Wie Philipp, der Postbote mich lehrte, die Wahrheit zu sagen

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Nennen wir ihn mal Philipp. Das hab ich auch gemacht, bevor ich mich getraut habe, ihn nach seinem wirklichen Namen zu fragen. Philipp ist der großartigste Postbote der Welt. Okay, er ist Paketzusteller (so nennt sich das offiziell) und fährt eins von diesen gelben Autos mit den drei roten Buchstaben. Dank meines internetshoppingbegeisterten Partners besucht Philipp mich meist mehrmals die Woche gegen halb 10 Uhr morgens. Besuchte. Leider muss er seine Tour an jemand anderen abgeben und ich habe ihn heute vermutlich das letzte Mal gesehen, es sei denn, wir laufen uns vielleicht mal so über den Weg. Ich bin traurig, aber auch zutiefst dankbar, denn ich durfte von ihm in den letzten Monaten so einiges lernen. Allen voran, dass es ein großartiges Gefühl ist, die Wahrheit zu sagen.

Was Philipp so besonders macht

Philipp ist kein gewöhnlicher Postbote, das habe ich immer wieder gemerkt, als er Urlaub oder einen freien Tag hatte. Er ist wirklich immer gut gelaunt, hat stets ein Lächeln auf den Lippen, bringt alle Pakete in die 2. Etage und wehrt sich vehement dagegen, wenn ich mal runterkommen will. Wenn er einen schönen Tag wünscht, dann meint er das auch so und rattert es nicht einfach nur runter. Philipp macht einen Job, der sicher anstrengend ist. Aber er macht ihn so, dass es kinderleicht aussieht.

Nein, das ist nicht selbstverständlich. Ein anderer Postbote schmiss mir ein Paket vor die Füße und schnauzte mich an, dass es schwer sei. Ein anderer kam selbst dann nicht hoch zur Tür, als ich ihn über die Sprechanlage bat, das Paket hochzutragen, weil ich krank war. Wieder andere quetschen Pakete, die eindeutig nicht in den Briefkasten passen, trotzdem hinein, sodass der Inhalt danach kaputt ist. Ich will nicht jammern, das alles ist halb so wild. Ich will dir damit nur sagen, dass Philipp wirklich ein ganz besonderer Postbote ist. Eine Person, die mir absolut den Tag versüßt, auch wenn ich sie nur kurz sehe.

Wie Leidenschaft und Freude alles verändern

Das ist absolut eins der Dinge, die Philipp grandios beherrscht. Manchmal merkt man ihm an, dass der Job nicht einfach ist, aber davon lässt er sich nicht runterziehen. Ich bin mir sicher, dass manche Leute, denen er Pakete bringt, vielleicht ein wenig unfreundlich sind. Aber es scheint, als ließe er das nicht an sich heran. Er zeigt mir: Es ist eigentlich egal, was man tut – solange man es voller Freude tut. Ich glaube, sein wahrer Job ist es nicht, Pakete auszuliefern, sondern Freude. Seine „Berufung“ ist es, anderen durch seine Art ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.

Und genau das können wir auch tun. Wir können, wenn wir voller Energie und Liebe sind, genau das an die Menschen um uns herum weitergeben. Damit tun wir nichts Geringeres als die Welt zu verändern. Diese Freude ist wirklich ansteckend, sie verbreitet sich wie ein Virus. Je mehr Menschen sie nach außen tragen, desto mehr andere Menschen werden erreicht. Wir alle können „Botschafter der Freude und der Leidenschaft“ sein. Philipp zeigt mir, dass das eigentlich in jedem Beruf funktioniert. Paketzusteller zu sein ist vielleicht nicht der Traumberuf von jedem, aber ich glaube trotzdem, dass er Philipp erfüllt. Nicht unbedingt, weil der Job toll ist, sondern weil er ihn toll macht!

Warum es so gut tut, die Wahrheit zu sagen

Da ich mich jedes Mal darauf freute, dass Philipp mich wieder mal „besucht“ und einfach nur so glücklich über „meinen“ Postboten war, hat er schon zu Weihnachten eine Karte mit einer Kleinigkeit bekommen. Ich musste es ihm einfach sagen, dass er toll ist! Es hat sich so gut angefühlt, ihm eine Freude zu machen, obwohl er sonst immer mir eine macht!

Und mir ist aufgefallen: Wir sagen anderen Menschen viel zu selten die Wahrheit, wenn wir sie klasse finden. Das ist es, was ich in diesem Artikel mit „Wahrheit“ meine. Natürlich kann man jemandem auch eine unangenehme Wahrheit mitteilen, das finde ich auch wichtig. Aber heute geht es mir um eine wundervolle, freudvolle Wahrheit. Es geht mir darum, einem Menschen, der einem sonst mit seiner Art so viel gibt, etwas zurückzugeben, es ihm mitzuteilen, dass man ihn super findet und dass er eine Bereicherung für die Welt ist.

