Journaling ist mein allerliebstes Tool, um zu prüfen, ob ich mich im Passionflow befinde und um allgemein ein bewusstes Leben zu führen. Es ist aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken und über die Jahre habe ich immer mehr Techniken für mich gefunden, die jenseits des gängigen Tagebuchschreibens liegen. Ich liebe mein(e) Journal(s) so sehr, dass ich allen begeistert davon erzähle. Leider höre ich oft die Antwort “Schreiben ist nichts für mich”. Wieso ich diese Antwort nicht gelten lasse und Journaling so viel mehr als Schreiben ist, das verrate ich dir jetzt.


“Du kannst ja gut schreiben, aber für mich ist das nichts.”

Lass mich zuallererst mal mit dem Missverständnis aufräumen, dass man “gut” schreiben können müsste, um ein Journal zu führen. Muss man nicht. Man kann sogar ein Journal mit ziemlich wenig schreiben führen, aber davon erzähle ich dir später. Du musst nicht schreiben können, denn außer dir liest dein Journal keiner. Du musst auch nicht einmal gerne schreiben, denn es geht gar nicht um das Schreiben an sich, sondern vielmehr darum, deinen Kopf zu entleeren, deine Gedanken zu verlangsamen, Dinge klarer zu sehen und Blockaden aufzulösen. Und somit entweder leichter in den Flow zurückzukehren oder aber die Flow-Welle zu reiten, wenn du sie gerade spürst.

Du musst kein Wortakrobat sein, tolle Sätze formulieren oder strukturiert sein. Dein Journal ist dein Platz, an dem du dich austoben kannst, der genau so chaotisch oder geordnet sein darf, wie du ihn haben willst. Es kann immer ähnlich sein oder jeden Tag unterschiedlich sein. An manchen Tagen wirst du Romane schreiben und an anderen einfach nur Wörter aneinanderreihen oder visuell anordnen. Alles ist erlaubt, es ist schließlich dein Journal! Alles – außer Perfektionismus. Und genau den rufen wir auf den Plan, wenn wir meinen, nicht “schreiben” zu können. Wenn du diesen Text hier lesen kannst, dann kannst du auch ein Journal führen.

So viel mehr als Tagebuchschreiben

Ich gebrauche ganz bewusst das fremdsprachige Wort “Journal”, weil es etwas anderes ist als das klassische Tagebuch. Ich habe in meiner Jugend mehrere Jahre Tagebuch geschrieben, und zwar in dem Sinne, dass ich notiert habe, was alles passiert ist und wie ich das so fand. Das ist auch absolut super, lässt aber leider zu wenig Raum für Kreativität und schafft meiner Meinung nach einen etwas zu starren Rahmen. Der Fokus beim klassischen Tagebuchschreiben richtet sich für mich zu stark auf das “Was”, während ein Journal eher nach dem “Wie” und “Warum” fragt. “Wie fühle ich mich gerade?”, “Warum bedrückt mich dieses Ereignis?”, “Wie geht es mir?”, “Warum fühle ich mich heute gut?”, sind häufige Fragen, die den Journaling-Prozess begleiten.

Ich persönlich habe drei verschiedene Journals und nutze sie auch auf unterschiedliche Arten. Meine Art zu journaln hat sich innerhalb der letzten Jahre immer wieder verändert, du bist also eingeladen, das herauszupicken, was sich für dich stimmig anfühlt, Neues hinzuzufügen und anderes wegzulassen. Vielleicht inspiriert dich ja meine Journaling-Praxis dazu, selbst zu starten!

Meine Journaling-Praxis

Es vergeht selten ein Tag, an dem ich nicht in meine Journals schreibe. Hin und wieder entschließe ich mich nur für eins, doch obwohl ich als Mama mit Teilzeit-Job nicht so viel Freizeit habe, ist das Journaling für mich so wichtig geworden, dass ich dafür immer Zeit schaffe. Meist reichen mir etwa 20 Minuten täglich. Am allerliebsten morgens bei einer schönen Tasse Tee, wenn mein Sohn mich lässt (und nicht selbst Kunstwerke in mein Journal zeichnen will). Wenn das nicht oder nur teilweise klappt, setze ich mich an einem freien Tag mit einer Tasse Kaffee hin, sobald der Kleine seinen Mittagsschlaf macht. Mich begleiten dabei folgende Journals:

1. Das Dankbarkeits-Journal

Dieses Journal ist das erste, in das ich schreibe, sobald ich mich mit meiner Tasse Tee hingesetzt habe. Es ist ein ganz einfaches liniertes Heft, das ich noch übrig hatte. Nichts Besonderes. Hier schreibe ich einfach nur das Datum des jeweiligen Tages an den Rand und beginne dann mit meinen fünf Dingen, für die ich dankbar bin. Wenn mir mehr einfallen – nach oben hin ist keine Grenze gesetzt. Dabei schreibe ich nicht einfach nur “Arbeit” hin oder “Schlaf”, sondern formuliere die Sätze aus. Nicht unbedingt, weil das dann schöner klingt, sondern einfach, weil ich mich so zeitlich länger bei dem Grund aufhalte und mich während des Schreibens so richtig in das Gefühl der Dankbarkeit und Fülle fallen lassen kann.

Selbst und gerade dann, wenn es mir nicht gut geht, nehme ich das Dankbarkeits-Journal zur Hand und schreibe hinein. Es hilft mir dabei, die Dinge in die rechte Perspektive zu rücken und mich auf das Gefühl der Fülle anstatt des Mangels zu konzentrieren. Dankbarkeit ist das kraftvollste Gefühl und versetzt uns automatisch in die Liebe. Es ist erstaunlich, wie viele Gründe sich finden, dankbar zu sein, selbst wenn man sich gerade nicht gut fühlt. Oftmals schreibe ich auch die Dinge auf, die scheinbar schief gelaufen sind, weil ich mich schon im Voraus für die Lektion bedanke, die ich dadurch sicherlich noch lernen werde. Ich bedanke mich manchmal auch im Voraus für das, was ich in meinem Leben erschaffen möchte und versetze mich in dieses Gefühl hinein, als sei es schon da. Das macht richtig Spaß!

Wenn du mit dem Journaln beginnen möchtest, würde ich dir empfehlen, mit einem Dankbarkeits-Journal zu starten. Es ist am einfachsten und schnellsten auszufüllen und fühlt sich einfach nur gut an. Ich liebe es, auch scheinbar “kleine” Dinge zu finden, für die ich dankbar bin. Jetzt gerade bin ich dankbar dafür, dass mein Sohn vorhin das schönste “Mama!” gesagt hat, das ich jemals gehört habe. Ganz ehrlich? Mir gehen die Gründe für Dankbarkeit niemals aus und manchmal nehme ich das Journal mehrmals täglich zur Hand, weil es mir so viel Spaß macht, es auszufüllen.

2. Mein Freies-Schreiben-Journal

Auch das zweite Journal begleitet mich beinahe täglich, es ist für mich aber völlig okay, es auch mal ausfallen zu lassen. Dieses Journal nutze ich, um allgemeine Gedanken festzuhalten und um Klarheit in meine Gefühle zu bringen. Ich schreibe einfach drauflos, ohne auf die Formulierung zu achten. Manchmal werden es mehrere Seiten, ein andermal nur ein paar Sätze oder Stichworte. Es ist ganz egal, wie es im Endeffekt aussieht. Ich lasse einfach das raus, was aus mir raus will. Oft beziehen sich meine Gedanken auf das Wort, das ich im jeweiligen Mondzyklus als Fokus gewählt habe. Dann schreibe ich einfach auf, wie ich mich im Bezug auf dieses Wort fühle, was mich herausfordert, was mir leicht fällt.

Dieses Journal ist wie das Dankbarkeits-Journal ebenfalls ein einfaches Notizbuch, das ich noch übrig hatte. Gerade die Tatsache, dass es nicht teuer war oder besonders aussieht, finde ich gut, denn hier schmiere ich einfach alles rein – ganz ohne Form und ästhetischen Anspruch.

Wenn du das freie Schreiben auch einmal ausprobieren willst: Es ist wichtig, dass du den Stift möglichst wenig absetzt und einfach ohne nachzudenken schreibst. Du hältst also nicht inne und überlegst zwischendurch, sondern schreibst einfach das weiter, was kommt, auch wenn es scheinbar keinen Sinn macht und zusammenhangslos wirkt. Es geht einzig und alleine darum, die Gedanken aus deinem Kopf zu bekommen. Niemand wird sie nachher lesen und sie benoten. Setze dir zu Beginn am besten eine feste Zeit, in der du schreibst, ohne den Stift abzusetzen. Du kannst am Anfang mit zwei Minuten beginnen.

