Warum du keine Berufung brauchst

2015-11-04 14.00.30-1

Ich habe es lange hinausgezögert, es dir zu offenbaren, aber nun fühle ich, dass kein Weg mehr daran vorbeiführt. Ich muss dir etwas gestehen: Ich habe einen Job. Und das schon seit September. Und es kommt sogar noch schlimmer: Es ist eine Festanstellung, so ein richtiger Bürojob mit Schreibtisch, Schreibtischstuhl, Schreibtischunterlage und – Hilfe! – Kollegen. Anfangs hatte ich Panik: Heißt das jetzt, dass ich so unglücklich werde wie viele andere Bürojobber? Ohne Berufung macht das Leben doch keinen Spaß, oder? Ich ließ mich auf den Job ein… Und wurde überrascht! 🙂

Wenn man seinen Job nicht heiß und innig liebt, verschwendet man sein Leben, oder?

Dieser Ansicht war ich lange Zeit. Nachdem ich mein Studium beendet hatte, wollte es bei mir mit dem Job nicht wirklich klappen. Um ehrlich zu sein, war ich mit allem komplett überfordert: mit mir selbst (denn ich konnte mich gar nicht leiden), mit der Welt (ich konnte die Welt auch nicht recht leiden) und mit der Jobsuche (die ich am wenigsten leiden konnte). Das war eine Zeit, in der ich völlig irrationale Ängste in so ziemlich jedem Bereich meines Lebens entwickelte. Teilweise hatte ich über Tage andauernde Panikattacken und heftiges Herzrasen.

Du siehst also, das Thema Job und ich hatten keinen guten Start. Wir beide versöhnten uns ein wenig, als ich einen Minijob fand, der mir ganz gut gefiel, aber da ich mit einer wahnsinnigen Leidenschaft an meinem Roman geschrieben hatte, war ich mir sicher: Das ist mein Weg! Das Schreiben! Ich las sehr viel zu dem Thema Berufung. Gerade online gibt es ja sehr viele, die der Meinung sind, dass nur ein Leben, das zu nahezu 100% deinen Vorstellungen entspricht, ein lebenswertes ist. Ich glaubte diesen Aussagen, schließlich waren die fruchtlosen Bewerbungen ein Zeichen dafür, dass es einfach nicht passte.

Nachdem ich den Roman beendet hatte, vertiefte ich mich in das Thema Bloggen. Auch davon ließ sich leben, hieß es von überall her. Das klang für mich super. Wenn mich schon keiner nehmen wollte und es von überall her Absagen hagelte, sollte es so sein. Ich war geboren für die Selbstständigkeit, wo mir kein Chef sagen würde, was zu tun und zu lassen ist und wo ich frei meinen Leidenschaften folgen und mit ihnen Geld verdienen konnte. Alle „normalen“ Jobs waren für mich langweilig und ich wollte nichts mehr mit ihnen zu tun haben.

Doch dann kam das Leben dazwischen. Und das war gut so.

Es war wirklich ein verrückter Zufall, der dazu führte, dass ich zu meinem aktuellen Job kam. Hier kann man das Gesetz der Anziehung anbringen. Was es letztendlich war, weiß ich nicht und es ist auch egal. Jedenfalls durfte ich wieder einmal lernen, dass es besser ist, keine großen Pläne zu machen, weil das Leben ganz andere – vielleicht viel schönere –  bereithält.

Ich arbeite nun bei der lokalen Zeitung in der Korrekturabteilung. Passt nicht unbedingt zu meinem Pädagogik-Studium, aber zu meiner Begeisterung für Worte, Texte und Lesen. Es ist ein Teilzeitjob und ich beginne erst nachmittags. Die Kollegen sind allesamt toll, keiner schaut mir über die Schulter, ich habe keinerlei Stress und Druck. Die Arbeit fällt mir leicht, es gibt immer etwas zu lachen und man erfährt als Erstes, was in der Gegend los ist. Daheim kann ich ausschlafen und in aller Ruhe meine morgendliche Yoga- und Meditationseinheit machen, mich um den Blog kümmern. An manchen Tagen reicht es mir für einen Spaziergang. Abends bin ich noch topfit, schwinge den Kochlöffel, mache ein wenig Hausarbeit und gönne mir eine Folge meiner Lieblingsserie.

Kurzum: Es ist wohl der perfekte Job. Nun ist Korrekturlesen nicht gerade das, was ich als meine Berufung, meine Leidenschaft bezeichnen würde. Anfangs dachte ich: „Hey, cooler Job. So hast du endlich das Geld und die Zeit, um selbstständig voll durchzustarten. Dann kündigst du und kannst endlich deine Berufung leben!“ Also gab ich so viel Gas, dass es mir schlecht ging. Und genau dann lernte ich eine wichtige Lektion:

Ich kann auch glücklich sein, ohne meine Berufung zu leben.

