Ich weiß nicht, wie viele Blogbeiträge ich in den letzten Monaten angefangen und nicht beendet habe. Das sieht mir normalerweise gar nicht ähnlich. Ich und Schreibblockade? Gab es noch nie. Auf Instagram fiel es mir nicht so schwer, kleine Texte und Ausschnitte aus meinem Alltag zu veröffentlichen, aber einen langen Text zu schreiben, gestaltete sich als ein Ding der Unmöglichkeit. Ich betreibe diesen Blog nun schon seit sechs Jahren, und irgendwann hat man das Gefühl, schon alles gesagt zu haben. Ich wollte irgendetwas Kluges zu den Ereignissen in diesem Jahr schreiben, aber es fehlte mir die Pointe, ich spürte ganz deutlich: Das, worüber ich schreiben will, ist noch nicht vollendet. Bis jetzt. Ich liebe Geschichten und nichts macht mich glücklicher als ein in sich geschlossener Handlungsbogen. Und genau den habe ich jetzt endlich vor mir liegen. Dieses Jahr war in großen Teilen gelinge gesagt scheiße. Aber letztendlich ist es mir gelungen, aus genau dieser Scheiße Gold zu machen. Wie und warum das die wahre Kunst der Alchemie ist, möchte ich heute mit dir teilen.

Was ist Alchemie?

Hier ein bisschen was aus Wikipedia: “Alchemie bezeichnet ab dem 1./2. Jahrhundert die Lehre von den Eigenschaften der Stoffe und ihren Reaktionen. Die praktische Anwendung (…) sollte unedle Stoffe durch Transmutation in Gold verwandeln.” Sicher hast du schon davon gehört. Ich liebe diesen Begriff, denn er bezeichnet sehr treffend die psychischen Prozesse, die ich so oft durchlebe. Diese Parallele sahen auch Vertreter der Tiefenpsychologie: Es “handelte es sich bei der Alchemie nicht nur um eine praktische Disziplin (…). Sie hat vielmehr auch eine philosophische Dimension. Die verschiedenen alchemistischen Vorgänge – wie die Umwandlung eines bestimmten Metalls in ein anderes – stehen für die Entwicklung des Menschen, d. h. für innerpsychische Prozesse.”

Wenn ich so die Steine betrachte, die mir dieses Jahr in den Weg geworfen wurden, und wenn ich mir anschaue, wo ich mich – trotz dessen – befinde, dann stelle ich immer wieder fest: Es bedarf der Hindernisse, der dunklen Phasen in unserem Leben, den sie fungieren als Katalysator hinein in etwas Neues, wenn wir es zulassen. Wir sind in der Lage, die Energie, die psychischer Schmerz erzeugt, zu nehmen und sie umzuwandeln. Wir können genau das, was uns vorher scheinbar schwach gemacht hat, zu unserer Stärke machen. Wir können den Gegenwind nehmen und uns damit antreiben. Tiefer Schmerz führt oft zu den tiefsten Transformationen und Entwicklungssprüngen. Und genau das ist für mich die wahre Alchemie.

Das Jahr, das irgendwie keinen Sinn macht

Ich glaube, dass die Ereignisse, die dieses Jahr bisher mit sich brachte (und immer noch bringt), keinen von uns kalt gelassen haben. Gerade an sensiblen Menschen gehen die kollektive Angst, die Unruhen und die sich immer wieder ändernden Regeln nicht spurlos vorbei. Wir sind in einem dauerhaften Zustand der Anspannung, in dem wir nicht wissen, ob es uns und unseren Lieben gut gehen wird, ob alles gut wird, ob sich noch mehr verändern wird. Unsere Komfortzone ist gar nicht mehr so komfortabel, obwohl wir sie als sicheren Rückzugsort so dringend brauchen. Alles, was dann noch auf diese Anspannung und Überforderung obendrauf kommt, ist einfach zu viel.

Verzweifelt versuchen wir, in alldem einen Sinn zu sehen, aber es ist nicht einfach, wenn man den Ausgang der Geschichte nicht kennt. Dabei sind wir so sehr auf einen Sinn angewiesen. Sinn ist das, was unser Leben zusammenhält, was uns antreibt, uns Sicherheit und Geborgenheit verleiht und uns letztendlich glücklich und zufrieden macht.

