Weihnachten mal anders

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Ja, ein Weihnachts-Post. Normalerweise muss ich nicht immer auf jeder Welle mitschwimmen und Weihnachten hatte bei mir lange Zeit nur die „Konsum-Bedeutung“. Ein Fest nur um des Kaufens willen. Das erschien mir mehr als nur falsch. Und ich bin mir sicher, dass auch du bereits ins Zweifeln gekommen bist, wenn du die Tage mal in der Stadt warst. Das Fest der Liebe? Eher das Fest der Hektik und der rücksichtslosen Rempeleien! Also warum dann doch ein Weihnachtspost?

Weihnachten ist für mich jetzt anders

Das Fest hat sich verändert. Weil ich ihm eine andere Bedeutung gegeben habe. Vielleicht seine ursprüngliche Bedeutung, aber sicherlich auch etwas von meiner persönlichen. Wenn wir uns den Ursprung des Festes ansehen und an die Jahreszeiten denken, erfahren wir vielleicht, dass Weihnachten auch mehr sein kann als ein Konsumfest.

Ich weiß nicht, inwiefern du gläubig bist. Ich bin nicht christlich, finde die christliche Symbolik jedoch trotzdem ansprechend: Ein Kind, das in den widrigsten Umständen geboren wird und für die Hoffnung der Menschheit steht. Dass Jesus aller Wahrscheinlichkeit nach nicht am 24. Dezember geboren wurde, wissen wir inzwischen alle. Doch warum feiern wir dieses Fest ausgerechnet im finstersten Winter? Und was hat das eigentlich mit Leidenschaften zu tun? Alles der Reihe nach.

Warum feiern wir ein Fest mitten im Winter?

Wenn wir diese Tage hinaus in die Natur gehen, finden wir es vermutlich an erster Stelle ziemlich ungemütlich. Die Blätter bilden einen undefinierbaren, rutschenden Film auf den Wegen, während die Bäume kalt und trostlos herumstehen. Selbst die Vögel denken nicht mehr ans Zwitschern. Stattdessen plustern sie sich zu kleinen, runden Kugeln auf. Die Felder sind abgeerntet und trostlos und uns bläst ein bitterkalter Wind um die Ohren. Und über alldem liegt eine seltsame Stille. Das Leben hat sich zurückgezogen und verkrochen, der Tod herrscht über das Land.

Wenn wir an die Menschen zurückdenken, die keine isolierten Häuser und Fenster hatten, deren einzige Möglichkeit auf Wärme ein Feuer und Tierfell war, die in dieser Jahreszeit nicht wussten, ob es am nächsten Tag etwas zu essen gab, ob sie überhaupt überlebten, dann wird uns schnell klar, dass wir es ziemlich kuschelig haben. (Ja, auch in den Büros ist es verglichen zu da draußen gerade verdammt kuschelig!) Diese Menschen lebten mit der Natur und in der Natur. Sie waren auf ihre Rhythmen angewiesen, verfolgten die Jahreszeiten nicht nur mit Dekofigürchen, sondern mit ihrem Lebenswillen. Für sie war es entscheidend, zu wissen, wann der Winter begann und endete, wann die beste Zeit zum Weiterziehen oder zum Bleiben, später auch zum Säen und Ernten war. Sie beobachteten die Sterne und die Sonne, die Vögel und die Karibus. Sie erzählten sich Geschichten und Mythen und sie feierten Feste.

Sie fanden heraus, dass die Tage ab dem 21. Dezember nicht mehr dunkler wurden, sondern das Licht der Sonne langsam und zunächst unsichtbar wieder zunahm. In den Tagen, wo in der Natur der Tod vorherrschte, wo der eisige Wind durch die Bäume pfiff, wussten sie, dass die Sonne wiederkommen würde, dass sie nur noch bis zum Frühling durchhalten mussten. Sie wussten, dass in einer Zeit der vollkommenen Dunkelheit Hoffnung keimte. Und das feierten sie. Noch heute ist die Tradition des Julfestes in den nordeuropäischen Bräuchen verankert, in Deutschland wurde es zu einem christlichen Fest mit erstaunlichen Parallelen in der Symbolik.