Als ich davon abließ, mit etwas anderem als meinem aktuellen Job Geld verdienen zu wollen, wurde ich vermutlich einer der glücklichsten Menschen auf dem Planeten. Ich hatte eine unglaubliche Freude daran, meine freie Zeit zu genießen. Meine Blogbeiträge gingen mir leichter von der Hand, die Ideen sprudelten nur so in mir hoch, ich las unglaublich viel, probierte neue Rezepte, ging an neuen Orten spazieren, traf neue Menschen,…

Und wenn man jeden einzelnen Moment so sehr genießt, wenn man ihn richtig auskostet, dann wird einem plötzlich klar, dass es nichts zu erreichen gibt. Dass man schon längst da ist, wo man immer hinwollte. Ja, die anderen mögen mich vielleicht als erfolglos betrachten, aber mir war plötzlich sowas von egal, was sie von mir dachten! Man muss für das Glück nicht ans andere Ende der Welt reisen, man muss seinen „Traumpartner“ nicht kennenlernen und auch nicht die Karriereleiter erklommen haben. Man braucht einfach nur sich selbst und eine ordentliche Portion Klarheit, die wir jedoch erst erreichen, wenn wir damit aufhören, ständig zu wollen, zu wünschen und zu begehren.

Wir wollen das, was wir nicht haben

Das mit dem Wollen ist echt tückisch. Irgendwie wollen wir ja ständig irgendwas. Wir haben unglaublich oft Wünsche. Wünsche sind etwas Tolles, haben wir gelernt. Aber nicht, wenn sie dein Leben bestimmen. Nicht, wenn du dich nicht einmal richtig darüber freuen kannst, wenn sich ein Wunsch erfüllt hat. Dann geht es nämlich direkt weiter mit dem nächsten. Und wir bekommen nie genug. Wollen immer mehr.

Vielleicht ist das die Natur des Menschen. Aber diese Natur macht uns verdammt unglücklich, oder? Wir fallen immer wieder darauf herein, dass mehr zu wollen, mehr zu wünschen, und mehr zu haben, glücklich macht. Das mag auch kurzfristig der Fall sein, aber auf lange Sicht saugt es uns regelrecht aus.

Als ich damit aufgehört hatte, einen anderen Job zu wollen, begann ich, meinen jetzigen Job zu lieben. Er ermöglicht mir so vieles! Ich bin so dankbar für das Geld, das ich jeden Monat bekomme! Ich bin so dankbar für das Leben, das ich führen kann!

Nun kann es sein, dass ich tatsächlich Glück mit meinem Job habe und dass deiner wirklich schrecklich ist. Das sagte eine gute Freundin von mir auch lange Zeit. Und sie hat den sinnlosesten Job, den du dir vorstellen kannst. Sie litt sehr unter dieser Art von Arbeit, wehrte sich dagegen. Seit sie sie jedoch angenommen hat und sich nun nicht mehr mit ihrem Job identifiziert, geht es ihr besser. Sie geht immer noch nicht „gerne“ hin, aber sie ist auch nicht mehr so unglücklich wie zu Beginn. Ihr Denken dreht sich jetzt nicht mehr ständig um den „schrecklichen Job“. Und ich bin mir sicher, dass es dieser Sichtweise bedarf, um das Neue in das Leben einzuladen. Und um zufriedener zu werden.

Wieso möchtest du unbedingt deine Berufung leben?

Versteh mich nicht falsch, ich finde es wundervoll, wenn jemand seine Berufung lebt. Solche Menschen faszinieren mich ungemein. Und vielleicht kann auch ich eines Tages mit dem Geld verdienen, was mich wirklich von Herzen begeistert. Ich glaube nicht, dass ich noch zehn Jahre lang den Job machen werde, den ich jetzt mache. Dafür kenne ich das Leben inzwischen zu gut. Es wird weitere Überraschungen für mich bereithalten.

Doch ich bin inzwischen der Meinung, dass man seine Seelenziele auch erreichen kann, ohne seine „Berufung“ zu leben. Man kann durchaus einen Job haben, der „okay“ ist, um Liebe, Mitgefühl und Bewusstheit zu praktizieren. Ja, man kann das sogar sehr gut im Job machen!

