Wie es dir gelingt, einen Lehrer zu finden

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Kennst du das auch, dass du dich ein wenig alleine fühlst? Hast auch du den Eindruck, dass du jetzt genug gelesen hast und es jetzt schön wäre, wenn dir jemand aus Fleisch und Blut etwas beibringen könnte? Vielleicht warst du schon bei einem tollen Vortrag oder Seminar, aber die Person hat so viel zu tun, dass sie dich nicht eins zu eins betreuen kann? Aber genau das wünschst du dir: einen Lehrer. Jemanden, der ein wenig „weiter“ ist als du und der dich an die Hand nimmt und dir zeigt, in welche Richtung es für dich geht. Jemanden, der deine Entwicklung unterstützt und mit dem du Neues lernen kannst. Auch mir ging es so. Bis ich verstand: Es ist nicht so schwer, einen Lehrer zu finden. Auch dir kann das gelingen!

Verschiedene Arten von Lehrern

Wenn wir uns auf die Suche nach einem glücklicheren und bewussteren Leben machen, stellen wir fest, dass wir dabei ziemlich alleine sind und niemand in unserer Umgebung uns so recht versteht, geschweige denn uns dabei helfen kann, dass wir uns weiterentwickeln. Ich habe sehr viel aus Büchern und von anderen Bloggern gelernt, während ich den Eindruck hatte, dass es hier in der Gegend nur wenige gibt, die mich auf meinem Weg unterstützen können. Manchmal habe ich mich deswegen ganz schön einsam gefühlt.

Aber, wie sagt man so schön? Wenn der Schüler bereit ist, erscheint der Meister. Und mir ist er erschienen. Nur in einer völlig anderen Gestalt, als ich erwartet hatte. Er hat weder einen Rauschebart noch sitzt er den ganzen Tag im Lotussitz und meditiert. Mein Meister ist nicht eine Person. Seine Lehre teilt sich mir durch viele verschiedene Menschen mit – doch er ist nicht nur auf diese Form beschränkt.

Ich musste feststellen, dass unsere Definition von „Lehrer“ meist nicht weit genug reicht. Bei jemandem in die Lehre zu gehen, so wie es ein Zen-Schüler vielleicht einst tat (und es immer noch tut?), ist heutzutage in unserer Gesellschaft nicht allzu üblich. Wir haben nicht „den“ Lehrer, der uns für alle Lebensfragen zur Seite steht. Vielmehr ist es so, dass unser Leben so komplex geworden ist, dass wir in unterschiedlichen Bereichen völlig verschiedene „Experten“ zu Rate ziehen müssen.

Aber genau das geht immer und überall, wenn man nur weiß, wonach man suchen muss. In diesem Artikel möchte ich dir ein paar ungewöhnliche Lehrer vorstellen, die dir sehr viel über das Leben und über dich selbst beibringen können, wenn du es nur zulässt und dich dafür öffnest. Eine gute Prise Reflexion und Achtsamkeit ist dafür wichtig, denn sonst kann es sein, dass der Lehrer vor deiner Nase steht und du ihn als solchen gar nicht erkennst.

Schwierige Menschen

Ist dir schon mal aufgefallen, dass gerade die Menschen, die wir als schwierig oder nervig empfinden, oft die besten Lehrer sind? Sie schaffen es auf einzigartige Weise, unsere eigenen Schwächen zu spiegeln und uns an das heranzuführen, was bei uns angesehen werden will. Natürlich wehren wir uns zunächst dagegen und wollen es nicht wahrhaben. Wir ärgern uns über diese Menschen, wünschen sie uns weg und fragen uns, warum wir sie in unserem Leben haben. Ich bin mir sicher: Nichts geschieht aus Zufall. Jeder einzelne Mensch, der gerade in deinem Leben ist, ist dort aus einem sehr guten Grund.

Wenn wir unter jemandem leiden, der schnell an die Decke geht und oft cholerisch reagiert, kann das zum Beispiel ein Zeichen dafür sein, dass wir selbst unsere eigene Wut nicht zulassen können, obwohl das für unsere Entwicklung wichtig wäre. Wut treibt uns an, Dinge zu verändern, sie lässt uns handeln. Oftmals ärgern wir uns auch über die Menschen am meisten, die uns eigentlich sehr ähnlich sind. Wir sehen eine Verhaltensweise bei ihnen, von der wir eigentlich wissen, dass wir ebenfalls Gefahr laufen, sie anzunehmen. Durch das Herabsetzen dieser Menschen wollen wir uns davor beschützen, so zu werden wie sie. Und steuern meist geradewegs darauf zu.

