Vom etwas anderen Umgang mit Ängsten

Ängste

Ängste gehören zu den großen Hemmnissen des Lebens. Sie hindern uns so oft daran, etwas zu tun, was wir eigentlich tun wollen. Oft sind sie unlogisch und haben ihren einstigen Nutzen (Hilfe, Säbelzahntiger!) schon längst verloren. Doch wusstest du, dass es einen anderen Weg gibt, sie loszuwerden, als sie zu überwinden?

Die Angst und ich – ein Dauerthema

Ängste waren in meinem Leben immer ein großes Thema gewesen. Bevor ich mir im letzten Jahr selbst erlaubte, mich als wichtigste Person in meinem Leben zu betrachten, hatte ich wahrscheinlich den Höhepunkt (oder vielmehr Tiefpunkt) erreicht. Es gab kaum mehr etwas, wovor ich keine Angst hatte. Meine Selbstsicherheit war auf dem Nullpunkt und ich wollte am liebsten gar nicht mehr aus dem Haus gehen, was mich gleichzeitig auch wurmte, da ein anderer Teil von mir genau das immer wollte. Dieser Zwiespalt war manchmal so unaushaltbar, dass ich regelrecht daran verzweifelte.

Von einem Psychologie-Prof hatte ich einmal gehört, dass die Angst mit jedem Mal, bei dem wir sie zu umgehen versuchen, wächst. Ich hatte beispielsweise, und habe manchmal auch immer noch, eine fast unbegründete Angst davor, fremde Menschen anzurufen. Alleine der Gedanke, jemand Falschen am Hörer zu haben oder den anderen zu stören, war für mich unerträglich. Das war selbst bei ganz normalen Terminen so und ging so weit, dass ich lieber persönlich vorbeiging (was mir seltsamerweise nicht so viel ausmacht), jemand anderen anrufen ließ, eine E-Mail schrieb (was ja so easy in unserer Zeit ist) oder etwas schlicht und einfach an der Tatsache, anrufen zu müssen, scheitern ließ. Ich weiß, wie irrational diese Angst ist und ich bin mir auch nicht sicher, woher sie ihren Ursprung hat, aber ich spüre, dass mit jedem Mal, bei dem ich mich entscheide, eine Mail zu schreiben, die Angst wächst, bzw. nicht geringer wird. Ich habe dieses Vermeidungsverhalten so sehr einstudiert, dass ich mich manchmal regelrecht zwingen muss, überhaupt darauf aufmerksam zu werden und es als solches zu bemerken.

Angst? Konfrontationstherapie!

Von allen Seiten hört man, man soll sich seiner Angst stellen, die Konfrontation sei die wirksamste Therapie. Sprich: Wenn man eine Spinnenphobie hat, sollte man sich in ein Zimmer voller Spinnen setzen und diese Spinnen „einfach aushalten“. So lange, bis der Körper merkt, dass sie keine Gefahr darstellen und die Angst nachlässt. Puhh – ich habe jetzt keine direkte Spinnenphobie, aber in einem Raum voller Spinnen muss ich nun auch wieder nicht gewesen sein. Die Konfrontationstherapie mag vielleicht die am schnellsten wirksamste sein, aber sie ist auch die anstrengendste, die schwerste. So schwierig, dass man sich gar nicht aus sie einlässt. Oder würdest du als Spinnenphobiker ernsthaft auch nur den Gedanken daran fassen, dich in einen Raum voller Spinnen sperren zu lassen?

So ging es mir mit dem Anrufen. Ich habe mich geweigert, es zu machen. Punkt. Außer in absolut dringenden Fällen habe ich es einfach gelassen. Und obwohl ich mich niemals einer Therapie (ob von außen bestimmt oder selbst auferlegt) unterzogen habe, merke ich nun jedoch, wie ganz langsam selbst diese starke Angst von mir abfällt. Und das ohne Konfrontationstherapie und ohne dass ich mich explizit mit dem Thema „Angst“ beschäftigt habe.