Wenn du eine Person bist, die unbedingt den Job wechseln will, um die eigene Berufung zu leben, stelle dir die Frage: „Wieso möchte ich meine Berufung leben?“ Welches innere Bedürfnis möchtest du dadurch füllen? Je öfter ich mich das fragte, desto mehr verstand ich, dass ich es anderen recht machen und es ihnen „zeigen“ wollte. Ich glaubte, das hinter mir gelassen zu haben, doch dem war nicht so. Ja, ich liebe das Schreiben, aber ich habe sehr viel Zeit, um es außerhalb meines Jobs zu machen. Vielleicht hast du die Zeit nicht – eine Lösung wäre hier vielleicht eine Teilzeit-Stelle und das Einschränken der eigenen Ausgaben.

Meine Leidenschaften kommen aus dem Herzen

… und diese Bedürfnisse des Herzens kann ich erfüllen. Ich muss hingegen nicht die Bedürfnisse meines Verstandes erfüllen, der sich über andere stellen und „wichtig“ sein will. In dem Moment, in dem ich das als unnötig enttarne, vergeht das Bedürfnis sofort. Weil ich weiß, dass ich mir Liebe und Anerkennung selbst geben kann und nicht darauf warten muss, sie von außen zu erhalten.

Und wenn ich jetzt schreibe, dann schreibe ich nicht aus der Motivation heraus, damit Geld zu verdienen (was an sich nicht verwerflich ist, es kann ein schöner Nebeneffekt sein!), sondern ich schreibe, weil ich es liebe. Weil es mir Freude macht, Worte zu formen und mir vorzustellen, wie andere von ihnen inspiriert werden könnten.

Genau aus demselben Grund singe ich unter der Dusche. Weil mein Herz singt und die Töne aus mir heraus wollen. Sie sind ein Zeichen meiner Freude am Leben. Und diese Freude kannst du in jede Tätigkeit stecken – auch in deinen aktuellen Job.

Würze jede deiner Tätigkeiten mit Freude

Ich weiß, es mag hoffnungslos erscheinen, deine Arbeit mit Freude zu würzen, wenn du momentan alles an ihr verabscheust. Aber ich wette mit dir, das sich selbst in der trostlosesten Umgebung etwas finden lässt, was wunderschön ist. Was ist schön an deiner Arbeit? Es kann etwas winzig Kleines sein!

Welche Frage mir auch immer wieder hilft, ist diese: Lohnt es sich deswegen den inneren Frieden zu riskieren? Wenn dich etwas ärgert, dich jemand nervt, stelle dir diese Frage und beantworte sie für dich. Lohnt es sich, in Stress zu geraten? Es ist einiges an Übung nötig, um einen ungeliebten Job in einen zu verwandeln, der „okay“ ist. Aber ich glaube, zumindest das ist möglich.

Ich mache während der Arbeit zum Beispiel kleine Spielchen, durch die ich mich weiterentwickle. So habe ich festgestellt, dass ich Vorurteile gegenüber älteren Leuten vom Land habe. Das klingt echt seltsam, aber irgendwie waren die in meinem Kopf „hinterwäldlerisch“ und rückständig. Also habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, in genau diesen Zeitungsartikeln das Wundervolle zu suchen. So sehe ich nun die Jubiläumsfeier des Gesangvereins Hinterwald nicht mehr als „Zusammenkommen der Hinterwäldler“, sondern als ein wundervolles Beisammensein, auf das die Dorfbewohner sich das ganze Jahr über freuen. Und ich lese diese Artikel nun viel lieber als vorher!

Auf diese Weise gibt es in meinem Leben keine Zeit mehr, die „überbrückt“ werden muss. Ich gehe nicht arbeiten, um dadurch genügend Geld für meine wertvollere Freizeit zu haben. Nein, die Zeit in der Arbeit ist für mich ebenso wertvoll. Ich kann mich hier genauso weiterentwickeln wie in meiner Freizeit. Und vielleicht ist das auch bei dir möglich? Wo gibt es bei dir etwas in deiner Arbeit, bei dem du an deiner Persönlichkeit arbeiten kannst? Gibt es Situationen, in denen du lernen kannst, gelassener zu reagieren? Gibt es Menschen, auf die du freundlicher zugehen kannst? Was kannst du in deinem jetzigen Job verändern?

Das bedeutet nicht, dass du für immer und ewig in deinem Job verbleiben musst. Das Leben ist ein Spielfeld und dazu kann es auch gehören, zu kündigen. Doch wenn du dafür nicht bereit bist, wenn du keine Alternative siehst, kannst du auch ebenso gut alles so hinnehmen, wie es gerade ist. Daran ist nichts Verwerfliches. Denn genau dann, wenn du es hinkriegst, selbst für die widrigsten Umstände in deinem Leben dankbar zu sein, kommt das Leben und bringt eine Überraschung mit. Bei mir war es zumindest bisher so.