Es lohnt sich also, genau hinzuschauen, welche Menschen das sind, die uns regelmäßig als „schwierig“ erscheinen. Wichtig ist, dass wir nicht versuchen, sie zu verändern, sondern uns ganz bewusst und so neutral wie möglich ansehen, warum sie immer wieder bestimmte Knöpfe bei uns drücken. Wo gibt es etwas, das angesehen werden will? Was will mir diese Person indirekt sagen? Gibt es Anteile von ihr in mir, die ich nicht wahrhaben will? Und irgendwann können wir sogar dankbar sein für diese Menschen in unserem Leben. Dieses Gefühl ist wirklich wundervoll.

Probleme

Genauso wie schwierige Menschen können auch unsere Probleme und Krisen zu fantastischen Lehrern werden. Hier ist das Ganze ein wenig abstrakter und wir haben nun nicht mehr eine bestimmte Person vor uns, sondern ein Ereignis oder eine Situation – etwas, das wir als problematisch empfinden. Unsere Tendenz ist auch hier wieder, es „weghaben“ zu wollen, ohne dass wir uns die Zeit nehmen, es genau anzusehen und zu überlegen, was es sein kann, das wir hier von diesem Problem lernen können.

Jedes Mal, wenn wir ein Problem lösen oder eine Krise überwinden, macht uns das stärker. Sicher kennst auch du Ereignisse in deinem Leben, die du verflucht hast, während du dringesteckt bist – im Nachhinein erwiesen sie sich jedoch als der größte Segen. Wenn ich so auf meine Krisen zurückblicke, war das bisher immer so. Ich weiß, das ist schwer zu glauven, wenn man gerade mittendrin steckt. Aber hab Vertrauen. Es wird sich lösen und du wirst stärker als je zuvor daraus hervorgehen. Habe Geduld, vertrau dem Leben und dir selbst und stelle dir immer wieder die Frage: Was will mir diese Situation sagen? Wieso bin ich hier? Was kann ich daraus lernen? Die Antwort müssen wir dabei nicht sofort finden. Oft ist sie mit Worten gar nicht zu beschreiben. Aber wenn wir sie finden, wissen wir es. Und dann löst sich unsere Schwierigkeit wie von Zauberhand auf.

Inspirierende Menschen in deinem Umfeld

Auch wenn du glaubst, dass es in deiner Gegend nur Menschen gibt, die dich nicht verstehen oder dich herunterziehen, bin ich mir sicher, dass auch du jemanden kennst, der dich inspiriert. Das muss nicht der komplette Mensch sein, es kann ein Teil von ihm sein. Du musst ihn dafür nicht durch und durch kennen. Deine ältere Nachbarin beispielsweise, die immer ein Lächeln auf den Lippen trägt, obwohl sie schon so viel Leid und Kummer erlebt hat. Bei mir ist das beispielsweise Philipp, der Postbote. Diese Menschen können dir zeigen, dass es sich lohnt, dem Leben mit Freude und Vertrauen zu begegnen, wenn du es zulässt.

Aber du kannst auch den ersten Schritt aktiv auf einen Lehrer zugehen. Gibt es in deiner Nähe vielleicht eine Yoga- und Meditationsgruppe? Hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, einen Lehrer zu finden, der ähnlich tickt wie du. Oder vielleicht bietet der nette Herr im nächsten Ort ja einen Wildkräuterspaziergang an oder eine Frau berichtet von ihrer Reise nach Peru im Dorfgemeinschaftshaus. Überall gibt es inspirierende Menschen, die Dinge wissen, von denen wir noch keine Ahnung haben. Scheue dich nicht, auf sie zuzugehen, wenn du spürst, dass die Chemie stimmt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie sich riesig über Feedback und neue Bekanntschaften freuen.

Nichtmenschliche Lehrer

Doch nicht alle Lehrer müssen Menschen sein. Wenn du ein Tier adoptiert hast, das es vorher vielleicht schlechter hatte – ja, womöglich sogar traumatisiert wurde – dann weißt du, was ich meine. Auch wenn meine Hündin immer noch Angstverhalten zeigt und das wohl niemals weggehen wird, so habe ich doch ihre Entwicklung miterlebt. Sie vertraut dem Leben. Und wenn sie in eine Situation gerät, in der sie sich ihrer Angst stellen muss, grübelt sie davor nicht ewig herum und macht sich auch danach keine Gedanken, ob sie sie nun angemessen bewältigt hat oder nicht.

