Warum du dringend Egoist werden solltest

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Egoisten sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Sie helfen niemandem und fühlen sich für nichts verantwortlich außer für ihr eigenes Wohlergehen. Kurz: Sie sind in unserer Gesellschaft nicht unbedingt beliebt und wenn dich jemand als Egoist betitelt, meint er oder sie das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht als Kompliment. Denn wer hängt schon gerne mit jemandem ab, von dem man weiß, dass er sich selbst über alle anderen stellt?

Schauen wir uns mal genauer an, was das Wort „Egoist“ eigentlich bedeutet.  „Ego“ bedeutet „Ich“ – so viel wissen wir alle. Also ist ein Egoist jemand, der auf sich selbst bezogen ist, sich womöglich auch noch liebt!

Wenn es bedeutet, dass ein Egoist sich selbst liebt, bin ich ein Egoist.

So, jetzt ist es raus. Ich habe mich als Egoist geoutet. Jetzt werden mich sicher all meine Freunde verlassen. Und hassen. (Hui, das reimt sich. Könnte fast ein Song werden.) Doch die werden (hoffentlich!!!) bestätigen, dass ich ihnen auch mal helfe, dass ich mich für sie interessiere, ihnen zum Geburtstag gratuliere, mich entschuldige, wenn ich etwas falsch gemacht habe und allgemein meistens ein ziemlich netter Mensch bin. Ich scheine also nicht der Klischee-Egoist zu sein. Aber dennoch finde ich es unglaublich wichtig, sich selbst zu lieben und gut zu finden.

Ich bin der einfachen Meinung, dass man erst einen richtig wertvollen Beitrag für die Allgemeinheit leisten kann, wenn man sich selbst liebt.

Mist, enttarnt. Ich möchte einen Beitrag für die Allgemeinheit leisten und das ist nun ganz und gar nicht egoistisch. Ich gebe ja zu, mit dem Titel ein wenig zu provozieren. Und auch wenn ich kein echter Egoist bin, so denke ich doch, dass wir alle jede Menge von Egoisten lernen können:

1. Du bist der wichtigte Mensch in deinem Leben

So einfach ist das. Wenn du diesen Blog schon länger liest, wird dir aufgefallen sein, dass mir dieser Satz unglaublich wichtig ist. Denn: Wenn es dir so richtig gut geht, hast du Energie, die du in die Welt tragen kannst. Erst dann kannst du so richtig für andere da sein. Wenn es dir nicht gut geht, hast du keine Kraft und tendierst zur Passivität.

2. Alles dreht sich nur um dich

Leider können wir nicht Gedanken lesen. Das bedeutet, dass du von niemand anderem sagen kannst, wie er sich wirklich fühlt und was er denkt. Und umso weniger kannst du andere beeinflussen. Wir möchten so oft und so gerne andere verändern – der Freund soll endlich mehr im Haushalt helfen, die Mutter nicht mehr so viel kritisieren, der Hund nicht mehr in die Wohnung kotzen. Und fühlen uns dann hilflos, wenn es nicht funktioniert. Die gute Nachricht: Du kannst dich selbst verändern. Wenn sich alles nur um dich dreht, bedeutet das, dass du beeinflussen kannst, wie du selbst andere wahrnimmst. Und das verändert häufig alles. Dann sehen wir vielleicht, dass der Freund einen wahnsinnig stressigen Tag hatte, die Mutter selbst früher so oft kritisiert wurde, dass sie es nicht anders kennt, und du dem Hund verdorbenes Futter gegeben hast. Alles ist von dir abhängig!

3. Es ist die beste Voraussetzung dafür, deine Leidenschaften zu entdecken

Wenn du ständig das Gefühl hast, erst noch tausend andere Sachen erledigen zu müssen, bevor du dir endlich mal Zeit für dich nehmen kannst, wird es verdammt schwierig mit den Leidenschaften. Du musst dir zugestehen, dass du es wert bist, dass es dir auch mal gut geht. Erst wenn du das schaffst, wenn du es dir erlaubst, glücklich zu sein – erst dann hörst du auf, dich dafür zu rechtfertigen, dass du keine Zeit dafür hast, deinen Leidenschaften zu folgen. Und das führt uns zum nächsten Punkt:

4. Du nimmst dir Zeit für dich selbst

Wenn du in der Lage bist, dir die Zeit zu nehmen, die dir für dich wichtig ist, bist du schon auf einem verdammt guten Weg. Wie viel Zeit das ist, entscheidest du ganz alleine. Wichtig ist, dass du in dieser Zeit etwas tust, das du liebst und worauf du Lust hast. Vollkommen unabhängig davon, was die anderen sagen oder ob sie dich für verrückt halten. Denn das ist einem Egoisten sowieso egal.

5. Du findest dich ziemlich toll

Du weißt, dass du eine geile Frau oder ein cooler Kerl bist, so wie du weißt, dass morgens die Sonne aufgehen wird. Dir ist klar, was du wert bist, du bist stolz auf deine Leistungen und gefällst dir selbst. Wenn dir etwas nicht gefällt, änderst du es einfach.