Aber auch wenn es dir ausreicht, einen Job zu haben, der „okay“ ist, ist das vollkommen in Ordnung! Du kannst dich auch ohne den perfekten Job und ohne deine Berufung zu leben, weiterentwickeln und wachsen. Die wichtigsten Veränderungen geschehen sowieso im Inneren. Und es kann sein, dass von außen niemand bemerkt, wie du eigentlich ein vollkommen anderer Mensch geworden bist. Vielleicht aber kannst du die Menschen um dich herum mit deiner positiven Energie und deiner Gelassenheit anstecken und so in kleinen Schritten nichts Geringeres tun als die Welt zu verändern. 🙂

Wie siehst du die Sache mit der Berufung? Findest du sie notwendig oder lebst du ganz gut ohne sie?

Du hast noch nicht genug? Dann gibt es hier noch mehr zu lesen! 🙂
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14 Kommentare

  1. Liebe Anna, ich habe mir immer einen Job in einem Büro gewünscht: Ich wollte einen Schreibtisch, einen PC, einen Bürostuhl und ein Telefon… ich finde diese Arbeit herrlich… Ich habe auch keine Berufung im Sinne, dass ich mein Können an andere weitergebe. Da habe ich nie was gefunden was Sinn macht… Aber ich gehe meiner Arbeit gerne nach und ich habe mit diesem gern verdienten Geld meinen Freizeitaktivitäten nachgehen können: Wandern, Radfahren, Langlaufen… Ich bin dankbar… und danke für deinen Beitrag. Denn genau darin finde ich mich wieder… Alles Liebe Silvia

    • Hallo liebe Silvia!
      Es ist so schön, dass du das so sehen kannst! Um mich herum gibt es einige Menschen, die zwar im Büro arbeiten, aber das sehr ungerne machen. Auch wenn nicht alle von ihnen das so sagen, merkt man schnell an der Art, wie sie über ihre Arbeit sprechen, dass sie sie ungern machen oder sie als Belastung empfinden. Da ist es einfach wunderbar, Worte wie die deinen zu lesen – von jemandem, der zufrieden ist mit dem, was gerade ist. Danke dir für deinen Kommentar! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  2. Guter Artikel! Und schön, dass du so einen angenehmen Job hast. Berufung muss nicht immer Job sein, finde ich.
    Und ja, ich habe auch lange Zeit nach meiner Berufung gesucht und ihn nicht wirklich gefunden. Für mich waren allerdings Leidenschaft und Berufung immer etwas Getrenntes. Ich hatte Berufung als eine Bestimmung, als etwas Auferlegtes angesehen. Von Gott, von meiner Seele, von was weiss ich … mit einem Gefühl von Wichtigkeit, von Bedeutung. Ich dachte eher, die wahre Leidenschaft würde dann mit der Erfüllung der Berufung kommen.
    Meine ‚Leidenschaften‘, die ich so hatte und habe, waren immer wieder verschiedene, teils kurzlebig, manchmal auch nicht vorhanden. Inzwischen habe ich zwar so Oberthemen gefunden, die viele dieser verschiedenen Interessen verbinden. Aber eigentlich dachte ich nicht wirklich daran, diese Leidenschaften oder eine davon zum Job zu machen. Mit einem Job kommen für gewöhnlich Druck und Bedingungen. Und beide zerstören meiner Meinung nach die Begeisterung (Ich nenne Leidenschaft oder Passion (lat. passus – Leiden, Krankheit) lieber Begeisterung, Enthusiasmus, Hingabe). Es kann gut gehen. Man braucht aber viel Kraft und Selbstvertrauen, nicht die Begeisterung und Zuversicht angesichts der nächsten Mietzahlung zu verlieren.
    Jedenfalls bin ich inzwischen ab von der Suche nach Berufung. Es hat mich einfach nur unzufrieden gemacht und letztlich vom Leben abgehalten. Wenn es so etwas wie Berufung gibt, dann vielleicht nicht für jeden. Und sollte es doch eine geben für mich, dann wird sie mich schon noch erwischen. Einstweilen tue ich das Notwendige, so gut ich es kann (auch Job), und lebe einfach so gut wie möglich in Freude, wie es mir und meinem Wesen entspricht, und folge dabei meiner Begeisterung gemäss Joseph Campbells Worten: „Folge deiner Glückseligkeit und hab keine Angst, und Türen werden sich an Stellen auftun, von denen du nicht wusstest, dass sie dort sein würden“.
    Viel Freude weiterhin im Job und Freizeit.
    Grüsse Marie

