Das Alleinsein lernen – warum es sich lohnt und wie du es schaffst!

Alone

Wovor ich jahrelang regelrechte Panik hatte, ist für mich inzwischen zum höchsten Gut geworden: Das Alleinsein. Als es mir nicht so gut ging, versuchte ich, mich dauerbeschäftigt zu halten. Wenn ich nicht meinen depressiven Gedanken nachhing, sondern unter Leuten war, ging es mir ganz okay. Ich hatte sogar zeitweise Spaß am Leben. Doch schon der Gedanke daran, dass ein Stück meines Tages nicht vollgestopft war, ließ mich regelrecht panisch werden. Vielleicht geht es dir ja ähnlich und du magst das Alleinsein nicht? In diesem Fall lohnt es sich wirklich, das Alleinsein zu lernen!

Ich habe das Alleinsein in den letzten zwei Jahren für mich entdeckt und es ist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Ich bin daher der Meinung, dass du große Schwierigkeiten mit dem Entdecken und Folgen deiner Leidenschaften haben wirst, wenn du Schwierigkeiten mit dem Alleinsein hast.

Warum hatte ich so lange Angst davor, alleine zu sein?

Die Antwort darauf ist heute so einleuchtend, dass ich mich wundere, nicht schon viel früher darüber gestolpert zu sein: Ich wusste nicht wer ich war und ich hatte Panik davor, es herauszufinden. Das mickrige Selbstbild, das ich von mir hatte, war mein Ein und Alles. Wenn ich weiter nachgrub, war es möglich, dass ich feststellte, dass ich in Wirklichkeit noch mickriger war als angenommen. Und das würde mir auch noch das letzte bisschen Freude nehmen. Es erschöpfte mich, ständig auf Achse zu sein und nicht zur Ruhe zu kommen. Ich schlief wahnsinnig lange, wenn ich die Möglichkeit dazu hatte. Wenn ich alleine war, hatte ich den Eindruck, meiner erdachten Fehlbarkeit so nahe zu sein, dass es für mich kaum auszuhalten war. Schon lange im Voraus plante ich meine Wochenenden und Abende, damit ich ja nicht auf den Gedanken kam, über mein Leben nachzudenken.

Wie verlor ich diese Angst?

Es wurde erst besser, nachdem ich mir eine Aufgabe für das Alleinsein gesucht hatte. Als ich begann, meinen Roman zu schreiben, begann ich auch, das Alleinsein zu lernen. Sehr schnell drehte sich das Ganze um: Ich brauchte nun Zeit für mich, um überhaupt voranzukommen und ich begann, diese Zeit regelrecht zu genießen. Ich spürte, dass Ideen in mir waren, die ich nur noch aufs Papier zu bringen brauchte. Ideen, die ich gar nicht wahrgenommen hatte, als ich ständig unterwegs war.

Und als ich begann, das Alleinsein zu lieben, begann ich vorsichtig und sehr zögerlich, mich selbst zu lieben. Noch erkannte ich es nicht, noch wagte ich es nicht auszusprechen, in der Angst, die zarte Pflanze zu zerstören, die da in der Dunkelheit heranwuchs.

Durch das Alleinsein war es mir endlich möglich, mir selbst zuzuhören. Ich hörte die Stimme in mir, nicht die Stimmen all der anderen, die ständig auf uns einprasseln und uns sagen wollen, wie wir unser Leben zu leben haben. Sie war ziemlich leise, doch sie war da. Sie war es, die mir sagte, dass ich weiterschreiben soll. Dass das Schreiben mich dazu bringen wird, der leisen Stimme noch mehr zuzuhören, und dass mich das sehr glücklich machen wird. Noch wusste ich all das nicht. Ich wusste nur, dass es richtig war, alleine zu sein und dieser Stimme zu lauschen. Meinen Leidenschaften zu folgen.

Wie kann auch dir das Alleinsein dabei helfen, deine Leidenschaften zu entdecken?

Diese leise Stimme, die zu uns spricht, haben wir alle. Aber wenn wir die ganze Zeit auf Achse sind und uns mit anderen Leuten oder auch mit dem brabbelnden Fernseher oder Radio umgeben, hören wir diese Stimme nicht. Dabei führt sie uns direkt zu dem, was wir lieben! Dabei weiß sie ganz genau, was gut für uns ist!

