämpfen. Aber oft genug eben auch nicht. Denn Kämpfen bedeutet für mich, einzugestehen, dass ich etwas nicht habe und es mit aller Macht bekommen will. Und oft genug funktioniert es einfach nicht, wenn wir etwas mit aller Macht probieren. Bei dem Ausdruck „Kampf für den Frieden“ wird den meisten deutlich, wie bescheuert und widersprüchlich das Kämpfen manchmal ist.

Schauen wir uns das mal genauer an. Was passiert, wenn wir etwas unbedingt haben wollen? Wir sind fokussiert auf ein bestimmtes Ergebnis. Das an sich ist noch wunderbar, aber ist dir schonmal aufgefallen, dass das für viele bedeutet, „über Leichen zu gehen“? Was bedeutet „ich würde alles dafür tun“ eigentlich? Wirklich alles? Bei den meisten natürlich nicht, aber es gibt eben auch genug Menschen, die vor nichts haltmachen, weil sie gelernt haben, zu kämpfen. Sie sind durch Scheuklappen nicht mehr von ihrem Vorhaben abzubringen, doch das bedeutet leider auch, dass sie Möglichkeiten, die sie sonst aus dem Augenwinkel hätten wahrnehmen können, vollkommen außer acht lassen.

Zu kämpfen bedeutet oft, sich auf etwas zu fixieren

Wenn wir auf etwas fixiert sind, kennen wir keine anderen Ergebnisse, wir hinterfragen nicht mehr, ob das, was wir wollen, wirklich noch gut und richtig für uns selbst und für andere ist. Wir sind zu Maschinen geworden, die „ausführen“. In der Menschheitsgeschichte gibt es mehr als genug Beispiele dafür, wohin uns das führen kann, und auch die Literatur, sowie sämtliche Filme warnen uns davor, was geschehen kann, wenn wir zu sehr fixiert sind. In Filmen wird das oft beinahe ins Lächerliche gezogen. Der Bösewicht macht nunmal Böses, weil er eben böse ist. Was uns in der Geschichte als flach erscheint, ist jedoch ziemlich alltäglich. Nicht in dem Ausmaß, dass jemand die Weltherrschaft an sich reißen will (obwohl es auch das geben soll), sondern dass jemand sich irgendwann einmal ein Ziel gesetzt hat und jetzt blind dafür kämpft – ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Rücksicht auf sich selbst oder auf andere. Die Fixierung auf das Ziel ist so stark geworden, das Kämpfen zu so einer festen Gewohnheit, dass nichts mehr in Frage gestellt wird.

Und genau darum solltest du mit dem Kämpfen aufhören. Es klingt zunächst ungewohnt, wenn ich dir rate, dich nicht gegen Widerstände zu wehren. Damit meine ich nicht, dass du ein wehrloses Opfer werden sollst, sondern dass dein Verstand biegsam und flexibel wird – wie ein Vogel, der sich vom Wind tragen lässt. Er nutzt die Thermik, um sich in den Himmel zu schrauben und fliegt nicht gegen den Sturm an. Ich meine damit auch nicht, dass du aufgeben sollst, dass es sich nicht mehr lohnt, deine Träume zu verfolgen, sondern dass manchmal ein Blick nach links oder rechts wahre Wunder bewirken kann.

Warum es sich lohnt, das Kämpfen auch mal sein zu lassen

Erst neulich wollte ich ein bestimmtes Konzept erstellen. Ich machte Stunden daran rum, befolgte To-Do-Listen und zerbrach mir den Kopf, wie es wohl aussehen könnte. Nach mehreren Stunden war ich so produktiv wie ein Faultier beim Wettrennen. Erst war ich sehr verärgert, doch dann atmete ich tief durch, schloss den Laptop und ging zum Sport. Am nächsten Tag hatte ich, während ich die Spülmaschine einräumte, eine Idee. Sofort ließ ich alles stehen und liegen, machte den Computer an und begann zu schreiben. Nach nur 10 Minuten hatte ich das vollständig ausgearbeitete Konzept vor mir.

Sicher kennst auch du solche Beispiele. Hätte ich weiter gekämpft und mich dazu gezwungen, am Tag zuvor am Konzept weiterzumachen, hätte ich nach vielen Stunden womöglich tatsächlich etwas hingekriegt, aber die Qualität wäre vermutlich so miserabel gewesen, dass ich es ohnehin noch einmal hätte überarbeiten müssen. Was ich getan habe, war also, mich von meinem inneren Kampf zu lösen und einfach zu vertrauen. Nicht immer werde ich schon am nächsten Tag belohnt, aber bisher bin ich damit hervorragend gefahren.