    • Hallo liebe Marie,
      vielen Dank dir für deinen Kommentar! Ich finde es schön, wie klar du es siehst, dass Druck und Bedingungen entstehen, sobald man seine Leidenschaften zum Beruf machen will. Mir ging es lange Zeit so, dass ich das nicht konnte. Und ob ich nun ganz darüber hinweg bin, weiß ich auch nicht. 😉 Auch gefällt mir, wie du sagst, dass du das, was du tust, mit Freude machst und da ganz locker bist, was die „Berufung“ angeht. Ich bin mir sicher, dass du mit dieser Einstellung ganz viele wundervolle Dinge in dein Leben einlädst und noch einladen wirst! 🙂 Auch das Zitat finde ich ganz wundervoll und passend. Genau so erlebe ich das Leben. Es öffnen sich Türen, wo man sie nicht erwartet. Ich liebe es, wenn sie das tun!
      Ich wünsche dir noch eine wundervolle Woche!
      Anna

  3. Liebe Anna,

    wieder ein sehr persönlicher Artikel von dir.
    Ich habe schon vor einer Weile darüber geschrieben, dass es unterschiedliche Arten der Arbeit gibt und das nicht für jeden die Berufung der heilige Gral sein muss.
    Wichtig ist immer die Passung zwischen dem, was man möchte und dem, was man tut: http://www.gluecksdetektiv.de/welche-arbeit-macht-mich-gluecklich/

    Und das setzt voraus, dass wir auch wirklich auf unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse achten und nicht übernehmen, was andere für sich gut finden oder als Generallösung verkaufen wollen.

    Und auch einen weiteren sehr richtigen Aspekt hast du angeschrieben: und zwar, dass wir jede Art von Arbeit zufriedenstellender finden, wenn wir lernen uns mit ihr zu identifzieren und das Positive hervorzuheben, dass wir dabei empfinden.

    Auf diese Weise können sogar Fließbandarbeiter eine Herausforderung in ihrer Arbeit sehen und zufrieden zur Arbeit gehen.

    LG, Katharina

    • Hallo liebe Katharina,
      schön, dass auch du dafür sorgst, dass die Berufung nicht der heilige Gral sein muss, wie du es so schön ausdrückst. Ich denke, völlig identifizieren muss man sich mit seiner Arbeit nicht einmal. Man kann sie auch als Übung sehen, Dinge anzunehmen, die man (in dem Moment noch?) nicht verändern kann. Ich kenne jemanden, der am Fließband gearbeitet hat und das als eine Art von Meditation betrachtet hat. Nach einer Weile hatte er den Eindruck, dort genug „gelernt“ zu haben und zog weiter. Jetzt lebt er tatsächlich seine Berufung. Aber er konnte das erst so locker angehen, nachdem er mit sich selbst im Reinen war. Vielleicht ist jeder Job genau zum richtigen Zeitpunkt bei uns. Weil wir dort etwas über uns zu lernen haben. Es ist zumindest ein schöner Gedanke, finde ich. 😉
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  4. Liebe Anna,

    vielen Dank für diesen schönen Artikel zu einem wichtigen Thema!

    Ich weiß nicht, wer diesen Unsinn erfunden hat, dass wir mit unseren Leidenschaften oder unserer Berufung unbedingt Geld verdienen müssen. Ich schließe das nicht kategorisch aus, aber oft sorgt dieses Denken dafür, dass Menschen (Frauen!!!) sich sehr unter Druck setzen und wie die Bekloppten nach ihrer Berufung/ihren Leidenschaften suchen (und sie so natürlich sowieso nicht finden).

    Wie oft bekomme ich Mails von meinen Leserinnen, in denen ein ganz verzweifeltes „ich finde es einfach nicht!“ steht – ich versuche dann jedes Mal, diesen Mythos zu entkräften.

    Man kann seine Berufung auch wunderbar mit einem okay-Job leben. Berufung muss sicherlich nicht immer mit Erwerbsarbeit einhergehen (und wenn doch: wunderbar!).

    Einen Aspekt möchte ich allerdings an Deinem Artikel kritisieren wollen: Ich finde, Du stellst es etwas zu „locker leicht“ dar, wie man sich mit seinem Job „anfreunden“, ihn sich positiv machen soll.

    Das mag mit einem an sich okayen Job, der vielleicht ein bißchen nervig ist, oder langweilig, oder wo ein, zwei Kollegen nicht so nett sind, funktionieren.