Ich hatte geglaubt, dass 2020 für mich das Jahr sein wird, in dem ich in meiner Selbstständigkeit so richtig ankomme. Und das bin ich auch. Aber völlig anders als erwartet. Es begann bereits im Januar damit, dass die Betreuungsmöglichkeit für meinen Sohn überraschend wegfiel (im Verlauf des Jahres lohnte es sich auch nicht mehr, etwas Neues für ihn zu suchen), sodass ich nun sehr viel weniger Zeit für meine Arbeit (und mich) zur Verfügung hatte als angenommen. Dann kam Corona, für mich schon im März mit Quarantäne. Die Yogalehrerausbildung, die ich Ende letzten Jahres begonnen hatte, war sehr viel herausfordernder, als ich erwartet hatte. Sie brachte alte Muster zum Vorschein, von denen ich glaubte, sie seien schon längst verarbeitet. Ich ging an meine Grenzen und darüber hinaus. Und zu alldem haben wir uns auch noch das Corona-Jahr für unsere Hochzeit ausgesucht. Letztendlich hat alles ganz wundervoll geklappt (vielleicht hast du schon den neuen Nachnamen im Logo bemerkt), aber wir haben uns durch zahllose schlaflose Nächte gewälzt, bis tatsächlich klar wurde, dass wir feiern können. Wir haben nicht nur eine Hochzeit, sondern gefühlt fünf geplant – mit allen Eventualitäten und Szenarien.

Und danach? Wurde erst einmal alles schlimmer. Das Einzige, was mich das unfassbar hohe Energielevel irgendwie bis zur Hochzeit Mitte September durchhalten ließ, war der Gedanke, dass danach alles besser werden würde. Danach würde alles schlagartig von mir abfallen. Leider lag ich damit falsch. Der Urlaub, auf den ich mich so sehr gefreut hatte, musste ausfallen und es kamen ganz viele Dinge auf mich eingestürzt. Eigentlich Alltägliches wie Geburtstage, Termine, Vincents Eingewöhnung in den Kindergarten, mein letzter Arbeitstag in meinem Minijob oder Behördengänge stapelten sich für mich plötzlich zu einem unüberwindbaren Berg. Einen Monat kämpfte ich zwischen Panikattacken und völliger Erschöpfung gefühlt ums Überleben. Einen Monat lang war meine Energie auf dem Nullpunkt, und doch habe ich irgendwie weitergemacht. Jeden Tag fürchtete ich mich vor dem nächsten, fragte mich, ob ich ihn schaffen würde, ohne völlig zusammenzubrechen. Ich gab mir selbst Zeit, bis mein Sohn fest in den Kindergarten ging, und wusste: Wenn es dann nicht besser wird, muss ich mir professionelle Hilfe suchen.

Ich war so tief unten angekommen wie schon sehr, sehr lange in meinem Leben nicht mehr. Jetzt, wo ich zurückblicke, sehe ich genau, was dazu führte. Ich war einfach völlig ausgebrannt, hatte all meine Energie verbraucht. Die Angst davor, sie nie wieder auffüllen zu können, vereinnahmte mich völlig. Mein Nervensystem war am Äußersten dessen angekommen, was es leisten konnte. Doch während dieser Zeit verstand ich mich selbst nicht mehr, es war doch scheinbar nichts Schlimmes, nur ein paar Termine, alles halb so wild. Wurde ich verrückt? Was passierte mit mir? Für mich machte nichts mehr Sinn.

Und wie macht man jetzt daraus Gold?

Ich habe nun schon so einiges an Erfahrungen mit Krisen sammeln dürfen in meinem 34 Jahre langen Leben. Vermutlich mehr als der Durchschnitt. Und da war diese Stimme in mir, die mir unablässig zuflüsterte, dass alles gut werden würde. Ja, sie war oft von Panik überlagert, aber ich hörte sie dennoch immer wieder hindurch. “Du wirst Gold aus all der Scheiße machen, Anna”, raunte sie, “du wirst das nicht nur überleben, sondern noch stärker daraus hervorgehen. Vertrau mir.” Ich kann sagen: Diese Stimme war nicht “verrückt”. Sie war wahr. Die Angst war das Verrückte.

