Was wirst du auf dem Sterbebett über dein Leben denken?

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Eine Frage, die mich in meinem Leben immer wieder beschäftigt, ist: Wenn du im Sterben liegst (vielleicht im hohen Alter, vielleicht nach einem schweren Unfall), und du weißt, es führt jetzt kein Weg mehr am Tod des eigenen Körpers vorbei – was denkst du dann, wenn du über dein Leben nachsinnst? Glaubst du, die Zeit, die dir gegeben wurde, voll ausgekostet zu haben oder bereust du etwas getan oder nicht getan zu haben?

„Schade“?!

Ich hatte vor vielen Jahren einen Traum, der sich in ähnlicher Weise seither mehrmals wiederholt hat. Ich sterbe. Irgendetwas geschieht – ich falle oder erleide einen Unfall – jedenfalls weiß ich in diesem Augenblick, dass es vorbei ist. Das Seltsame und auch Tröstliche an diesem Traum ist, dass ich mich nicht gegen den Tod wehre. Nichts tut weh, ich bin nicht entsetzt oder klammere mich ans Leben. Ich habe nur einen einzigen Gedanken: Schade.

Dieses „Schade“ hat mich zum Nachdenken gebracht. Zum einen hat es mir ein Stück weit die Angst vor dem Tod genommen, da es nicht das Schlimmste ist, was einem in dieser Situation durch den Kopf schießen kann – doch andererseits hätte ich gerne einen anderen Gedanken gehabt. Sowas wie: „Das ist jetzt okay.“ Natürlich ist es etwas anderes, wenn du jung stirbst, als wenn du als alter Mensch dem Tode nahe bist. Ich kann mir vorstellen, dass man diesen in der zweiten Situation viel leichter annehmen kann, weil man sich schon seit vielen Jahren Gedanken darüber gemacht hat. Dennoch habe ich irgendwie den Anspruch, meine Kapazitäten voll ausgenutzt zu haben, wenn es soweit ist.

Nutzt du Überraschungen?

Immer wieder, wenn ich lieber der gewohnten Routine nachgab, anstatt eine sich mir bietende Überraschung zu ergreifen, habe ich mir in meinem Leben diese Frage gestellt: „Was würdest du auf dem Sterbebett eher bereuen? Etwas getan oder etwas nicht getan zu haben?“ Eine Gruppe von Freundinnen will mich beispielsweise irgendwohin mitnehmen, wo ich aber befürchte, mich unwohl zu fühlen. Immer, wenn ich mit meiner Entscheidung haderte, half mir diese Frage weiter. Selbst wenn ich danach ein schlechtes Erlebnis in meiner Erinnerung hatte, fand ich das immer noch besser als kein Erlebnis. Das Erlebnis wurde zu einer Erfahrung, an der ich wachsen konnte; die mir dabei half, mich weiterzuentwickeln.

Inzwischen stellt sich mir diese Frage nicht einmal mehr. Ich habe gelernt, dass es immer eine gute Idee ist, Überraschungen zu folgen. Sie treten nicht umsonst in unser Leben, sie wollen uns etwas lehren – selbst, wenn sie dann nicht so ausgehen, wie wir vielleicht erhofft hatten. Aber ich habe vertrauen, dass nichts ohne Sinn geschieht. Wenn das gute Gefühl überwiegt, entscheide ich mich immer, einem überraschenden Angebot zu folgen – auch wenn es mir vielleicht ein wenig Angst macht. Überwiegt das schlechte Gefühl jedoch bei Weitem, nehme ich das ganze als eine Übung, Nein zu sagen und mich besser zu positionieren. Ich höre so oft ich kann auf meine innere Stimme und entwickle mich so immer weiter, ohne mich zu etwas zwingen oder überwinden zu müssen.

Wie ist es bei dir? Nutzt du Gelegenheiten, die überraschend in dein Leben treten oder wehrst du sie schon ab, bevor du auch nur einen Gedanken daran verschwendet hast?

Nutzt du dein Potenzial?

Es ist nicht so, dass ich Angst vor dem Tod hätte. Nur bisher habe ich noch nicht ganz den Eindruck, meine Möglichkeiten ausgenutzt zu haben – es wäre also schade, wenn ich jetzt sterben würde. Es gibt noch so viel zu entdecken und zu lernen! Manchmal habe ich den Eindruck, in einem Porsche zu sitzen, der mit 40 auf der Autobahn herumtuckert. Ich spüre das Potenzial, aber es fällt mir immer wieder schwer, es so auszudrücken und in die Welt zu bringen, wie ich das gerne hätte.

Mit „in die Welt bringen“ meine ich dabei nicht einmal das Reisen – auch wenn ich sehr gerne reise. Viele bedeutende Dinge mache auch ich von Zuhause aus: das Schreiben von Texten z.B., um meiner eigenen Leidenschaft nachzugehen oder das Lesen eines bedeutenden Buches. Aber die Leidenschaften wollen eines Tages „in die Welt“ – das ist ihre und auch deine natürliche Entwicklung: Du schreibst ein Buch, um es zu veröffentlichen. Du malst das Bild, um es eines Tages auszustellen. Du trainierst Fußball, um auf dem Platz zu spielen. Die Gesellschaft lebt von Menschen, die ihre Leidenschaften anderen zur Verfügung stellen, sonst hätten wir heute keinerlei Kunst, Musik, Literatur und Erfindungen!

