Wie du Kritik als Kompass nutzen kannst – in 5 Schritten

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Wenn du deinen Leidenschaften folgst, wirst du zwangsläufig früher oder später auch auf Kritik treffen. Je mehr dein Selbstbewusstsein gerade noch „in Bearbeitung“ ist, desto härter wird dich diese Kritik treffen. Doch auch, wenn du bereits eine starke Persönlichkeit hast, bist du oftmals nicht vor dieser Art Kritik gefeit, die kommen wird. Denn sobald du irgendetwas tust, was dich von der Masse abhebt, machst du dich automatisch zum Zielobjekt von Kritik.

„Es allen recht machen“ ist nicht mehr

Es wird viele Menschen geben, die das, was du tust, mehr als nur gutheißen werden (hoffentlich gehören deine Freunde und Familie hierzu), doch du wirst auch auf Menschen treffen, die dir in oftmals barschen Worten verkünden werden, dass das, was du tust, entweder „nicht gut genug“, „ganz nett“ (sie werden dabei lächelnd zeigen, dass sie dich nicht ernst nehmen) oder am schlimmsten „totaler Unsinn“ ist. Ich hoffe, dass deine Freunde und Familie nicht zu dieser Sorte gehören, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass zumindest einige von ihnen es tun. Pauschal lässt sich sagen: Je aktiver du dich in die Gesellschaft einbringst, desto mehr polarisierst du die Menschen. Ich habe mal gelesen, dass dies ein Zeichen für Erfolg ist. Leider fällt es mir selbst oft alles andere als leicht, das immer so zu sehen.

Wenn man gerade dabei ist, sein Selbstbewusstsein aufzubauen und sich auf die positiven Seiten seiner Person konzentriert, ist eine Kritik, ebendiese betreffend, geradezu vernichtend. Sie schmerzt wie ein Stachel in der Haut und lässt das mühsam aufgebaute Kartenhaus sofort einstürzen. Plötzlich hört man sie wieder, die innere Stimme, die einem erzählt, man sei nichts wert und mache sowieso alles falsch. Die Stimme, die wir beim Entdecken unserer Leidenschaften vielleicht schon lange Zeit nicht mehr gehört haben. Obwohl die Kritik an sich vielleicht sachlich geäußert war, neigt man dazu, sie zu übergeneralisieren, also alles noch schwärzer zu malen als es ist.

Warum tut Kritik so weh?

Da ich mir einen großen Traum erfüllt habe und meiner Leidenschaft für das Schreiben gefolgt bin, habe ich einen Roman verfasst; etwas, das ich schon immer tun wollte. Ich will so sehr, dass dieses Ding in den Regalen der Bücherläden steht, dass ich bereit bin, alles dafür zu geben. In einem Schreibratgeber las ich, dass man das vollendete Werk Freunden oder Nichtfreunden zum Korrekturlesen geben sollte, damit man die gröbsten Fehler sieht, bevor man die Veröffentlichung angeht. Ich kann mich gut daran erinnern, dass sich schon beim Lesen dieses Tipps alles in mir dagegen gewehrt hat. Ich hasse es, andere über meine Sachen „drüberschauen“ zu lassen. Und normalerweise bin ich bisher immer ziemlich gut alleine gefahren, doch diesmal wollte ich nicht nur ganz gut sein, ich wollte das Buch perfekt machen und genau dazu brauchte ich die Meinung von außen.

Schweren Herzens sendete ich vor einigen Monaten meine bereits zweimal überarbeitete Fassung an verschiedene Freunde. Ich wusste, dass es nicht schön sein würde, wenn ich die Korrekturen zurückbekam, doch ich wusste auch, dass es keinen anderen Weg gab, das Buch sonst zu verbessern. Es führte kein Weg daran vorbei, sich meinen dunklen Persönlichkeitsanteilen zu stellen.

