Wir brauchen beides: den Moment und unsere Träume

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Langsam „erwache“ ich wieder aus meiner Phase der Verwirrung. Ich bin mir sicher, dass mir das so gut gelingt, weil es mir im Endeffekt gelungen ist, das Verwirrende und Unklare anzunehmen und darauf zu vertrauen, dass wieder Klarheit in mein Leben kommen wird. Doch ich finde mich nun in einem etwas anderen Widerspruch wieder. Einem Widerspruch, den du sicher kennen wirst: Möchte ich meinen Zielen und Träumen folgen (die uns ja nicht umsonst gegeben werden) oder laufe ich dabei nur Gefahr, mich im Außen und in den Wünschen der Gesellschaft zu verlieren? Brenne ich aus, wenn ich zu sehr nach der Erfüllung von etwas strebe und verliere ich den Kontakt zum jetztigen Moment?

Das Auf und Ab des Lebens – völlig natürlich!

Das Leben ist ein Auf und Ab von Phasen. Mal sind wir zurückgezogen, mal voller Energie. Mal sind wir voller Feuereifer und wollen unbedingt etwas erschaffen, ein andermal lässt uns genau das leer zurück. Das habe ich in den letzten Wochen erlebt. Es gab keine Beständigkeit, ich konnte nicht in Worte fassen, was genau ich wollte. Und immer wenn ich meinte, dass es mir endlich gelungen war, musste ich frustriert feststellen, dass mein Wunsch doch ein gänzlich anderer war.

Mir hat es dabei sehr geholfen, dass ich diesen Zustand diesmal schon viel besser annehmen konnte als sonst. Ja, da war ein Schmerz irgendwo in mir, aber es gab kein Leiden. Ist dir schon mal aufgefallen, wie wenig schlimm Schmerzen sind, wenn wir uns nicht mit aller Macht gegen sie wehren, sondern sie annehmen? Ich glaube: Schmerzen gehören dazu. Ohne Schmerzen gibt es kein Wachstum. Aber es liegt an uns, ob wir uns in sie hineinziehen lassen und uns vollkommen in ihnen verlieren.

Wie meine Verwirrung entstand

Langsam kristallisieren sich drei Punkte heraus, die jetzt in meinem Leben anstehen. Heute hatte ich das unbändige Bedürfnis, sie aufzuschreiben und zu sortieren. Ja, ich glaube, der Flow kann auch mal recht sachlich und analytisch sein. Wenn wir hierbei unserer Freude folgen, ist daran rein gar nichts verkehrt. Als diese Punkte Wort für Wort Formen annahmen und als es dann plötzlich so aussah, als wäre es ganz und gar nicht unwahrscheinlich, dass sie sich so oder ähnlich erfüllen, durchströmte mich plötzlich ein tiefes Gefühl von Glück und Klarheit.

Träume, Wünsche und Ziele werden gerade ziemlich gehyped. Und ich selbst durfte die Schattenseiten von ihnen kennenlernen. Wenn man sich zu sehr auf ein Ergebnis versteift und dann feststellen muss, wie es einfach nicht so wird, wie man es sich vorgenommen hat, dann kann das einen ganz schön runterziehen und an allem zweifeln lassen. Also folgte ich lange Zeit meinem Flow und ließ mich treiben. Ich kultivierte das Leben im Moment, war voll und ganz bei mir und meinem Körper, las sehr viel. Das tat mir unglaublich gut.

Anschließend hatte ich eine sehr energiereiche Phase, in der ich unglaublich viel ausprobierte, meine Energie allerdings nicht in geordnete Bahnen lenken konnte (ich wollte es auch nicht). Es hat sich gut angefühlt, aber letztendlich resultierte aus dieser Phase Verwirrung. Wohin möchte ich eigentlich in meinem Leben? Ist es überhaupt richtig, etwas zu wollen? Wenn ich mich in meinen Zielen und Träumen verliere, wie bereits zuvor, werde ich dann wieder unglücklich? Also doch lieber keine Ziele und Träume haben, sondern einfach nur schauen, was das Leben für mich bereithält?

