Warum Schokolade hilft, wenn du die Sonne nicht siehst

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Ich sage ja immer, die Sonne sei nur hinter den Wolken, aber immer da. Das stimmt auch. So wie die Sonne ist auch dein „inneres Licht“ immer da, auch wenn du es manchmal nicht sehen kannst. Aber es gibt Momente, da hast du vielleicht das Gefühl, dass die Sonne nicht nur hinter den Wolken, sondern komplett untergegangen ist. Ihr Nachleuchten ist wie die bittersüße Erinnerung an das, was einmal da war, nun aber nicht mehr ist. Wir verlieren aus den Augen, wer wir wirklich sind und finden uns in einem Taumel aus Pflichten und Erwartungen wieder, dem wir nicht mehr Herr werden können. Es geht einfach gar nichts mehr. Das ist für mich immer ein eindeutiges Zeichen für Schokoladenbedarf. 😀

System overload

„Das muss noch erledigt werden. Wo ist meine Liste? Ach Mist, das hab ich völlig vergessen! Au, scheiße, mein Fuß! Die Rechnung… Ich muss bei der Bank anrufen. Meine Freundin braucht mich, ihr geht’s mies. Ich muss rüber. Wo sind die Autoschlüssel? Morgen muss ich früher aufstehen. Ich schaff das alles nicht. Doch, wenn ich die Zeiten so lege, könnte ich es hinbekommen… Ich muss los, ich bin spät dran. Wo ist mein Telefon? Wo sind die Schlüssel? Au, mein Fuß!“

Dieser endlose Monolog läuft so oder so ähnlich immer wieder mal in meinem Kopf ab. Ja, ich arbeite an meiner Bewusstheit, ich fühle mich sehr viel häufiger klar als früher. Aber das bewahrt mich (noch) nicht davor, solche Momente zu erleben, in denen ich am Rotieren bin. In denen einfach so viel ansteht, dass fast gar nichts mehr geht. Mein System ist vollkommen überlastet und trotz der Überlastung versuche ich es am Funktionieren zu halten. Die Seele schreit: „HALLO! ANHALTEN! JETZT!!!“, der Körper schickt jede Menge Signale (bei mir bevorzugt das Anschlagen von Körperteilen durch Unachtsamkeit, Herzrasen, verspannte Kiefergelenke), die man allerdings ignoriert.

Wenn selbst die „Entspannungsmethoden“ nicht helfen

Inzwischen habe ich ja gelernt, dass Yoga, Meditation, Spazierengehen, Atmen, etc. mich ziemlich gut runterbringen und mich an das erinnern, was ich wirklich bin und wo ich wirklich hingehöre. In der Meditation erlebe ich oft das Gefühl, dass mir all meine Probleme plötzlich völlig banal erscheinen. Dann fühle ich Freiheit und bin schlagartig entspannt. Das ist alles wundervoll, aber wenn man einmal total „drin“ ist, dann funktioniert das leider auch nicht mehr.

Dann sitze ich auf meinem Kissen und meine Gedanken rasen. Ich bin enttäuscht von mir. Nicht einmal das kriege ich nun hin! Dabei ist das doch normalerweise etwas, das ich gut kann! Beim Yoga zerre ich mir etwas, weil ich nicht aus Achtsamkeit, sondern aus Wut oder Trotz heraus praktiziere. Und das kann nicht gut gehen.

Schlafen ist auch nicht, wenn die Gedanken nicht stillstehen wollen. Es scheint einfach gar nichts mehr zu helfen! Lesen ist viel zu anstrengend, und schon gar nichts wollen wir von etwas „Inspirierendem“ oder „Lehrreichen“ wissen. Wenn wir ohnehin schon überfordert sind, wollen wir nicht auch noch etwas lernen.

Durch Schokolade in den „Normalzustand“

Wenn nicht gerade der beste Freund zur Seite steht, dem wir unser unsägliches Leid klagen können, hilft nur noch eins: Das tun, was einen runterbringt. Sei es noch so „unspirituell“ oder „ungesund“. Ja, meist sind es die Dinge, die wir ansonsten vielleicht nicht so gerne tun, weil sie angeblich unserem inneren Wachstum schaden, die wir uns genau in einem solchen Augenblick erlauben sollten.

Ich habe neulich abends eine halbe Tafel Schokolade gegessen und mehrere Folgen einer tollen Serie angesehen. Danach habe ich mich ins Bett gelegt und einfach nur Musik gehört. Danach klappte dann auch das Schlafen. Am nächsten Tag war es aber leider noch nicht vorbei. Ich stieß mir den Fuß beim Aufstehen, konnte mich an ein wichtiges Passwort nicht mehr erinnern (und fand auch den entsprechenden Aufschrieb nicht) und bekam eine blöde E-Mail. Als ich mich zum Meditieren hinsetzen wollte (worauf ich rein gar keine Lust hatte, was wirklich selten vorkommt), klappte natürlich auch das nicht. Statt der erhofften Erleichterung spürte ich einen starken Schmerz im Rücken.