Als ich kapiert habe, dass diese Stimme genialer ist, als mein beschränkter Verstand, war das ein ziemlich berührender Augenblick. Ich bin der Überzeugung, dass sich dieser Moment nicht künstlich erzeugen lässt – er kommt einfach, wenn die Zeit dafür da ist. Da kannst du noch so viele Ratgeber lesen. In dem Moment, wo du die innere Stimme laut und deutlich hörst, kannst du all die Ratgeber ohnehin in den Müll werfen. Und diesen Blog mit dazu. Dann brauchst du das Alleinsein nicht mehr zu lernen. Denn dann steht dir nichts mehr im Weg zu einem freudvollen Leben, das jeden Tag besser und besser wird!

Wie kannst du das Alleinsein lernen?

Falls du nicht zu den Glücklichen gehörst, die jetzt schon das Alleinsein regelmäßig zelebrieren, solltest du Schritt für Schritt dorthin finden. Man kann Alleinsein lernen. Die Meditation ist natürlich der Königsweg, doch das mag für den Anfang eine zu große Hürde sein.

Überlege dir, ob es etwas gibt, das du zu einem früheren Zeitpunkt in deinem Leben gerne alleine gemacht hast: Lesen, Baden, Spazieren gehen, in der Sonne liegen, die Sterne anschauen, Malen, Schreiben, Kochen, Handarbeit, Musizieren,… Dir fallen bestimmt noch viele Dinge ein. Was hast du als Kind gemacht, wenn das Nachbarskind mal nicht mit dir spielen konnte? Wie hast du dich beschäftigt? Was hindert dich daran, es nochmal zu versuchen?

Du merkst: Durch diese Tätigkeiten probierst du aus, ob du sie gerne tust und ob sie dir heute noch gefallen. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn dir etwas, das du früher toll fandest, heute keinen Spaß mehr macht. Aber: Suche weiter und höre immer wieder in dich hinein. Wie fühlt es sich an? Gut? Seltsam? Wieso seltsam? Weil jemand einmal gesagt hat, dass es unnütz ist? Sieh dir genau an, welche Stimmen von außen kommen und wo sich deine eigene innere Stimme zu Wort meldet. Folge ihr. Schau, was sich gut anfühlt und mache mehr davon. Schau genau, was die Begeisterung in dir weckt!

Ich bin mir sicher, dass du genauso viel über dich selbst lernen kannst, wie ich es getan habe, wenn du lernst, alleine zu sein. Seien es auch nur wenige Minuten täglich am Anfang. Bald werden es für dich heilige Minuten sein, denn in ihnen wirst du merken, wohin dein Lebensweg dich führen soll. Denn wenn du still bist, spricht die Stimme zu dir. Sie erzählt dir von deinen Leidenschaften, von deinen Träumen und von einem Leben, das sich einfach nur richtig anfühlt.

 

Bist du gerne alleine? Wenn ja: Was machst du dann am liebsten? Wenn nein: Warum glaubst du, dass es dir so schwer fällt?

 

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16 Kommentare

  1. Hey Anna,

    freut mich zu hören, dass du an der Stelle, an der andere depressiv werden, den Zugang zu dir selbst gefunden hast.

    Ich liebe es, alleine zu sein! Aus den von dir angesprochenen Gründen und weil man einfach viel produktiver ist, wenn man nicht ständig von anderen unterbrochen oder gar runtergezogen wird 😛

    Es ist ungemein wichtig, dass man genug Zeit mit sich selbst verbringt. Denn nur so lernt man sich selbst kennen:

    Selbstreflektion schließt per Definition andere aus.

    Liebe Grüße
    Jonas

    • Lieber Jonas,
      die depressiven Phasen habe ich jetzt hoffentlich endgültig hinter mir gelassen. Manchmal kann ich es immer noch nicht fassen, wie gut es mir durch eine einfache Verändernug der Perspektive tatsächlich geht. Ich war lange Zeit der Überzeugung, dass ich das niemals erleben werde. 😉 Das Runterziehen ist tatsächlich ein Problem, wenn man bedenkt, dass unglaubliche viele Leute ihre Zeit mit Jammern verbringen. Da fällt es einem ziemlich schwer, sich abzugrenzen. Wenn man öfter alleine ist, ist das viel einfacher.
      Freut mich, dass auch du ein „Gerne-Alleinbleiber“ bist! 🙂
      Alles Liebe
      Anna

  2. Durch meine Introversion bin ich sogar sehr gerne allein. Ich brauche das sogar, um wieder aufzutanken. Entsprechend habe ich auch „introvertierte“ Hobbies – wie Lesen, Zeichnen, Fotografieren und Bloggen. Wenn ich alleine bin, kann ich wunderbar auftanken. Oder einfach nur ein Nickerchen machen. Ich genieße das sehr.