    Wir dürfen aber nicht vergessen, dass viele Menschen – auch in Deutschland – wirklich schlechte Arbeitsbedingungen haben. Das kann ein sehr schlechter Lohn sein, der den Menschen das komplette Gefühl der Wertlosigkeit gibt oder, wie in meinem Fall, eine Arbeitsatmosphäre, die Dich seelisch krank macht. Noch ein, zwei Jahre länger in diesem Job und ich wäre seelisch das komplette Wrack gewesen (das ist therapeutisch bestätigt 😉 ). Da helfen einem auch das gute Gehalt und die interessanten Arbeitsinhalte nicht mehr.

    Daher motiviere ich Menschen eher dazu, etwas zu verändern, anstatt sich in Umständen einzurichten und sie positive zu denken, wenn sie ihnen eigentlich nicht gut tun. Die Veränderung muss natürlich einigermaßen durchdacht sein und sollte nicht über’s Knie gebrochen werden, das ist klar.

    Aber ansonsten bin ich wie gesagt völlig bei Dir! Berufung muss überhaupt nichts mir Erwerbsjob zu tun haben 🙂 Beide können friedlich koexistieren.

    Und Dir natürlich ganz herzlichen Glückwunsch zu Deinem Job, der ganz offensichtlich zu Deiner Lebenszufriedenheit beiträgt – denn das ist ja auch seine Hauptaufgabe!

    Alles Liebe
    Suzanne

    • Hallo liebe Suzanne,
      vielen Dank dir für deinen sehr wichtigen Kommentar und auch deine „Kritik“. 😉 Ich habe mir tatsächlich beim Schreiben Gedanken darüber gemacht, wie das bei den Menschen ist, die einen wirklichen „Horrorjob“ haben. Ich habe sogar angefangen, etwas darüber zu schreiben, es aber schließlich aufgegeben, weil ich selbst noch nie in der Situation war. Ich kann deswegen wirklich nicht sagen, ab wann es besser ist, alle Brücken hinter sich zu verbrennen und zu kündigen. Ich kann nur von meiner Freundin berichten, die lange der Meinung war, ihr Job sei ein „Horrorjob“ und sich nun so weit mit diesem arrangiert hat, dass sie zwar nicht superhappy, aber zumindest auch nicht unglücklich damit ist. Und nun, da sie sich nicht mehr von diesem Job „beherrschen“ lässt, öffnen sich plötzlich andere Türchen für sie… Das fand ich außerordentlich erstaunlich.
      Wenn du sagst, dass dein Job dich wirklich krank gemacht hätte, dann war es absolut das Richtige, ihn zu verlassen! Ich möchte Menschen dazu ermutigen, bewusster wahrzunehmen, wie sie sich fühlen und was geschieht. Und ich denke, wenn man sehr bewusst ist, weiß man automatisch was das Richtige ist. Dann weiß man, ob es sich lohnt, in seinem Job noch ein wenig zu bleiben und zu schauen, was man mit einer veränderten Sichtweise bewirken kann oder ob man wirklich gehen muss, weil einfach alles so übel ist, dass man es nicht schafft, eine andere Sichtweise aufrechtzuerhalten. Dass du das so gut unterscheiden konntest und da auf dich selbst gehört hast, finde ich wirklich wundervoll! Das freut mich sehr für dich! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  5. Liebe Anna,

    ich bin schon seit längerem eine Leserin Deines Blogs, mancmal mehr, manchmal weniger begeistert von Deinen Artikeln.
    Heute ist es mir ein Bedürfnis, Dir zu schreiben, dass ich sehr froh, dass Du diesen Artikel veröffentlicht hast.

    Ich finde soooo unendlich viel über Berufung. Ich versuchte meine zu finden und es baute sich Druck auf. Lange war meine Leidenschaft ein Büro-Job. Dann ging plötzlich gar nichts mehr und ich wurde sehr krank.

    Nun habe ich die nötige Zeit für eine Neuorientierung und war auf der Suche. Doch alles, was ich aus meinen Erfahrungen in Betracht zog, verwarf ich auch schnell wieder eben auf Grund meiner Erfahrungen.

    Das gelesene macht mich ganz ruhig und gelassen… Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe, aber manchmal eben auch nicht (Diktat von Außen, aber auch meine eigene Ungeduld). Jetzt werde ich mein Augenmerk auf meine Zufriedenheit legen und bin mir sicher, dass es auch für meine neuen Bedürfnisse ein Weg finden wird.

    Danke für Deine Ehrlichkeit und Offenheit.