Mein kleines Weihnachtsritual

Als ich darüber nachdachte, bekam Weihnachten für mich schlagartig eine neue Bedeutung. Doch man kann sie erst so richtig verstehen, wenn man um diese Zeit in die Natur geht und sich ansieht, was dort draußen vor sich geht. Ich habe das gemacht. Mitten in der Nacht im Wald. Obwohl ich fest verpackt und eingehüllt war, fror ich erbärmlich. Doch genau das machte es aus. Als ich nur noch heim wollte, entzündete ich eine Kerze und ließ dieses einfache Symbol auf mich wirken. Ich erinnerte mich daran, dass ich mich an der Schwelle befinde. Ja, es war eklig und schrecklich, aber ich hatte das Wissen, dass die Sonne zurückkehren würde.

Und dieses Wissen ließ sich plötzlich auf mein ganzes Leben übertragen. Genau dann, wenn es am finstersten ist, wusste ich, dass es wieder hell wird. Genau dann, wenn man vielleicht nicht mehr weiter weiß, wenn man verzweifelt ist, zu wissen, dass andere Tage kommen werden. Auch wenn man sich das jetzt im Winter absolut nicht vorstellen kann. Aber der Frühling kam bisher jedes Jahr. Es ist eine feste Gesetzmäßigkeit, dass er kommen wird. Und das zu sehen, diese Hoffnung – das ist es, was uns das Weihnachtsfest eigentlich sagen will.

Unsere Vorfahren hatten sich vorgestellt, dass der Sonnengott Ende Oktober stirbt und zur Wintersonnenwende, mitten im Winter, in einer trostlosen Zeit, wiedergeboren wird. Noch weiß man nichts von ihm, noch herrschen die dunklen Geister über das Land, er ist schließlich nur ein kleines Kind. Doch er wächst, wird stärker und bringt schließlich das Licht, womit er alles wieder zum Leben erweckt. Na, kommt dir das bekannt vor? 😉

Letztes Jahr war mein allerschönstes Weihnachten! Warum? Weil ich mit meiner Freundin am 21.12. im Wald saß und mir schlagartig bewusst wurde, dass ich mein Leben aus der Krise, aus der Dunkelheit, verwandelt habe. Ich habe die Hoffnung nie gesehen, aber ich habe sie auch niemals verloren. Das war so kraftvoll und wunderbar, als würde mir ein Lebensgesetz offenbart.

Wie auch du Weihnachten anders erleben kannst

Und genau dazu möchte ich dich gerne ermuntern. Wenn es bei dir gerade nicht so rund läuft, wenn du genervt bist vom Geschenke-Shoppen und von Weihnachtsmarktbesuchen, wenn du einfach mal laut „STOOOPP!!!“ schreien würdest – pack dich warm ein und gehe in die Natur. Suche dir einen Platz, an dem du vollkommen ungestört von künstlichem Licht und Straßenverkehr bist, wo das Einzige, das die Stille durchbricht, leise, von den Ästen fallende Tropfen sind. Vergiss die ganzen Lichter, kehre ein in die vollkommene Dunkelheit, in die Ruhe, die wirklich gerade da draußen herrscht; die Ruhe, die wir mit dem ganzen Trubel auszublenden versuchen, die wir aber so nötig haben. Lass deine Gedanken einfach schweifen und beobachte, was hochkommt. Und genau dann, wenn du völlig in der Dunkelheit bist, zünde eine Kerze an und werde dir dessen bewusst, dass die Sonne genau jetzt wieder stärker wird.

Wenn du möchtest, kann du ein paar Worte sagen oder etwas Aufgeschriebenes vorlesen. Und dann holst du deine Thermoskanne und genießt eine Runde Tee oder Glühwein, vielleicht mit ein paar Plätzchen. 😉 Spüre die Hoffnung und die Freude, obwohl es kalt und matschig und eklig ist. Spüre sie gerade deswegen. Vielleicht siehst du nun etwas ganz klar vor dir, da du ganz nah zu dir selbst gekommen bist. Es kann sein, dass du nun genau weißt, welchen Leidenschaften von dir du auf welche Art und Weise folgen willst oder dass du eine tiefe Verbindung zu deiner Intuition, deinem inneren Ich spürst.