    Dein Blog gefällt mir übrigens sehr gut. Habe Dich kürzlich erst gefunden und lese seitdem gerne und regelmäßig mit. Freue mich auf jeden neuen Beitrag von Dir.

    Liebste Grüße
    Sofaheldin

    • Hallo Sofaheldin!
      Dein Name lässt ja schon einiges erahnen! 😉 Oh ja – Nickerchen machen stehen bei mir auch ganz hoch im Kurs. Für mich ist das etwas sehr Liebevolles, das ich mir so viel Zeit gönne, um sie einfach zu verschlafen. Ich habe zwar auch extrovertierte Hobbys, aber die introvertierten liegen mir mehr am Herzen. Bei ihnen spüre ich mich selbst ganz deutlich und das tut einfach gut!
      Mich freut es sehr, dass dir mein Blog gefällt! Ich werde mir gleich mal deinen vornehmen!
      Alles Liebe dir
      Anna

  3. Liebe Anna,
    ein wundervoll geschriebener Artikel, ganz unabhängig vom Inhalt habe ich den Artikel sehr gerne gelesen, weil dein Schreibstil so angenehm ist.

    Die Meditation ist der Königsweg – was für eine dichterische Formulierung. Richtig schön! 😀

    Ich mag die innere Stimme, von der du sprichst. Ich verbringe ziemlich viel Zeit alleine und möchte zum Thema hinzufügen: Selbst wenn du alleine bist, dann kannst du dich sehr einfach von dir selbst ablenken. Du hast das Radio oder den Fernseher ja bereits erwähnt. Aber auch das Internet ist ein super Medium zur Ablenkung.

    Die innere Stimme ist in uns drin und wir brauchen kein Gerät dafür. Auch ich muss mir das immer wieder in Erinnerung rufen. Das Schreiben hilft übrigens auch mir dabei, einen Weg zu mir zurück zu finden. 🙂

    • Lieber Micha,
      die letzten beiden Wochen saß ich viel an meinem Roman, vielleicht fließt dieser Schreibstil ein wenig in meinen Artikel ein. 😉 Vielen Dank für die Blumen! (Warum geht mir dabei die Titelmelodie von Tom & Jerry im Kopf herum??)

      Mit deiner Anmerkung hast du natürlich vollkommen recht. Da ich persönlich kaum Radio höre oder TV schaue, hab ich das nur am Rand erwähnt, aber das Internet hab ich nicht bedacht, weil das vielleicht ein dunkler Fleck in meiner Landschaft ist. 😉 Ich folge mit diesem Blog hier meinen Leidenschaften. Dafür brauche ich das Internet, doch ich merke immer wieder, wie schnell ich mich darin verlaufe und wie das dann anstrengend für mich wird und Kraft saugt anstatt gibt. Eigentlich könnte ich darüber einen kompletten Artikel schreiben! Danke für die Anregung!

      Alles Liebe dir
      Anna

  4. Liebe Anna,

    herzlichen Dank für diesen schönen Beitrag, der in mir ein Licht hat aufgehen lassen: Ich dachte immer, ich sei nicht gern allein. Aber das ist es gar nicht. Ich bin gern allein. Aber dann arbeite ich. Ich bin auch Bloggerin und ich schreibe E-Bücher und erstelle E-Kurse. Ich tue das sehr gern, aber häufig treibt mich auch Existenzangst, noch mehr zu arbeiten, und dann wird’s stressig.

    Deshalb suche ich nach Abwechslung. Ich habe nur immer gedacht, allein mit mir zu sein hieße, ich müsse dann gar nichts tun. Denn wenn ich ehrlich bin, ich lenke mich immer ab von meinen Gedanken. Manchmal so sehr, dass es mich stresst. Ich liebe es z. B., Blogs zu lesen und von Coaches (Business und Leben) neues zu lernen. Aber z. Zt. ist es mir mal wieder zu viel. Ich höre ja meine eigene Intuition gar nicht mehr. Um sie zu hören, geh ich dann z. B. in die Badewanne.

    Was ich tue, wenn ich allein bin und nicht arbeite? Ich höre gern Romane als Hörbücher (meine Art zu „lesen“). Ich spiele Ukulele, nur zum Spaß. Und ich buddle gerne im Kräutergarten meines Balkons. Das letztere macht mich richtig glücklich. Über letzte beide Hobbies bin ich besonders froh, weil die mal keinen Bildschirm haben. Zwar hab ich seit Jahren keinen Fernseher, aber das Internet kann einen wirklich gefangen halten.