Um von einem völlig unbewussten, gestressten und verwirrten Zustand wieder in die Klarheit bekommen, brauchen wir nämlich eine Zwischenstation. Ich nenne sie mal „Normalzustand“. Er ist so ein Zwischending, in dem sich die meisten Menschen die ganze Zeit über befinden. Wenn wir immer bewusster und klarer durch die Welt gehen, wenn wir immer häufiger im Flow sind, finden wir diesen „Normalzustand“ vielleicht nicht mehr so prickelnd wie früher. Dann wollen wir gleich wieder die Verbundenheit mit der Welt spüren. Ich habe vieles ausprobiert. Und man kommt am schnellsten wieder aus dem Stress heraus, indem man sich in den Normalzustand holt.  Um dorthin zu gelangen, hilft etwas so „Normales“ wie Schokolade. 😉

Schokolade erinnert die meisten von uns an eine Belohnung, vielleicht an schöne Momente in der Kindheit. Vielleicht ist sie auch ein Trost. Auch wenn das dauerhaft seine Spuren in unserem Körper hinterlässt, so bin ich mir sicher, dass alle paar Wochen eine Tafel (auch am Stück verputzt) völlig in Ordnung ist. Dann ist die Schokolade das, was uns zurückholt. Mit ihr sagen wir uns: „Wir haben genug gelitten. Jetzt wird es Zeit für etwas Schönes. Es ist Zeit für die Reißleine.“ Und wenn ich dann da so sitze und mir ein Stück dieser herrlichen Süßigkeit in den Mund schiebe, dann spüre ich: Ja, die Sonne ist noch da. Ich habe sie bis eben nur nicht gesehen.

Es wird Zeit für die absolute Reißleine

Bevor ich in den Genuss der Schokolade kam, war ich gedanklich immer noch bei all den Terminen, den Dingen, die noch zu erledigen waren, den Freunden, die ich noch besuchen musste und dem inneren Wachstum, das ich unbedingt noch zu vollbringen hatte. Aber vielleicht besteht das innere Wachstum ja genau darin, zu wissen, wann Schluss ist und die Reißleine zu ziehen? Vielleicht wächst man innerlich viel mehr, wenn man das schon früh bemerkt, anstatt irgendwann tränenüberströmt dazusitzen und nicht zu wissen, was zu tun ist?

Die Reißleine ziehen, das heißt für mich: Alles, alles, alles, alles kommt NACH mir. Ich komme an erster Stelle. Ich muss runter von diesem wilden Gaul, den ich reite (meine Gedanken). Ich muss weg von dem Drang, alle Verpflichtungen und Termine einhalten zu müssen. Ich sage alles ab. Manches unter einem erfundenen Vorwand. Ich glaube nicht, dass die Bankberaterin es verstehen würde, wenn ich zu ihr sagen würde: „Ich bin heute schlecht drauf, den Termin müssen wir verschieben.“ Stattdessen löst ein „Ich liege leider total flach“ verständnisvolle Besserungswünsche aus. Und genau die brauchen wir. Denn gewissermaßen sind wir ja auch krank. Unser Verstand spielt verrückt.

Es muss nicht einmal viel sein, damit unsere Energiereserven quasi bei Null liegen. Ich stelle immer wieder fest, dass meine „Batterie“ viel schneller leer zu gehen scheint als die anderer Menschen. Oder bin ich einfach nur sensibel genug, um das zu bemerken? Falls das auch bei dir so sein sollte, falls es nur Kleinigkeiten waren, die dich in diesen Zustand brachten, so ist das vollkommen egal. Du bist nun hier und du brauchst dir nicht erklären, warum. Du musst dich auch nicht vor anderen rechtfertigen. Falls es dir schwer fällt, deinen Zustand zu erklären, benutze den Satz „Ich bin krank.“ Du bist nicht „einsatzfähig“. Schluss. Aus. Ende.

Schau nach dir. Gib dir, was du brauchst.

Auch wenn das Schokolade und Serien sind. Oder Fast Food. Oder RTL 2 am Nachmittag. Du darfst alles, solange es dir gut tut. Verwöhne dich. Sei gut zu dir. Werde wieder „gesund“. Und irgendwann kommt auch der Moment, an dem es wieder Spaß macht, etwas zu erledigen, an dem sich unsere Energiereserven wieder aufgeladen haben. Aber gib ihnen die Chance, es zu tun. Wenn du dich selbst ständig ignorierst, wirst du es schwer haben, in den Flow zu kommen, denn dann ist das Leben immer schwer. Mach es dir leicht. Sorge dafür, dass es dir gut geht – denn tief im Herzen weißt du es: Die Sonne kommt wieder, auch wenn du sie gerade nicht siehst.

