Wir leben nicht gerade in einer Gesellschaft, die Emotionen feiert. In sozialen Situationen sind sie meist fehl am Platz und unerwünscht. Niemand will eine wütende Frau sehen, keiner weiß recht mit Tränen von anderen umzugehen und über Scham und Ängste wird oft gar nicht erst gesprochen. Selbst zu sehr freuen sollten wir uns nicht, wir könnten uns schließlich zu früh freuen. Immer schön neutral bleiben, scheint die Devise. Und so lernen wir, uns für unsere Emotionen zu verurteilen. Sie “unter Kontrolle zu haben” wird als großartige Fähigkeit dargestellt. Wir nehmen sie als Hindernis zu einem erfüllten Leben wahr. Und plötzlich fragen wir uns, wieso wir nichts fühlen. Wieso wir nicht spüren, wie das Leben durch uns pulsiert. Wieso wir uns so sehr nach Tiefe und Wahrheit sehnen. Ich möchte heute gemeinsam mit dir das gesellschaftliche Ideal der Emotionslosigkeit infrage stellen und dir einen Weg in und mit deinen Emotionen zeigen, der dich in deine wahre Kraft führen kann.

Ein Leben mit intensiven Emotionen

“Wer viel lacht, wird viel weinen”, sagte mein Vater mir schon, als ich ein Kind war. Ich wurde von allen Seiten her gedrosselt. Immer war ich zu viel und dadurch wiederum nicht (gut) genug. Meine Uroma betete früher zu Gott, ich möge zur Vernunft kommen und nicht mehr so zügellos sein. Sie sagte mir immer wieder, dass in mir “der Teufel wohnte”. Ich weinte zu oft und zu viel, ich schrie meine Wut zu laut hinaus. Ich lachte zu intensiv. Ich war laut meiner Familie grundlos ängstlich. Und so lernte ich, dass Emotionen etwas “Falsches” waren und versuchte mich darin, sie herunterzuschlucken.

Doch je mehr ich es probierte, umso unkontrollierter wurden sie. Ich bekam regelrechte Wutanfälle, für die ich mich dann so sehr schämte, dass ich mich selbst verletzte. Ich weinte nächtelang in mein Kissen, weil ich mich nicht verstanden fühlte und weil die Traurigkeit mich umhüllte wie ein schwarzer Mantel, aus dem es kein Entrinnen gab. Es gab Phasen in meinem Leben, da hatte ich Angst vor allem und jedem und traute mir kaum etwas zu. Ich konnte nachts nicht schlafen, weil mein Herz hämmerte. Und gleichzeitig verlor ich die intensive Freude auch niemals. Etwas so Simples wie eine schöne Blume konnte mir Freudentränen in die Augen treiben. Und für all das schämte ich mich furchtbar. Ich fühlte mich durch all diese Emotionen daran gehindert, ein “normales” Leben zu führen. 

Tief in mir wusste ich jedoch, dass ich dieses normale Leben gar nicht wollte. Einem Teil von mir war völlig klar: Ich bin gut so, wie ich bin. Auch wenn ich anders bin. Ich bin genau richtig, auch wenn das niemand anders so zu sehen scheint. Es folgten viele Jahre der Suche nach einem Weg nicht gegen, sondern mit meinen Emotionen. Ein Weg, der geprägt war von Aufs und Abs und der mich schließlich dazu führte, dass ich mich jetzt nicht nur so annehmen kann, wie ich bin, sondern dass ich diese Emotionalität als meine größte Gabe betrachte.

 

Blalalal

Interessant war dabei, dass ich auf dem Weg in ein bewussteres Leben erst einmal völlig davon abkam. Ich gab mich der Illusion hin, dass ich eines Tages einfach so “erwacht” sein würde, dass ich mich komplett unter Kontrolle haben könnte. Dass ich schon bald nur noch Frieden und tiefe Freude empfinden würde. Dass ich so gelassen sein würde, dass es nichts mehr gäbe, was mich noch aus der Bahn werfen könnte. Tatsächlich schien es auch zu funktionieren, meine “emotionalen Anfälle”, wie ich sie nannte, wurden seltener. Doch sie hatten nichts an ihrer Heftigkeit eingebüßt. Und die Scham, die ich im Anschluss fühlte, war schlimmer, als jemals zuvor. Schließlich “wusste” ich nun, dass es einen besseren Weg gab, dass ich gelassener hätte reagieren können. Umso mehr verurteilte ich mich dafür uns umso mehr Kraft brauchte ich, um die Gefühle wegzuschieben.

