Warum wir der dunklen Jahreszeit dringend eine Chance geben sollten

Der 22. September kennzeichnet die Herbsttagundnachtgleiche. Das bedeutet, dass die Tage nun wieder kürzer werden als die Nächte. Auch wenn die Sonne sich im Herbst noch gerne blicken lässt, sind die Tage des warmen Badewetters und der lauen Sommernächte nun endgültig vorbei. Und so mancher von uns ist darüber traurig. Ich habe früher dem Sommer lange hinterhergetrauert, doch das ist seit einer Weile nicht mehr so. Weil ich weiß, dass wir die dunklen und kalten Tage brauchen. Gerade in unserer Gesellschaft mehr denn je. Daher möchte ich dich einladen, gemeinsam mit mir das Winterhalbjahr zu begrüßen und sogar zu genießen!

Dein Flow geht mit den Jahreszeiten

Ich kann mich noch sehr gut an einen Urlaub vor einigen Jahren erinnern. Der letzte Tag auf der sonnigen Insel Lanzarote war fürchterlich. Es war der 2. Oktober und ich wusste, dass wenn ich wieder nach Deutschland zurückkehren würde, der Sommer endgültig vorbei sein würde. Ein letztes Mal schwimmen unter freiem Himmel, bevor die Finsternis sich über mich senken würde, bevor das Dunkel mich für ein weiteres halbes Jahr gefangen hält. Mir kamen damals tatsächlich die Tränen, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass ich von der Sonne Abschied nehmen musste! Manchmal ist es fatal, wenn man die Übergänge in der eigenen geografischen Zone nicht mitbekommt und dann plötzlich in ein anderes Klima geschleudert wird.

Letztes Jahr war ich im Spätsommer auf Madeira, auch dort musste ich mich von der Sonne verabschieden, bevor ich wieder nach Deutschland zurückkehrte. Aber das war bei Weitem weniger dramatisch als auf Lanzarote, weil ich innerhalb dieser zwei Jahre  gelernt habe, viel besser auf den Rhythmus der Natur und auf meinen eigenen Rhythmus zu hören und mit ihnen zu fließen, anstatt dagegen anzukämpfen. Und genau das ist es, wozu uns diese Zeit jetzt anhalten will und es ist auch das Thema, auf das ich auf diesem Blog immer wieder zurückkomme: Es macht einfach so viel mehr Sinn, den Flow zu nutzen und auf den Wellen zu reiten, anstatt gegen die Strömung zu schwimmen. Und ob du es glauben willst oder nicht: Dein Flow geht mit den Jahreszeiten.

Die Zeit des Übergangs

Bei mir ist der Übergang in die dunkle Jahreszeit dieses Jahr auch noch von einem völlig neuen Lebensabschnitt gekennzeichnet. Ich bin jetzt in der 39. Schwangerschaftswoche, was bedeutet, dass es jederzeit so weit sein kann und ich Mutter werde. Jetzt heißt es für mich, alle Erwartungen loszulassen und mich völlig dem Flow meines Körpers und meines Babys hinzugeben. Es ist herausfordernd und es wird mit Sicherheit noch viel herausfordernder werden, sobald mein Baby da ist, aber ich weiß, dass ich mit dem Bewusstsein, das ich in den letzten Jahren entwickelt habe, das Werkzeug in der Hand habe, um mit diesen Herausforderungen umzugehen.