Katzen beispielsweise sind wahre Zen-Meister. Sie meditieren wie kaum ein anderer und leben völlig im Hier und Jetzt. Alleine schon ihr Schnurren versetzt mich in einen völligen Entspannungszustand.  Das funktioniert auch bei anderen Tiere. Ein Vogel kann dich die Freiheit lehren, ein Fuchs Schlauheit und eine Schnecke Gemächlichkeit. Tiere haben uns sehr vieles voraus: Sie wälzen keine Probleme und genießen das Leben, wann immer es geht. Sie haben kein Problem damit, sich selbst zu lieben und finden sich weder zu dick noch zu hässlich. Dieses einfache Sein überträgt sich auf uns, wenn wir viel Zeit mit ihnen verbringen.

Auch Pflanzen und Bäume, ja, sogar Unbelebtes wie Steine und Berge können Lehrer für uns sein. So ein Baum steht völlig gelassen und fest verwurzelt da. Er beklagt sich nicht darüber, dass er im Herbst seine Blätter verliert und wenn ein Ast abbricht, wächst er eben woanders weiter. Wenn wir wachsam sind uns viel Zeit in der Natur verbringen, werden wir feststellen, dass alles um uns herum uns etwas über das Leben und uns selbst lehren kann.

Deine Partner, Freunde und Familie als Lehrer

Ich weiß, du wärst nicht auf der Suche nach einem Lehrer, wenn du ihn bereits in deiner unmittelbaren Umgebung hättest. Manchmal fühlen wir uns von unseren Liebsten völlig abgetrennt und haben den Eindruck, dass sie komplett anders ticken als wir selbst. Aber vielleicht sind sie gar nicht so verschieden? Vielleicht benutzen sie für ein und dasselbe Verhalten nur ein anderes Vokabular? Früher konnte ich nie etwas mit dem Begriff „Gott“ anfangen, letztens habe ich jedoch ein wundervolles Gespräch mit einem Freund darüber gehabt, weil ich es zugelassen habe, dass wir für ein und dasselbe unterschiedliche Begriffe benutzen. Plötzlich sind wir uns wirklich begegnet.

Manchmal glauben wir, wir seien „weiter“ als die Menschen um uns herum. Aber trifft das auch in allen Punkten zu? Ich glaube nicht! Ja, ich kann vielleicht länger meditieren als mein Partner, dafür hat ihm niemals jemand beibringen müssen, wie man sich Zeit für sich alleine nimmt und seinen Bedürfnissen folgt – etwas, von dem ich mir noch ein gutes Scheibchen abschneiden darf.

Wenn du offen an die Personen in deinem Leben herangehst, ohne sich gleich mit Vorurteilen zu erdrücken, werden sie dir zuhören und dich verstehen. Auf einer viel tieferen Ebene als zuvor. Und dann werden Zufälle geschehen, die neue Menschen in dein Leben bringen.

Und irgendwann (ich bin selbst noch nicht ganz so weit) wirst du erkennen, dass alles um dich herum dein Lehrer sein kann. Das ganze Leben. Und ja – auch du selbst.

Hier geht’s zu noch mehr Artikeln:
Wie Philipp, de Postbote mich lehrte, die Wahrheit zu sagen
Wieso uns immer wieder dasselbe begegnet
Warum wir unseren Schatten brauchen

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2 Kommentare

  1. Interessanter Artikel. Danke dafür.

    Für mich ist der beste Lehrer immer noch das Buch.
    Ist nicht ungeduldig, nimmt sich die Zeit die man braucht, kann man so oft wiederholen wie man möchte, Geschwindigkeit passt sich dem Leser an und man kann leicht vom einen zum anderen wechseln.

    Ich glaube es geht gar nicht darum, „weiter“ zu sein als jemand anderer. Es ist einfach immer nur wichtig, besser zu werden und besser zu sein als man am Vortag war, denkst du nicht auch?

    fb.com/DerWieser

    • Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Ja, das Buch ist wirklich ein wundervoller Lehrer, ich hatte sehr viele Erkenntnisse aus Büchern, und ich liebe es, zu lesen! Aber ich habe festgestellt, dass Dinge doch sehr viel besser hängenbleiben, wenn man sie mit Gesprächen und persönlichen Erlebnissen verbindet. Und ich bin dafür, von allem zu lernen! 🙂
      Ist „weiter“ und „besser“ nicht im Grunde dasselbe? Ich mag beide Wörter eigentlich nicht so wahnsinnig gerne. Aber du hast recht damit, dass man sich nicht mit anderen, sondern mit sich selbst vergleichen sollte. Darum geht es: um persönliche Entwicklung. Da stimme ich dir vollkommen zu!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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