Der Bereich der Persönlichkeitsentwicklung wächst, viele Menschen beginnen, sich mit sich selbst zu beschäftigen und wollen nicht länger hinnehmen, dass ihr Leben von ihrer Vergangenheit oder der Gesellschaft diktiert wird. Wir beginnen aufzuwachen. Dieser Entwicklung sehe ich sehr positiv entgegen, doch sehe ich auch, dass dieses ganze Thema leider nur sehr oberflächlich behandelt wird. Viele probieren es aus, müssen jedoch nach einer Weile feststellen, dass es nicht so wie versprochen funktioniert, “sein Mindset zu ändern” und geben frustriert auf. Das macht mich sehr traurig, denn ich weiß: Es reicht nicht aus, nur positiv zu denken. Geht es dir auch so, dass du schon so viel versucht hast, aber nichts auf Dauer gelingen will? In diesem Beitrag soll es darum gehen, wieso du keine Ausnahme bist, nicht versagt hast und welchen anderen Weg es gibt.

Sein Mindset zu ändern ist super, aber…

Verstehe mich bitte nicht falsch. Ich finde es wirklich super, sein Mindset zu ändern. Nur leider wird uns diese Veränderung viel zu oft als etwas verkauft, das von heute auf morgen geschehen wird. Oder wenn man die 10 Schritte beherzigt. Oder Produkt XY kauft. Zwar mögen die Angebote eine spirituelle Komponente haben, doch letztendlich laufen sie darauf hinaus, dass sie uns wieder in das Leistungsdenken hineinmanövrieren, aus dem wir eigentlich raus wollen. Wir machen all die Dinge, spüren vielleicht auch massive Veränderungen, doch irgendwann – manchmal sogar Jahre später – stellen wir fest, dass das nicht ausreicht.

Wir stellen fest, dass das Gesetz der Anziehung nicht alles erklärt, dass wir noch so positiv denken können, wie wir wollen, dass dennoch schlimme Dinge passieren. Manche Glaubensmuster kriegen wir einfach nicht los, obwohl wir sie doch in einer Meditation losgelassen haben. Wir fragen uns, was mit uns los ist, wieso wir denn nicht dauerhaft dieses “neue Mindset”, das wir gelernt haben, aufrechterhalten können.

Weil so viel mehr dahintersteckt

Wir sind Menschen. Wir sind hier, um Leid, Schmerz und Enttäuschungen genauso zu erfahren wie Liebe, Freude und Leidenschaft. Wir haben ein Ego, das wir in diesem Leben nicht loswerden können. Hätten wir es nicht, würden wir mit Engeln um die Wette fliegen. Dann wären wir nicht hier. Ich sage dir jetzt einmal eine Wahrheit, die dir vielleicht wehtun wird: Der Tag, an dem wir immer glücklich sein werden, wird nicht kommen.

Ich weiß, gerade in den sozialen Medien wird dieses ständige Glücklichsein von so vielen Menschen dargestellt. Auf jedem Foto lachen sie, ständig erzählen sie davon, was sie alles Geniales “in ihr Leben ziehen”, was für unglaubliche Erfahrungen sie machen. Ich glaube: Das ist nur die Hälfte des Ganzen. Ganz ehrlich? Ich denke, dass auf sie noch ein tiefer Fall wartet, auch wenn ich es niemandem wünsche. Eine einschneidende Erfahren, nach der sie feststellen werden, dass sie nicht immer und über alles die Kontrolle haben. Und nach der sie lernen müssen, dass schlimme Dinge zum Leben gehören und wir sie nicht weglachen können.

Unser altes Mindset ist aus gutem Grund da

Unsere Verhaltens- und Glaubensmuster sind aus einem guten Grund so hartnäckig. Sie sind mehrspurige neuronale Autobahnen in unserem Gehirn, die wir nicht von heute auf morgen einreißen können. Sie entstanden, weil wir sie einst – oftmals in früher Kindheit – zum Überleben brauchten. All diese alten Muster, unser “altes Mindset”, lassen sich nicht so leicht loslassen, weil sie eigentlich nur unser Bestes im Sinn haben. Sie wollen uns beschützen. Dass die Gefahren, die damals akut waren, heute nicht mehr vorherrschen, müssen wir erst Schritt für Schritt lernen.

Viele Coaches und Autoren umgehen diesen Part leider vollkommen. Sie sagen, dass wir all das hinter uns lassen sollen, nach vorne blicken müssen. Es ist so, als würden sie uns diese Erfahrungen absprechen, ohne zu sehen, dass es genau diese Erlebnisse sind, die es uns ermöglichen können, uns in all unserer wundervollen Tiefe zu betrachten. So oft erlebe ich, wie sämtliche Menschen über einen Kamm geschert werden, wie ihr individuelles Leben keine Rolle spielt, wie das, was uns ausmacht, einfach umgangen wird. Das macht mich sehr traurig, denn ich bin der Meinung, dass wir diese Teile von uns nicht wegschieben, sondern sie integrieren dürfen, damit sie ein Teil des Transformationsprozesses werden.

Wir Menschen sind keine Maschinen, bei denen man ein Programm einfach so löschen kann. Wir sind vielmehr wie Zwiebeln. Schritt für Schritt schälen wir die Schichten, die andere uns aufgetragen haben und die uns so lange beschützt haben, ab. Das dauert. Aber es ist das Einzige, das wirklich eine andauernde Veränderung mit sich bringt.