Und tatsächlich fiel meine Reaktion auf die Korrekturen wie erwartet aus: Ich rebellierte, war sauer und enttäuscht und übersah das Lob (welches durchaus reichlich vorhanden war) vollkommen. Jedes Mal, wenn ich eine korrigierte Version zurückbekam und sie überflog, war mein Tag danach gelaufen. Ich wusste natürlich, dass die Korrekturleser in vielerlei Hinsicht recht hatten, doch bei manchen machte es mich regelrecht verrückt, weil bestimmte Figuren von unterschiedlichen Lesern vollkommen verschieden wahrgenommen wurden und es lediglich eine Geschmackssache war. Die Kritik wäre vermutlich halb so schlimm gewesen, wenn das Lob deutlicher gewesen wäre. Also für mich deutlicher. Ein Teil von mir hatte wohl unbewusst gehofft, dass Korrekturen zurückkamen, die vor Lob nur so überschwappten.

Jedenfalls ging es mir die Tage danach nicht wirklich blendend und ich musste das alles erst einmal verdauen. Dabei wusste ich ganz genau, wo das Problem lag! Ich war ganz weit weg von meinem inneren Ich. Ich identifizierte mich nur mit dem Außen und fühlte nicht, wer ich wirklich war. Denn wenn alles wegfällt – Ansehen, Leidenschaften, Macht, Talente, usw. – dann bleibt da immer noch ein Teil von uns, der über all dem steht und sich nicht wichtig machen will, dem Lob oder Kritik egal sind, weil er einfach nur ist. Das war mir theoretisch alles bewusst. Aber ich schaffte es nicht willentlich, mich mit meinem inneren Ich zu verbinden.

Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich meine Trotzphase überwunden hatte. Doch letztendlich ist es mir gelungen. Etwas in mir wusste schon lange, dass die Kritik mich stärker machen würde, dass es mir danach leichter fallen würde, mit ihr umzugehen. Und genau das ist geschehen. Jetzt kann ich vollkommen ruhig an meinem Buch arbeiten, die Kritik umsetzen und bin sogar auch noch dankbar dafür! Ich weiß jetzt, dass Kritik ein Kompass ist, der einen durch kleine Kursveränderungen irgendwann ans Ziel bringen wird!

Wie gelang mir das Umdenken?

Oftmals ist die erste Reaktion auf Kritik das Leugnen und ein anschließendes Ablenken. Das ist vollkommen in Ordnung, auch mir geht es da so und ich lasse es zu. Der Schmerz ginge sonst zu tief. Doch er kommt immer wieder hoch; mich hat er zum Teil nächtelang  verfolgt und mir Alpträume beschert. Denn wenn wir uns zu lange ablenken und so tun, als hätte die Kritik niemals stattgefunden, nehmen wir uns etwas Essenzielles: Die Möglichkeit, uns zu entwickeln. Je mehr wir leugnen, desto eher wird die Reaktion auf weitere Kritik weiteres Leugnen sein. Sicher ist manche Kritik vollkommen unbegründet und zielt nur darauf ab, uns zu verletzten. Doch selbst daraus können wir immer etwas lernen, auch wenn es nur die Lektion ist, uns davon nicht runterziehen zu lassen.

Ich weiß, dass ich die Kritiken für mein Buch alle annehmen muss, ich habe nicht die Möglichkeit, sie zu leugnen – was es umso schmerzvoller für mich machte – und genau das ist es, das mich persönlich  weiter reifen ließ. Durch das Annehmen lernte ich, mich kontinuierlich zu verbessern und gelassener zu werden. Vor allem aber lernte ich, sie nicht persönlich zu nehmen, was im Grunde genommen nichts anderes bedeutet, als dass meine Persönlichkeit, also mein inneres Ich, davon unberührt blieb. Es war vielleicht eine schmerzhafte Lektion, aber ich habe aus ihr gelernt. Ich wollte aus ihr lernen.

 

5 Schritte, wie du Kritik als Kompass nutzen kannst:

1. Das Leugnen

Wenn dich die Kritik sehr hart getroffen hat, gehört das dazu. Lenke dich ruhig in der nächsten Zeit ab: Unternimm etwas, lese, surfe im Internet. Mach irgendetwas, das dir Spaß macht und dich auf andere Gedanken bringt.

2. Das Stärken des Selbstbewusstseins

Wenn du das Gefühl hast, genug geleugnet zu haben, tue etwas, das dich in dem bestärkt, wer du wirklich bist. Bei mir ist das die Meditation und der Kontakt zur Natur, bei dir mag das vielleicht Sport sein, ein langes Bad, etwas Künstlerisches oder auch Praktisches. Je nachdem, was dir ein so richtig gutes Gefühl gibt.