    Liebe Grüße Martina

    • Hallo liebe Martina!
      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar zu meinem Artikel! Es freut mich sehr, dass er dich dazu anregen konnte, ruhiger und gelassener zu werden. Ja, manchmal ist man unzufrieden. Das ist normal und auch bei einem Leben der Berufung mit Sicherheit nicht anders. Ich wünsche dir auf deinem Weg hin zu deinen neuen Bedürfnissen alles Liebe, viel Geduld und ganz viel Zufriedenheit! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  6. Liebe Anna,

    herzlichen Glückwunsch zu Deinem Job und vielen Dank für Deine sehr persönlichen Zeilen. Ich finde es wunderbar, wenn man von einem Teilzeitjob leben und daneben auch seine Träume verwirklichen kann.

    Vielleicht ist das Wort Berufung zu hoch angebunden. Für mich ist es wichtig, wenn ich etwas mit Freude tun kann, wenn ich mich einbringen kann und nicht verbiegen muß.
    Natürlich kann ich in jeder Lage auch nach dem Positiven Ausschau halten. Es gibt aber Situationen, wo das zu wenig ist.
    Bei meinem Job hatten sich die Arbeitsbedingungen von Jahr zu Jahr so verschlechtert, dass ich am Ende kaum noch Gestaltungsmöglichkeiten hatte. Ich wurde krank, Körper und Seele rebellierten.
    Für mich war daher die Trennung von meinem Job der richtige Schritt. Ich habe damit viel zu lange gewartet, weil ich Niemanden (Familie, Kinder, Patienten) im Stich lassen wollte. Dabei habe ich mich selbst am meisten im Stich gelassen.
    Jetzt versuche ich mehr das zu leben, wo ich Freude empfinden kann.
    Herzliche Grüße,
    Sabine

    • Hallo liebe Sabine,
      sicherlich war es richtig für dich, deinen Job zu verlassen, wenn deine Arbeitsbedingungen schlecht waren. Manchmal ist genau das ein sehr guter Schritt. Aber ich denke, dass es da draußen viele gibt, die diesen Mut (noch) nicht haben – und für die kann es sehr sinnvoll sein, die Bedingungen, sozusagen als Erste-Hilfe-Maßnahme zu verbessern. Im nächsten Schritt hat man dann vielleicht mehr Energie und Klarheit, um zu kündigen und das zu tun, was besser ist. Auch ich habe mich schon öfter von Jobs oder Dingen verabschiedet, die sich doch nicht so als „meins“ entpuppt haben. Umso erstaunter bin ich nun, dass mir mein „Okay-Job“ von allen den Jobs, die ich bisher gemacht habe, am besten gefällt.
      Es ist sehr schön, dass du nun das leben kannst, was dir Freude bereitet! Dabei wünsche ich dir alles Gute!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  7. Hallo,
    schöner Artikel, interessanter Blog, ich bin während der „langweiligen“ Arbeit drauf gestoßen 🙂

    Dazu fallen mir einige Zitate von Zhuangzi ein:

    „Wenn man die richtigen Schuhe hat, so vergisst man seine Füße; wenn man den richtigen Gürtel hat, vergisst man die Hüften. Wenn man in seiner Erkenntnis alles Für und Wider vergisst, dann hat man das richtige Herz; wenn man in seinem Innern nicht mehr schwankt und sich nicht nach andern richtet, dann hat man die Fähigkeit, richtig mit den Dingen umzugehen. Wenn man erst einmal so weit ist, dass man das Richtige trifft und niemals das Richtige verfehlt, dann hat man das richtige Vergessen dessen, was richtig ist.“

    oder:
    „Wer sich an seine fest geprägten Gefühle hält und sich danach richtet, der ist mit sich immer im Reinen. Was braucht der sich auf anderer Erkenntnisse zu verlassen?“

    Ich habe für mich festgestellt, das Alles (Vieles) darauf ausgerichtet ist effizient zu sein.
    Viele gieren nach Anerkennung von außen und erkennen sich selbst (innen) nicht an.
    Oft hält man die eigene „Passionslosigkeit“, seine Interessen oder Hobbys, Neigungen, seine Nichtbegabung für einen Makel.
    Ich tat das jedenfalls, z.B. sinnloses „verzocken“ von Zeit oder eher talentfreies musizieren 🙂 Ich spiele gern, aber nicht gut 🙂
    Ich habe Spaß daran, also wer außer mir selbst kann beurteilen oder mir vorgeben was mir Spaß macht, was für mich „sinnvoll“ ist?!?
    Wer soll das schon beurteilen, außer man selbst, ob das eigene Unvermögen, das Nicht-Können ein Makel ist?!?
    Das beurteile ich am Ende des Tages nur selbst.
    Sicher tun es auch andere, aber ob ich das annehme und zu meiner Wahrheit mache ist mir selbst überlassen.
    Und ist ‚talentfreies musizieren‘ nun sinnvoll für mich oder nicht?
    Also ich habe meinen Spaß, ist das nicht Sinn genug? 🙂
    Muss ich unbedingt etwas „leisten“ und mit höherem Mehrwert tun oder produzieren, außer mir selbst gerecht zu werden.
    Und wer stellt da eigentlich die Ansprüche und setzt die Messlatte?