    Schöne Grüße aus Dresden. Sandra

    • Liebe Sandra,
      in der Badewanne höre ich meine Intuition auch immer ganz laut. Ich glaube, sie mag das warme Wasser. 😉 Ich bin auch über meine bildschirmfreien Hobbys froh, so sehr ich das Schreiben auch liebe, sagt mir mein Körper immer wieder deutlich, wann ich gefälligst an die frische Luft zu gehen und mich zu bewegen habe. Dafür bin ich ihm auch sehr dankbar, denn auch mich zieh das Internet und meine To-Do-Liste für Blog & Co. immer wieder in ihren Bann und es wird mir dann einfach zu viel, selbst wenn ich alleine bin. Wie bei allem im Leben ist es wichtig, hier die Balance nicht zu verlieren.
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  5. Ich liebe es alleine zu sein. Als Kind war ich es meist gezwungenermaßen, denn ich war ein Aussenseiter, trug „seltsame“ Klamotten und war eben nicht beliebt. Ich habe schon sehr früh gelernt mit mir alleine zu sein, und heute bin ich sehr dankbar dafür. Dadurch konnte ich früher schon meine Kreativität finden und sie heute für mich nutzen.
    Heute habe ich durch meine Arbeit kaum Zeit für soziale Kontakte. Da ich Schicht arbeite, sind Treffen kaum drin, denn wenn ich mal frei habe, dann bin ich meist zu müde um großartig herumzufahren. Lieber genieße ich einen langen Spaziergang in der Natur, oder ich widme mich meinen kreativen Dingen. Ich mache eben das Beste draus, und es geht mir gut damit 🙂
    Davon mal abgesehen möchte ich mich mit meinen kreativen Dingen wie Schmuckherstellung und Musik iiiirgendwann mal selbstständig machen. Von daher hatte die „Einsamkeit“ von damals etwas wirklich Gutes 🙂
    Vielen Dank für den Eintrag.

    Viele Grüße,
    Sandra

    • Liebe Sandra,
      stimmt, das Alleinsein in der Kindheit weckt die Kreativität. Ich hatte zwar Freunde, doch wenn die mal keine Zeit hatten, habe ich mich als Einzelkind mit mir selbst beschäftigt. Und das stundenlang. Ich habe mir Geschichten mit meinen Tierfiguren ausgedacht und meiner Fantasie freien Lauf gelassen. So habe ich mir auch damals das Keyboard- und Gitarrespielen beigebracht und sehr viel Musik gemacht. Da haben wir echt was gemeinsam! 😉 Ich wünsche dir sehr viel Erfolg mit deinem Plan in die Selbstständigkeit. Wenn du mit Leidenschaft dabei bist, wird es letztendlich klappen, da bin ich mir sicher!
      Alles Liebe dir!
      Anna

  6. Alleinsein lieben lernen ist das allerwichtigste für die eigene Persönlichkeitsentwicklung 🙂 sehr schöner Artikel! Ich liebe es alleine zu sein und freu mich dann aber auch immer extra viel auf Treffen mit Freunden oder auch Fremden 🙂 ich kann das dann sozusagen noch mehr genießen.

    • Ich weiß genau, was du damit meinst, dass du nach dem Alleinsein das Zusammensein mehr genießen kannst. So geht es mir auch! 🙂

  7. Hallo Anna

    Ich lerne das Alleinsein gerade. Ich fange es an zu genießen. Jetzt wage ich mich an die Meditation ran. Viell könnte mir einer einenTipp geben wie ich es erlernen könnte. Ich möchte die innere Stimme auch gerne hören. Ich bin gerne mit meinem Garten beschäftigt und geh Spazieren. Lg Finde deinen Block klasse.

  8. Danke für den Artikel. Ich habe ihn mit Freude gelesen. Seid 2 Jahren leide ich unter Panikattacken wenn ich alleine bin. Jetzt sehe ich die Sache etwas anders. Ich habe 2 Jahre Starke Angst lösende Tabletten genommen, habe Gott sei dank den Absprung geschafft. Aber die Angst Anfälle hatte ich drotz Tabletten. Ich muss lernen das Alleinsein zu genießen. Danke für die schönen Worte

    • Hallo Hanne,
      ich wünsche dir ganz viel Kraft, Mut, aber auch Freude dabei, das Alleinsein zu erlernen. Inzwischen ist es bei mir genau andersrum: Ich werde richtig gereizt, wenn ich nicht genug Zeit alleine für mich haben kann.
      Alles Liebe dir!
      Anna

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