Das Leben ist wie eine Steinpyramide

Ganz ehrlich: Ich wusste nicht, was der richtige Weg war. Aber jetzt langsam sehe ich klarer. Ich sehe, dass das Leben ein ständiger Balanceakt ist. Immer wieder versuchen wir, eine Steinpyramide zu bauen, bei der die Steine ständig herunterfallen. Nur ist das nicht so dramatisch, wie wir es uns vorstellen. Wir können darüber lächeln und die Steine einfach erneut stapeln. Diesmal haben wir vielleicht eine bessere Technik und der Turm hält ein wenig länger.

Ich scheine nun (wieder einmal) zu verstehen: Ich kann beides haben. Ich kann sowohl meinen Träumen und Wünschen folgen als auch im Moment leben. Das eine schließt das andere nicht aus. Ich bin jemand, der unbedingt beides braucht. Ich habe nun jedoch gelernt, dass ich stets mit Bewusstsein an alles herangehen muss, dass ich mich nicht völlig in einem von beidem verliere, dass ich langsam und mit Bedacht voranschreite. Eine Steinpyramide lässt sich nicht schnell bauen. Man braucht Geduld und Vorsicht dafür. Und: Es gibt zwei Wege, wie das Bauen einer solchen Pyramide nicht funktioniert: wenn wir zu schnell sind und wenn wir gar nicht erst anfangen.

Wenn wir zu schnell sind, laufen wir Gefahr, uns völlig im Außen zu verlieren. Wenn wir uns völlig unseren Zielen verschreiben, kann es sein, dass wir ständig nach Feedback suchen und enttäuscht sind, wenn etwas nicht auf die Art und Weise geschieht, wie wir es uns ausgemalt haben. Wir kommen dann in eine Art Burnout-Situation, weil wir einfach zu viel Energie in etwas hineingesteckt haben. Dann bleiben wir leer und verzweifelt zurück. Das ist die Schattenseite eines leidenschaftlichen Lebens.

Doch auch das Gegenteil dessen birgt eine Gefahr. Wenn wir ausschließlich im Hier und Jetzt leben und nicht systematisch an Zielen arbeiten oder uns erst keine setzen, dann haben wir vielleicht den Eindruck, dass unsere Kreativität und Energie im Nichts verpuffen. Ich glaube, dass wir Menschen auch hier sind, um zu erschaffen und zu verändern. Ich weiß nun nach einer langen, eher passiven Phase, dass ich das unbedingt brauche. Wäre das nicht so, würde ich nun diese Worte nicht mit dir teilen und es gäbe diese Seite nicht. Wir alle haben etwas in uns, das nach außen möchte und das weiß, dass es Großartiges leisten kann. Und diese Größe will gelebt werden. Wenn wir sie nicht ausleben, werden wir ebenfalls unglücklich, unruhig und verwirrt.

Wie kannst du deine eigene Pyramide bauen?

Ich glaube, genau darin bestand mein Dilemma in letzter Zeit. Ich habe gespürt, dass da eine Energie in mir ist, aber ich konnte sie nicht richtig lenken. Es hat sich ein wenig so angefühlt, als würde ich in einem Porsche sitzen, ohne zu wissen, wie man ihn fährt. Ich weiß jetzt: Ich brauche Ziele und Wünsche, ich will etwas erschaffen und bewirken. Ich habe eine starke kreative Energie in mir, die gelebt werden will. Aber ich brauche auch Momente, in denen ich genau davon Abstand nehme und zu mir zurückkomme. Momente, in denen ich weiß: Es ist egal, wenn ich scheitere oder negatives Feedback bekomme. Ich bin immer noch ich. Ich habe es zumindest versucht.