3. Die Konfrontation

Erst wenn du dich so richtig gut fühlst, konfrontiere dich erneut mit der noch unverdauten Kritik. Wenn du sie schriftlich hast, lese sie noch einmal durch; wenn sie dir mündlich gegeben wurde, versuche, dir den Wortlaut genau in Erinnerung zu rufen. Beobachte aufmerksam die Gefühle, die in dir aufkommen ohne sie ändern zu wollen.

4. Die Akzeptanz

Oft tritt die Akzeptanz nach einem gewissen Abstand (der durch das Leugnen und Stärken des Selbstbewusstseins entstanden ist)  von alleine ein. Sollte sie dies nicht tun, hilft es, immer wieder den Satz „Es ist so, wie es ist“ zu wiederholen. Du kannst die Kritik selbst nicht verändern. Akzeptiere sie vollkommen. Manchmal braucht es seine Zeit, bis dieser Schritt sich vollkommen vollzogen hat. Nimm sie dir. Das ist vollkommen in Ordnung!

5. Das Handeln

So, und nun überlege dir, was dir die Kritik nützt und handle danach. Es kann durchaus sein, dass du zu dem Schluss kommst, dass sie überhaupt nicht berechtigt ist und dich dazu entschließt, sie zu ignorieren. Doch sollte etwas Wahres dran sein, bist du jetzt gefragt: Was kannst du verändern? Wie kannst du das Kritisierte verbessern? Und wenn du das weißt, schließt du Freundschaft mit der Kritik und dem Kritiker. Und genau dann, bist du auch in der Lage, Dankbarkeit dafür zu empfinden.

Du wirst sehen: Je öfter du diesen Prozess durchlebst, desto schneller wird er vonstatten gehen und desto besser kannst du sofort zum Handeln springen. Das ist mir erst vor ein paar Tagen passiert und ich war total erstaunt, wie einfach es plötzlich war und wie wenig ich Kritik als Angriff empfunden habe. Aber das ist nur möglich, wenn du nicht ständig beim Leugnen und anschließendem Abwehren bleibst.

Gehe alle 5 Schritte. Du wirst sehen – es lohnt sich!

Wie ist es bei dir? Fällt es dir leicht, Kritik anzunehmen oder wirkt sie bei dir zerstörerisch? Hattest du vielleicht – wie ich – ein Schlüsselerlebnis, das dir das Annehmen von Kritik leichter machte?

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2 Kommentare

  1. Bei mir entscheidet mein aktueller emotionaler Zustand darüber, wie ich mit Kritik umgehen kann. Wenn ich sowieso schon disconnected bin und die Verbindung zu mir selbst nicht spüre, dann wirft mich harte Kritik voll vom Stuhl. Leugnen ist meistens die erste Reaktion, bis ich wieder die Verbindung zu mir selbst gefunden hab.

    Ich glaube, dass ich ohne die Verbindung zu mir selbst auch gar nicht in der Lage bin, Kritik auf konstruktive Weise anzunehmen. Ich nehm sie dann viel zu persönlich.

    Aber wenn’s mir gut geht, weil ich mich spüre und bei mir bin, weil ich connected mit meinem inneren Genie bin, dann läufts. Dann erzeuge ich Distanz direkt im Moment, in dem ich kritisiert werde – und kann sie objektiv analysieren.

    Alles im allem kommt’s bei mir also auch darauf an, dass ich erstmal mit mir im Reinen bin. Im Einklang mit dem inneren Genie. 🙂

    • Genau, Micha, so ist das bei mir auch. Der Zustand entscheidet, ob ich bei Schritt 1 anfangen muss, oder direkt zum letzten Schritt hüpfen kann. 🙂 Ich bin mir sicher, dass mich Kritik auch weiterhin noch so einige Male treffen wird, wenn ich nicht – wie du es schreibst – connected bin. Aber je weiter wir uns entwickeln, desto öfter sind wir connected, oder? Und desto leichter fällt es uns, konstruktiv mit Kritik umzugehen! 🙂

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