Bist du ein Scanner?

Dass ich so intensiv über das Thema Leidenschaften nachdenke, habe ich zu einem Großteil einem ganz bestimmten Buch und somit seiner Autorin zu verdanken:

2014-07-11 18.55.06

„Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“
von Barbara Sher

Was ist ein Scanner?

Scanner sind laut Barbara Sher Menschen, die viele unterschiedliche Interessen und Begabungen haben, zwischen diesen aber manchmal (scheinbar) wahllos wechseln und sie oft auch nicht zu Ende bringen; diese also „scannen“.

Das Gegenstück des Scanners ist der Taucher, welcher in ein Wissensgebiet hineintaucht und sich mit allem, was damit zu tun hat, gerne beschäftigt. Ein Taucher kann zwar auch andere Hobbys haben, doch diese begeistern ihn nicht mit der gleichen Intensität wie sein auserwähltes Wissensgebiet.

Ich bin ein Paradebeispiel für einen Scanner. Als ich die Beschreibung zum ersten Mal las, war ich mir da allerdings noch nicht so sicher. Damals war ich sehr fixiert auf das Konzept der Bestimmung im Leben, und es schien mir, als könne dies nur eine einzige Tätigkeit sein. Ich dachte intensiv nach und „entschied“ mich für das Schreiben. Ab da schrieb ich wie eine Verrückte an meinem Buch, nur um festzustellen, dass diese leidenschaftlichen Phasen sich mit ebenso leidenschaftlichen Perioden der Beschäftigung mit anderen Dingen (zu diesem Zeitpunkt z.B. gesunde Ernährung) abwechselten.

Doch sobald ich die erste Seite des Buches gelesen hatte, war mir klar, dass ich versucht hatte, mich selbst zu betrügen. Ein Gedanke begann, in mir aufzukeimen: Was ist, wenn gerade das meine Bestimmung ist? Nicht nur einer, sondern vielen Leidenschaften zu folgen?

Vielseitigkeit als Begabung

Nach und nach sind mir die ganzen Interessengebiete eingefallen, mit denen ich mich in meinem Leben beschäftigt habe. Plötzlich empfand ich es als wertvoll, so vielseitig zu sein. Ganz spontan habe ich damit begonnen, eine Liste mit all den Dingen zu erarbeiten, die ich in meinem Leben bereits leidenschaftlich ausgeführt habe. Darunter waren z.B.: Hunderassen, Alte Ägypter und Kelten, Gitarre spielen, Wildkräuter, Astronomie, Sprachen (Englisch, Italienisch und Spanisch) – und noch ungefähr dreißig mehr. Auf die nächste Seite schrieb ich all die Dinge auf, die ich gerne noch in meinem Leben probieren wollte, wie etwa: Lateinamerikanische Tänze, Chinesisch lernen, Schauspielern, Fotografieren.

Mir wurde klar, dass ich es in keinem dieser Dinge jemals zur Expertin geschafft hatte, was mir vermutlich gelungen wäre, wenn ich länger drangeblieben und geübt hätte. Aber ich liebte es, Neues zu lernen, etwas bis zu einem bestimmten Grad auszuführen und dann weiter zu ziehen. Von Barbara Sher lernte ich, dass das vollkommen in Ordnung ist, obwohl man von anderen – und leider auch von sich selbst – oft genug hört, dass man etwas nicht fertig gebracht hat. Doch ein Scanner hat sich auf diesem Gebiet dann das geholt, was er gesucht hat. Seine Begabung liegt darin, nicht zum Expertentum aufzusteigen, sondern manche Dinge eben nur zu probieren, um andere eine zeitlang auszuführen und wiederum andere beinahe bis zur Perfektion zu erlernen.

Ich wollte z.B. immer Gitarre spielen lernen, um meinen Gesang bei meinen selbstgeschriebenen Songs zu begleiten. Ich übte schließlich jeden Tag die wichtigsten Akkorde, machte mir jedoch niemals die Mühe, an den schweren Griffe zu arbeiten, da die leichten für meinen Anspruch schlicht und einfach ausreichten. Ich werde immer noch häufig gefragt, warum ich nie weiter gemacht habe, aber für mich stand es nie zur Debatte, professionell Gitarre spielen zu lernen. Mein Ziel, das Begleiten meiner Songs, war erreicht. Andere hätten sich weitere Ziele gesteckt, z.B. das Erlernen schwierigerer Akkorde und Stücke, aber ich wollte stattdessen lieber etwas vollkommen anderes machen.