Wie gehst du damit um, wenn bei dir „gar nichts mehr geht“? Tendierst du dazu, trotzdem weiterzumachen? Was tut dir in solchen Situationen gut?

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6 Kommentare

  1. Hey Anna,

    ein super gelungenes Schoko-Plädoyer =D

    Ich bin zwar überhaupt nicht der Schoko-Typ (eher Gummibärchen bzw. hauptsächlich Knabberzeug), aber du hast mich ein Stück weit überzeugt, dass Sündigen auch ok sein kann.

    Ich denke generell, dass nichts verwerflich ist, wenn man es mit Maß und Ziel benutzt. Sozusagen als Werzeug, ganz so wie du es beschreibst. Mariuhana kann ja auch als Medikament eingesetzt werden. Man muss nur immer auf die Grenze achten =)

    Liebe Grüße

    Norman

    • Hi Norman,
      hehe, ich wusste es, das Schoki nicht jedermanns Sache ist, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich damit einen Nerv treffe, war mir dann doch hoch genug. 😀
      Die Grenzen muss man natürlich achten. Aber wenn man nach der Schoki in den Normalzustand und langsam wieder in den bewussteren Zustand zurückkehrt, dann geht das von ganz alleine. Wenn man allerdings nichts zurückkehrt, könnte es problematisch werden. Ich denke, jede Art von Abhängigkeit ist ja zunächst immer eine Lösung und verselbstständigt sich dann irgendwann. Also, sollte ich in Zukunft hier nur noch über Schokolade posten, dann weißt du, was passiert ist. 😉
      Ganz lieben Gruß
      Anna

  2. Liebe Anna, es ist schön, dass Du schon als so junger Mensch, bemerkt hast, was Dir gut tut. Und, dass Du Dir das auch gönnst. Ich habe leider erst mit über 50 entdeckt – dass ich eigentlich nur noch (für die Anderen – Familie, Firma…) funktioniere und mein „ich“ mit seinen Wünschen eigentlich nur noch höchstens „zufällig“ mal was abgekriegt hat. Und das habe ich dann natürlich auch gerne ordentlich genutzt und damit so Manchen verblüfft, weil man mich „so“ gar nicht kannte. Irgendwann habe ich erkannt, dass es das nun nicht gewesen sein konnte. Die Entdeckung von Selbstliebe und Eigenverantwortung hat mich ein gutes Stück weitergebracht. Mittlerweile hat sogar mein Anhang kapiert, dass „Tür zu“ heißt, dass ich gerade nicht zur Verfügung stehe. Ich suche uns schenke mir kleine „Lebe-schöns“ und finde das gut. Das kann der Kaffee an der Balkontür, das Bad oder auch ein Eis in der Tüte sein (hmmm… bald wieder) !
    Alles Liebe für Dich – weiter so –
    Elke

    • Hallo liebe Elke,
      ich finde es total super, dass du mit über 50 entdeckt hast, was dir gut tut! So vielen Menschen gelingt das ihr ganzes Leben lang nicht. Manchmal brauchen wir eben ein bisschen länger, um etwas zu lernen. Und jeder Mensch hat da seine eigene, individuelle Lerngeschichte, die ihn zu dem Menschen macht, der er ist. Indem du Menschen „verblüfft“ hast, hast du ihnen womöglich auch gezeigt, dass es vollkommen in Ordnung ist, die Tür mal zuzumachen. Durch dein Vorleben animierst du auch andere dazu, nach sich selbst zu schauen. Und wie alt du bist, ist dabei vollkommen irrelevant. Gehe weiterhin mit so gutem Beispiel voran, liebe Elke! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Liebe Anna,
    solche Tage kenne ich auch und dann ist die Schokolade nicht vor mir sicher und wenn keine da ist, reichen auch Kekse oder Eis. Dass deine Batterie schneller leer ist, verstehe ich nur zu gut. Ich bin zwar auch älter, aber die Auswirkungen sind auch so. Früher habe ich weiter gemacht, hab 4 Kinder. Aber heute zieh ich die Reißleine. Ich mag dann auch nichts mehr lesen oder nachdenken. Ich geh früh ins Bett und schlafe. Und Samstags morgens will ich keine Termine oder sonstiges. Da bleib ich im Bett und gammel rum. Ich muss manchmal einfach allein sein. Besonders nach anstrengenden Tagen. Ich hatte viel emotionalen Stress und darum ist mein Akku so schnell leer. Lg

    • Liebe Linda,
      es ist schön, dass du gelernt hast, die Reißleine zu ziehen. Ins Bett gehen uns schlafen ist ganz wunderbar – und „rumgammeln“ ist eh die beste Medizin für blöde Tage. 😉
      Ein Hoch auf die Schokolade und alles Liebe dir!
      Anna

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