Und ich glaube, ich bin nicht die Einzige, der es so geht. Ich glaube, dass wir alle diese beiden Anteile in uns haben. Manche von uns geben einem Teil mehr Aufmerksamkeit, definieren ihre Persönlichkeit dadurch. Ihnen fällt es sehr schwer, den anderen Teil zu leben, und sie fragen sich all die Zeit über, was ihnen fehlt. Wir alle haben einen Teil, der nach außen will und einen, der sich zurückziehen möchte. Und sie beide wollen gelebt werden. Ich glaube, dass wir nur dann eine stabile Pyramide bauen können, wenn wir damit beginnen und sie uns vorstellen (Teil der nach außen will), dabei jedoch immer wieder innehalten und mit Bedacht vorgehen (Teil der nach innen will).

Genau das gelingt uns mit Bewusstsein. Wenn wir ganz genau darauf achten, was unser Flow macht, was unser Körper uns sagt, wie wir uns fühlen – dann werden wir instinktiv wissen, in welchem Winkel wir den nächsten Stein aufsetzen müssen, damit er hält. Mein Instinkt führte mich durch beide Phasen in die Verwirrung und schließlich in die Klarheit. Alles hat seinen Sinn, so wie es ist. Wenn wir ganz bewusst und achtsam sind, wird uns der Bau unserer kleinen Steinpyramide gelingen.

Dieses Gleichgewicht herzustellen und ganz genau darauf zu achten, welche Phase gerade ansteht, wird die Aufgabe in den nächsten Wochen für mich sein – das spüre ich. Ich werde versuchen, beide Seiten in meinen Alltag zu integrieren. Vielleicht werde ich dabei scheitern – ich weiß es nicht. Aber ich weiß jetzt: Beide Seiten in mir sind gleich wichtig und beide wollen gelebt werden. Wir brauchen beides: Wir müssen in der Lage sein, im Moment zu leben und ihn voller Dankbarkeit zu genießen, aber genauso brauchen wir auch unsere Träume und unsere Kreativität.

Wie ist es mit dem Bau deiner eigenen Pyramide? Welcher Anteil von dir darf dabei mehr Aufmerksamkeit bekommen?

Hier bekommst du noch weiterführende Infos zu dem, was ich in diesem Beitrag angesprochen habe:
Bist du gerade im Flow-April?
Wie entsteht Unklarheit?
Wieso uns immer wieder dasselbe begegnet
Wie Leidenschaften Leiden schaffen

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6 Kommentare

  1. Liebe Anna,

    dankeschön, mit dem Artikel hast du mich gut abgeholt, weil ich vor ein paar Wochen genau an derselben Stelle war. Durch 12 sehr intensive Seminartage ist mir bewusst geworden, dass ich unbedingt richtig große Ziele brauche (und zwar solche, die im Moment gar nicht vorstellbar und auf die Schnelle realisierbar sind), um endlich wieder mehr Feuer und Leidenschaft in mein Leben zu bringen.

    Und zwar nicht so, dass ich deshalb jetzt jeden Tag 14 Stunden arbeite, sondern dass ich durch die Begeisterung für die kommenden Dinge meine aktuelle Arbeit gelassener und energiegeladener angehe, dabei produktiver werde und mir so manche Ausrede nehme, dass ich nur nicht zu viel in zu kurzer Zeit machen sollte, um mich nicht zu überfordern.

    Wenn ich den Moment als positiv wahrnehme (ich bin ein freier Mensch, kann jeden Tag nach meinem Gusto gestalten, habe tolle Auftraggeber und großartige Blogleser, verdiene genug, um alle wichtigen Dinge zu bezahlen) UND große Träume/Ziele habe, dann vetrödle ich automatisch weniger Zeit und habe immer noch genug Freiraum für meine ruhigen Phasen(/Entspannung, während ich zugleich mehr spannende Dinge in mein Leben packe und schon von späteren Heldentaten erzähle 🙂

    Ich denke, diese beiden Sachen schließen sich keineswegs aus, sondern sind in der richtigen Kombination der ideale Brennstoff für meine Leidenschaften.