Welche Ansprüche hast du?

Vielleicht geht es dir ja so, dass du verschiedene Interessen hast, aber keine von ihnen richtig ausleben kannst, weil du den Anspruch hast, dir eine davon auszusuchen und sie durchzuziehen? Vielleicht willst du andere Menschen nicht enttäuschen, wenn du schon wieder etwas anfängst, um es nach kurzer Zeit wieder aufzuhören? Du fühlst dich dann – mit Barbara Shers Worten – wie ein hungriges Kind in einem Süßigkeitenladen, das gerne alles auf einmal hätte und deswegen nichts nimmt. Doch was hindert dich daran, nach und nach von jeder Süßigkeit zu naschen? Du hast noch genügend Zeit in deinem Leben, alle Süßigkeiten zu essen – und das ist eine tolle Nachricht, denn viele Scanner haben dein Eindruck, dass sie ihre Interessen niemals alle ausleben können. Und das sorgt für ordentlich Frust.

Wenn du das Gefühl hast, dich wiederzufinden, kann ich dir das Buch wärmstens empfehlen. Mach doch zu Beginn einfach mal – wie ich – eine Liste all der Dinge, für die du bereits Leidenschaft aufgebracht hast und eine weitere mit Dingen, die du noch gerne tun  möchtest. Du wirst nicht umhin kommen, etwas, das andere vielleicht als wankelmütig bezeichnet hatten, nun als eine besondere Eigenschaft und Begabung anzusehen!

Bist du der nächste Da Vinci?

Und falls du dir immer noch unsicher bist, was das alles soll: Barbara Sher schafft es in ihrem Buch, einen so sehr zu motivieren, dass man danach das Gefühl hat, etwas Besonderes zu sein, wenn man die Eigenschaften eines Scanners besitzt. Berühmte Persönlichkeiten wie Leonardo da Vinci oder Aristoteles wurden für ihre Vielseitigkeit früher hoch gelobt, heute ist jedoch eher der Taucher gefragt, der sich in ein Wissensgebiet einarbeitet zum Experten darin wird. Doch auch für den Scanner ist Platz in unserer Gesellschaft, es ist nur wichtig, zu wissen, welcher Typ von Scanner man ist und wie man seine Persönlichkeit mit den Anforderungen der Gesellschaft verknüpfen kann.

Du kannst zum Beispiel einen Jahresplan machen, indem du alles verzeichnest, was du gerne noch machen möchtest; sowie ein Projektbuch erstellen, in welches du all die Dinge, die dich packen, einträgst; du kannst überlegen, welche deiner Interessen zusammen passen und ob man sie nicht beruflich umsetzen könnte; und das Wichtigste:

Du kannst dir endlich erlauben, manche Dinge eben nicht zu Ende zu führen. Das ist vollkommen okay. Du bist vollkommen okay!

Findest du dich wieder? Bist auch du ein Scanner? Was liebst du daran und wo liegen deine Hürden?

Hier gibt’s noch weitere Artikel von mir:
Wassen Ziele lebst du?
Hochsensibilität – 12 Gründe, warum sie ein Segen ist
Eine Gratwanderung: Finde die Balance zwischen Entspannung und Anregung

Dianas Blog Ideenhelden kann ich zu diesem Thema auch herzlich empfehlen!

 

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7 Kommentare

  1. Kommt mir sehr bekannt vor. Ich interessiere mich auch für eine „Leidenschaft“ und dann habe ich wieder Lust auf etwas anderes. Anch’io ho la interessa per la lingua Italiana. Leggo Libri o imparo le parole. Prima o poi faccio un‘ altra cosa. Dann habe ich Lust auf Joggen um mal ein Marathon zu laufen. Geschafft habe ich das aber nie, weil ich dann im Buchladen ein Buch über Astronomie, Pflanzen,Vögel oder Geschichte finde und mich dann voll darauf konzentrieren will.