Wie ist das möglich?

Grundvertrauen als deine Basis

Seit ich begonnen habe, das Leben zu lieben, fühle ich mich in diesem Universum auf eine unglaublich schöne Art sicher und geborgen. Ich habe den Eindruck, dass die Welt schon auf mich aufpasst und dass mir keine Aufgaben gegeben werden, die ich nicht in der Lage bin, zu bewältigen. Ich bin der Meinung, dass nichts ohne Grund in mein Leben tritt. Wenn sich mir eine Möglichkeit anbietet, will sie ausprobiert und gelebt werden. Wenn ich mich in das Gefühl dieses Grundvertrauens begebe, spüre ich, wie die Angst beginnt zu bröckeln, bis sie schließlich gänzlich von mir abfällt. Ich habe dann den Eindruck, als sei ich mit einem tiefen Kern in mir verbunden, und wenn das geschieht, kann mir niemand mehr etwas anhaben.

Wo sich früher unbesteigbare Felswände auftaten, sehe ich jetzt Hügel, die ich mühelos emporlaufen kann. Wenn man mit sich im Reinen ist, wenn man voller Begeisterung lebt und seinen Leidenschaften nahe ist, löst sich das Thema „Angst“ also seltsamerweise beinahe von alleine auf. Und hier hatte mein damaliger Prof unrecht: Man braucht, wenn man diesen Seinzustand erreicht hat, keine Konfrontationstherapie mehr, weil man die Ängste langsam, Schritt für Schritt schlicht und einfach nicht mehr als solche empfindet. Man sieht Herausforderungen und Möglichkeiten, zu wachsen und sich zu entwickeln.

Lass die Ängste einfach mal Ängste sein

Wenn du große Ängste in deinem Leben hast: Anstatt dir die ganze Zeit einzureden, sie alle unbedingt sofort überwinden zu müssen (wenn man es mal wieder nicht schafft, ist man nämlich sehr frustriert, was dazu führt, dass man es beim nächsten Mal gar nicht erst versucht), könntest du einfach versuchen, sie zunächst beiseite zu schieben. Kümmer dich nicht so sehr um sie, nimm sie nicht allzu wichtig, schenke ihnen keine Aufmerksamkeit. Kümmere dich stattdessen um dich selbst, um dein eigenes Wohlbefinden.

Sorge dafür, dass du dein Leben voller Begeisterung leben kannst, dass du Freude hast an deinem täglichen Tun, dass du empfindest, wie es ist, fähig zu sein. Und du wirst eines Tages feststellen, dass deine Ängste immer kleiner werden, bis sie schließlich ganz verschwinden. Beinahe von alleine. Dann wird das Thema „Angst“ einfach kein Thema mehr für dich sein.

Ja, es war mal ein Dauerthema für mich. Jetzt ist mein Thema „Vertrauen“. Selbst, wenn ich in eine Situation komme, in der ich mich nicht zu etwas überwinden kann, verurteile ich mich nicht dafür. Ich vertraue darauf, dass der Zeitpunkt eben noch nicht dafür reif war. Er wird kommen. Es gibt nichts zu bereuen, denn alles geschieht zu seiner Zeit. Ich überwinde meine Ängste nicht mehr. Ich warte einfach nur ab, bis sie nicht mehr da sind. Dann sind da nur noch Herausforderungen, die ich gerne annehme; auf die ich mich freue.

Natürlich ist das kein Weg, den du von heute auf morgen gehen kannst. Aber du kannst beginnen, ihn zu gehen. Nimm dich an, akzeptiere dich. Mache dich zum wichtigsten Menschen in deinem Leben. Und Schritt für Schritt werden Ängste auch kein Thema mehr in deinem Leben sein. Es wird mit den kleinen Ängsten beginnen und sich immer mehr ausweiten – proportional zu deinem Maß an Grundvertrauen und Selbstliebe. Beginne heute. Tue dir etwas Gutes und suche dir ein Beispiel dafür, dass das Leben gut zu dir ist! Das ist der erste, wichtige Schritt in einem Leben ohne Angst.