Vielleicht bekommst du kein Baby, aber es stehen andere Veränderungen bei dir an? Vielleicht kannst du sie noch nicht einmal konkret benennen, aber du hast das Gefühl, dass du deinem Leben gerne eine neue Richtung geben möchtest? Dann ist jetzt die Zeit gekommen, in der du in dich gehen kannst, um den Samen für das Neue zu säen. Auch wenn du jetzt noch nicht das Gefühl hast, einen konkreten Weg zu kennen. Ich spüre immer, dass ich nach dem actionreichen Sommer ein starkes Bedürfnis danach habe, in mir selbst zu versinken und auf mich und meinen Körper zu hören. In den letzten Jahren habe ich die dunklen Stunden abends gerne dafür genutzt, in meinem Tagebuch zu zeichnen und zu schreiben, mich in der Badewanne im Kerzenlicht zu entspannen oder ein spannendes Buch zu lesen. Jetzt, wo es einen nicht mehr so nach draußen lockt und es in der Wohnung nicht mehr so heiß ist, koche ich auch wieder viel lieber – am liebsten wärmende Suppen und Eintöpfe. Auch dabei lasse ich meiner Kreativität freien Lauf.

Das wird dieses Jahr vielleicht anders, aber es ist okay. Ich will alles auf mich zukommen lassen und ich bin wirklich froh, dass ich ein Herbstbaby bekomme. So muss ich nicht ständig das Gefühl haben, draußen etwas zu verpassen und kann gerade in der ersten Zeit mit meiner Familie so richtig zu Hause ankommen. Dabei will ich mir richtig viel Zeit lassen, ich möchte achtsam sein und einen gemeinsamen Flow finden. Ich bin mir sicher, dass es den gibt!

Erlaube dir die Einkehr

Was ist es, worauf du dich jetzt besonders freust? Was genießt du an der dunklen Jahreszeit? Noch ist der Weihnachtstrubel weit entfernt und wir können uns wirklich auf uns selbst einstimmen, bevor es stressig wird. Wenn du Lust hast, dann schreib doch mal alles auf, was das Winterhalbjahr Schönes mit sich bringt. Oder sprich mit einem lieben Freund darüber, vielleicht geht es ihm ja genauso? Atme tief durch und werde dir bewusst, dass diese Ruhe und Passivität jetzt etwas Wundervolles sind. Du darfst dich ausruhen, du darfst nach der Aktivität des Sommers nun deine Ernte einfahren. Was ist es, was dir dieses Jahr besonders gut gelungen ist? Was war wundervoll und was möchtest du vielleicht nächstes Jahr verändern? Noch ist das Jahr lange nicht am Ende angekommen, aber wir können jetzt schon mit der Reflexion beginnen. Meiner Erfahrung nach brauchen diese Gedanken ihre Zeit, bis sie sich wirklich „gesetzt“ haben und Richtung Jahresende immer konkreter werden können, sodass wir dann besser wissen, wohin es für uns im nächsten Jahr für uns geht.

Bis dahin darfst du dir eine Pause gönnen, ohne etwas von dir zu erwarten. Lasse alle Gedanken an Leistungsdruck so gut los, wie es dir gelingt. Leider nimmt die Arbeitswelt kaum Rücksicht auf unseren jahreszeitlichen Flow, aber wenigstens in deiner Freizeit kannst du ihm folgen. Halse dir nicht unnötig Dinge auf, denn wenn du aufmerksam bist, wirst du spüren, wie sich deine Energie jetzt langsam nach innen kehrt und die Zeit der großen Projekte erst im Frühjahr wieder beginnt. Wir sind keine Maschinen und funktionieren nicht tagein, tagaus auf die gleiche Weise. Wir sind Wesen der Natur und ihre Rhythmen sind fest in uns verankert. Wenn wir uns entscheiden, ihnen zu folgen, eröffnen sich uns Möglichkeiten, die wir vorher völlig übersehen hatten.

Nutze die Herbsttagundnachtgleiche

Wenn du Lust hast, dann nutze doch die Herbsttagundnachtgleiche, um bewusst in dich zu gehen und dich auf die kommende Zeit einzustimmen. Meditiere oder schreibe deine Gedanken auf, gehe in die Natur und beobachte, wie sie sich jetzt schon verändert hat. Ich werde diesen Tag mit Freundinnen in der Natur feiern. Wie letztes Jahr wird jede von uns etwas mitbringen, das wir anschließend draußen zurücklassen: saisonales Obst oder Gemüse, Kastanien, Schneckenhäuser, Federn. Wir werden gemeinsam auf den Einbruch der Dunkelheit warten, Kerzen entzünden, einen heißen Tee trinken und darüber nachsinnen und meditieren, was diese Zeit für jede von uns bedeutet. Dann werden wir sie gemeinsam willkommen heißen.