Mir hat mein letztjähriger Ausflug in den Wald sehr dabei geholfen, beim Weihnachtsfest vollkommen ruhig und gelassen zu bleiben, obwohl rings um mich herum alle in Panik verfallen sind. Aber die Panik währte nicht lange, denn mir gelang es, meine Ruhe auf alle Anwesenden auszustrahlen. Ich hatte mit meiner Familie so ein schönes Fest wie schon lange nicht mehr und es wird mir noch lange in Erinnerung bleiben! Dieses Jahr prallt der Weihnachtsstress vollkommen an mir ab, weil ich weiß, dass die Tage in den Wald geht, wo ich mein Fest ein wenig anders feiere. Für mich. Abseits des Trubels. Und ich weiß, dass es mir Kraft geben und nicht Kraft rauben wird.

Egal, was du an Weihnachten tust – ich wünsche dir, dass du dabei glücklich bist, dass du in dir ruhst und von deinem vielleicht manchmal chaotischen Alltag abschalten kannst. Nutze die Zeit, um mit den Menschen um dich und vor allem mit dir selbst in Kontakt zu treten.

Was denkst du über das Weihnachtsfest wie es heute ist und vielleicht früher war? Hast auch du vielleicht ein ganz persönliches Ritual?

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4 Kommentare

  1. Schöner Beitrag 😀 Eigentlich braucht man da gar nicht viel drumrumreden. Wenn man sich das Beste aus beiden Festen raussucht wird da ein echter Schuh draus. Ich find mit mehr Feiern und selbständigem Denken und weniger Jammern und beten kann man Weihnachten echt was abgewinnen.

    Glaube hin oder her: Man kann sich auf jeden Fall drauf einigen, dass die Stimmung toll ist. Ja, Kerzen sind toll. Grüne, geschmückte Bäume im Winter auch. Und von den Liedern gibts im Zweifelsfall auch Metal-Coverversionen, wenn man mal keine Lust auf allzu viel Besinnlichkeit hat.

    Aber man muss da seinen Weg finden und ich hab da auch ne Weile gebraucht, bis es jetzt soweit war.

  2. Ja, den eigenen Weg an Weihnachten zu finden, ist nicht für alle einfach. Aber es lohnt sich, denn ständig dagegen anzukämpfen ist anstrengend und bringt in dem Fall nichts. Weihnachten wird trotztdem stattfinden. 😉

  3. Sehr schön, bei uns ist es so, dass wir uns keine Geschenke (mehr) gegenseitig machen. Nur noch die Kinder bekommen etwas. Auch wird am 1. Weihnachtstag einfach nur zusammen gesessen und gegessen. Es ist schön. Ich persönlich finde Weihnachten wichtig, es ist ein Abschluss des Jahres und es gehört irgendwie auch einfach dazu. Klar, die Konsumgesellschaft hat es verkommen lassen, aber letztlich betrifft es uns nur soweit, wie wir es selbst zulassen. In diesem Jahr beschäftige ich mich auch ganz bewusst mit den Rauhnächten, habe mir ein Buch gekauft, und zwischen Heiligabend und dem 6. Januar wird jeden Tag/Nacht ein gewisses Ritual vollbracht. Das finde ich auch total schön und ist für mich genau das richtige. Jeder muss eben seinen eigenen Weg finden, ich denke, ich befinde mich auf einem ziemlich guten. ;D
    Dir wünsche ich auch noch eine schöne Zeit diese Tage!!!

    • Liebe Ildiko,
      deinen Satz finde ich sehr schön: „…aber letztlich betrifft es uns nur soweit, wie wir es selbst zulassen.“ Das stimmt genau. Wir haben es selbst in der Hand, Weihnachten zu einem schönen Fest zu machen oder griesgrämig oder voller Stress auf die Tage zu blicken.
      Die Thematik mit den Rauhnächten hat mich auch immer interessiert, aber ich habe mich bisher noch nicht so richtig damit auseinandergesetzt. Aber ich empfinde diese Tage tatsächlich als sehr besonders und eben „zwischen den Jahren“. Meine Gedanken sind da ganz anders, ich bin nicht mehr im Alltag.

      Dir auch noch eine schöne Zeit und alles Liebe! 🙂

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