 

Spielt Angst in deinem Leben eine wichtige Rolle? Wie gehst du bisher mit ihr um?

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11 Kommentare

  1. Voll der geile Ansatz, Anna!

    Ich find die Fragen, die du dir stellst und die damit verbundene Ebene der Achtsamkeit unfassbar schön. Bei dem Thema Angst ist es tatsächlich völlig kontra-intuitiv sich den Ängsten nicht zu stellen. Ich stelle mich meinen Ängsten immer wieder, zumindest mental und will sie beobachten, um aus ihnen zu lernen.

    Doch der Ansatz, den du erklärt hast, hat einen riesigen Vorteil, den ich bisher nicht so deutlich beleuchtet habe. Es ist ja tatsächlich so, dass nicht die Angst selbst der Auslöser für unsere Probleme ist, sondern unser Umgang mit ihr.

    Wenn du jetzt dein Leben oder besser gesagt deine Einstellung zum Leben um die Angst herum veränderst, ohne dich auf die Angst zu konzentrieren, dann veränderst du indirekt deine Einstellung zur Angst mit. Wie du sagtest, siehst du sie früher oder später als Herausforderung oder als Möglichkeit zu wachsen oder als Hinweis für eine tolle (Lern-)Erfahrung, der du dich entziehst.

    Es ist super, wie du hier den Umgang mit der Angst beschreibst. Ohne, dass es sich direkt um das Thema Angst drehen muss. Das ist ein völlig unübliches Konzept für mich, aber ich sehe die Wirkungsweise und bin begeistert.

    Es fällt mir natürlich viel viel leichter, mich erst einmal mit meiner Einstellung zum Leben allgemein zu beschäftigen und mich dabei sogar noch den schönen Seiten des Lebens zu widmen.

    Ich find’s gerade nur so schockierend genial, dass das ja tatsächlich Einfluss auf deine Einstellung zur Angst haben kann. Das find ich so gut!

    Danke dir für den Beitrag 🙂
    Micha

    • Hey, das freut mich riesig, lieber Micha! Wie schön, dass auch mein „unübliches Konzept“ Anklang findet! 🙂

      Die Erkenntnis zum Umgang mit der Angst kam mir auf einem Spaziergang. Da fiel mir auch die Metapher der Tür dazu ein. Ich hatte nämlich plötzlich den Eindruck, dass ich mein ganzes Leben lang versucht habe, gegen verschlossene Türen zu rennen, obwohl alles, was ich lediglich meinen Blick zur Seite richten musste, um zu sehen, dass man außenrum gehen kann, um die Tür einfach von innen zu öffnen. Irgendwann bekommt man mit viel Gewalt die Tür auch von außen auf, aber der Preis dafür sind jede Menge blaue Flecken! 😉

  2. Sehr schöner Beitrag Anna,

    erkenne mein früheres Verhalten in deinen Schilderungen auch wieder. Heute ist die Angst mein bester Freund, denn hinter der größten Scheiße liegt der größte Gewinn. Die Angst zeigt dir den Weg.

    LG

    Matthias

  3. Pingback: Hör nicht auf mich - hör auf dich! - Adios Angst - Bonjour Leben

  4. Ja, manchmal sind ganz andere, grundsätzliche Sachen im Argen. Aus dieser Grundhaltung sind die „offensichtlichen“ gespürten Ängste viel negativer und lähmender. Wenn es einem gut geht, kann man anders mit Ängsten umgehen (und sich manchmal auch die Freiheit nehmen, mit gutem Gefühl, sich manchen Ängsten noch nicht zu widmen).
    Ich finde diesen Zusammenhang, den du schilderst, sehr interessant. Ich erlebe gerade selbst, wie es sein kann, dass eben auch Positives, immer mehr Positives und Schönes mit sich zieht. Dass das auch sorum geht finde ich nur gerecht. 😉 Mit dem Gegenteil kenn ich mich schon gut aus – Scheiße hat immer mehr scheiße mit sich gezogen – und das in den unterschiedlichsten Bereichen. Schön zu erleben, dass es andersrum auch so funktioniert.
    Vielen Dank für deine tollen Artikel! Das Thema „Komfortzone“ fand ich auch spannend behandelt. Eine Entspannung für den Kopf! Dein Beitrag zum Reisen (bzw. Nicht-Reisen) fand ich auch irgendwie sehr cool. Ich werde öfter mal vorbeischauen. Dein Blick auf die Dinge hat was – und den kannst du wunderbar zum Ausdruck bringen.

