Wieso machen Leidenschaften glücklich und zufrieden? (Der Flow)

Zeichnen

Vielleicht hast du schon einmal den Begriff „Flow“ gehört? Laut dem Begründer und Erforscher des Konzeptes (Achtung, meine Nummer 1 der Namen angeht!) Mihaly Csikszentmihalyi empfindet man Flow, wenn man in einer Tätigkeit vollkommen versinkt, die Zeit vergisst und nur noch man selbst und die Tätigkeit existiert. Hast du das schon einmal erlebt?

Was kennzeichnet einen Flow?

Zum Flow kommt es, wenn unsere Fähigkeiten und die Herausforderung hoch sind, wir jedoch eindeutig den Eindruck haben, die Aufgabe meistern zu können. Die Tätigkeit muss als anregend sein und eine besondere Faszination auf uns ausüben. Das bedeutet immer, dass wir mit Leidenschaft und Hingabe bei der Sache sind, uns fähig fühlen und beim Tun spüren, wie uns etwas gelingt, bei dem wir uns womöglich gerade selbst übertreffen. Der Flow wird als eines der erfüllendsten Erlebnisse oder Gefühle eines Menschen betrachtet.

Mein letztes, großes Flow-Erlebnis

Ist dir das immer noch ein wenig zu abstrakt? Dann lass mich von meinem Erlebnis berichten: Das letzte Mal, dass ich einen langen Flow erlebt habe, war beim Zeichnen. Ich hatte mir vorgenommen, nach einer Vier-Schritte-Anleitung ein Auge mit Buntstiften zu zeichnen. Ich habe noch niemals zuvor wirklich mit Buntstiften gezeichnet und die fertige Vorlage faszinierte mich. Wenn ich solche Zeichnungen früher sah, dachte ich immer: „Was für ein talentierter Mensch dieser Künstler ist!“ Ich weiß, dass ich ein gewisses Talent zum Zeichnen und Malen habe, doch solche Kunstwerke sah ich immer als „außerhalb meiner Reichweite“ an.

Aber mit der Anleitung hatte ich plötzlich das Gefühl, es schaffen zu können. Mein Ziel war also hoch gesetzt, aber dennoch erreichbar. Als ich mit der ersten Skizze begann, musste ich feststellen, dass sie beinahe identisch mit der Vorlage war. Das versetzte mich in einen Rauschzustand, bei dem ich vollkommen im Zeichnen versank. Die Begeisterung darüber, dass es funktionierte, war ein umwerfendes Erlebnis! Ich war im Hier und Jetzt, vollkommen bei mir, bei den Stiften und dem Blatt Papier.

Ich bemerkte, wie mir am ganzen Körper warm wurde, wie eine wahnsinnige Energie meinen Körper durchflutete – es war wie Magie! Als ich das fertige Bild betrachtete, spürte ich einen Stolz, den ich selten so erlebt habe. Ich hatte innerhalb einer knappen Stunde ein Bild zustande gebracht, von dem ich immer dachte, dass es den „sehr Talentierten“ vorbehalten war. Ich hatte mich selbst übertroffen.

Der Flow als Belohnung

Wieso haben wir so großartige Gefühle, wenn wir uns selbst übertreffen? Ich habe einige Erklärungen:

1. Die Belohnung für Entwicklung

Jedes Mal, wenn wir einer Leidenschaft voller Begeisterung und Hingabe nachgehen, entwickeln wir uns weiter. Die komplette Evolution belohnt Entwicklung – durch Glücksgefühle und durch die Möglichkeit, in einer sich ändernden Umwelt zu überleben. Nichts in diesem Universum steht still, alles ist in einem ständigen Fluss. Die Natur belohnt diejenigen, die sich selbst übertreffen, sich mehr zutrauen, mit großartigen Gefühlen, weil sie sich entwickeln will.

2. Die Belohnung für Selbstbewusstsein

Ich weiß jetzt, dass ich in der Lage bin, ein tolles Bild anzufertigen. Ich weiß jetzt, dass ich Dinge wagen kann, von denen ich immer gedacht hatte, dass sie unmöglich sind. Meine Grenzen haben sich ausgeweitet, mein Denken ist flexibler geworden, ich habe das unglaublich gute Gefühl, fähig zu sein. Ich werde mir meiner Stärken und meiner Schwächen besser bewusst – ich werde selbstbewusster. Wenn ich einer Leidenschaft folge, vollkommen in ihr aufgehe, führt mich das also nicht nur zu einem begrenzten Glückserlebnis; es ermöglicht mir, meine Persönlichkeit zu entwickeln und dadurch das Glück in meinen Alltag zu übertragen. Selbstbewusstsein ist ein Grundstein für weitere Entwicklung.