    Wenn ich meiner Tochter zusehe (bin alleinerziehender Vater), dann sehe ich ab und zu noch kindliches in ihr, das albern, sinnlos, völlig effizient befreit ist.
    Aber es schwindet mit zunehmendem Alter.
    Man muss das alberne, unbekümmerte Kind in sich wiederentdecken oder besser gar nicht erst verlieren. Ich glaube ich konnte mir ein Stück davon immer bewahren und kultiviere es seit ein paar Jahren. Anders als ein Kind, denn ich bin eben auch kein Kind mehr, aber ich bin auf meine erwachsene Art ineffizient, albern und das macht mich zuweilen unglaublich zufrieden, weil ich mich auch immer weiter davon befreien kann etwas sinnvolles oder zweckmäßiges, effizientes zu tun oder zu sein.
    Ich bin Nichts und darin unglaublich gut und Alles was ich sein muss.

    „Jedermann weiß, wie nützlich es ist, nützlich zu sein, aber niemand weiß, wie nützlich es ist, unnütz zu sein.“

    „Dreißig Speichen treffen sich in einer Nabe:
    Auf dem Nichts daran (den Leeren Raum) Beruht des Rades Brauchbarkeit.“
    Daodejing

    Abschließend möchte ich dir noch folgendes Zitat nennen:

    „Wer in Verborgenheit wandelt, der hat Licht in allem, was er tut.“
    Ich wüsste nicht warum ich mich dazu hinreißen lassen sollte, meine Erkenntnisse zu teilen, da sie wohl viele verstehen mögen, aber durch das reine Lesen nicht erfahren können.
    „Erkenntnis lässt sich nicht von anderen lernen. Erkenntnis muss aus dem eigenen Ich hervorgehen.“
    Der Wissende nämlich spricht nicht, der Sprechende weiß nicht.“
    (Jetzt habe ich wohl einen großen Fehler gemacht :-))

    Alle Zitate bis auf das mit den Speichen sind von Zhuangzi, dem eher unbekannteren Daoist neben Laozi und dem Daodejing.

    Seine Aussagen sind ein lesen wert.

    „Fischreusen sind da um der Fische willen; hat man die Fische, so vergisst man die Reusen. Hasennetze sind da um der Hasen willen; hat man die Hasen, so vergisst man die Netze. Worte sind da um der Gedanken willen; hat man den Gedanken, so vergisst man die Worte. Wo finde ich einen Menschen, der die Worte vergisst, auf dass ich mit ihm reden kann?“

    Viel Freude am Schreiben und viel Zeit zum nichts-tun 😉

    p.s. Ich bin über Umstände zu einem sch… Job gekommen und war vorher Krankenpfleger, nicht immer zufrieden, aber mit „Sinn“ bei der Arbeit.
    Der Sinn meiner jetzigen Arbeit liegt im erkennen, das sie keinen Sinn macht und sie das wiederum auch nicht muss.
    Sinnloses tun fördert Muße und Muße wiederum fördert das loslassen können.
    Und loslassen ist eine Eigenschaft die ich als sehr angenehm und mich zufrieden machend empfinde.

    liebe Grüße
    Richard

    • Lieber Richard,
      vielen Dank dir, dass du deine Gedanken hier teilst. Einfach wundervoll! Ganz besonders hat mich dieser Satz von dir beeindruckt: „Der Sinn meiner jetzigen Arbeit liegt im Erkennen, dass sie keinen Sinn macht und sie das wiederum auch nicht muss.“ – Wahnsinn! Ich weiß nicht, ob ich das so sagen könnte. Gut, ich mache keine sinnlose Arbeit, kenne aber in meinem näheren Umfeld Menschen, die ihre Arbeit als sinnlos empfinden. Das so wie du zu sehen, ist wirklich unglaublich stark! Auch die Zitate, die du hier teilst und dir scheinbar wirklich zu Herzen nimmst, sind sehr berührend. Du gehst absolut deinen Weg, das finde ich ganz fantastisch!
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

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