Überall, wohin wir uns auch wenden, wird uns suggeriert, dass uns nicht zu trauen ist. Unser Chef überwacht unsere Tätigkeiten und Arbeitsstunden, das Finanzamt unsere Ausgaben und Einnahmen, die Krankenkassen unsere Gesundheit. Machen wir etwas richtig, werden wir belohnt (manchmal auch dadurch, dass nichts Schlimmes passiert), machen wir etwas falsch, werden wir bestraft. Es geht um Leistung, um Wachstum, um ständige Verbesserung. Wer da nicht mitgeht, fällt aus dem Raster. Ich bin so eine Person, die direkt aus dem Studium aus diesem Raster gefallen ist. Nicht mitgemacht hat. Ich weiß, wie schwer es ist, sich von all den Stimmen und Meinungen um einen herum nicht irritieren zu lassen – oder sich immer wieder auf seinen Weg zu besinnen, wenn man doch in die Panik eingestiegen ist, die so viele um einen herum verbreiten. Wir spüren: Etwas muss sich verändern, das kann’s doch nicht sein. Wir merken, wie die Dinge kippen. Nicht nur bei uns persönlich, sondern auch weltweit. Unser Planet kann das Höher, Schneller, Weiter nicht mehr mitmachen. Unsere Ressourcen sind endlich. Und unsere Möglichkeiten, täglich 150% Leistung zu bringen, auch.

Das Paradigma, aus dem wir scheinbar nicht entfliehen können

Also trauen wir es uns vielleicht und ändern unser Leben. Vielleicht unseren Job, vielleicht unseren Alltag. Wir spüren, dass es sich besser anfühlt, dass wir glücklicher sind. Doch nach einer Weile schleicht es sich wieder ein, das Leistungsmuster. Wir treiben uns in unserem Alltag oder im neuen Job zu mehr Leistung an, sind mit uns nicht zufrieden, haben Angst, dass wir etwas nicht schaffen, nicht gut genug sind, wenn wir uns nicht ständig selbst überwachen und kontrollieren. Und bestätigen somit das Paradigma, aus dem wir doch eigentlich so gerne aussteigen würden.

Um wirklich etwas (in unserem Leben, aber auch in der Welt) zu verändern, müssen wir auch unsere Methode ändern. Wir können uns nicht darauf ausruhen, jetzt etwas anderes zu machen. Wir müssen auch verändern, wie wir es machen. Und klar, woher sollen wir einen anderen Weg kennen, schließlich wird ja nur dieser eine Weg von allein Seiten vorgelebt?

Ich tendiere dazu, mich immer wieder in der Angst zu verfangen, nicht gut genug zu sein. Das alleine ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir es dadurch lösen wollen, indem wir mehr tun. Mehr Leistung, mehr Tätigkeiten, mehr Kurse, mehr Bücher, mehr Wissen, mehr, mehr, mehr. Aber alles, was passiert, ist: Wir verstricken uns nur noch mehr in der Angst. Es wird zu viel, wir wissen nicht mehr was und wie und sind frustriert.

Dabei ist die Lösung so radikal, wie sie einfach ist:

Wir dürfen uns vertrauen.

Was so einfach scheint, ist für die meisten von uns ein großer Sprung hinein in etwas, das wir noch niemals gemacht haben. Vielleicht hat dir in deinem gesamten Leben noch niemand wirklich zugetraut, dass du die Dinge in deinem Tempo erledigst, dass du sie erledigen willst. Vielleicht hat dich noch niemals wirklich ernst genommen. Vielleicht wurde dir dein Leben lang immer gesagt, wann du was zu tun hast – und du hast es getan, denn das ist es ja, was man macht, oder? Vielleicht hast du noch niemals erlebt, wie es sich anfühlt, sich selbst zu vertrauen.

Eckhart Tolle sagte in einem Vortrag, dass wir Frauen näher an der Erleuchtung sind als Männer. Ich fand es sehr interessant, das von einem Mann zu hören. Und ich glaube, er hat recht. Von unserer Natur aus dürfte es uns leichter fallen, allerdings haben wir so viele eher männliche Eigenschaften angenommen, die in dem Ausmaß unsere gesamte weibliche Natur verdecken, dass wir nicht mehr wissen, wir wir einen Zugang dazu finden können.

Wir sind zyklische Wesen

Wenn wir Frauen uns mit den Rhythmen der Natur und mit unseren eigenen inneren Rhythmen verbinden, wenn wir sie aufmerksam beobachten, stellen wir fest, dass es ein ständiges Pulsieren, ein Auf und Ab ist (auch Männer haben diese Rhythmen, wir Frauen sind durch unseren Zyklus allerdings sensibler dafür). Und obwohl in unserer Gesellschaft, in unserem gegenwärtigen Paradigma scheinbar nur das Auf zählt, sind beide Pole gleich wertvoll und wichtig. Anstatt in einem konstanten, linearen Auf festzustecken, dürfen wir uns auch den Abs hingeben und spüren, was sie für uns bereithalten.