Obwohl die meisten von uns das eine tolle Sache finden, trauen wir uns aber sehr oft nicht. Ich war mir unsicher, ob ich das als junge Frau einem jungen Mann gegenüber überhaupt sagen kann, ohne dass es missverstanden wird. Aber hey – letzten Endes war es mir egal. Mir war es wichtiger, dass er weiß, was für einen großartigen Job er macht als dass er sich irgendwas dabei „denkt“, was vermutlich eh nur in meinem Kopf existiert. Als er sich dann beim nächsten Mal für die Karte bedankte, wusste ich einfach nur, dass es die richtige Entscheidung gewesen war. Und ich nahm mir vor, viel öfter die Wahrheit zu sagen.

Das ist nicht immer einfach. Außer der Angst, missverstanden zu werden, ist da noch ein großes „Aber das macht man doch nicht“ in den meisten von uns. Warum eigentlich nicht? Was kann verkehrt daran sein, wenn man jemandem sagt, dass man ihn toll findet? Hat das echt mit unserer viel zu engen und romantisierenden Vorstellung von Liebe zu tun? Wird da wirklich ständig etwas hineingedeutet? Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die andere Person denkt, man sei ein wenig verrückt. Also ich finde das ja schon fast ein Kompliment! 🙂

Aber das Schönste, was passieren kann, ist, dass die Person sich bestätigt fühlt, sich unglaublich darüber freut und noch motivierter ist, so weiterzumachen. Wie fühlst du dich, wenn dir jemand sagt, dass du ein wundervoller Mensch bist? Wünschst du dir manchmal nicht auch, dass andere das öfter zu dir sagen würden? Wir alle brauchen etwas Zuspruch, wir alle wollen wissen, dass wir mit dem, was wir tun und wie wir sind, etwas bewirken oder veränden können – sei es nur im Kleinen. Wieso fangen wir dann nicht selbst damit an und machen genau das zu etwas „Normalem“? Wäre das nicht ein fantastischer Weg, um die Welt Schritt für Schritt in einen schöneren Ort zu verwandeln und den eigenen Passionflow weiterzugeben?

Und jetzt du!

Vielleicht kennst auch du jemanden wie Philipp? Eine Person, die einfach alle um sich herum mit ihrer Lebensfreude ansteckt? Jemanden, der morgens mit dir im Bus mitfährt, jemanden, der dich täglich aus dem Vorgarten grüßt? Auch ich habe nicht nur den „einen“ Philipp – es gibt noch so viel mehr Menschen, denen ich die Wahrheit sagen will! Wer ist es bei dir? Wer ist „dein Philipp“? Wer inspiriert dich, wer gibt dir im Kleinen Kraft und Lebensfreude, wer zaubert dir ein Lächeln auf dein Gesicht? Kannst du ihm oder ihr vielleicht schon heute die Wahrheit sagen?

Dir fällt es schwer, dich auszudrücken? Mir auch.

Ich bin manchmal ein wenig ungelenk, was das Aussprechen von solchen Wahrheiten angeht. Das find ich schwer, mir fallen die Worte dann nicht so ein, wenn ich die Menschen anschau. Ich tu mich viel leichter mit Geschriebenem. Und auch, wenn ich mich wirklich darin üben möchte, meine Botschaften mündlich zu überbringen, finde ich überhaupt nichts Verkehrtes an einer liebevoll geschriebenen Karte, ja, auch an einer WhatsApp-Nachricht, in der ich der Person mitteile, dass sie einfach fantastisch ist. Darüber freuen wir uns doch alle!

Eine andere Möglichkeit ist, ein wenig indirekt durch ein Geschenk „Danke“ zu sagen. Vielleicht fällt dir etwas in die Hände, von dem du weißt, dass es der Person gefallen würde? Dann nimm es einfach mit und schenke es ihr! Dafür brauchst du nicht viele Worte, diese einfache Geste ist oft schon genug.

Und wenn du dir auch das noch nicht zutraust, kannst du der Person ja eine anonyme Botschaft zukommen lassen. Einen anonymen Brief oder ein Geschenk eines Unbekannten. Selbst damit wirst du ihr ein Lächeln auf das Gesicht zaubern können, das verspreche ich dir!

Werden wir Botschafter der Freude und Leidenschaft!