Wenn du gerade am Beginn deiner Leidenschaften bist und erst anfängst, sie vorsichtig zu entdecken, solltest du dich in erster Linie auf die guten Gefühle und die Freude beim Tun konzentrieren. Aber behalte im Hinderkopf, dass eines Tages der Augenblick kommen wird, wo du mehr willst: Du willst dich ausdrücken und der Welt gleichzeitig etwas zurückgeben.

Ich glaube, wenn wir beginnen, zurückzugeben, stellt sich langsam eine tiefe Zufriedenheit ein. Ich spüre sie bereits, wenn ich einen Artikel auf diesem Blog veröffentliche. Und ich möchte noch mehr geben, möchte meine Erlebnisse teilen – in der Hoffnung, dass sie vielleicht dich auf irgendeine Art und Weise bereichern. Je mehr ich in „in die Welt bringe“, desto zufriedener werde ich.

Beginne JETZT, deine Leidenschaften zu leben!

Es gibt Untersuchungen, bei denen Menschen befragt wurden, die im Sterben lagen. Man wollte wissen, was sie bereuten. Viele gaben die Antwort, dass sie es bereuten, ihr Leben nach den Wünschen anderer ausgerichtet zu haben und ihren Leidenschaften zu wenig gefolgt zu sein. Sie bereuten es, ihrer eigenen Stimme zu selten gefolgt zu sein und zu oft auf andere gehört zu haben. Willst du, dass dir das passiert? Dass du auf deinem Sterbebett so etwas denkst?

Noch ist es nicht zu spät. Du kannst jetzt sofort damit anfangen, etwas zu tun, das du als freudvoll und sinnvoll empfindest. Das ist der erste Schritt. Und als Nächstes bringst du es in die Welt. Ich selbst merke, wie sich mein „Schade“ bereits beim Schreiben dieses Beitrags verändert. Sei für dich der wichtigste Mensch in deinem Leben und folge dem, was du liebst. Worauf wartest du? Auf den Augenblick, in dem es zu spät sein wird?

Wenn du jetzt sterben würdest – was glaubst du, würdest du über dein Leben denken?

Hast du Lust, noch mehr zu lesen? Wie wär’s damit:
Wie lange soll das noch weitergehen?
Wie du die Macht des Zufalls nutzen kannst
Die 8-Schritte-Anleitung für ein leidenschaftsloses Leben

 

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2 Kommentare

  1. Ich finde es hängt auch davon ab, ob man eher positiv oder negativ eingestellt ist. Ein Pessimist wird eher darüber nachdenken was er verpasst hat und ein Optimist wird dankbar und zufrieden und das verstriche Leben zurück denken.
    Ich habe auch oft das Gefühl, dass ich die Zeit absolut nicht sinnvoll nutze. Geht anderen bestimmt auch so oder?

    Was mir noch dazu einfällt: viele stellen sich ja recht früh die Frage “ was ist der Sinn des Lebens, welche Rolle spiele ich in dem komplizierten Gefüge?“. Wenn ich an deinen Gedanken anknüpfe, finde ich, dass man das nicht als Frage formulieren darf, sondern sich eher am Ende seiner Reise diese Antwort geben sollte. Denn erst dann, kann man sich diese Frage individuell beantworten. So kann man auch eher überlegen, ob man etwas verpasst hat oder nur einfach in süßen Erinnerungen schwelgen.
    Sorry für den langen Kommentar, das müsste aber raus 😀

    • Liebe Saeli,

      meine Gedanken zu diesem Thema sind auch noch alles andere als abgeschlossen. Einerseits habe ich viele meiner Ängste losgelassen, doch es ist trotzdem noch eine Art Angst, seine Zeit nicht sinnvoll zu nutzen, oder? Insofern habe ich in diesem Punkt noch einen langen Weg vor mir. Und vielleicht ist das auch pessimistisch, so zu denken.

      Sich die Frage am Ende der Reise zu stellen ist ein sehr interessanter Gedanke! Mir geht es aber so, dass ich das Gefühl habe, dass „mein Sinn“ sich ständig mit mir weiterentwickelt – und das ist auch vollkommen okay so. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dann im Alter eine andere Antwort auf die Frage nach dem Sinn habe als jetzt. Aber sich jetzt schon über einen Sinn Gedanken zu machen, finde ich troztdem für mich persönlich wichtig. Denn so kann ich meinem Leben eine bestimmte Richtung geben, die sich permanent gut anfühlt. Ich denke, dass das Unterbewusstsein diesen Sinn eigentlich kennt und uns mit guten Gefühlen (nicht nur der Kick, sondern die dauerhaft guten Gefühle) einen Weg zu ihm gibt. Aber sehr viele Menschen ignorieren diesen Weg. Auch mir fällt es nicht immer leicht, ihm zu folgen. Aber ich lerne! 🙂

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