Ich spürte deutlich, dass es ein Portal war, durch das ich treten musste. Es fühlte sich an wie ein Geburtskanal, durch den man sich mit all seiner Kraft quetschen musste, um ans Licht zu treten. Ich konnte dieses Licht an manchen Tagen aufflackern sehen – und das gab mir Kraft, weiterzumachen. Diese Stimme, die mir so liebevoll zuflüsterte und mich anfeuerte, sagte mir auch, dass das Portal an meinem Geburtstag Mitte Oktober durchschritten sein würde. Dass es dann vorbei wäre. Mir blieb nichts anderes übrig, als zu vertrauen.

Diese Stimme – mein wahres Ich, das ich niemals verloren habe – hatte recht. Ich wachte an meinem Geburtstagsmorgen auf und wusste: Es ist vollbracht. Da ist das Licht. Es war, als würde ich endlich, nach all der Zeit in einem viel zu engen Kokon, meine Flügel ausbreiten können. Eine unfassbar berührende und fast schon mystische Erfahrung.

Das Eintauchen ganz tief hinein in den Schmerz war letztendlich das, was mich die Freude hat spüren lassen. Ich bin kein Mensch, der vor einem Portal stehen bleibt, wenn vor ihm eines auftaucht. Ich hole tief Luft und tauche hinein. Es ist nicht die Dunkelheit, die Angst macht, wir könnten uns eigentlich sanft fallen lassen. Es ist unsere Interpretation von der Dunkelheit als alles verschlingendes Wesen, das uns niemals wieder freigibt. Es ist die Aussicht darauf, niemals wieder das Licht zu sehen, das uns meist gar nicht erst in das Portal eintreten lässt. Dabei finden wir an seinem Ende immer das Gold, wonach wir gesucht  haben.

Der Sog einer kraftvollen Vision

Über den Jahreswechsel hinein in dieses seltsame Jahr habe ich so deutlich gespürt, was für mich möglich ist, wo ich meine Basis setzen möchte, was für mich im Leben wichtig ist. Diese Vision hat einen solchen Sog gehabt, dass ich keine andere Wahl hatte, als ihr zu folgen. Das ganze Jahr über zu merken “das ist es noch nicht”, war für mich frustrierend. Ich habe sehr viele Erlebnisse gehabt, die mir deutlich vor Augen führten: “So nicht. So nie wieder”. Jedes dieser Ereignisse – so schmerzhaft sie auch waren – ließ mich mit mehr Klarheit zurück. Mehr Klarheit dafür, wie ich mir mein Leben wünsche. Mehr Klarheit über meine Bedürfnisse und über die Gefühle, die mich in meinem Alltag begleiten sollten. Ich sah ganz genau, was es für mich brauchte, um in den Passionflow zu kommen. Und da Geduld (noch) nicht unbedingt zu meinen Stärken zählt, war genau das so schwierig für mich.

Immer wieder versuchte ich innerlich loszulassen, nicht die Vision selbst, sondern das Wie. Ich musste mir eingestehen, dass ich nicht diejenige war, die entscheiden konnte, wie und wann sie sich erfüllt. Da war nur diese felsenfeste Gewissheit, dass sie mir zusteht und dass ich sie leben werde. Jetzt – nur wenige Wochen nach dem Auftauchen aus dem Portal – sehe ich, dass sich das Warten gelohnt hat. Und dass alles genau dann und genau so zu uns kommt, wie wir es für unsere Entwicklung brauchen.

Ich habe gelernt, dass ich nicht alles beeinflussen kann. Ich habe gelernt, meinen Griff zu lockern und mit der Angst zu sein, denn sie bringt uns nicht um, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Ich habe gelernt, dass ich so verdammt stark sein kann. Ich habe gelernt, dass ich meine Wünsche nicht aus den Augen verliere, auch wenn sich alles gegen mich zu stellen scheint. Ich habe gelernt, nicht aufzugeben.