Es war – wieder einmal – eine Krise, die mich langsam verstehen ließ, dass das nicht der Weg sein konnte. Dass der Weg zur Gelassenheit durch die Gefühle hindurch führte, anstatt um sie herum. An dieser Stelle hatte ich mehrere Mentoren, einer davon war mein Sohn. Wenn er weinte, kam es mir nicht in den Sinn, ihm zu sagen, er solle mit dem Quatsch aufhören. Wenn er sich wehgetan hatte, war ich bei ihm, anstatt ihm wiederholt zu versichern, es sei alles gut und er brauche sich nicht so anzustellen. Wenn er wütend wird, weil etwas nicht so ist, wie er es gerne hätte, verstehe ich ihn, anstatt ihn für seine Gefühle zu beschimpfen. Mit jeder seiner Emotionen reagiere ich noch empathischer, noch feinfühliger. Ich verstehe ihn auf einer Ebene, auf der ich selbst als Kind nicht verstanden worden bin. Und das kann ich, weil ich so emotional bin.

Eine weitere Mentorin, zu der mich meine Intuition führte, zeigte mir, dass ein 1:1-Coaching Leben verändern kann. Was ich von und mit ihr gelernt habe, lässt sich in Geld nicht aufwiegen. Sie war diejenige, die mich endlich so annahm, wie ich angenommen werden wollte. Sie zeigte mir, wie ich mich selbst mit all meinen Facetten lieben kann. Sie ermöglichte es mir alleine durch ihr Da-Sein, mich in meiner ganzen Kraft zu sehen. Diese Erkenntnisse gingen mir in Fleisch und Blut über und es gibt keinen Tag, an dem ich sie nicht nutze.

 

Gefällt dir meine Seite?

Möchtest über Neuigkeiten und Blogbeiträge informiert werden? Dann trage dich kostenlos in meinen etwa monatlich erscheinenden Newsletter ein (jederzeit wieder abbestellbar). Ich freue mich schon auf dich!

This contact form is deactivated because you refused to accept Google reCaptcha service which is necessary to validate any messages sent by the form.
1 Antwort
  1. Mahashakti Uta Engeln
    Mahashakti Uta Engeln sagte:

    Emotionen sind die Quelle unserer Lebensfreude. Sie zu unterdrücken macht uns nur zum Roboter. Das kann nicht der Weg sein. Da bin ich ganz bei dir, und deiner Erfahrung der Selbstakzeptanz.

    Gefühle, bzw Emotionen die wir annehmen, integrieren, machen uns erst zu der starken Persönlichkeit, die wir tatsächlich sind.

    Und mehr:

    Erkenne den Sinn deiner Erfahrungen und Emotionen an!

    Sieh deinen gesamten Lebensweg, und schenke dabei besonders den Zeiten deines Lebens Achtsamkeit, in denen du es besonders schwer hattest.

    Denn diese schwierigen Erfahrungen sind es, die dich haben wachsen lassen. Die es dir später ermöglichen, einen wertvollen Beitrag zur menschlichen Gemeinschaft zu liefern.

    Wir brauchen schwierige Zeiten um zu wachsen und zu reifen.

    Würdige daher die Zeiten, in denen du dein Wissen, deine Erfahrung, deine Lebenskraft aufgebaut hast. Die Zeiten, in denen deine ganz persönlichen Fähigkeiten entwickelt hast. Also die Zeiten, in denen Du besondere Erfahrungen machen durftest.

    Alle starken Persönlichkeiten haben schwierige und schwierigste Zeiten in ihrem Leben zu bewältigen gehabt.

    Danke für deinen bereichernden Beitrag.

    Mahashakti

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.