    Ganz liebe Grüße
    Mischa

    • Lieber Mischa,
      wow, dass du dieselben Erfahrungen gemacht hast, ist ja genial! 🙂 Als ich deinen Kommentar so las, fiel mir noch eine Sache ein: Ich glaube, wir müssen beide Seiten gründlich kennenlernen, bevor wir wissen, wie die Balance zwischen ihnen funktioniert. Kann es sein, dass wir genau das gemacht haben haben? 😉
      Deine Pläne klingen ganz fantastsisch! Lass mich raten: Du hast sie bereits angestoßen und sie sind ins Rollen gekommen? Ich bin gerade ganz hibbelig, weil das bei mir so ist. Und während man sich auf den Weg macht, werden die einzelnen Schritte so viel deutlicher als vorher, als man das unüberwindbare große Ganze sah.
      Lass uns einfach beides rocken: den Moment und unsere Träume! Ich bin schon total gespannt, wohin uns das führt!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  2. Liebe Anna, wundervolle Erkenntnis! Das hört sich wirklich nach glücklicher Balance bei Dir an. Ich denke auch, Träume und Wünsche können das Flussbett für unseren Flow sein. Damit bekommt er Richtung und Kontext und manchmal zweigt er eben auch ab oder sprudelt über die Ufer, das gehört alles dazu 🙂 Ich werde gerade mal wieder mit dem Sterben konfrontiert und dabei sehe ich auch wie unabdingbar das eine für das andere ist. Ich glaube ich könnte in Frieden gehen wenn ich einerseits nie meine Träume aufgegeben und gleichzeitig so oft ich konnte das Jetzt genossen hätte. Das schließt sich ja auch gar nicht aus. Außerdem glaube ich, kann man nur Träume haben die man schon zum Teil kennt, zum Beispiel ein Gefühl davon oder einen Erfahrungswert den man zum Ganzwerden brauchen könnte. Und sich das auf Dauer zu verwehren macht wahrscheinlich genauso unzufrieden (oder sogar krank) wie ruhelos etwas Fehlendem hinterherzurennen und dabei völlig die wunderhübschen Blumen am Wegesrand zu übersehen…
    Auf den Flow und die Träume also 🙂 Und alles Liebe Dir!
    Ruth

    • Hallo liebe Ruth,
      das Bild, dass der Flow über die Ufer sprudelt, finde ich einfach nur wunderschön – das kann ich mir so richtig vostellen! Danke dir dafür! 🙂 Das, was du über den Erfahrungswert schreibst, ist auch absolut richtig. Wir haben das Gefühl, dass da etwas in uns gelebt werden möchte. Ich glaube zwar, dass wir schon immer ganz waren und es immer sind, aber wir sind am Leben, um mit den unendlichen Möglichkeiten zu spielen und uns darin zu verlieren. Wenn wir das überhaupt nicht tun, langweilen wir uns schlicht – und das macht sich dann auch als Unruhe oder Verwirrung bemerkbar.
      Danke dir für deine Worte, die mich wie immer total berühren!
      Auf den Flow und die Träume! *cling* 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Anna, ich möchte mich dir anschließen. Ich glaube genauso wie du dass beides wichtig ist und seine Berechtigung hat, den Moment dankbar wahrzunehmen und zu genießen sowie Träume und Ziele zu haben. Und den Gedanken, dass je nach dem eigenen Energielevel zu steuern finde ich super, man könnte zum Beispiel nach dem Erreichen eines Zieles bewusst eine Ruhephase einlegen und erst mal im Moment leben, bevor man sich auf was neues einlässt. Ich glaube wenn man sein Leben so lebt, produktiv, kreativ und gleichzeitig zufrieden mit dem Hier und Jetzt kann man ein sehr glücklicher, ausgeglichener Mensch werden.

    • Hallo liebe Rebecca,
      ja, ich glaube, unser Energielevel ist ein Schlüssel, anhand dessen es uns leichter fällt, zu entscheiden, ob gerade eine aktivere oder passivere Phase ansteht. Ein glücklicher und ausgeglichener Mensch zu sein – wer will das nicht? 😉 Aber ich glaube, es ist auch immer wichtig, dass wir auch die Phasen, in denen wir nicht so ausgeglichen sind, annehmen und sie „wichtig“ nehmen. Das Leben ist ein ständiger Balanceakt, aber die allermeiste Zeit macht er verdammt viel Spaß! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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