Nehmen wir mal an, du hast deine Periode und spürst ein deutliches Ab, deine Energie kehrt sich nach innen. Das bewerten viele negativ, indem es heißt, dass man dann weniger leistungsfähig ist, dass man faul und antriebslos ist – und dass das immer so bleiben wird, wenn wir uns dem hingeben. Und genau das ist nicht der Fall! Wenn du dich aufmerksam beobachtest, ohne deine Aufs und Abs zu bewerten, wirst du feststellen, dass die Energie sich ganz von alleine ändert.

Ich beispielsweise hatte letzte Woche einige Dinge zu erledigen (nichts allzu Dringendes), habe aber gespürt, dass meine Energie nach innen gekehrt ist und genau diese dafür genutzt, um spazieren zu gehen, Bücher zu lesen und meinen Alltag langsamer angehen zu lassen. Ich habe letzte Woche nichts erledigt. Damit wären viele Menschen jetzt höchst unzufrieden, ich aber habe mir selbst vertraut, dass die Energie für diese Dinge kommen wird. Und sie kam gestern. Und wie! Innerhalb von 45 Minuten hatte ich alles erledigt, wofür ich sonst mehrere Stunden gebraucht hätte, weil ich mich sonst dazu aufraffen und zwingen müsste. Aber dieses Energie-Hoch kommt erstaunlicherweise nur dann, wenn ich mich der nach innen gekehrten Energie hingebe, wenn sie vorherrscht. 

Es gibt eine Zeit für alles

Genau das meine ich, wenn ich sage, dass du dir selbst vertrauen darfst. Es gibt eine Zeit für alles. In den Bereichen deines Lebens, in denen du flexibel bist (und das sind mehr, als du jetzt vielleicht glaubst), darfst du dir vertrauen. Du darfst Dinge aufschieben, weil ein Tag kommen wird, an dem du sie fix angegangen haben wirst. Du brauchst keine Angst davor zu haben, dass du es “niemals schaffst”. Und ganz ehrlich? Wenn du es nicht schaffst, dann waren es vielleicht Dinge, die einfach nicht wichtig waren.

Seit letzter Woche bin ich wieder in meinen Flow eingestiegen und habe meine To-do-Liste nur für jene Tage, an denen mir danach ist, sie abzuarbeiten. An allen anderen – du wirst es nicht glauben – bin ich sowas von produktiv und motiviert, dass es beinahe lächerlich ist. Wieso? Weil die Energie, die ich sonst dafür benutze, mich in Tätigkeiten hineinzupeitschen, nun frei wird, um wirklich Wundervolles zu kreieren.

Und das Tolle ist: Je öfter wir das praktizieren, desto mehr Bestätigung bekommen wir dafür, dass wir uns tatsächlich vertrauen dürfen. Und desto mehr vertrauen wir dann. Ein positiver Teufelskreis!

Deswegen, meine Liebe, beginne damit, dir zu vertrauen. Heute noch. Mit einem kleinen Lebensbereich vielleicht. Spüre genau: Was fühlt sich richtig an, was nicht? Was steht an, was nicht? Handle in deinem eigenen Rhythmus, auch wenn sich das für dich fremd und sehr radikal anfühlt. Weite dein Vertrauen auf andere Lebensbereiche aus. Spüre, wie die Angst nachlässt. Vertraue, vertraue, vertraue.

Und dann wirst du merken, dass du eine Vorreiterin bist. Eine Vorreiterin hinein in ein neues Paradigma, das auf Vertrauen, Liebe und Mitgefühl basiert.

Bist du bereit?

 

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2 Kommentare
  1. Jana Lindberg
    Jana Lindberg sagte:

    Liebe Anna,
    du sprichst mir mit dem Artikel aus der Seele! Dieses Schwanken zwischen “Schaffen, Machen und Tun” samt Checklisten und dann der anderen, erholsamen Seite mit Baumeln, Träumen und Flow kenne ich sehr gut. Es so zu benennen, wie du es tust, ist kostbar. Sonst können wir glatt gegen unsere eigenen Auszeitimpulse ankämpfen; ich glaube, das tun wir sogar sehr oft.

    Gestern hatte ich einige Stunden ein sehr merkwürdiges Gefühl. Ich erkannte es nicht. So zäh, ich war müde, ich wollte nichts … Dann sagte mir jemand: Das ist Langeweile! Da konnte ich als Vielseitige natürlich nicht gut draufkommen, denn ich habe immer mehr, was ich machen will, als in die Zeit hineingeht.

    Für kreative Menschen wird es aber sogar empfohlen, neben der bewussten kreativen Tätigkeit auch die kreative Untätigkeit zu pflegen und zuzulassen.

    Gestern habe ich dann am Ende dieser Phase aus einem Impuls heraus einen neuen Blog-Artikel veröffentlicht, kürzer als sonst, was ja auch nicht schlecht ist.

    Danke, dass du uns ermunterst, unseren verschiedenen Rhythmen nachzugeben.
    Liebe Grüße
    Jana

    Antworten

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  1. […] Zum Vertrauen auf die eigene Intuition und die natürlichen Energierhythmen hat kürzlich Anna von Passionflow gebloggt, sehr gelungen, wie ich finde. Hier der Link: Mach was Radikales: Vertraue dir selbst! […]

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