3. Mein Kreativitäts-Journal

Mein drittes Journal nutze ich nicht jeden Tag. Es ist ein rein weißes Journal, das ich weniger mit purem Text als mit Grafiken und kleinen Zeichnungen fülle. Wenn ich eine Idee habe, schreibe ich das Thema meist mit bunten Filzstiften in die Mitte und dann meine Assoziationen dazu außenherum. Oft sind sie ungeordnet, manchmal habe ich aber schon eine regelrechte Grafik im Kopf und unterteile die Begriffe in Kategorien oder mache durch Pfeile deutlich, was sich wie bedingt. Pro Idee nehme ich mir eine DIN-A4-Seite.

Dieses Journal liebe ich am meisten, denn wenn ich es in die Hand nehme, spüre ich den Passionflow. Dann muss er raus aufs Papier. Auf diese Art und Weise wurde auch dieser Blog geboren sowie all die anderen Dinge, die ich in meinem Leben angehe. Ich liebe es zu zeichnen und Dinge mit Farben dazustellen, aber vielleicht ist dir ein anderes “Design” lieber. Hier sind deiner Kreativität keinerlei Grenzen gesetzt! Du kannst Collagen erstellen, mit Wasserfarben arbeiten oder auch alles in edlem Schwarz-Weiß halten. Hauptsache, du hältst deine wundervollen Ideen fest!

Mittlerweile bin ich bei meinem dritten Kreativitäts-Journal angekommen und wenn ich mir so die Einträge der letzten Jahre anschaue, bin ich immer wieder erstaunt, welche Richtung das alles eingeschlagen hat. Manches hat mein Feuer nur kurz entfacht und ich habe mein Interesse verloren, sobald ich genug darüber gelernt hatte. Anderes wiederum hat sich völlig verändert und ist für mich belanglos geworden. Aber sehr vieles ist letztendlich richtig gut geworden – Projekte, die ich wirklich angepackt habe, jedes von ihnen ein kleiner Baustein zu dem Leben, das ich nun führe.

Und wann journalst du los?

Ich hoffe, ich konnte dir Lust darauf machen, Journaling auszuprobieren und dir ein wenig die Angst davor nehmen, dass es wie klassisches Tagebuchschreiben aussehen muss oder man dafür wortgewandt sein muss. Ich habe dir hier lediglich meine drei Lieblings-Journaling-Tools vorgestellt, aber es gibt noch so viele mehr! Ich bin mir auch sicher, dass sich meine eigene Journaling-Praxis über die Jahre weiterentwickeln wird und ich für mich noch mehr Methoden entdecken werde. Und genau dazu möchte ich auch dich ermutigen. Vergiss alle Vorgaben, wenn du magst, auch meine Ideen hier, und gestalte dein Journal ganz so wie du es magst! Und vergiss nicht, mir von deiner Praxis zu erzählen!BB

Ich bin neugierig: Führst du bereits ein Journal oder mehrere? Was findet darin Platz? Und wenn nein: Was hält dich davon ab?



4 Kommentare
  1. Christian
    Christian sagte:

    Sehr gut, danke! Muss ich unbedingt wieder anfangen, dann ordnet sich einiges bestimmt wieder besser! Gleich mehrere für unterschiedliche Themen sind top! Hatte vor ein paar Jahren mal damit begonnen und war eigentlich echt hilfreich. Hab’s über den Blog Studententipps kennengelernt.
    Liebe Grüße und Dir und Deinem Kleinen alles gute Anna. 🙂

    Antworten
    • Anna
      Anna sagte:

      Hallo lieber Christian,
      es freut mich sehr, dass ich dir ein paar Anregungen geben konnte! Ich bin schon gespannt auf deine Erfahrungen und wünsche dir frohes Journaln!
      Ganz liebe Grüße dir!
      Anna

      Antworten
  2. Peter Kraus
    Peter Kraus sagte:

    Liebe Anna,

    diese Aussage hat mich direkt schon mal beruhigt: „Wenn du diesen Text hier lesen kannst, dann kannst du auch ein Journal führen.“ Ich konnte ihn lesen!

    Wenn ich sonst deine Beiträge gelesen hatte, war ich immer direkt im Flow und konnte (wollte) etwas dazu sagen. Diesmal ist es eher nicht so. Mich beschäftigt eigentlich nur die Frage nach dem Sinn dieser Aktivitäten.