6. Du bist glücklich

Wenn du über dein Leben nachdenkst, bist du der Meinung, dass alles ziemlich gut läuft, schließlich erfüllst du deine Bedürfnisse immer wieder selbst. Als Egoist bist du in der Lage, darüber nachzudenken, was du brauchst und es dir einfach zu holen. Und das macht glücklich. Zudem lebst du wahrscheinlich deine Leidenschaften und das macht doppelt glücklich.
Du weißt natürlich auch, dass es sehr glücklich macht, anderen etwas zu geben, einen Wert für die Allgemeinheit zu schaffen, vielleicht auch Anerkennung zu bekommen. Das alles ist einem richtigen Egoisten ziemlich egal. Deswegen solltest du vielleicht auch kein richtiger Egoist werden. 😉

Ich denke, das Wichtigste ist es, zu verstehen, dass wir das vollkommene Glück, etwas von Wert für andere zu erschaffen, kaum erleben werden, wenn wir uns selbst nicht an erste Stelle rücken. Wenn wir selbst zum wichtigsten Menschen in unserem Leben werden, werden wir stark und kraftvoll und selbstbewusst. Du kannst dir das vorstellen wir ein Glas, das mit Wasser gefüllt ist, von dem auch andere trinken können. Wenn das Glas leer ist, verdurstest du und auch die anderen. Dein Job ist es also, dafür zu sorgen, dass es gefüllt ist. Und daran ist überhaupt nichts verkehrt.

Viele von uns sind dazu erzogen worden, sich hintenan zu stellen und sich aufzuopfern. Wenn du das jedoch dauernd machst, saugt das Energie und sorgt für ein leeres Glas. Wie kannst du denn jemand anderem richtig gut helfen, wenn du selbst keine Energie hast? Es ist wirklich wichtig, das zu verstehen, um dein schlechtes Gewissen zu beruhigen, wenn du dir  Zeit für dich nehmen möchtest und dafür vielleicht etwas verschiebst oder absagst. Wenn du dafür sorgst, dass sich das Glas füllt, werden das auch die Menschen in deiner Umgebung schnell merken. Sie werden spüren, wie deine Energie zurückkehrt. Viele werden vielleicht dadurch inspiriert, ihr eigenes Glas zu füllen.

Deswegen: Werde dringend – zumindest ein bisschen – Egoist. Es wird dir und allen anderen mehr als nur gut tun. 😉

 

Findest du es abschreckend, egoistisch zu handeln oder (vielleicht ab und an) vollkommen okay?

 

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15 Kommentare

  1. Ich will aber auch ein geiler Kerl sein und nicht nur cool. 😀

    Spaß beiseite, ich stimme dir zu. Die Glas Metapher eignet sich echt gut für die Beschreibung des Egoisten!

    Wenn du als Egoist gierig bist, dann behälst du das ganze Wasser im Glas für dich und lässt niemanden davon trinken. Doch wenn du auch andere trinken lässt, wirst du bemerken, dass die größte Freude vielleicht beim Auffüllen deines eigenen Glases kommt. Je schneller es von dir und anderen geleert wird, desto öfter kannst du es wieder mit freudigen Aktivitäten (zB deinen Leidenschaften) auffüllen!

    Danke für diese kleine Erkenntnis 😉

  2. Haha, Micha… Du weißt doch inzwischen selbst, dass du ein geiler Kerl bist! 😛
    Vielen Dank für die noch feinere Ausführung meiner Glas-Metapher. Darüber ließe sich vermutlich ein weiterer Artikel schreiben. 😉

  3. Danke Anna!
    Ok, es ist jetzt nicht die neueste Erkenntnis, aber das mag am fortgeschrittenem Alter liegen (also meinem 🙂
    Aber du schreibst so locker flockig weg, dass man einfach nur noch Egoist werden will! Naja, ein klein wenig. Das Bild mit dem Wasserglas ist spitze! Das muss ich mopsen. Selbstverständlich mit Hinweis auf die Urheberin 😉

    Ich bin schon auf die nächsten Beiträge gespannt!

    • Es ist tatsächlich nicht die neueste Erkenntnis, aber manchmal tut uns eine Erinnerung ziemlich gut. Mir selbst tat sie beim Schreiben gut. 😉 Mops gerne das Bild mit dem Wasserglas – je mehr Leute sich daraum Gedanken machen, desto besser! 🙂
      Liebe Grüße
      Anna

  4. Diesen Artikel wollte ich auch schon schreiben 🙂 Jetzt hab ich deinen bei mir auf FB geteilt. Sehr guter Beitrag. Herzlichen Dank.