Mein persönliches Gold

Gestern stand ich auf einer Anhöhe und blickte in die Weite. Die Sonne kitzelte mein Gesicht, der Wind wehte sanft durch mein Haar und der nächste Atemzug, den ich nahm, reichte bis in die letzte Zelle. Hier. Jetzt. Das war es. Ich wusste es. Ich bin angekommen, mittendrin in meiner Vision, die ich so hartnäckig verfolgt habe. Nicht nur dieses Jahr, sondern viele Jahre lang. Immer und immer wieder habe ich meine Segel neu gesetzt, bin meinem inneren Kompass gefolgt. Die Basis von alldem war, dass ich mich vor sieben Jahren dazu entscheiden habe, mich zur Priorität Nr. 1 zu machen, und auch, wenn mir das in dieser Zeit nicht immer gelungen ist, habe ich das niemals aus den Augen verloren. Ich habe auf Lebensumstände hingearbeitet, die mir genau das täglich ermöglichen würden, die mich meinen Passionflow täglich spüren lassen würden: denn genau das ist mein persönliches Gold, das ich selbst hergestellt habe.

Ich dachte, dass ich meine Selbstständigkeit aufgeben müsste, als sich die Umstände Anfang des Jahres änderten. Aber ich gab nicht auf und fand neue Wege. Jetzt bin ich bis Mitte November ausgebucht. Ich arbeite mit Frauen zusammen, die mit mir gemeinsam das machen möchten, was ich am besten kann: aus Scheiße Gold machen. Ich dachte, ich könnte keine Erholung finden, wenn ich nicht längere Zeitblöcke für mich habe. Aber ich entwickelte ein System, mit dem ich kurze Zeitblöcke so nutzen konnte, dass sie mich selbst ausgeglichen und mich durch die schwere Zeit gebracht haben. Ich dachte, meine Kreativität sei begraben, aber genau an diesem Punkt wurde sie lebendiger als je zuvor.

Ich dachte, da sei nur Dunkelheit, aber genau dann kam ich ans Licht.
Ich dachte, nichts hat einen Sinn, aber genau dann erkannte ich ihn.

Was ist für dich Gold?

Mein Gold ist es, Freiheit zu spüren, mich dem Leben hingeben zu können, Dankbarkeit für die kleinen alltäglichen Dingen wahrzunehmen und mich mit mir selbst und allem/allen um mich herum verbunden zu fühlen. Mein Gold ist eine ruhige Zufriedenheit, die stets im Hintergrund läuft, obwohl nicht immer alles klappt. Mein Gold ist die unbändige Kraft der Kreativität, die durch mich hindurch pulsiert, während ich immer und immer wieder neue Wege finde, wo einst Mauern waren.

Und deins? Wie sieht dein Gold aus? Wie fühlt es sich an? Kannst du deine Vision sehen? Was ist es, das für dich anders werden darf, damit du das fühlst, was du fühlen willst? Und damit meine ich täglich und nicht nur in den zwei Wochen, wenn du in den Urlaub gehst. Wie kannst du die Energie deines Schmerzes in einen Beschluss umwandeln, der dich letztendlich dorthin führt, wo du sein möchtest? Was sind deine Bedürfnisse und wie kannst du sie erfüllen? Wer kann dir auf dem Weg dorthin helfen?

Nimm dir einen Stift, beantworte diese Frage, lass sie in dich hineinsinken, bis die Antworten wie von selbst hochsteigen. Vertraue, dass es die richtigen sein werden. Die Dunkelheit, die sich in den nächsten Monaten über das Land senken wird, lädt uns genau dazu ein. Sie lädt uns ein, tief einzutauchen in uns selbst und uns die wirklich wichtigen Fragen zu stellen. Und wenn du die Antworten spürst, wie sie dich rufen, vielleicht zunächst leise, dann gehe den ersten Schritt. Nur den ersten kleinen Schritt in Richtung Gold.

 

Wenn du spürst, dass die Zeit für Veränderung gekommen ist und und du mich gerne an deiner Seite hättest, freue ich mich von Herzen über eine Nachricht von dir. Ab Mitte November wird ein weiterer 1:1-Platz frei. Vielleicht ist dieser Platz für dich? 

 

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