In unserer starren Arbeitswelt haben wir leider nicht immer die Möglichkeit, Dinge einfach liegenzulassen, das ist mir durchaus bewusst. Oftmals ist man gezwungen, zu kämpfen. Aber wenn es darum geht, deinen Leidenschaften zu folgen, solltest du jegliches Kämpfen aufgeben. Ich habe lange gebraucht, um zu lernen, dass wir dann die effektivsten Ergebnisse und die schönesten Momente erleben, wenn wir unserer Intuition folgen. Die ist nämlich verdammt clever und weiß genau, wann was zu tun ist und wann wir etwas lieber lassen oder vertagen sollten. Und sie weiß auch, wann es sich sogar mal lohnt, für etwas zu kämpfen.

Eigentlich ist es sehr einfach, seinen Leidenschaften zu folgen. Du tust nur das, was du gut findest. Das muss nicht unbedingt heißen, dass du nur das tust, was dir gerade Spaß macht. Wenn deine Leidenschaft das Laufen ist und du für einen Marathon trainierst, wirst du sicher nicht immer Spaß daran haben, aber deine Intuition sagt dir vielleicht trotzdem, dass es sich lohnt, dranzubleiben. Dann fühlt sich das vielleicht an wie ein Kampf, aber du weißt, dass du belohnt werden wirst. Das ist dann  kein echter Kampf, kein fixierter Kampf.

Sei offen für das Leben

Es ist unglaublich wichtig, dass du flexibel bleibst. Wenn du eines Morgens aufwachst und feststellst, dass sich die Strapazen nicht lohnen und das Marathonlaufen dich wahrscheinlich nicht glücklich machen wird – dann lass es. Dann musst du nicht weiter kämpfen! Vielleicht spürt dein Körper bereits, dass sich ein gesundheitliches Problem anbahnt, oder dass es momentan einfach Dinge gibt, die wichtiger sind als der Marathon. Hör dir selbst gut zu. Will ich wirklich nicht mehr weitermachen? Ist das nur ein Tief, das vorübergehen wird? Sollte ich eine Pause machen? Sollte ich trotzdem weiter trainieren?

Befreie dich von den Erwartungen der anderen. Niemand zwingt dich, für deine Leidenschaften zu kämpfen. Deine Leidenschaften sollten etwas Besonderes für dich sein, etwas, an dem du Freude hast. Sobald du dich zu etwas zwingst, verlierst du die Freude oftmals. Es könnte dann sogar sein, dass du deine Leidenschaften dadurch gänzlich verlierst und wieder in einen Zustand zurückkehrst, in dem du nicht mehr weißt, was in deinem Leben fehlt.

Manchmal kann es auch sein, dass du von deinem ursprünglichen Ziel abkommst, sich aber gerade dadurch etwas wunderbares Neues ergibt. Vielleicht stellst du dann auch fest, dass das Ziel, das du dir zuvor gesetzt hast, gar nicht dein eigenes war und du lediglich den Erwartungen an dich entsprechen wolltest. Unser ganzes Leben besteht, wenn man so darüber nachdenkt, aus seltsamen Zufällen und Windungen, die wir oft übersehen hätten, wenn wir starr geradeaus geschaut hätten. Wir sind also sehr oft schon flexibel. Es gibt so viele wunderbare Dinge, die einem auf dem Weg begegnen.

Natürlich kannst du dir Ziele setzen und auf sie hinarbeiten. Aber höre auf, verbissen um etwas zu kämpfen. Sei stattdessen offen dafür, deine Mission vielleicht auch abzubrechen oder sie zu verändern. Sei offen für das Leben. Denn genau dann wirst du feststellen, dass du ziemlich viel geschenkt bekommst, dass schon sehr viel hier und jetzt in deinem Leben ist, das wunderbar ist, dass stressig und wichtig zu sein nicht alles ist und dass du auch vollkommen ohne Kampf und harte Arbeit Schritt für Schritt auf deiner Reise in ein unbekanntes Land vorankommst.