    • Liebe Sandra,
      ich kenne das auch, dass mir jemand anders zuvorkommt. Das ist schon etwas ärgerlich, aber trotzdem danke, dass du meinen Beitrag geteilt hast! 😉 Ich denke, wenn man anfängt, sich Gedanken über das Leben um Allgemeinen zu machen, kommt man an dem Thema Selbstliebe oder -akzeptanz gar nicht vorbei. Da gibt es aber sicher noch viele andere Aspekte, die du vielleicht beleuchten kannst! Es würde mich freuen, dann davon zu erfahren!
      Liebe Grüße
      Anna

    • Hallo Micha,
      ich nenne es auch gerne Selbstliebe. Der Artikel wurde jedoch von einer Person inspiriert, die ich immer als egoistisch betitelt habe. Doch jetzt merke ich, dass dieser Egoismus eigentlich pure Selbstliebe und Selbstschutz durch Abgrenzung war – also ein vollkommen gesundes Verhalten, das ich aber jahrelang quasi „patologisiert“ habe. In deinem Artikel triffst du genau das auf den Punkt. Außerdem (ich gebe es ja zu) habe ich schon ein wenig mit der Überschrift provoziert. 😉
      Ganz liebe Grüße auch an dich!
      Anna

  5. Es gibt wohl tatsächlich (mindestens) zwei Arten des Egoismus: den guten, von dem auch häufig andere Mitmenschen einen Vorteil haben und den asozialen, der immer auf Kosten anderer geht.
    Als Reisebusfahrer (seit meinem sechsten Lebensjahr mein Traumberuf und jetzt mit 41 nach fast 17 Berufsjahren immer noch meine Leidenschaft 🙂 kommen mir für beide Arten des Egoismus zahlreiche Beispiele aus dem Straßenverkehr in den Sinn. Die asozialen Beispiele haben dabei ganz oft mit Gedankenlosigkeit zu tun.
    Wenn ich dagegen selber an der grün werdenden Ampel ganz egoistisch zügig losbrause, haben auch alle hinter mir was davon.
    Oder stelle dir eine zweispurige Autobahn vor: Gerade bei relativ dichtem Verkehr, wenn also auf der linken Spur kaum schneller gefahren wird als rechts, lässt man mich mit dem Bus kaum nach links wechseln, um an einem LKW vorbei zu fahren.
    Erste Möglichkeit (die egoistische): Ich blinke und drängel mich irgendwo dazwischen, solange ich noch Schwung habe (natürlich nicht so, dass ich jemand gefährde!) und bin relativ zügig am LKW vorbei und wieder rechts. Der Autofahrer, vor den ich mich gedrückt habe, holt seinen Vordermann meist sehr bald wieder ein.
    Zweite Möglichkeit: Ich setze den Blinker und warte demütig ab, bis mich einer zweifelsfrei vor lassen will. Inzwischen habe ich jedoch meinen Schwung verloren und blockiere dementsprechend viel längere Zeit die linke Spur. Der Gesamt-Nachteil für die anderen Verkehrsteilnehmer ist erheblich größer.
    In diesem Sinne:
    Lasst uns soziale Egoisten sein!
    Oder:
    Liebe deinen Nächsten WIE dich selbst
    (hat schon vor 2000 Jahren jemand gesagt 😉
    Viele Grüße (im Moment aus dem Burgenland),
    Carsten

    • Hallo lieber Carsten,
      deine Beispiele aus dem Straßenverkehr sind sehr treffend und auch mir nicht unbekannt. Vielen Dank dir dafür! Und der Typ von vor 2000 Jahren hatte in vielerlei Hinsicht Einiges mitzuteilen und hatte mit dem von dir genannten Spruch sicher auch den Aspekt des gesunden Egoismus bedacht. 😉
      Ganz liebe Grüße
      Anna

  6. Hey ho Anna und alle anderen,

    ich kann Anna nur voll und ganz zustimmen. Obwohl Menschen, die sich Zeit für sich nehmen oftmals als (negative) Egoisten bezeichnet werden, so ist dieses ein wirklich gesellschaftlich positives Verhalten. Warum?

    1. Menschen die sich Zeit für sich nehmen, sind reflektierter und kommen schneller zu Lösungen. Es hilft keinem wenn man sich immer und immer wieder mit Impressionen, Projekten und Aufgaben umgibt und dabei nicht schaut ob es sinnvoll ist, was man da tut. Was mir wichtig ist, ist die sogenannte „Stille Stunde“. Eine Stunde nur für mich, bei der ich schaue ob mich meine Aktionen zu meinem Ziel oder weg von meinem Ziel führen.

    2. Menschen die sich mal zurückziehen sind einfach glücklicher. Genau wie die Ruhe für das Gehirn, braucht man auch die emotionale Ruhe. Einfach mal abschalten und zu schauen welche Emotionen oder Situationen einen noch aufwühlen. Mit diesem Wissen kann man solche Dinge klären und schauen das man zwischenmenschlich wieder ins Reine kommt.

    Generell gilt es einfach zu unterscheiden ob man das „egoistische“ Verhalten zum Wohle einsetzt (sei es eigen oder generell) oder ob man dieses Verhalten so an den Tag legt, dass man andere Menschen damit verletzt.

    Insgesamt kann ich der lieben Anna wie immer aber nur ZUSTIMMEN 😉 Danke!

    • Hey Alex!
      Schön, wieder von dir zu lesen! Du hast wieder einmal tolle Ergäntungen am Start! Oh ja, ohne meine „Stille Stunde“ am Tag geht’s mir auch nicht gut. Auch gut finde ich die Trennung „negative Egoisten“ und „positive Egoisten“, hihihi. 😀
      Ganz liebe Grüße
      Anna

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