    Dankbarkeitsjournal
    Das brauche ich wirklich nicht. Ich bedanke mich immer direkt in Gedanken oder auch in Worten für alles was mir begegnet und auch für das, was mir noch nicht begegnet ist. In dem Bewusstsein, dass alles einen höheren Sinn hat, was uns widerfährt. Das Gefühl der Dankbarkeit empfinde ich schon, wenn ich morgens erwacht bin. Warum soll ich das aufschreiben?

    Freies Schreiben Journal?
    Wenn ich es richtig verstanden habe, schreibt du einfach Dinge auf, die du auch nachher nicht mehr lesen willst. Welchen Sinn hat das?
    Schreiben, ohne nachzudenken und ohne abzusetzen? Das habe ich noch nicht gehört und auch noch nicht praktiziert. Vielleicht kannst du das noch einmal näher erläutern.

    Kreativitäts Journal
    Darin sehe ich einen gewissen Sinn. Ganz einfach deshalb, um Ideen und Gedanken mit kurzen Beschreibungen und Skizzen festzuhalten, damit sie nicht verloren gehen. Das mache ich auch, besonders bei technischen Projekten, aber nicht in der Form eines Journals, sondern unter Verwendung verschiedener Methoden.
    Entweder als kurze Niederschrift oder Skizze auf einem Notizblock, oder direkt im PC als Textdatei, Tabelle oder Zeichnung. Und dann auch mit systematischer Ablage.

    Ich liebe mein „Erledigungsjournal“
    Darin schreibe ich fortlaufend auf, was ich erledigen möchte (erledigen muss) und freue mich dann, wenn ich erledigte Aufgaben abhaken kann (auch kleine Aufgaben und Erledigungen). Das fühlt sich gut an, wenn ich das betrachten kann.

    Aber sonst fällt mir eigentlich nichts ein, was man in Form eines Journals sinnvoll aufschreiben kann (sollte). Vielleicht kannst du uns dazu noch einen kleinen Anstoß geben.

    Liebe Grüße
    Peter

    Antworten
    • Anna
      Anna sagte:

      Hallo lieber Peter,
      ich finde es seltsam, dass du etwas sagst, obwohl du deinem Wortlaut her nicht das Bedürfnis dazu hast. Aber gut. Deine Fragen kann ich dir beantworten, allerdings weiß ich nicht, wie offen du dafür sein kannst/willst:
      Zum Dankbarkeits-Journal: Ich habe schon einmal zu einem früheren Zeitpunkt ein solches geführt, um mich “auf die Frequenz zu schwingen” und es mir zur Gewohnheit zu machen. Nach etwa einem Jahr wurde es mir zur zweiten Natur und ich habe es sein lassen. Nun wurde ich mit der Geburt meines Sohnes weit aus meiner Komfortzone geschleudert und musste mich erst einmal neu im Leben zurechtfinden, dabei habe ich mein Journal wieder angefangen und es hat mir unglaublich geholfen, wieder in die Fülle zu kommen und raus aus dem Opferdenken. Als Mama ist man automatisch viel am Multitasking, daher finde ich es total gut, mich beim Schreiben so richtig auf das zu konzentrieren, wofür ich dankbar bin.
      Zum freien Schreiben: Schade, dass du davon noch nie gehört hast und es noch nie ausprobiert hast. Es ist eigentlich ziemlich bekannt, im Englischen auch durch den Begriff “Stream of consicousness writing”. Ich kann nur sagen, dass es pure Magie ist, wie die Worte aufs Papier gleiten, wie man das Gefühl hat, als würde eine “höhere Macht” durch einen hindurch schreiben, wie viel Klarheit man bekommt und was für Formulierungen auftauchen, die man so im Denkprozess niemals haben könnte. Natürlich kann man es danach noch durchlesen, ich mache das ab und an. Aber in erster Linie dient es mir dazu, Klarheit in meine Gedanken zu bekommen und durch das Schreiben mehr und mehr die Stimme meines Herzens zu entdecken.
      Es gibt noch unglaublich viele weitere Journaling-Tools, aber das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Es gibt sogar ein ganzes Buch darüber: “Let it out – a Journey through journaling” von Katie Dalebout. Ich werde im Sommer auch ein ganzes Seminar zu diesem Thema halten und Tools vorstellen.
      Liebe Grüße
      Anna

      Antworten

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