    • Hallo Allie!
      Freut mich sehr, dass du jetzt öfter vorbeischauen möchtest und danke dir für deine lieben Worte!
      Dass Schönes immer mehr Schönes mit sich zieht, kann ich zu 100% bestätigen. Und ja – mit dem Gegenteil kenne auch ich mich aus. Finde ich super, dass du diese „Gesetzmäßigkeit“ für dich entdeckt hast – so steht einem gigantischen Leben nichts mehr im Weg! 🙂
      Ich wünsche dir alles Liebe auf deinem Weg und hoffe, dass wir uns nochmal lesen!
      Anna

  5. Danke! Du gibst mir gerade die Motivation, mich gedanklich wieder zu entspannen und mich besser zu fühlen. Das ist bei mir immer ein Auf und Ab. Gerade bin ich mal wieder in einem Tief, da es im Studium nicht so klappt, wie ich das von mir erwarte und ich überlege, mir mehr Zeit zu nehmen, wodurch das Studium aber länger werden würde. Da das schon der Master ist, macht mir das aber Sorge, da ich nicht weiß, wie sowas von außen aufgefasst wird. Wenn ich jetzt aber das alles so durchziehe, stehe ich wohl wie nach dem Bachelor da und habe das Gefühl, zwar auf dem Papier gut zu sein, aber noch nicht bereit zu sein für das Leben da draußen in der Berufswelt. Denn man schafft es auch ganz gut durch’s Studium, ohne nebenbei Berufserfahrung zu sammeln. Womöglich ist es aber genau diese, die am Ende bei der Jobsuche zählt.
    Diese innere Unruhe und Unsicherheit macht es mir schwer und oft möchte ich mein eigenes Tempo gehen. Z.T. komme ich ganz zum Stillstand und bisher hat das auch nie Konsequenzen gehabt, was vielleicht gar nicht so gut ist.

    Vielleicht schaue ich in Zukunft mal öfter bei dir vorbei.
    Liebe Grüße 🙂

    • Hallo lieber Christian und vielen Dank dir für deinen Kommentar!
      Ich kenne solche Phasen von Auf und Ab mehr als nur gut und kann mich absolut in dich hineinversetzen! Das Einzige, was in einem solchen Zustand hilft, ist ihn völlig anzunehmen. Ich weiß, das ist verdammt schwer. Aber ich habe die Erfahrung nun schon mehrmals gemacht: Wenn es einem gelingt, wird man daraufhin mit einem wahnsinnigen Entwicklungssprung und völliger Klarheit belohnt. Wann diese Belohnung kommt, wissen wir natürlich nicht, das ist so ein wenig der Haken an der Sache. 😉 Aber es lohnt sich wirklich, sich einzugestehen: Ich bin gerade völlig verwirrt und weiß nicht weiter. Das fühlt sich nicht gut an. Und genau das machst du ja schon, indem du mir darüber schreibst. Du bist auf dem richtigen Weg, auch wenn sich das ganz und gar nicht danach anfühlt. Vielleicht hast du Lust, meinen Podcast anzuhören, bei dem ich über Krisen spreche? Ich glaube, er könnte dir in deiner Situation Mut machen: http://www.passionflow.de/leben-verwandeln/
      Es würde mich sehr freuen, in Zukunft noch öfter von dir zu lesen!
      Alles Liebe dir!
      Anna

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