Für mich sind solche Rituale in der Natur sehr bedeutsam, denn durch sie halte ich bewusst inne und blicke auf das Leben, das ich gerade führe. Ich frage mich, ob es das ist, was ich will und wenn die Antwort kein hundertprozentiges Ja ist, schaue ich, ob es etwas gibt, das ich verändern kann und gehe in mich, um zu erspüren, wie ich das gestalten könnte. Dieses Jahr wird die Veränderung von ganz alleine kommen und ich will sie mit Hingabe und offenem Herzen in meinem Leben willkommen heißen!

Vielleicht wird es jetzt ruhiger auf dem Blog, wenn ich die erste Zeit mit meiner Familie genieße. Aber keine Sorge, ich werde dich wissen lassen, wie es mir geht. Nutze du diese Zeit, um deine Aufmerksamkeit nach innen zu kehren – was auch bedeuten kann, weniger im Internet zu surfen. 🙂

Fällt dir der Abschied vom Sommer schwer? Wie nutzt du die Zeit, wenn die Tage wieder kürzer werden? Worauf freust du dich? 

 

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8 Kommentare

  1. Liebe Anna, ich war früher auch wehmütig, wenn der Sommer zu Ende ging. Inzwischen ist die Wehmut nur mehr ganz leise, denn ich weiß die ruhigere und dunklere Zeit, das mehr zu Hause Sein, das nach innen Gehen und den Rückzug sehr zu schätzen. Schön, dass du darüber geschrieben hast. Und alles Gute für die Geburt und die erste Baby-Zeit!

    • Hallo liebe Gudrun,
      schön, dass auch du diese Zeit jetzt genießen kannst und danke dir für die lieben Wünsche!
      Hab einen wunderschönen Herbstanfang!
      Alles Liebe
      Anna

  2. Hallo liebe Anna,
    danke für den Weg, die anstehende Jahreszeit mal von einer ganz neuen Seite zu begegnen.
    Ich bin eigentlich eher der Frühling/Sommer Typ und kann mit Kälte eigentlich gar nichts anfangen, aber dank Deines Berichts kann ich der anstehenden Herbst-/Winterperiode doch etwas abgewinnen und freue mich drauf.
    Wie Du gut bemerkt hast, lieber im Flow bleiben als sich dagegen zu sträuben, weil es unabänderlich bleibt.
    Von mir auch alles Liebe und Gute für die anstehende Geburt!

    Liebe Grüße
    Thorsten

    • Hallo lieber Thorsten,
      es freut mich, wenn du dieser Zeit jetzt anders begegnen kannst – für mich ist sie mit dem Sommer absolut gleichwertig geworden, man muss sie nur zu nutzen wissen. Ich bin mir sicher, dass sie dir sehr viel Spannendes zeigen kann, wenn du dich auf sie einlässt! Auch dir lieben Dank für die guten Wünsche!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Hallo Anna,
    sehr schöner Artikel. Mit den Jahreszeiten einfach mitleben – das finde ich inzwischen auch wundervoll …… alles Gute für die Geburt und viel Freude mit deinem kleinen Menschlein wünscht dir Sabine

    • Hallo liebe Sabine,
      wundervoll, dass auch du mit den Jahreszeiten mitlebst und das auch als so erfüllend siehst! Und danke dir von Herzen für die lieben Wünsche!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  4. Liebe Anna,

    ganz lieben Dank für Deinen Beitrag. Und alles alles Gute für die Geburt Deines Kindes. Durch Dich und mit Dir geschieht ein Wunder.

    Ich bete für Euch.

    Martin

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