Was hältst du vom Kämpfen? Bist du auch der Meinung, dass man es einfach mal sein lassen solltest oder kämpfst du für das Kämpfen? 😉

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5 Kommentare

  1. schöner Artikel!
    Ich habe mich früher auch an vielen Dingen aufgerieben, weil ich zu verbissen dafür gekämpft habe. Heute versuche ich es entspannter anzugehen und meistens ist das auch die bessere Methode. Weiter so 🙂

    • Liebe Rebecca, oh ja… Vom verbissenen Kämpfen kann ich ein Lied singen! Entspannt ist meist tatsächlich die wirkungsvollere Methode, auch wenn uns viele Leute etwas anders weismachen wollen. 😉

  2. Einmal hat jemand in meiner Gegenwart so formuliert: „Wer kämpft, verliert“, und ich denke, er hat recht. Kampf setzt normalerweise das Bild einer Welt der Dualität voraus – da sind schon einmal zwei, der andere und ich… Das verhindert zu sehen, daß es Gemeinsamkeiten, daß es Einheit gibt.

    Ich war einmal bei einer Aikido-Demonstration zugegen. Der Meister, ein nicht ganz so großer oder jedenfalls gewiß nicht fülliger Mann, hielt einen doch äußerlich eher kräftig wirkender Schüler mit einem einzigen Finger am Boden, während er sich mit dem Publikum unterhielt bzw. Erläuterungen gab. Als ich dann später zu dem Schüler ging und ihn fragte, wie sein Meister das getan habe, erwiderte er mir (wenn ich mich recht entsinne, hoffentlich sinngemäß genug): Er habe sich leer gemacht – und gegen „Nichts“ könne man nicht kämpfen.

    Ich denke, der Gedanke des Kämpfens ist von der Frage der Disziplin zu unterscheiden, die man – aber immer auch der Intuition folgend, was jeweils richtig ist – schon braucht. Idealerweise nicht als Konzept, sondern als gleichsam natürlicher Ausfluß bzw. natürliche Manifestieren dessen, was gerade geschehen „soll“.

    Ich lese übrigens Dein Blog schon seit einigen Monaten zur Motivation – sehr ermutigend, und ich bewundere, wie Du doch schon eher früh im Leben immer wieder so guten Rat geben kannst.

    Vielen Dank für Deine Beiträge. Ich mag mitunter eine andere Wortwahl als Deinen Begriff der „Leidenschaften“ haben, es ist aber sehr gut, daß Du andernorts im Blog geklärt hast, was Du damit eigentlich meinst.

    Da ich übrigens zuvor noch in einem weiteren Beitrag gelesen hatte, daß Du die kanarischen Inseln magst – ich wollte mich nur nicht in die Diskussion mit einem Kommentierenden einmischen, in der Du das erwähnt hattest – sende ich Dir gerade zudem noch einfach einmal herzliche Grüße Teneriffa.)

    • Hallo A.M.! 🙂
      Vielen Dank dir für deinen Kommentar! Das mit der Aikido-Demonstration ist wirklich ein wundervolles und anschauliches Beispiel, das mich wirklich zum Nachdenken angeregt hat. Stimmt, Disziplin braucht man schon. Aber ich mag das Wort nicht gerne, das hat für mich etwas mit strenger Kindererziehung zu tun. Ich nenne es lieber Beharrlichkeit oder Dranbleiben. Und ja, dabei kann man seiner Intuition folgen.
      Ich freue mich sehr darüber, dass du meinen Blog regelmäßig liest und er dir gut gefällt.
      Ahhh, Teneriffa ist ein Traum! Schick der Insel meine schönsten Grüße und sage ihr, dass ich wiederkommen werde! 🙂
      Alles Liebe
      Anna

  3. Hallo Anna,

    vielen Dank für Deine Antwort!

    Ich verstehe, warum Du den Begriff „Disziplin“ dann nicht so magst. Unabhängig (?) von der Frage, ob es immer gelungen ist… Wenn ich mir selbst „Disziplin“ gesagt habe, ist da dann vermutlich immer auch Selbstermahnung dabei gewesen, die ich mir sozusagen „selbst“ aufzuoktroyieren versucht habe. Wenn Du das mit „Beharrlichkeit“ oder „Dranbleiben“ machst, bist Du sicher ganz gut „intrinsisch“ motiviert – und das ist recht optimal, glaube ich.

    Die Grüße an Teneriffa habe ich gerade im Geiste auszurichten versucht – ich war auch schon wieder fortgefahren.

    Herzliche Grüße
    A.

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