    Manche Dinge begeistern mich aber in regelmäßigen Abständen immer wieder. (z.B. Italienisch).
    Schade, dass man dann soviel vergessen hat und von vorn beginnen muss.
    Denn so habe ich das Gefühl mein ganzes Leben lang etwas gemacht zu haben, was ich aber zum Schluß nicht kann. Dieser Gedanke ist sehr frustrierend.

    Jemand sagte zu mir: „Ich sei wie Alleskleber. Alles hält, aber nicht richtig.“

    • Lieber Andreas,
      wo wären wir denn ohne Alleskleber? Dann bräuchten wir ja für jeden Mist einen anderen Kleber! Und ganz ehrlich? Bei mir hält nicht alles, aber das meiste ziemlich gut mit Alleskleber! 😉 Ich empfehle dir wirklich, das Buch von Barbara Sher zu lesen. Seither empfinde ich meine Scannerdasein nicht mehr als Last, sondern als besondere Fähigkeit. Die Welt braucht uns!
      Jep, Italienisch habe ich ein Jahr lang gelernt, dann bin ich zu Spanisch gewechselt, weil ich mich inzwischen öfter dort aufhalte. Estoy estudiando Espanol y puedo entender tu Italiano! Ist doch genial! Ich glaube, wir Scanner müssen den Anspruch aufgeben, in einem Gebiet perfekt sein zu wollen. Wir sind schon perfekt darin, uns neues Wissen anzueeignen und es auszuprobieren. Das ist unser „Job“ und den machen wir grandios! Es können nicht viele von sich behaupten, sich in Astronomie, Geschichte, mit Pflanzen und Vögeln, sowie mit dem Joggen und Italienisch auszukennen – das ist deine besondere Gabe und auch Lebensaufgabe! Es ist ein besonderes Talent, Andreas! 🙂
      Liebe Grüße
      Anna

  2. Hallo Anna,

    bist du ein Scanner, (zyklischer) Taucher oder einfach nur vielseitig interessiert? Das Buch differenziert zu wenig und ist verwirrend. Da ich allem auf den Grund gehe, wenig beginne und alles beende bin ich wohl das Gegenteil von einem Scanner: ein Taucher. Und das sehr gerne.

    Blubbergrüße, Tanja

    • Hallo liebe Tanja,
      vielen Dank dir für deinen Kommentar. Wie du vielleicht siehst, ist dieser Beitrag bereits 1,5 Jahre alt. Damals hat mir das Buch sehr geholfen, heute sehe ich die Dinge ein wenig anders. Es hat mir dabei geholfen, zu sehen, dass ich okay so bin, wie ich bin und dass all meine Talente eine „Berechtigung“ haben. Heute ist es mir völlig egal, ob ich Scanner oder sonstwas bin. Ich folge meiner Energie, wenn ich etwas tue. Was das ist und wie es sich nennt, ist mir dabei völlig egal. Auch, ob ich es abbreche oder tiefer hineintauche. Ich habe die Schubladen mehr und mehr abgeschafft, denn ohne lebt es sich leichter. 😉 Und ob Taucher, Scanner oder sonstwas ist auch völlig egal: Hauptsache, wir leben die Energie aus, die durch uns strömt. Und wenn du das als Taucher tust, ist das ganz wundervoll! 🙂
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  3. Pingback: Scanner und Taucher … bei HSP | Unternehmenstankstelle (R)

  4. Hallo, Anna!

    Der Artikel hätte von mir sein können ☺ denn genauso bin und war ich auch schon immer. Allerdings: ich scanne alles und tauche tief – immer! Gerade weil mich so vieles interessiert, fällt es mir schwer, mich zu begrenzen. Das macht es manchmal schwer, ein Ende zu finden. Das Schöne ist: alles, was ich erlernt habe, ist auch Jahrzehnte später noch abrufbar – und da ich nichts wirklich ad acta lege, kann ich jederzeit wieder dort anknüpfen, wo ich aufgehört habe.

    • Hallo liebe Cornelia,
      dein Scannerdasein klingt sehr intensiv – und diese Intensität ist es, was ich so wundervoll daran finde! Man lebt so richtig, oder? Stürzt sich in Abenteuer, voller Leidenschaft und Begeisterung – ich liebe das! 🙂 Und dass du jederzeit anknüpfen kannst, wo du aufgehört hast, ist einfach nur wundervoll!
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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