Das Interessante ist: Je häufiger man das macht, je mehr man sich öffnet, desto öfter erlebt man die Begeisterung der anderen darüber. Die bestärkt einen darin, einfach damit weiterzumachen. Das ist ein wundervolles Gefühl! Und auf diese Art und Weise wirst du ebenfalls eine Botschafterin oder ein Botschafter der Freude und Leidenschaft! Und, wer weiß, vielleicht bekommst ja du eines Tages eine Karte oder ein unerwartetes Geschenk oder eine Umarmung?

Die hat heute Philipp von mir bekommen. Und eine Karte. Und einen kleinen Gutschein, damit er auch einmal in den Genuss eines Päckchens kommt. Ich bin traurig darüber, dass er nicht mehr kommt, aber gleichzeitig freue ich mich für die Menschen, die ihn nun als nächstes im neuen Bezirk „abbekommen“. Er wird ihr Leben ein klein wenig verändern, das weiß ich. Und wer weiß, vielleicht ist der neue Postbote ja genauso wundervoll? Und wenn er ein mürrischer Kerl ist, dann habe ich mir vorgenommen, dass ich ihn dennoch jedes einzelne Mal anstrahlen werde. Eines Tages wird er nicht mehr widerstehen können und zurücklächeln. 😉

P.S.: Falls du irgendwie hier gelandet sein solltest und das hier liest, „Philipp“: Danke für die wertvollen Lektionen und für dein So-Sein!

P.P.S.: Die wunderschöne Karte auf dem Foto gehört zu den „Crazy Sexy Love Notes“ von Kris Carr – ich liebe ihre fantastischen Botschaften und starte damit immer in den Tag!

Wann wirst du „Botschafter der Freude und Leidenschaft“? Bist du es vielleicht schon? Wem kannst du noch heute die Wahrheit sagen?

Die Wahrheit zu sagen, hat ganz viel mit Liebe zu tun, finde ich. Hier gibt’s mehr zum Thema:
Wie können wir der Liebe das antun?
Podcast Episode 8: Deine Liebe ist universeller, als du glaubst
Brich deine eigenen verdammten Regeln

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4 Kommentare

  1. Du hast ja so Recht! Ich gehöre zu den Menschen, denen die „Wahrheit“ glücklicherweise auch einmal gesagt wurde. Das Erlebnis liegt zwar schon über 20 Jahre zurück, „beglückt“ mich aber auch jetzt noch, wenn ich daran denke. Ich wurde von einem „sehr seriösen, älteren“ Pförtner in meiner Firma eines Tage „herbeizitiert“. Etwas erschrocken ging ich näher zu ihm und dann sagte er: „Ich wollte nur endlich mal sehen, welche Augenfarbe das Fräulein Sonnenschein hat.“ Das ging mir durch und durch – und war keinesfalls sexueller Natur.
    Heute bin ich immer noch ein „Sonnenschein“ und mittlerweile gibt es etliche Kollegen, die mich sogar zuerst anstrahlen. Auch wenn es manchmal etwas länger dauert – ein freundliches Lächeln aus dem Herzen hebt die Stimmung.
    Dir wünsche ich eine gute Zeit und viel Sonne im Herzen, die nach außen strahlt !

    • Was für eine wundervolle Geschichte, liebe Elke! Vielen Dank, dass du sie hier teilst! Wirklich fantastisch, wie der Pförtner sich dazu entschlossen hat, dir „die Wahrheit“ zu sagen! 🙂 Ich wünsche dir noch viele weiter solcher Erlebnisse!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  2. Hi Anna,
    ein super Artikel. Du hast so recht, ein Lächeln kann die Welt verändern. Freundlich und offen sein kann so viel bewirken. Im Endeffekt ist es nichts anderes als Liebe. Für sich, den Unbekannten, Freunde, ja das ganze Leben! Einfach toll.
    Und das zu zeigen ist so stark. Mutig zu sein, anders zu sein und auch auf mögliche Ablehnung hin ehrlich geben zu wollen ist einfach nur stark!

    Bester Satz:
    „…man sei ein wenig verrückt. Also ich finde das ja schon fast ein Kompliment!“
    Hammer! =)
    …scheiss auf die Welt, ich bin wie es mir gefällt! Da ist so authentisch.
    Nur nicht unterkriegen lassen… 😉

    Zweitbester Satz (Elke)
    „Ich wollte nur endlich mal sehen, welche Augenfarbe das Fräulein Sonnenschein hat.“
    Unbezahlbar!

    Bis bald, LG

    • Hallo lieber Pit,
      es freut mich total, dass dir der Artikel so gut gefallen hat. Du bist aber auch ein kleiner Philipp, das durfte ich ja schon erleben. Mach weiter so! Die Welt braucht mehr solcher Menschen! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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