3. Die ultimative Belohnung: Gelassenheit und Zufriedenheit

Durch die leidenschaftliche Tätigkeit empfinde ich ein tiefes Sinngefühl, auch wenn das Zeichnen eines Auges objektiv vielleicht nicht so sinnvoll ist wie jemandem bei einem Umzug zu helfen. Doch das scheint nur auf den ersten Blick so, denn wenn ich solche Sinn-Erlebnisse kultiviere, verändert sich meine Sichtweise auf das Helfen bei einem Umzug. Ich empfinde Freude an meinem Dasein, lerne in der Gegenwart zu leben und alle Augenblicke so anzunehmen, wie sie sind. Wenn ich dann bei einem Umzug etwas fallen lasse, kann ich das viel leichter annehmen und als gegeben betrachten. Ich lerne, mich nicht gegen die Gegenwart zu wehren, ich kann sie oft humorvoll betrachten. Ich lerne, glücklicher zu leben und diese Zufriedenheit auch auf andere auszustrahlen, die sich davon anstecken lassen.

Insofern hat selbst eine Leidenschaft, die zunächst sinnlos erscheint, immer einen übergeordneten Sinn: Persönlichkeitsentwicklung und dadurch inneres Glück und Zufriedenheit.

Und jetzt du: Finde den Flow!

Du siehst also: Durch das Folgen deiner Leidenschaften findest du zum Flow. Und der Flow ist ein unglaublich lohnenswertes Erlebnis, der dich zu wundervollen und darüber hinaus anhaltenden Glücks- und Sinngefühlen führen kann. Es lohnt sich unbedingt, ihn zu erleben.

Überlege dir gleich: Gibt es etwas, das ich gerne tue und bei dem ich mir eine Herausforderung zutraue? Setze dir für diese Woche ein Ziel, wie ich es mir mit dem Bild gesetzt habe. Am Besten ist es, wenn es dir eine Gänsehaut verursacht, wenn du daran denkst. Es sollte dich ein wenig überfordern, dir aber dennoch die Gewissheit geben, es zu schaffen. Wichtig auf der Suche nach dem Flow ist aber, dass du dir keinen unnötigen Druck machst. Du tust das nur für dich. Es ist dein eigenes, privates Glücksempfinden. Und dann: Leg einfach los! 🙂

Hattest du schon einmal ein intensives Flow-Erlebnis? Wenn ja, wobei?

(Wenn du dich mehr für das Thema „Flow“ interessierst, empfehle ich den Klassiger „Flow: Das Geheimnis des Glücks“  Mihaly Csikszentmihalyi)

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2 Kommentare

  1. Hi!
    bin grad 16 geworden und find deinen blog super! meineeltern sagen immer ich soll auf jeden fall nochn abitur machen wenn ich mit der real fertig bin. hab ich aber eigentlich gar kein bock drauf. ich inressier mich total für autos und wollt immer damit arbeiten. da reicht mir auch der real abschluss!
    cu

    • Hallo Tüpfelchen,
      es freut mich sehr, dass dir mein Blog gefällt! Dass du dich für Autos interessierst, ist wirklich eine tolle Sache. Aber wusstest du, dass man auch noch viel tollere Sachen machen kann, wenn man Abitur hat? Du könntest Ingenieurwesen studieren und anschließend deine eigene Werkstatt eröffnen oder Autos bei einer großen Firma designen. Vielleicht macht dir das noch mehr Spaß? Wenn das Abitur und Studium nicht klappt, kannst du ja immer noch eine Ausbildung machen, oder? Auch wenn ich nicht alles im Bildungssystem gut heiße, so hab ich es nie bereut, Abi gemacht und studiert zu haben. Ich habe dabei auch viel über das Leben und über mich selbst gelernt. Informier dich doch einfach, was man alles in deinem Interessengebiet mit Abi machen kann – vielleicht ist das ja gar nicht so schlecht?
      Ich wünsche dir viel Erfolg dabei!

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