Transformation ist möglich, aber sie ist kein linearer Prozess. Sie kann nicht in einer Geraden dargestellt werden, auch wenn wir es vielleicht gerne so hätten. Vielmehr gleicht sie einer Spirale, bei der wir uns manchmal scheinbar im Kreis drehen, uns jedoch letztendlich ins Innere bewegen. Auf dieser Reise begegnen uns bestimmte Dinge immer und immer wieder. Dinge, von denen wir glaubten, sie losgelassen zu haben. Doch nun stehen wir plötzlich wieder an derselben Stelle wie vor so vielen Jahren und sind enttäuscht über die scheinbaren Rückschritte, die wir gemacht haben. Wir verurteilen uns dafür, das mit der Persönlichkeitsentwicklung irgendwie nicht so verstanden zu haben.

Begebe dich in den Rhythmus des Universums

Wenn wir uns von vornherein mit dem Wissen, dass wir immer wieder “zurückfallen” werden, auf die Reise der Transformation begeben, werden wir in der Lage sein, diese vermeintlichen Rückschritte ganz anders zu betrachten. Wir können sie liebevoll annehmen und als einen notwendigen Teil des Prozesses betrachten, von dem wir lernen können. Wir erleben unser emotionales Auf und Ab nicht als ein Versagen und Vorwärtskommen, sondern als den Rhythmus des Universums. Dinge sterben und werden geboren, Galaxien kollabieren und neue entstehen. Ein ewiger Tanz von zwei Polen, zwischen denen wir balancieren. Doch diese Balance bleibt niemals stetig, sondern muss Tag für Tag neu ausgelotet werden.

Wenn es uns gelingt, diesen Rhythmus anzunehmen, lernen wir wahre Selbstliebe. Sie wird dann eine Liebe sein, die nicht an die Bedingung des Glücklichseins oder Erfolgs geknüpft ist, sondern einfach immer da ist. Wir lernen, uns mit all unseren Facetten anzunehmen – und genau hierin liegt die Entwicklung. Das Ziel ist nicht ständige Freude, sondern Liebe. Annehmen dessen, was ist. Ein Handeln aus unserem inneren Ich heraus. Dieses Handeln ist nicht immer groß und voller Leidenschaft, es ist manchmal klein und ruhig und umschließt alle Emotionen, unser gesamtes Menschsein.

Was uns fehlt, ist Tiefe

Du siehst: Der Prozess, den ich hier beschreibe, geht in die Tiefe. Nein, er geht nicht von heute auf morgen vonstatten und ist oftmals sehr unbequem. Wir werden dabei mit unseren Schatten konfrontiert, was sehr schmerzhaft sein kann. Aber es ist der einzige Weg, der wirklich funktioniert und nachhaltig zu Transformation führt. Und dass er in einem Menschenleben tatsächlich abgeschlossen werden kann, glaube ich nicht. Aber darum geht es auch nicht. Es geht um die Erfahrung unseres wahren Seins, um das Erleben von uns selbst, nachdem wir Schicht um Schicht von unserer Zwiebel abgeschält haben, und um das Handeln heraus aus unserem wahren Wesen.

Wird uns das immer gelingen? Sicher nicht. Werden wir immer besser darin werden, wenn wir uns mutig in unsere eigene Tiefe wagen? Ganz bestimmt.

 

Hast du auch schon mal versucht, dein Mindset zu ändern? Was hast du dabei gelernt? Wie siehst du die aktuelle Entwicklung?

 

 

2 Kommentare
  1. Peter Kraus
    Peter Kraus sagte:

    Liebe Anna,

    was ich hier lese beeindruckt mich sehr. Zum einen, weil ich das alles aus eigener Erfahrung bestätigen kann und zum anderen, weil ich feststelle, wie dich dein eigner Transformationsprozess inzwischen „geformt“ hat. Ich kenne dich online jetzt seit ca. 2 Jahren.

    Du hast den Sinn des Lebens verstanden und in sehr verständlichen Worten beschrieben. Dafür vielen Dank, auch im Namen aller, die das lesen dürfen.

    Was du in diesen wenigen Zeilen zusammengefasst hast, ist eine besonders wertvolle Erkenntnis:

    „Wenn es uns gelingt, diesen Rhythmus anzunehmen, lernen wir wahre Selbstliebe. Sie wird dann eine Liebe sein, die nicht an die Bedingung des Glücklichseins oder Erfolgs geknüpft ist, sondern einfach immer da ist. Wir lernen, uns mit all unseren Facetten anzunehmen – und genau hierin liegt die Entwicklung. Das Ziel ist nicht ständige Freude, sondern Liebe. Annehmen dessen, was ist. Ein Handeln aus unserem inneren Ich heraus. Dieses Handeln ist nicht immer groß und voller Leidenschaft, es ist manchmal klein und ruhig und umschließt alle Emotionen, unser gesamtes Menschsein.“

    Ich wünsche dir und allen unseren Mitmenschen, dass sie diesen Rhythmus annehmen und leben können!

    Liebe Grüße
    Peter

    Antworten
    • Anna
      Anna sagte:

      Lieber Peter,
      ich danke dir von Herzen für deine lieben Worte und für deine Begleitung die letzen beiden Jahre hindurch. Ich bin sehr dankbar, dass du hier immer mitliest und mich unterstützt – selbst wenn deine Unterstützung für mich so manches Mal bedeutet hat, mich selbst mit meinen Schattenaspekten auseinanderzusetzen. Sehr oft geht es ja gerade darum.
      Ganz liebe Grüße dir
      Anna

      Antworten

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